Was haltet Ihr von Regelauslegung aus Spiel NL - ITA?

Herthingo

Höha, schnella, Hertha
Andere Regeln diesbezüglich habe ich überhaupt nicht gefunden. Im Gegenteil, die Formulierung des standardmäßigen Abseits ist vielmehr, dass der Angreifer quasi nur noch den Torwart (oder mangels eines solchen den letzten Abwehrspieler) vor sich haben muss um abseits zu stehen. Von Spielern, die außerhalb des Feldes stehen oder liegen und trotzdem mitgezählt werden, steht nirgendwo was anderes als in der von mir zitierten Regel.

Nun, Du mußt einfach nur in der passenden Regel suchen und kannst Dir den ganzen Thread hier sparen ;) : Regel 3 (Zahl der Spieler). Ein Spieler bleibt nämlich ein Spieler und Teil des Spiels und zwar so lange, bis der Schiedsrichter etwas anderes bestimmt (in der Regel meistens die folgenden vier Fälle: Halbzeit, Verletzung, Auswechslung, Platzverweis).
In den "Zusatzbestimmungen und Richtlinien der FIFA für Schiedsrichter" der Regel drei steht nichts davon, daß ein Spieler nicht mehr Bestandteil des Spiels ist, weil er sich außerhalb des Feldes befindet. Im Gegenteil steht dort sogar:
"Überschreitet ein Spieler zufällig eine Begrenzungslinie des Spielfelds, gilt dies nicht als Regelübertretung. Das kurzfristige Verlassen des Spielfelds kann als Teil der Spielbewegung betrachtet werden." Der Satz ist zwar ursprünglich als Erklärung für die Straffreiheit bei unabsichtlichem Verlassen des Platzes gedacht, greift aber hier auch im Umkehrfall: er bleibt Bestandteil des Spiels.
Wenn man das zugrundelegt, bedarf es meiner Meinung nach keiner Regeländerung.
 
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Dann frage ich mich allerdings, wozu es die von mir zitierte Regel überhaupt gibt bzw. ob HT nicht recht hat, wenn er meint, es käme darauf an, wer von beiden (der Angreifer vor der Torauslinie oder der Abwehrspieler hinter dieser) sich näher an der Torauslinie aufhält.

Wenn nämlich ein Spieler die Torauslinie übertritt und dennoch zum Spiel zugehörig betrachtet wird, dann kann er so niemals das Abseits stellen bzw. aufheben. Dann kommt es weder auf Absicht noch Vorsatz oder Taktik an. Der Sachverhalt, das es sowas gibt, wäre demnach völlig unbekannt.

Nee, nee, die Sonderregel zur 11 ist eine Ausnahmeregelung zum Abseits und eine Ausnahme zu der Annahme, dass ein Spieler quasi immer zum Spiel gehört. Hängt vermutlich mit der inhaltlichen Auslegung ser Abseitsregel selbst zusammen, bei der immer davon ausgegangen wird, dass sich die fraglichen Spieler innerhalb der Spielbegrenzung befinden.
 

Herthingo

Höha, schnella, Hertha
Nee, nee, die Sonderregel zur 11 ist eine Ausnahmeregelung zum Abseits und eine Ausnahme zu der Annahme, dass ein Spieler quasi immer zum Spiel gehört.

Sofern Du diesen Teil hier meinst:
"Begibt sich ein verteidigender Spieler hinter die eigene Torlinie, um einen
Gegner abseits zu stellen, lässt der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen und
verwarnt den verteidigenden Spieler bei der nächsten Spielunterbrechung, weil
er das Spielfeld ohne Erlaubnis des Schiedsrichters absichtlich verlassen hat."

Der ergibt sich aus dem von mir zur Regel drei gesagten: nur der Schiedsrichter kann einen Spieler "entlassen". Der Spieler, der denkt, er könne durch mutwilliges Verlassen eine Abseitsstellung kreieren, wird durch zeigen der gelben Karte auf seinen "Irrtum" aufmerksam gemacht. Abgesehen von dieser Regel erhält JEDER Spieler, der das Spielfeld unautorisiert verläßt oder betritt, eine gelbe Karte.

Grundsätzlich ist das Vorgehen des Schiedsrichters meiner Meinung nach durch Regel drei gedeckt, ich stimme aber mit Dir überein, daß man die Ausführungsbestimmungen zur Regel elf noch um den Passus "...bei unabsichtlichem Verlassen bleibt der Abwehrspieler Teil des Spiels und wird nicht verwarnt." ergänzen könnte, um dies auch klarzustellen.
 

BoardUser

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Grundsätzlich ist das Vorgehen des Schiedsrichters meiner Meinung nach durch Regel drei gedeckt, ich stimme aber mit Dir überein, daß man die Ausführungsbestimmungen zur Regel elf noch um den Passus "...bei unabsichtlichem Verlassen bleibt der Abwehrspieler Teil des Spiels und wird nicht verwarnt." ergänzen könnte, um dies auch klarzustellen.

Ja das könnte gehen. Wenn da nicht der Satz 1 der Bestimmung wäre.

Denn wenn ein Spieler unabsichtlich den Platz verlässt, dann nicht, um jemanden abseits zu stellen. Dieses sog. subjektive Tatelement fordert geradezu den Vorsatz des Verlassens. Anders funzt das nicht.
 

Schröder

Problembär
Und das führt mich zur Idee der Regeländerung. Man braucht dann diese nicht mehr so zu formulieren. Denn (für mich) offenbar ist Absicht nicht mehr nötig, also reicht auch (im Extremfall) die Fahrlässigkeit. Dann ist die Regel in einem Satz zu fassen: Befindet sich ein Verteidiger im Toraus (ohne vom Schiedsrichter dazu autorisiert zu sein), so wird dadurch das Abseits nicht aufgehoben.

Falsch ausgedrückt: Dadurch wird das Abseits ja gerade aufgehoben, der Stürmer steht dann ja nicht im Abseits. ;)

Ansonsten haste Recht, die ganze Formulierung ist doch recht "schwammig". Kann man verständlicher schreiben.
 
Meiner Meinung nach ist das eine wirklichkeitsferne Regel, von denen es im Fußball einige gibt. Ein spieler, der durch einen Zusammenprall über die Linie fliegt und dort liegenbleibt, macht das nicht absichtlich, um ein Abseits aufzuheben, von dem er in diesem Moment überhaupt nicht wissen kann, dass es im nächsten moment auftritt. Zwischen der abwehraktion am Pfosten und dem Pass/Schuss zu van nistelrooy sind höchstens drei sekunden vergangen, ich glaube, dass pannucci sich in dieser Zeit keinen überblick verschaffen kann, wie das spiel weitergeht. Reagieren kann er darauf ohnehin nicht so schnell.
Ich glaube auch nicht, dass Abwehrspieler ohne diese Regel nun absichtlich ins Aus laufen, um Abseits hervorzurufen. Der Weg nach vorne, um den gegenr abseits zu stellen ist der natürliche und cleverste, das Risiko, nicht schnell genug eindeutig hinter die Linie zu kommen, ist viel zu groß.

In die gleiche Kategorie gehört für mich die Regel, dass ein verletzter Abwehrspieler, der vom Geschehen entfernt, z.b. an der außenlinie liegt und nicht eingreifen kann, das Abseits aufheben kann.

Gleiches gilt für die Handspielregel. Dass eine Hand absichtlich zum Ball gehen muss, um geahndet zu werden ist gut und schön. Es wird dann lächerlich, wenn ein unabsichtliches Handspiel, das eine klare Torchance verhindert, ungeahndet bleibt. Denn der Effekt ist ja der Gleiche - die angreifende Mannschaft wird erheblich benachteiligt.

Aber über diese Punkte lässt sich trefflich streiten. Den konkreten Fall beim Tor der Niederlande empfinde ich jedenfalls als äusserst ungerecht, so sehr sich die holländer den Treffer und den Sieg auch verdient hatten.
 

R.v.N.

Junior Konzepter UX
Meiner Meinung nach ist das eine wirklichkeitsferne Regel, von denen es im Fußball einige gibt. Ein spieler, der durch einen Zusammenprall über die Linie fliegt und dort liegenbleibt, macht das nicht absichtlich, um ein Abseits aufzuheben, von dem er in diesem Moment überhaupt nicht wissen kann, dass es im nächsten moment auftritt. Zwischen der abwehraktion am Pfosten und dem Pass/Schuss zu van nistelrooy sind höchstens drei sekunden vergangen, ich glaube, dass pannucci sich in dieser Zeit keinen überblick verschaffen kann, wie das spiel weitergeht. Reagieren kann er darauf ohnehin nicht so schnell.
Ich glaube auch nicht, dass Abwehrspieler ohne diese Regel nun absichtlich ins Aus laufen, um Abseits hervorzurufen. Der Weg nach vorne, um den gegenr abseits zu stellen ist der natürliche und cleverste, das Risiko, nicht schnell genug eindeutig hinter die Linie zu kommen, ist viel zu groß.

In die gleiche Kategorie gehört für mich die Regel, dass ein verletzter Abwehrspieler, der vom Geschehen entfernt, z.b. an der außenlinie liegt und nicht eingreifen kann, das Abseits aufheben kann.

Gleiches gilt für die Handspielregel. Dass eine Hand absichtlich zum Ball gehen muss, um geahndet zu werden ist gut und schön. Es wird dann lächerlich, wenn ein unabsichtliches Handspiel, das eine klare Torchance verhindert, ungeahndet bleibt. Denn der Effekt ist ja der Gleiche - die angreifende Mannschaft wird erheblich benachteiligt.

Aber über diese Punkte lässt sich trefflich streiten. Den konkreten Fall beim Tor der Niederlande empfinde ich jedenfalls als äusserst ungerecht, so sehr sich die holländer den Treffer und den Sieg auch verdient hatten.

Also erstmal gibt es diese Regeln. Daher kann es gar nicht ungerecht sein, wenn ein Tor durch eine Regel, die es gibt, auch zählt. So sind nun mal die Spielregeln. Sie wurden weder verletzt noch geändert noch sonst irgendwas.

Ob eine Regel Sinn macht oder nicht, das ist ein Punkt, über den man diskutieren könnte.
Zur Zeit ist es so, dass die Abwehr nach vorne läuft, um den Gegner ins Abseits zu stellen. Die sogenannte Abseitsfalle. Stell dir mal vor ein Spieler ist noch innerhalb des Fünfmeterraumes und würde es garantiert nicht schaffen, nach vorne zu sprinten, um das Abseits aufzuheben. Da nimmt er doch lieber den kürzeren Weg in Kauf und rennt hinter die Torauslinie.

Ich entnehme jetzt mal die Antworten von Urs Maier aus einem Interview:
Das Tor war korrekt?

Meier: Selbstverständlich.

Warum kennt keiner diese Regel?

Meier: Weil das so gut wie nie vorkommt. Ich hatte so einen Fall in meiner ganzen Laufbahn nicht. Aber in der Schweiz ist es diese Saison passiert, da gab es eine Riesendiskussion. Sogar das Fernsehen hat eine Falschaussage gemacht.

Ist diese Regel neu?

Meier: Nein, die ist uralt. Und sie macht ja auch Sinn. Stellen Sie sich vor, wenn es die Regel nicht gäbe, könnte jeder Verteidiger hinter die Torlinie laufen und damit den gegnerischen Stürmer ins Abseits stellen.

Wie haben Sie das Tor im Stadion erlebt?

Meier: Die italienischen Fans sind fast durchgedreht, als die Szene auf der Großleinwand wiederholt wurde. Ich habe die Stadionregie gebeten, Panucci mit einem Kreis zu markieren, wie das Jürgen Klopp macht – aber die sind technisch leider nicht so gut wie beim ZDF.
Quelle:

Ich denke schon, dass diese Regel Sinn macht, auch wenn es meiner Meinung nach besser wäre, wenn es eindeutige Regeln geben würde; egal in welchem Bereich. Jede Ermessensfrage sollte soweit wie möglich unterbunden werden. Abseits ist so eine Ermessensfrage. Der Schiri muss beurteilen, ob Panucci näher an der Torauslinie liegt, als van Nistelrooy steht.
Abseits sollte entweder ganz verschwinden oder aber so weit verdeutlicht werden, dass es keine größeren Probleme macht, Abseits zu entscheiden. Passives Abseits ist nämlich genauso ein Problemfaktor.
 
Also erstmal gibt es diese Regeln. Daher kann es gar nicht ungerecht sein, wenn ein Tor durch eine Regel, die es gibt, auch zählt. So sind nun mal die Spielregeln. Sie wurden weder verletzt noch geändert noch sonst irgendwas.

du hast recht: ungerecht ist in diesem Zusammenhang das falsche wort, weil bestehende Regeln angewandt wurden und keine fehlentscheidung vorlag; ich nehme stattdessen unglücklich.
In der Sache bleibe ich aber dabei, denn auch wenn so ein Fall einmal in vielen Jahren wirklich auftritt, muss man nicht zwangsläufig für jede eventualität eine regel haben.

Und sind wir froh, dass die Italiener diese Regel nicht schon früher kannten. die jungs hätten diese Waffe sonst bestimmt schon perfektioniert;)
 

wupperbayer

*Meister 20xx*
Meiner Meinung nach ist das eine wirklichkeitsferne Regel, von denen es im Fußball einige gibt. Ein spieler, der durch einen Zusammenprall über die Linie fliegt und dort liegenbleibt, macht das nicht absichtlich, um ein Abseits aufzuheben, von dem er in diesem Moment überhaupt nicht wissen kann, dass es im nächsten moment auftritt. Zwischen der abwehraktion am Pfosten und dem Pass/Schuss zu van nistelrooy sind höchstens drei sekunden vergangen, ich glaube, dass pannucci sich in dieser Zeit keinen überblick verschaffen kann, wie das spiel weitergeht. Reagieren kann er darauf ohnehin nicht so schnell.
Aber wäre Panucci nicht ins Toraus gefallen, sondern z.B. kurz vor der Linie liegengeblieben, wäre es ja auch kein Abseits gewesen. In dem Moment ist es einfach Pech, wenn Abwehrspieler liegenbleiben und dadurch das Abseits aufheben, aber die Regel ist schon ganz gut so.
 

eckham

Mit Herzblut zurück
Abseits sollte entweder ganz verschwinden oder aber so weit verdeutlicht werden, dass es keine größeren Probleme macht, Abseits zu entscheiden. Passives Abseits ist nämlich genauso ein Problemfaktor.
Passives Abseits komplett abschaffen wäre aber auch nix. Beispiel das 1:0 für Spanien: Torres hat auf Villa zurück gespielt und stand auch bei dessen Schuss näher an der Torlinie. Wenn überhaupt, war nur der russische Tormann noch näher dran als er, war also passives Abseits. Ich nehme an, keiner will ernsthaft, dass so ein Tor nicht zählt.
Wie haben Sie das Tor im Stadion erlebt?

Meier: Die italienischen Fans sind fast durchgedreht, als die Szene auf der Großleinwand wiederholt wurde. Ich habe die Stadionregie gebeten, Panucci mit einem Kreis zu markieren, wie das Jürgen Klopp macht – aber die sind technisch leider nicht so gut wie beim ZDF.
:lachweg:
Ich bleibe dabei, Zeitlupen auf der Anzeigetafel während des Spiels haben im Stadion nix zu suchen. Gibt nur Ärger.
 
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