Fußballgeschichte - Fußball in der DDR

Es ist fast lächerlich, wie erfahrene User aus der westlichen Welt ein Urteil über die Stasi abgeben.
Null Ahnung was hier im Osten ablief. Träumt weiter, dann haben wir bald wieder November 89:unsure:
 
Der Fußball in Berlin und Ostdeutschland seit 1945 (14)
Mitte 1968 wurde Dynamo Dresden zum Leistungszentrum ernannt und genoß die Vorteile wie die FC's. Das zahlte sich schon 1070/71 aus. Dresden wurde Meister mit einen eigenen Spielstil, der irgendwann Dresdner Kreisel genannt wurde.
Union belegte als Aufsteiger den 5. Platz. Bei mir hatte der Herdentrieb gesiegt. Meine Mitschüler und Freunde hatten mir von der Stimmung An Der Alten Försterei vollgeschwärmt. Mein erstes Unionspiel fand am19.9.1970 gegen Sachsenring Zwickau statt. Seit dem bin ich Zeitzeuge.
Damals war das Zuschauerverhalten noch ganz anders. Wir wechselten zur Halbzeit noch die Seiten. 1.Hz hinter dem Wuhletor und 2. Hz hinter dem Waldseitentor. Einen Gästeblock gab es noch nicht.
Die AF war gerade erweitert worden. Die Gegengerade war aufgeschüttet worden. Es passten jetzt 18000 Zuschauer rein.
Die Antipathie gegenüber "die da aus Hohenschönhausen" bekam erste Nahrung. Deren Spieler behaupteten, dass unser Spieler Klaus Korn einen der Ihrigen mit Stasischwein beschimpft zu haben. Er durfte daraufhin nie wieder Leistungssport betreiben.
 
Der Fußball in Berlin und Ostdeutschland seit 1945 (15)
Von 1970/71 - 1977/78 wechselten sich Dynamo Dresden und der 1. FC Magdeburg beim Gewinn der DDR-Meisterschaft ab. Beide Vereine setzten hauptsächlich Spieler aus dem eigenen Bezirk ein. Bei Dresden war Häfner die Ausnahme. Notgedrungen. Denn es war nicht einfach Spieler aus anderen Bezirken zu verpflichten.
Dresden machte im EC der Landesmeister 1973/74 zwei Riesenspiele gegen die Bayern und musste sich mit 3:4 und 3:3 knappgeschlagen geben.
Den Todesstoß gab den Dresdnern Ulli Hoeneß, als er Ede Geyer davonlief.
Ein Jahr später war es der 1. FC Magdeburg, der gegen Bayern nicht schlecht aussah, aber beide Spiele 2:3 und 1:2 verlor.
Für uns war wieder einmal nach drei Jahren Schluss. Wir stiegen 1972/73 ab.



 
Der Fußball in Berlin und Ostdeutschland seit 1945 (16)
1974 sollte das erfolgreichste Jahr des DDR-Fußballs werden. Ausgerechnet 1974 sollte sich die DDR-Nationalmannschaft für die WM qualifizieren. getoppt wurde das Ganze noch, weil die DDR in der ersten Finalrunde auf Gastgeber BRD traf. Ihr gelang sogar das Kunststück, den späteren Weltmeister am 22.6. im Volksparkstadion zu besiegen. Der Sparwassertreffer ging in die Geschichte ein. In der zweiten Finalrunde war dann aber Schluss. Die Niederlande und Brasilien waren zu stark.
Einen Monat früher gelang der "Auswahl" des Bezirks Magdeburg, dem 1. FC Magdeburg, ins Finale des Europapokal der Pokalsieger zu kommen.
Am 8.5.1974 besiegten die Magdeburger in Rotterdam den favorisierten AC Mailand, mit Schnellinger und Rivera, mit 2:0. Das 2:0 schoss Wolfgang Seguin. Sein Sohn spielt aktuell bei Hertha.
Wir erlitten den nächsten "Schicksalsschlag". Unser Nationalspieler Mäcky Lauck musste nach unseren Abstieg zu"die da aus Hohenschönhausen" wechseln. Grund war die anstehende WM. Da dachten wir noch, dass er nach der WM zu uns zurück kommt.
War aber nicht so. Wir schafften 1974 leider nicht die Rückkehr ins Oberhaus. Wir sollten insgesamt drei Spielzeiten im Unterhaus bleiben.
 
Der Fußball in Berlin und Ostdeutschland seit 1945 (17)
Ein ähnliches Husarenstück, wie ein Jahr davor der FCM, gelang der BSG Sachsenring Zwickau um Ausnahmetorwart Jürgen Croy. Erst schlugen sie im FDGB-Pokal den klaren Favoriten Dynamo Dresden im Elfmeterschießen im Berliner Stadion der Weltjugend, welches bis 1973 Walter-Ulbricht-Stadion hieß, unter Berlinern Zickenwiese genannt.
Im anschließenden Europapokal erreichten die Zwickauer das Halbfinale, wo sie gegen Anderlecht aber chancenlos waren.
Die Nationalmannschaft sicherte sich 1976 den Olympiasieg. Die Nationalmannschaften des RGW genossen damals noch den Amateurstatus.
Für uns Unioner waren 1976 die drei langen Jahre der Zweitklassigkeit endlich vorbei.
Gleich im ersten Spiel im Oberhaus mussten wir gegen den ungeliebten Erzrivalen in der besagten Zickenwiese antreten. An Der Alten Försterei durften wir aus "Sicherheitsgründen" nicht spielen.
Es wurde ein Derby, dass kein Unioner jemals vergessen wird. Erstmal hatten "die da" sowas wie einen kleinen Fanblock. Von uns wurden sie spöttisch mit "Wo ist denn der Kinderchor" begrüßt.
Das Spiel begann optimal. Schon nach 14 Minuten gingen wir durch den damals 18 jährigen Ulli Netz in Führung. Danach lieferte unsere Mannschaft eine legendäre Abwehrschlacht ab, mit eine überragenden Potti Matthies im Tor.
Es sollte mein einziges Spiel in dieser Saison sein. Ich war gerade bei der "Fahne" und hatte glücklicherweise VKu bekommen.
 
Der Fußball in Berlin und Ostdeutschland seit 1945 (18)
Die FC's mussten ihre Talente aus ihren Bezirken selbst entwickeln. Es war sehr schwer "Delegierungen" über die Bezirksgrenzen zu realisieren.
Es gab eine Ausnahme und das waren "die da aus Hohenschönhausen. Sie konnten sich in der gesamten DDR bedienen. Später reichten dann die Talente allein nicht mehr. Sie holten sich fertige Spieler. Frank Pastor und Hartmut Pelka fallen mir da noch ein. Uns nahmen sie mit Detlef Helms, unser damals größtes Talent weg.
Die Fanentwicklung bei "die da" war auch interessant.
Dazu muss man wissen, dass die DDR Anfang der '70er auf eine Anerkennungswelle ritt. Der gesamte Staatsapparat wurde aufgestockt. Aus der ganzen DDR wurden "gute Genossen" rekrutiert. Denen wurden vorrangig ganze neuentstandene Wohnviertel angeboten. Sie blieben weitgehend unter sich.
Das bekam ich aber erst nach 1973 mit. In Baumschulenweg gab es sowas nicht.
In der Berufsschule hatte ich den ersten Kontakt zu "die da" Fans.
Es waren ausnahmslos Zugezogene. Es war keine leichte Zeit. Als Unioner hatte man meist die Faust in der Tasche.
Das sind einige Gründe, warum "die da" zum Dauermeister wurden.
 
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