Kampagne gegen die Zerstoerung von Computerspielen

Detti04

Well-known member
Hi,

mir ist klar, dass das hier grundsaetzlich nicht das richtige Forum ist, aber wahrscheinlich gibt es auch hier ein paar Leute, die an Computerspielen interessiert sind.

Ross Scott vom youtube-Kanal Accursed Farms (Ross ist derjenige, der das legenadaere Freeman's Mind* kreiert hat) hat jetzt sozusagen offiziell eine Kampagne gestartet, mit der er die Praxis des Zerstoerens von Videospielen illegal machen will. Anlass fuer die Kampagne ist, dass Ubisoft am 31. Maerz die Server fuer das Spiel The Crew abgeschaltet hat. Weil The Crew aber von funktionierenden Servern abhaengt, heisst das: Jede, aber auch jede Kopie des Spiels ist somit unbrauchbar geworden. Es ist also total egal, ob man eine CD von dem Spiel hat, die man mal fuer viel Geld gekauft hat: Man kann das Spiel nicht mehr spielen, weil es keine Server mehr dafuer gibt. Das ist also anders als bei vielen anderen Computerspielen, wo einem offline zumindest noch Single-player Spielelemente bleiben. Hier bleibt nichts: Alle Kopien des Spiels sind nutzlos, und das Spiel mit all seinen Assets ist als Kunstobjekt zerstoert.

Nun ist es nicht das erste Mal, das sowas passiert, ganz im Gegenteil: Sowas wird mehr und mehr gaengige Praxis. Weil Ubisoft aber in Frankreich sitzt und nicht in den USA, ist das jetzt genau der richtige Fall, um aktiv zu werden, denn in Frankreich gibt es guten Verbraucherschutz. Dort besteht also die echte Chance, dass eine Firma mit der Praxis "Ich 'verkaufe' Dir etwas fuer Geld und zerstoere dann ein paar Jahre spaeter das, was Du von mir gekauft hast" nicht durchkommt. Aus diesem Grund geht Ross da jetzt mit aller Kraft ran.

Was ihr tun koennt: 1.) Dieses Video gucken (und an geeigneten Orten, z.B. in anderen Foren verlinken)


2.) Im Video erklaert Ross, welche Petition ihr da in Deutschland wo unterzeichnen koennt. Falls ihr selber Besitzer von The Crew seid, koennt ihr noch mehr tun, aber das erklaert er ebenfalls. Er hat da schon eine Unmenge von Vorarbeit geleistet, weswegen jetzt alles stromlinienfoermig eingerichtet ist, inklusive einer mehrsprachigen Webseite, die euch zu den richtigen Stellen fuehrt:


Es ist ziemlich unklar, ob das Verhalten von Firmen wie Ubisoft legal ist. Daher ist es noetig, dass solche Faelle vor Gericht ode gleich in den Parlamenten landen, denn diese Praxis betrifft grundsaetzlich ja nicht nur Computerspiele, sondern auch viele weiter gestreamten Produkte, die man als User "kauft". Je mehr Leute an den Petitionen teilnehmen, umso groesser ist die Wahrscheinlichkeit, dass es da mal Rechtssicherheit gibt.

---

* Freeman's Mind - Wikipedia
 
Genau diese Rechtslage ist uebrigens ein Grund dafuer, dass ich nie etwas ueber einen Streamingdienst "kaufen" wuerde und stattdessen z.B. gebrauchte CDs kaufe. Streamingdienste meinen mit kaufen naemlich etwas anderes als Du und ich: Wir meinen mit kaufen "ich geb Dir Geld fuer eine Sache, welche dann uneingeschraenkt meine ist", waehrend Streamingdienste damit meinen "Du gibst uns Geld fuer unbeschraenkten Zugang zu einer Sache, solange diese in unserem Sortiment ist und wir existieren". Als Beispiel: Ende letzten Jahres bekamen Playstation-User folgende Email:

"Discovery Entitlements Affected Titles

As of 31 December 2023, due to our content licensing arrangements with content providers, you will no longer be able to watch any of your previously purchased Discovery content and the content will be removed from your video library.
We sincerely thank you for your continued support.
Thank you,
PlayStation Store"


Soll heissen: Ueber den Playstation Store kann man auch anderen Content erwerben, z.B. Fernsehshows. Weil Playstation und Discovery, welches z.B. Mythbusters produziert, sich offensichtlich nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnten, kuendigte Playstation hier an, dass der Discovery-Content dann nicht mehr zur Verfuegung stehen wird, obwohl der User diesen gekauft ("purchased") hat. Keine Entschaedigung, kein nix: Der User hat das Produkt zwar "gekauft", aber Playstation nimmt es ihm ohne Entschaedigungszahlung wieder weg. Einfach so, ohne mit der Wimper zu zucken. (Tatsaechlich kam es letztlich nicht dazu, weil Playstation und Discovery sich auf einen neuen Vertarg einigen konnten, s. hier: Discovery Entitlements Affected Titles )

Ich finde es absolut unmoeglich, das sowas legal ist, und habe auf solche Abhaengigkeiten bei meinen gekauften Produkte absolut keine Lust. Ausserdem bin ich gebranntes Kind, denn mein TiVo-Geraet (=Festplattenrekorder und Receiver mit KI-Lernfunktionen) verlor seine Nuetzlichkeit dadurch, dass der Online-Server fuer die elektronische Programmzeitschrift in NZ abgeschaltet wurde. Durch diese Abschaltung wurden quasi ueber Nacht alle TiVo-Geraete zu nutzlosen Zieglesteinen, und es kostete mich 150$, um mein Geraet durch einen weniger leistungsfaehigen anderen Festplattenrekorder/-receiver zu ersetzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich packe diesen Artikel der australischen Version des Guardian mal hier rein, weil das ja ebenfalls unter die Rubrik "gekaufter Content gehoert dem Kaeufer nicht" faellt:


"[...] That question was on the minds of Telstra TV Box Office customers this month after the company announced it would shut down the service in June. Customers were told that unless they moved over to another service, Fetch, they would no longer be able to access the films and TV shows they had bought.
[...]
Vicki Russell posted on X last week saying she was being asked by Telstra to pay $200 for Fetch to retain access to what she said was $2,500-worth of purchases.

“Years and years of purchasing movies and my whole library is just wiped out. What a shitty thing to do,” she posted. [...]"


(Im Artikel wird nebenbei auch die Abschaltung von The Crew erwaehnt. Ross Scott's Kampagne ist also schon bis zu australischen Journalisten vorgedrungen.)

So sieht eben die Zukunft aus, wenn es nach den Streamingdiensten geht: Du zahlst fuer etwas, was Dir der Anbieter jederzeit ersatzlos wieder wegnehmen kann.
 
Zurück
Oben