Woodstock, eine Legende

DeWollä

Real Life Junkie
vom 15-17. August 1969 fand das legedäre Woodstock Konzert statt, ich persönlich hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht erlebt, bisschen später erst die Doppel LP gekauft und den Film dazu gesehen.


Fast eine halbe Million Kids kamen zu dieser Mega-Show vom 15. bis 18. August 1969. Sie sahen Joan Baez, Santana, Grateful Dead, Janis Joplin, The Who, Jimi Hendrix und Dutzende andere. Abertausende sahen sie nicht - weil sie im Stau steckengeblieben waren, die Hälfte des Spektakels versank im Regen- und Schlammchaos. Es sind diese Bilder, die sich eingeprägt haben - Szenen aus dem Dokumentarfilms "Woodstock", der 1970 einen Oscar gewann.



Die Bands die dort auftraten wurden zur Legende, manche Musiker waren in Deutschland noch unbekannt und etliche wurden über Jahrzehnte hinweg Lieblinge der Deutschen Rockjugend.

Finde die Platte nicht mehr, ist auf dem Schrank hinter hunderten Platten, müßte zuviel runterholen, deshalb aus dem Kopf, was mir wichtig war...

Joe Cocker, Santana, Hendrix, Neil Young ....

hier ein link mit einigen Bildern und die Story über den, der das Festival möglich machte

Der Mann, der Woodstock möglich machte - einestages


lustig finde ich den Michael Lang, auf den Bildern sieht man ihn, ist der Konzertveranstalter, er hatte nie mit sovielen Leuten gerechnet und als es immer mehr wurden und die Zäune abgerissen wurden, hat man einfach Eintritt frei gemacht....geil


Was für Tiber eine sexuelle Befreiung war, war für andere eine gesellschaftliche. Sie erkannten auf einmal, dass sie mehr waren als nur "ein paar verstreute Hippies", wie David Crosby später sagte, dessen Kultband Crosby, Stills & Nash bei Woodstock erst ihren zweiten Live-Auftritt überhaupt hatte.

oh Mann....

"Woodstock?", fragt der indische Kassierer an der Tankstelle. "Keine Ahnung." Aus dem Radio dröhnt Lady Gagas Hit "Poker Face": "Mum-mum-mum-mah, mum-mum-mum-mah."
 
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huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Boah, jetzt wollte ich seit langem mal wieder einen Thread aufmachen, und zwar selbstverständlich morgen, am 15.8. - da kommst du mir doch glatt zuvor... :hammer2: Naja, muss ich wenigstens nix recherchieren... ;)

Woodstock war einfach gewaltig. Woodstock war gigantisch, einmalig, unerreicht, unwiederholbar - da reichen die Adjektive kaum aus!

Gerade weil es so unerwartet war, dass so viele kamen. Damals waren die Kommunikationswege noch nicht so ausgebaut, das heißt, die Leute wussten noch gar nicht, dass sie eine reisige Bewegung waren. Sie kapierten es erst mit Woodstock.

Und von da an war es allen klar, nicht nur in den USA. Leider aber auch der Industrie und der Werbung, so dass die Kommerzialisierung von da an ihren Lauf nahm. Obwohl die Bewegung an sich mit Kommerz überhaupt nichts am Hut hatte und haben wollte.

Einer meiner Klassenkameraden damals in der 9. Klasse war übrigens mit seinem größeren Bruder auf dem Festival gewesen. Vorher eher ein unauffälliger Typ, war er von da an der große Star, und die schärfsten Frauen rissen sich um ihn... Dabei hatte er nicht mal Fotos mitgebracht. Damals reichte schon die Erzählung, ganz ohne nachprüfbare Quelle... ;)
 

DeWollä

Real Life Junkie
das ist geil...stell Dir mal vor...

du gehst irgendwo hin weil auf einem Plakat das steht, was Du fühlst...und als Du hinkommst sind dort schon 500.000 Menschen....die so fühlen wie Du, ist das nicht
umwerfend ? Also mir kommen bei sowas die Sentimentalen Tränen....



oh Mann....all das ist unserer Jugend kaum noch möglich...die werden von Anfang an konditioniert, wie sie sich zu fühlen haben und was es kostet....:(


Und sie denken, das sei Freiheit....:suspekt:


aber egal....solange sie nicht in den Krieg müssen, so wie viele Amerikaner vor und nach 1969 trotz Woodstock ist es halb so wild.....oder vielleicht gerade deswegen wird es eine Renaissance geben, es wird wieder Zeit für so eine Jugend !

Peace & No War & Love
 

Junker

Altborusse
Ich hab letztens ne tolle Dokumentation dazu gesehen. darin wurde gesagt, dass Country Joe, Richie Heavens ihre Popularität unter anderem dem Umstand verdanken, dass viele Musiker nicht pünktlich erscheinen konnten, da die Strassen verstopft waren. Für die Veranstalter hat sich das ganze wohl nicht wirklich gelohnt, sie kamen, laut Reporter, mit + - 0 raus.
 

DeWollä

Real Life Junkie
Ich hab letztens ne tolle Dokumentation dazu gesehen. darin wurde gesagt, dass Country Joe, Richie Heavens ihre Popularität unter anderem dem Umstand verdanken, dass viele Musiker nicht pünktlich erscheinen konnten, da die Strassen verstopft waren. Für die Veranstalter hat sich das ganze wohl nicht wirklich gelohnt, sie kamen, laut Reporter, mit + - 0 raus.


jopp....ist auch gut so, denn wenn man mich vorher fragen würde...

Woodstock machen mit 0 rauskommen oder xy Konzert machen für Gut Geld würde ich Woodstock wählen, garantiert, ehrlich, immer und immer wieder....


das war übrigens eigentlich auch die Sache....Geld war keine Motivation, wenn ich zum Beispiel gehört habe, daß Pink Floyd auf der Bühne 2 Millionen verbraten hat und nur bisschen was übrigbleibt, dann fühlte ich mich gut....sowas wie Britney Spears oder wie sie alle heißen wäre mir nie in den Sinn gekommen, auch nur das Plakat zu Ende zu lesen....
 

DeWollä

Real Life Junkie
Ich hab letztens ne tolle Dokumentation dazu gesehen. darin wurde gesagt, dass Country Joe, Richie Heavens ihre Popularität unter anderem dem Umstand verdanken, dass viele Musiker nicht pünktlich erscheinen konnten,


ich würde mal gerne erfahren, wie das mit den Verträgen für die Künstler war....immerhin war das eine wirklich legendäre Ansammlung an Superstars.....hast den Film Woodstock gesehen ? Das ist irgendwie unreal....selbst die Musiker waren wohl eher an Drogen interessiert als an irgendwelchen Gagen, ich würde mal gerne wissen, ob es überhaupt schon Manager gab.....wenn ich an Manager denke, die waren zu meiner Zeit immer die Typen, die kein Instrument konnten, sich irgendwie nützlich machen wollten und dabei sein wollen......ich glaube die meisten hatten keinen Manager...oder ?
 

Junker

Altborusse
Klar hab ich den Film gesehen, hab ihn auch auf Dvd.
Ich glaube nicht, dass sie schon die Megastars waren, sondern auf den ersten Schritten dahin. Sie waren in ihren Szenen bekannt und kamen in Woodstock zusammen. Interessante Frage, ob sie schon Manager hatten, ich denke auch eher Berater oder Kumpels, die sich um sowas wie Verträge kümmerten.
Da kannste von ausgehen, dass dort alle auf irgendeine Droge waren, die Musiker inklusive. Klasse fand ich im Film die Warnung vor schlechten Drogen. Schade, dass ich nicht vorher gepostet habe, denn die Dokumention wurde, ich glaube gestern wiederholt X(
 

DeWollä

Real Life Junkie
. Schade, dass ich nicht vorher gepostet habe, denn die Dokumention wurde, ich glaube gestern wiederholt X(

Mist...hätte ich gerne nochmal gesehen.

Ich habe mir übrigens 1 Jahre später die erste gute Gitarre gekauft...Gibson SG, glaube hieß `70 noch les Paul custom....die Gleiche wie der Gitarrist von, Mensch jetzt hab ich`s vergessen...die, die Paranoia gespielt haben und der Sänger später noch ziemlich bekannt blieb....so ein fertiger Typ....:floet:
 

Junker

Altborusse
Black Sabbath :hail:
Samstag im WDR 0.05 Woodstock der Film bis 3.40 Uhr
 
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DeWollä

Real Life Junkie
Black Sabbath :hail:
Samstag im WDR 0.05 Woodstock der Film bis 3.40 Uhr

cool, danke...



ja genau Black Sabbath....aber es kann auch sein, daß ich die Klampfe erst 72 oder 73 gekauft habe, ist aber eine `70 er von der Nummer her, weiß nicht mehr so genau ( mußt aufpassen, es gibt hier Leute, die rechnen Dir die Monate und Jahre vor und daß es garnicht sein kann daß Du morgens um 9 einen Maikäfer fliegen gesehen hast, weil die erst ab 11 Uhr fliegen usw. .... )
Ich habe die auch nicht "wegen" Black Sabbath gekauft, sondern es ist einfach die gleiche, wie die gehabt haben...ach egal...bin wieder sowas von durchgeknallt....die alten Erinnerung geben mir voll den Backflash ..... boaaaaaaaah alles so schön bunt jetzt....:)
 
Zuletzt bearbeitet:

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
ich würde mal gerne erfahren, wie das mit den Verträgen für die Künstler war....immerhin war das eine wirklich legendäre Ansammlung an Superstars.....hast den Film Woodstock gesehen ? Das ist irgendwie unreal....selbst die Musiker waren wohl eher an Drogen interessiert als an irgendwelchen Gagen, ich würde mal gerne wissen, ob es überhaupt schon Manager gab.....wenn ich an Manager denke, die waren zu meiner Zeit immer die Typen, die kein Instrument konnten, sich irgendwie nützlich machen wollten und dabei sein wollen......ich glaube die meisten hatten keinen Manager...oder ?
Na, nu wollen wir das Ganze mal nicht zu sehr verklären. Klar hatten viele Bands schon Manager. Die Beatles mit Brian Epstein sogar schon seit Anfang der 60er. Und viele der Bands in Woodstock waren sehr wohl vorher schon Superstars, so wie etwa Jimi Hendrix.

Die Organisation war halt auch für damalige Verhältnisse ziemlich chaotisch. Übrigens kamen die Organisatoren damals nicht mit plus minus Null raus, sondern machten erhebliche Verluste. Die sie allerdings im Laufe der Jahre durch die Tantiemen an Filmen usw. um ein Vielfaches wieder reingeholt haben.
 

Junker

Altborusse
@huelin Wenn ich mir seine Biographie bei Wiki durchlese, hört sich das nicht nach Superstar an. Ich mag den Begriff eh nicht, wenn ich mir heutzutage sogenannte Superstars anschaue. Stimmt natürlich, dass die Kohle erst hinterher wieder reinkam.
 

DeWollä

Real Life Junkie
Übrigens kamen die Organisatoren damals nicht mit plus minus Null raus, sondern machten erhebliche Verluste. Die sie allerdings im Laufe der Jahre durch die Tantiemen an Filmen usw. um ein Vielfaches wieder reingeholt haben.

stimmt...


Festival-Initiator Rosenman: "Nach Woodstock ging es ums bloße Überleben" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur

SPIEGEL ONLINE: Sie und Ihr Partner John Roberts hatten sich mit 1,5 Millionen Dollar verschuldet. Das Festival war ein finanzielles Fiasko.


schon heftig....

Rosenman: Ja, und es dauerte elf lange Jahre, bis wir finanziell wieder über Wasser waren. Zudem wurden wir von Klagen überschüttet: Von Bauern, deren Land und Eigentum beschädigt worden war, Menschen, die für ihr Ticket bezahlt und es wegen des Verkehrschaos' nicht bis aufs Gelände geschafft hatten, von unseren Geschäftspartnern Michael Lang und Artie Kornfeld... in den ersten Jahren nach Woodstock ging es in erster Linie darum, zu überleben.
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Woodstock war einfach gewaltig. Woodstock war gigantisch, einmalig, unerreicht, unwiederholbar -
... und war gar nicht in Woodstock. Aber Bethel klingt halt scheisse.

Dafür ist es wohl das einzige Konzert, nach dem eine Comicfigur benannt ist. Wäre aber auch scheisse, wenn der Vogel Bethel hieße.

Aber lustig ist ja dieser Abschnitt aus dem Wiki-Artikel:
Es stellt sich die Frage, warum gerade das Woodstock-Festival dermaßen viele Besucher anzog. Bereits zuvor hatten einige große Festivals wie das Monterey Pop Festival stattgefunden. Keines wurde aber zu einem derartigen Ereignis wie Woodstock. Dies hatte verschiedene Gründe: Zum einen hatte sich die Hippie-Subkultur bereits vom Untergrund zum Mainstream entwickelt und war entsprechend kommerzialisiert worden. Diese Entwicklung lässt sich mit der Geschichte der Loveparade vergleichen, die sich auch zum Massenereignis gewandelt hat, obwohl sie im kleinen Kreis begonnen hatte. Die ursprünglichen Hippies hatten also ihre Kultur bereits 1967, als sie zur Massenkultur wurde, symbolisch zu Grabe getragen.

Soviel dazu.
Und was Gagen und Manager angeht, steht da auch was recht unromatisches.
 
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André

Admin
Oh mann, da hätte man dabei sein müssen! :hail:

By the way, weiß jemand von Euch wieso The Doors bei Woodstock nicht dabei waren?

Da kommt mir grad ne Idee, ich könnte nochmal paar alte Doors Platten auflegen. :top:

Gibt es irgendwo ne Übersicht, wo man alle Bands sehen kann, die bei Woodstock aufgetreten sind?
 

kleinehexe

SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16
The Doors wurden zu Woodstock nicht eingeladen.
Zitat: ...Nachdem er bei einem Konzert am 1. März 1969 im Dinner Key Auditorium in Miami versucht hatte, Krawalle im Publikum anzustiften, wurde Morrison drei Tage später von der Dade County-Polizeidirektion wegen „unzüchtiger Entblößung“ und weil er auf der Bühne Masturbation angedeutet haben soll, inhaftiert. Initiativen bildeten sich gegen die Doors, die sowohl aus Eltern als auch ehemaligen Fans bestanden.[16] Das Quartett wurde nicht zum Woodstock-Festival im August 1969 eingeladen, und mehrere Konzerte wurden abgesagt. ...

Quelle:Jim Morrison ? Wikipedia
 
So, mal etwas zum Runterkommen für die Alt-68er, die uns in der Gesellschaft ja nun nicht wirklich vorangebracht haben.

Unsere Lokalzeitung NW hatte einen Aufruf, dass sich Woodstock-Teilnehmer melden sollten, um dann eine große Reportage um ihn/sie herum zu konstruieren.
Es meldete sich tatsächlich ein Mensch aus Gütersloh, der damals 18-jährig dabei war.
Sein Bericht klingt aber eher ernüchternd:

Aus NW-online, 15.08.2009:

Viele, aber nicht nur gute Erinnerungen an Woodstock | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Wolfgang Leimann ist der Einzige. Der einzige Leser, der dem NW-Aufruf nach Woodstock-Zeitzeugen gefolgt ist. Der Spexarder war im August 1969 einer von mehr als 450.000 Besuchern jenes Festivals in der ostamerikanischen Pampa, das längst zur Legende geworden ist. Er hat dort Jimi Hendrix’ berühmte Version der amerikanischen Nationalhymne live gehört und den Auftritt von The Who verfolgt. Und doch sagt er: "Ich würde nicht noch einmal hinfahren."

Der 58-Jährige ist mit den Woodstock-Erlebnissen nie ins Reine gekommen; zwiespältig ist seine Meinung zu dem Festival noch heute. Bands und Musiker weckten zwar damals schon seine Begeisterung, die Begleitumstände aber kritisiert er: "Für mich hat sich der Aufwand nicht gelohnt." Den Aufwand gerne in Kauf genommen hätten wohl viele Gleichaltrige, die nicht in Woodstock waren: In einer Umfrage bedauerten 70 Prozent der Befragten die Tatsache, das Festival nicht besucht zu haben. Zu mächtig ist der Reiz des mythisch umwobenen Ortes, zu groß die Faszination für die Mutter aller Musikfestivals.

Wolfgang Leimann hat jedoch triftige Gründe, von der Mehrheitsmeinung abzuweichen. Einer davon ist das Geld: Rund 1.500 D-Mark zahlte er für Flugtickets, Eintrittskarten und Verpflegung. "Dafür hätte man sich fast einen Neuwagen kaufen können", sagt er. Leimann machte damals eine Lehre zum Fliesenleger, vom regulären Lohn hätte er sich die Reise nicht leisten können. Also schob er Extraschichten, arbeitete an den Wochenenden "wie ein Bekloppter" auf diversen Baustellen und sparte über Monate.

Dabei war es nur einem Zufall zu verdanken, dass Leimann und seine Freunde von dem Festival überhaupt erfuhren. Werbung für Woodstock wurde kaum gemacht, schon gar nicht in Deutschland. Doch Leimann war in der hiesigen Musikszene gut vernetzt und besuchte schon früh ein Rockkonzert. Bei einem Auftritt seiner Schülerband "Park Lane" in Düsseldorf erfuhr er durch Kollegen vom Woodstock-Festival. Schnell stand sein Entschluss fest: "Da muss ich hin."

Als es schließlich so weit ist, fährt er mit drei Freunden zum Frankfurter Flughafen, überwindet seine Flugangst und löst das Ticket. Am 14. August, einen Tag vor Festival-Beginn, landen die vier ostwestfälischen Rockfans in New York, mieten sich einen Toyota, kaufen ein Zelt und fahren Richtung Festivalgelände. In der Nähe finden sie einen Campingplatz, wo sie prompt vom Regen überrascht werden.

Leimann erinnert sich: "Geschüttet hat es fast die ganze Zeit. Alles war voller Matsch." Gefragt nach seinem schlimmsten Woodstock-Erlebnis, muss er nicht lange überlegen und erzählt, wie er beim Wasserlassen plötzlich merkt, dass schon jemand vor ihm die dortige Stelle zum stillen Örtchen erkoren hatte. "Sauber war es wirklich nicht", sagt Leimann. "Mir war es da viel zu dreckig."

Die meiste Zeit verbringt er vor der großen Bühne auf dem Festivalgelände. Und zwar stets in einer der ersten Reihen: "Da musste man zwar drängeln, aber ich als Fliesenleger konnte mich ganz gut durchsetzen." Außerdem dürfte ihm geholfen haben, dass er stets einen klaren Kopf behielt: "Drogen habe ich keine genommen." Er habe nur ein paar Bier getrunken, dabei sei die Atmosphäre unter den Besuchern entspannt, aber auch "absolut bekifft" gewesen.

Höhepunkt für Leimann waren die Auftritte von The Who und Jimi Hendrix. Akustik und Tonqualität in Woodstock haben Leimann hingegen überhaupt nicht gefallen: "Ich kannte viele Bands schon von Auftritten im Herforder Jaguar-Club. Und da war der Sound wesentlich besser." Dennoch gibt es eine Erinnerung an das Festival, die Leimann um keinen Preis missen möchte: der Auftritt von Joan Baez. "Als diese kleine Frau auf der Bühne stand und ihre Rede hielt, wurde mir ganz anders." Noch heute, sagt Leimann, bekäme er eine Gänsehaut, wenn er daran zurückdenkt. "Das war einer der bewegendsten Momente meines Lebens."
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Seh ich ähnlich wie NK+F.

Es spricht also gegen Woodstock, dass ein Flug in die USA damals so teuer war? Dass es nicht pieksauber war? Das der Sound nicht perfekt war?

Geregnet hat es übrigens keineswegs "die ganze Zeit", wie der Typ behauptet - es sei denn, die gängigen Woodstock-Filme sind alle gefälscht. Und die meisten Besucher haben das beste aus dem Regen gemacht und sich köstlich amüsiert, aber da war unser Fliesenleger wohl nicht locker genug.

...die Alt-68er, die uns in der Gesellschaft ja nun nicht wirklich vorangebracht haben.
Aha, wer hat denn sonst unsere Gesellschaft vorangebracht? Die unpolitische Nachkriegsgeneration mit ihren Nazi-Richtern? Die Punks mit ihrem "No future"? Die Yuppies und Neoliberalen mit ihrem Geldfetischismus? Die Golf-Generation? Die Pisa-Generation? :suspekt:

Weiß übrigens auch nicht, ob man die "Alt-68er" mit den Hippies gleichsetzen kann. Beide Gruppen waren im Grunde nur "Speerspitzen" einer Jugendbewegung, die sich einfach von den damals noch vorherrschenden Vorstellungen (Krieg als legitimes Mittel, blinder Gehorsam und Vaterlandsliebe, Überbetonung des Förmlichen, klare Rollenverteilung der Geschlechter, dazu in Deutschland: zu wenig Distanzierung zur Nazi-Zeit, u.v.m.) absetzen wollten.

Dass dabei häufig übers Ziel hinausgeschossen wurde, ist natürlich klar. Trotzdem herrschte damals eine einmalige Stimmung unter den jungen Leuten, die man wohl nicht verstehen kann, wenn man sie nicht selbst miterlebt hat. Insofern ist das allseits beliebte 68er-Bashing für mich ziemlich müßig, denn es betrachtet meist nur bestimmte Aspekte, und dazu auf relativ oberflächliche Art.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Ich würde ja mal dieses Aufrechnen der Verdienste der Generationen untereinander schön sauber bleiben lassen.
V.a. als die ältere Generation schon alleine deswegen, weil die Generation davor ja die Generation danach großgezogen hat und den Rahmen für ihr Leben abgesteckt hat.

Zum Thema:
'n gutes, dickes Fest scheinen die Woodstocktage gewesen zu sein, bzw. als solche würde ich sie sehen.
Allerdings glaube ich, die lässigeren und intensiveren Feste hat man damals wohl in Kalifornien und New Mexico gefeiert :D
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Ich würde ja mal dieses Aufrechnen der Verdienste der Generationen untereinander schön sauber bleiben lassen.
Da hast du vollkommen recht. Jede Generation hat ihre Verdienste und ihre historische Berechtigung. Ich wehre mich halt nur gegen dieses in Mode gekommene Herziehen über die 68er/Hippies (wobei das ja zum Glück langsam wieder zurückzugehen scheint) - vor allem von Leuten, die die Zeit und die Stimmung damals gar nicht selbst miterlebt haben.

Zum Thema:
'n gutes, dickes Fest scheinen die Woodstocktage gewesen zu sein, bzw. als solche würde ich sie sehen.
Allerdings glaube ich, die lässigeren und intensiveren Feste hat man damals wohl in Kalifornien und New Mexico gefeiert :D
Lässiger und intensiver, kann schon sein. Woodstock ist natürlich auch durch seine Dimensionen so bedeutend, das heißt, das waren nicht einfach ein paar ausgefallene Hippies oder Künstler, sondern ein Erlebnis und ein Lebensgefühl, mit dem sich damals Millionen identifizieren konnten - und zwar in der ganzen Welt!
 

Rupert

Friends call me Loretta
Woodstock war natürlich riesig groß und ist jetzt der weltweite Meilenstein der 60er-Bewegung.

Ich war bisher nur der Ansicht, dass dieser "Summer of Love" zwei Jahre davor in den Langhaarigenkreisen als der Höhepunkt der Hippie-, Peace-, Love-, Individuality-Bewegung galt.

Zumindest finde ich den Namen schon mal recht gut :)
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Mit dem "Summer of Love" hast du sicher recht, vor allem was die Echtheit und Ursprünglichkeit angeht. Mit Woodstock war im Grunde schon die Kommerzialisierung voll im Gange, wie es ja auch in dem Wiki-Artikel deutlich wird.

Ich persönlich war halt 1967 mit 12 Jahren noch etwas zu jung (auch wenn ich bereits 1963 einen Kumpel hatte, der mir die Beatles vorspielte). Daher war für mich 1969 eigentlich erst der Anfang eines Lebensgefühls, von dem aber zumindest bis Mitte der 70er noch die positiven Aspekte überwogen, so wie ich es erlebt habe.
 

Itchy

Vertrauter
Mir fehlt ja so gut wie jeder Bezug zu dem Festival.
Letztlich ist ja ein Symbol für ein Lebensgefühl, das nicht meines ist und war.
Was mir dabei nur auffällt, ist die meisten dieser Bewegung genau wie die '68er dieses Gefühl im späteren Leben mehr als verraten haben. Was einer Veranstaltung wie dieser im Nachhinein viel vom Charme nimmt.

Das Wort Spießer zu nutzen würde ich tunlichst meiden in solchen Zusammenhängen, da dem Spießer anheim ist, Andersdenken abzulehnen.
 

Rupert

Friends call me Loretta
(...)
Was mir dabei nur auffällt, ist die meisten dieser Bewegung genau wie die '68er dieses Gefühl im späteren Leben mehr als verraten haben. Was einer Veranstaltung wie dieser im Nachhinein viel vom Charme nimmt. (...)

Findst?
Sehe ich anders:
Wenn man einen extremen, im Sinne: für den Großteil der Gesellschaft neuen und wahrscheinlich auch abzulehnenden, Standpunkt einnimmt und vertritt, ist es für Aussenstehende leicht zu sagen: "Der verriet seine Jugendprinzipien".
Hat irgendwie immer den Beigeschmack von "Einmal bunte Haare und Sicherheitsnadeln im Ohr, immer bunte Haare und Sicherheitsnadeln im Ohr oder Du bist 'n Verräter an Dir selbst".
Die Frage stellt sich ja bei den sog. "kreuzbraven und angepassten" Jugendlichen gar nicht, denn da ist ja Mamas und Papas Vision deckungsgleich mit der des Kindes :D
 
Zuletzt bearbeitet:

Gaudloth

Bratze
Die Frage stellt sich ja bei den sog. "kreuzbraven und angepassten" Jugendlichen gar nicht, denn da ist ja Mamas und Papas Vision deckungsgleich mit der des Kindes :D

Und da es die heute zur Genüge gibt könnte mal wieder so ein Event für Stimmung sorgen. :top:
Man muss natürlich nicht auf ewig an den Prinzipien festhalten, das ist im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung ja ganz normal, die Grundeinstellung sollte einem aber schon erhalten bleiben, sonst wirds unglaubwürdig.
Ich hab allerdings aufgrund meiner Nichtexistenz damals, wenig Bezug zu der story.
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Was mir dabei nur auffällt, ist die meisten dieser Bewegung genau wie die '68er dieses Gefühl im späteren Leben mehr als verraten haben. Was einer Veranstaltung wie dieser im Nachhinein viel vom Charme nimmt.
Hmm, dein letzter Satz ist für mich historisch gesehen unzulässig. Alles, was passiert, kann sich im Nachhinein ins Negative verwandeln, allein schon durch die allseits präsente Kommerzialisierung.

Aber auch die Aussage mit dem Verrat an dem 68er-Lebensgefühl ist mit Vorsicht zu genießen. Es ist nun einmal etwas vollkommen anderes, ob ich 18 bin oder 58. Soll oder kann man sich überhaupt das ganze Leben lang das Lebensgefühl eines 18jährigen bewahren?

Denjenigen, die das tun oder versuchen, wird ja doch in der Regel vorgeworfen, sie wollten nicht erwachsen werden, sie hielten nur an dem Alten fest, sie stellten sich nicht auf das Neue ein. Im Grunde kann man sich dieses Lebensgefühl nur in einer abgeschiedenen Umgebung bewahren, so wie ich es teilweise auf Formentera erlebt habe.

In der moderenen urbanen Gesellschaft wird das schon viel schwieriger. Natürlich gibt es einige aus der damaligen Zeit, deren heutige Lebenseinstellung 180 Grad konträr zu ihrer damaligen liegt. Die meisten aber - wie ich aus langjährigen Beobachtungen feststellen kann - befinden sich in einem ständigen Kampf zwischen den Idealen von damals und den Notwendigkeiten und Einsichten, die seitdem hinzugekommen sind.

Hierzu würde ich mich auch selbst zählen, wobei ich ja auch damals schon eher ein "68er-Nachzügler" war. Vieles versuche ich mir wirklich noch zu bewahren, manchmal sicherlich auch mit einem gewissen Anachronismus. Dazu zählt eine möglichst ablehnende Haltung zu Kommerz und Materialismus - soweit es eben für einen Familienvater in der Großstadt möglich ist.

Auch meine Vorliebe für das Natürliche und meine Ablehnung einer allzu starken Betonung des Äußerlichen gehört dazu - weshalb mir Piercing, Nasenringe, Tatoos und die Tatsache, dass sich soviele Menschen ständig die Haare färben, eigentlich ein Gräuel sind. Wobei hier wieder die Toleranz der 68er ins Spiel kommt: ich lehne es nur für mich ab, die anderen sollen doch rumlaufen, wie sie wollen.

Politisch gesehen steht für mich, wie für viele andere aus der Zeit, vor allem die Sorge um die Umwelt im Vordergrund, und natürlich auch die Ablehnung der so fatalen neoliberalen Entwicklungen, die erst zu der gigantischen Krise an den Finanzmärkten geführt hat. Dies sind nur einige Beispiele, wie man durchaus die Ideale von damals weiterverfolgen kann - ohne dabei völlig in der damaligen Zeit stehenzubleiben.

Als letzten Punkt könnte man noch die Musik anführen. Auch hier bemühe ich mich (wie übrigens viele andere aus meiner Generation, die ich kenne) um Ausgewogenheit zwischen Damals und Heute. Das heißt, ich höre die alten Sachen natürlich immer wieder gerne, bleibe aber nicht dabei stehen, interessiere mich auch für die heutigen Entwicklungen. Denn das war ja genau das, was wir unseren Eltern damals vorwarfen: die mangelnde Offenheit für das Neue.
 

Itchy

Vertrauter
Ich gestehe durchaus jedem zu, im Laufe der Jahre seine Meinung zu ändern.

Um was es mir geht, sind die Grundaussagen dieser Bewegungen. Die Hippie-Generation stand für ein Wir-Gefühl, die 68er für Solidarität, wie von hue erwähnt, für eine Abkehr von Kommerz und Materialismus.
Vertreter dieser Generation hat aber angefangen, in den 80ern mehr und mehr Einfluß auf die Gesamtgesellschaft zu nehmen, dort entscheidende Positionen einzunehmen. Seit den 80ern sehe ich aber ein wachsendes "Ich" und eine zunehmende Kommerzialisierung.
Bei vielen ist von alten Idealen nicht viel geblieben und Ideale sind etwas mehr als Meinungen.
 
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