St. Pauli: Biermann hat Depressionen

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
....und begibt sich deswegen in stationäre Behandlung. Schreibt der Kicker.

Der erste nach Enkes Tod, der seine Krankheit öffentlich macht. Und dennoch muss ich ihm großen Respekt zollen, auch wenn die "Gelegenheit" nie günstiger war.

Nu dürfte es anderen - so es sie gibt, was anzunehmen ist - vielleicht noch etwas leichter fallen.

Ach ja: Gute Besserung Andreas Biermann!!
 

Nano

Oenning_Love
Endlich!! Man kann ja schließlich nicht alles verbergen.

Das Tabu sollte schnellstmöglich aus der Welt geschafft werden!
Respekt und gute Besserung!
 
Wenn ich das heute mittag richtig gelesen habe hat Biermann bereits im Oktober einen gescheiterten Selbstmord hinter sich, seitdem sollen seine Mannschaftskollegen und der Verein Bescheid wissen.

Dennoch dürfte es so sein, dass Biermann damit wohl nicht an die Öffentlichkeit gegangen wäre wenn es den "Fall" Enke nicht gegeben hätte.
 

#die miLch

Europapokalist
Moderator
Auch wenn es ziemlich paradox klingt, hat der Tod von Enke, ganz ganz vorsichtig gesagt, auch was "Gutes". Ich denke, dass viele Sportler, die an Depressionen leiden, sich nicht mehr scheuen an die Öffentlichkeit zu gehen und das Thema nun mit Hilfe anderer bekämpfen, zumindest bleibt das zu hoffen.
 

Nano

Oenning_Love
Auch wenn es ziemlich paradox klingt, hat der Tod von Enke, ganz ganz vorsichtig gesagt, auch was "Gutes". Ich denke, dass viele Sportler, die an Depressionen leiden, sich nicht mehr scheuen an die Öffentlichkeit zu gehen und das Thema nun mit Hilfe anderer bekämpfen, zumindest bleibt das zu hoffen.

Sehe ich genauso, aber das mit dem Guten würde ich nicht so sagen... kann leicht missverstanden werden.
 

Oldschool

Spielgestalter
Moderator
Sehe ich genauso, aber das mit dem Guten würde ich nicht so sagen... kann leicht missverstanden werden.
Eigentlich nicht, wenn man user miLch kennt. Er meinte, dass vom Tod Enkes eine Signalwirkung ausgehen könnte, dass sich nämlich depressive Menschen eben nicht notwendiger weise in das selbe Schicksal ergeben müssen. Dass es ihnen vllt. leichter fällt, sich zu öffnen. Leichter gesagt als getan. :gruebel:
 
Wenn ich das heute mittag richtig gelesen habe hat Biermann bereits im Oktober einen gescheiterten Selbstmord hinter sich, seitdem sollen seine Mannschaftskollegen und der Verein Bescheid wissen.

Dennoch dürfte es so sein, dass Biermann damit wohl nicht an die Öffentlichkeit gegangen wäre wenn es den "Fall" Enke nicht gegeben hätte.

Steht auch in der Presseerklärung des Vereins
Offizielle Homepage des FC St. Pauli von 1910 e. V. - News

Ich möchte nicht wissen wie hoch die Dunkelziffer ist.

Alles Gute Andreas und das Du bald wieder auf dem Damm bist
 
Richtig stark von ihm.
Ich habe das auch im Interview irgendwo gehört... Da hat er gesagt das er es auch macht, damit viele Andere, die die Krankheit haben, den Mut haben und sich behandeln lassen
 
Auch wenn es ziemlich paradox klingt, hat der Tod von Enke, ganz ganz vorsichtig gesagt, auch was "Gutes". Ich denke, dass viele Sportler, die an Depressionen leiden, sich nicht mehr scheuen an die Öffentlichkeit zu gehen und das Thema nun mit Hilfe anderer bekämpfen, zumindest bleibt das zu hoffen.


Du nimmst mir die Worte aus der Tastatur.
 

Ichsachma

Loretta-Spezerl
Das ist ähnlich wie bei einem Sterbenskranken:

Man möchte helfen, es gelingt vermutlich auch manchmal, aber ganz vorwiegend kann man die chemischen Prozesse im Hirn einfach nicht ändern.

Depression ist teuflisch, selbst liebende Familie können daran selten etwas ändern.
 

Rossi

Berliner Nachteule
Moderator
Diese Krankheit kann eine wahre Plage sein. Und es gibt ganz unterschiedliche Erscheinungsformen. :(

Wenn man als Betroffener "Glück" hat, hat man z.B. "nur" eine "Reaktive Depression", was bedeutet, dass es einen ganz konkreten Anlass/Auslöser gab. Mit Gesprächen und chemischen Hilfsmitteln ist sowas meist dauerhaft heilbar. Hatte ich leider selbst mal, als bei meiner damaligen Lebensgefährtin eine tödliche Krankheit diagnostiziert wurde, bei der ich ganz genau wusste, dass sie ab diesem Zeitpunkt nur noch 2 bis max 10 Jahre Lebenserwartung hatte (statistischer Wert bei der Ausgangslage). Im sechsten Jahr hat sie mich dann urplötzlich eingeholt, die Depression - mit echt erschreckenden und verwirrenden Symptomen. Gehört und gesehen hatte ich vorher schon einige in meinem Umfeld (Mutter und die eben genannte Lebensgefährtin), sie aber selbst zu erleben, ist nochmal eine ganz andere Nummer... Allerdings bestand bei mir glücklicherweise zu keiner Zeit Suizidgefahr o.dgl. Aber: Ich war knapp ein Jahr arbeitsunfähig.

Wenn man als Betroffener "Pech" hat, ist sie mehr oder minder genetisch bedingt und damit oft chronisch ("Endogene Depression")...mal mit besseren, aber allzuoft leider mit sehr vielen schlimmen Momenten, wo man in der Tat als Außenstehender mit guten Worten nullkommanix erreichen kann. Die Betroffenen leiden leider sehr oft auch noch unter den Nebenwirkungen der Medikamente...was ein paar Wochen halbwegs gut funktioniert, wird wirkungslos oder die Nebenwirkungen verstärken sich. Die meisten Medikamentengruppen machen fürchterlich träge, müde und den Kopf ganz wattig. Man nimmt zwar die Tiefen als nicht mehr so tief wahr, aber es macht auch nichts mehr Freude - weder positive noch negative Ausschläge. Und man nimmt das ja wahr als Betroffener...dann versucht man wieder ein anderes Medikament... Hinzu kommt, dass die Pillen erst ab ca 4-6 Wochen ihre Wirkung entfalten (WENN es denn die richtigen sind). Kurzfristige, harte Helferlein gibt es natürlich auch, die machen aber oft ganz fix abhängig und schädigen genauso fix Leber und Nieren.

Als Depressiver hockt man - bildlich gesprochen - auf dem Grund einer Suppenschüssel, bei der man schlimmstenfalls das obere Loch (Licht) gar nicht mehr sehen kann - und über den Rand gucken geht mal gar nicht. Alles ist schwarz, manche sagen, sie können nicht einmal mehr Farben wahrnehmen. Man kommt morgens nicht aus dem Bett, als hätte man Blei im Kopf und im Körper. Alles ist schwer, man hat an nichts Freude, ist todtraurig und ist zu absolut NICHTS fähig. Keine Power, kein Antrieb. ALLES, was einen mal interessierte, ist dann absolut bedeutungslos...jeder Tag ein Kampf. Da kommen bei dieser Gruppe der Betroffenen meist über kurz oder lang Gedanken, dass man möglicherweise tot besser dran sein würde, dann muss man nicht mehr an die nächsten elendigen Stunden, Tage, Monate und Jahre denken, die man eventuell in diesem Zustand verbringen muss. Schlimm.

Ach ja, und mit Gesprächstherapien wird es meist nicht wirklich besser. Natürlich ist es besser, überhaupt mit jemandem im Gespräch zu sein/bleiben. Das ist sogar ganz wichtig. Die Angehörigen können das selbstverständlich so nicht leisten, zudem die "Betroffenen" ihr Umfeld nicht noch weiter "belästigen" wollen, als es ja ohnehin schon geschieht... Für die Angehörigen und Partner ist diese Krankheit ebenfalls super anstrengend und sehr sehr kräfteraubend. Da muss man trotz allem Mitgefühl und gern geleisteter Unterstützung ab und an auf seinen eigenen Batteriepegel gucken (was natürlich nicht immer sonderlich gut gelingt, weil man ja denjenigen, den man liebt, unterstützen möchte).

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Alles Gute an die Familie und Freunde - viel Kraft für die kommende Zeit. :(
 
Zuletzt bearbeitet:

kleinehexe

SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16
Meine Schwester ist auch an einer Depression erkrankt, mal geht's besser mal schlechter.
Ich denke da ganz oft an die Worte von Theresa Enke "„Wir haben gedacht, wir schaffen alles. Wir dachten, mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht immer.“ - Das beschreibt die ganze Hilflosigkeit als Angehöriger.

Ich wünsche der Familie und den Freunden von Andreas Biermann viel Kraft für die kommende Zeit.
 
Scheinheilige Welt , nennt man so was
Hauptsache die Pharmaunternehmen verdienen sich dumm und dämlich. Aber nach
den Ursachen forscht niemand, blöde Gesellschaft :gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel:
Ach Rossi, manchmal denke ich bist in der Forschung beschäftigt :)
 

André

Admin
Ich glaube wenn das so einfach wäre, hätte es längst jemand erfunden. Die Gründe sind aber doch oft sehr individuell und nicht einfach auf Knopfdruck oder durch Medikament XY abstellbar, gerade das macht es ja so gefährlich.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Für Interssierte: http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/depression/

Diagnostig ist relativ leicht. Heilung bisher so gut wie unmöglich. Allerdings ist es auch nicht so, dass man nix machen könnte. Ursachenforschung wird wie blöde betrieben, bisher gab es aber noch nicht den durchschlagenden Erfolg (wie übrigens bei vielen weit verbreiteten Krankheiten: Diabetis, Bluthochdruck, HKK, usw.)

Und noch ein Kommentar zu Frau Enke: Liebe hilft gegen Depression so gut, wie Liebe gegen einen Beinbruch hilft.
 
Scheinheilige Welt , nennt man so was
Hauptsache die Pharmaunternehmen verdienen sich dumm und dämlich. Aber nach
den Ursachen forscht niemand, blöde Gesellschaft :gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel:
Ach Rossi, manchmal denke ich bist in der Forschung beschäftigt :)

Das die Pharmakonzerne immer gerne verdienen wollen, is doch nicht neu. Aber gut. Das is n anderes Thema.

Die Mediziner können dir die Birne aufsägen und da drin rumdoktern auf Teufel komm raus, aber die Psyche eines Menschen scheinen sie nicht ......:suspekt:......, heilen.....:suspekt:........ zu können.
In diese Richtung müssen se wohl noch n bisschen intensiver forschen. ...............:cool::cool:
 

Rossi

Berliner Nachteule
Moderator
Meine Schwester ist auch an einer Depression erkrankt, mal geht's besser mal schlechter.
Ich denke da ganz oft an die Worte von Theresa Enke "„Wir haben gedacht, wir schaffen alles. Wir dachten, mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht immer.“ - Das beschreibt die ganze Hilflosigkeit als Angehöriger.
Hmpf, wie blöd (mit deiner Schwester). :( Dann brauchst auch du und deine Familie viel Geduld, Kraft und Hoffnung. Ist sie noch berufstätig? Ganz wichtig bei Depressiven ist eine möglichst straffe Strukturierung des Tagesablaufes (zu einer festen Zeit regelmäßig aufstehen, Dinge im Haushalt erledigen, Einkaufen usw. - Aufgaben eben). Katrin damals war leider nie wirklich dauerhaft arbeitsfähig auf dem sog. 1. Arbeitsmarkt, aber sie hat z.B. für eine ziemlich lange Zeit so'nen 1-Euro-Job über das Jobcenter in einer Art Garten-Firma bekommen. Da hat sie mit anderen "Leidensgenossen" in einer festen Gartenanlage gearbeitet, wo z.B. Grundschul-Klassen zu Besuch kamen... Das hat ihr Spaß gemacht, sie hatte eine Tages-Struktur und konnte sich so zumindest stundenweise etwas vom Drama ablenken. Klappt natürlich nicht immer, wenn die "Schübe" kommen, aber dennoch, es erhöht die Lebensqualität zumindest temporär.

Scheinheilige Welt , nennt man so was. Hauptsache die Pharmaunternehmen verdienen sich dumm und dämlich. Aber nach den Ursachen forscht niemand, blöde Gesellschaft :gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel::gruebel:
Ach Rossi, manchmal denke ich bist in der Forschung beschäftigt :)
Die würden sogar sehr viel mehr verdienen, wenn sie eine Universal-Lösung/-Medikament finden würden. Die Nachfrage/Bedarf wäre/ist riesig, wenn sich dann eine Pharmabude von der Konkurrenz absetzen könnte, wäre das eine Goldgrube...auf Jahre. Und ja, na klar, die forschen wie wild.

Das Problem ist, dass das nicht unbedingt eine reine psychische Ursache hat, sondern es sich um eine Störung des Gehirn-Stoffwechsels handelt. Da weiß man noch wenig, WIE es funktioniert und WARUM. Wenn es von einem der vielen Botenstoffe zu viel oder zu wenig gibt, hat das massive Auswirkungen auf das seelische Gleichgewicht. Gibt man das extern hinzu, kann das wiederum Auswirkungen in anderen Arealen hervorrufen. Jedes Gehirn ist einzigartig, und damit auch die chemische Zusammensetzung. Das kann man nicht in Gramm abmessen und einfach auffüllen. Leider. :(

P.S. Wenn ich jetzt korinthenkackerisch drauf wäre, könnte ich auf die Idee kommen du verachtest mich ein klitzekleinwenig ("Scheinheilige Welt...verdienen sich dumm und dämlich...forscht niemand..." dann aber "...manchmal denke ich, bist in der Forschung beschäftigt...") ;) Nee, ich weiß schon, wie du das meintest, keine Sorge. ;) Und "nein", bin ich so gar nicht. Sachbearbeitung in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, trifft's eher. :D
 
Zuletzt bearbeitet:

GilbertBrown

Green Bay Packers Owner
Das die Pharmakonzerne immer gerne verdienen wollen, is doch nicht neu. Aber gut. Das is n anderes Thema.

Die Mediziner können dir die Birne aufsägen und da drin rumdoktern auf Teufel komm raus, aber die Psyche eines Menschen scheinen sie nicht ......:suspekt:......, heilen.....:suspekt:........ zu können.
In diese Richtung müssen se wohl noch n bisschen intensiver forschen. ...............:cool::cool:

A: Welches Wirtschaftsunternehmen ist nicht darauf ausgelegt Geld zu verdienen?
B: Die Pharmabranche ist wohl die Branche, die mit den größten Unsummen in Vorleistung gehen muss, um überhaupt mal Geld zu verdienen.

Dazu kommt das Problem, dass sich Erfolge bei manchen Erkrankungen an objektiven Gesichtspunkten messen lassen und bei anderen nur an subjektiven Gesichtspunkten. Und Depression gehört mit absoluter Sicherheit zu Zweiterem, welche sich aber nur sehr sehr viel schwerer statistisch belegen lassen. Eine Firma, die sich allein auf Medikationen für Krankheiten, die auf subjektiven Wirksamkeitsendpunkten bestehen, versteift, ist schneller Pleite als sie schauen kann.

Alles nicht so einfach.
 

kleinehexe

SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16
Hmpf, wie blöd (mit deiner Schwester). :( Dann brauchst auch du und deine Familie viel Geduld, Kraft und Hoffnung. Ist sie noch berufstätig? Ganz wichtig bei Depressiven ist eine möglichst straffe Strukturierung des Tagesablaufes (zu einer festen Zeit regelmäßig aufstehen, Dinge im Haushalt erledigen, Einkaufen usw. - Aufgaben eben). Katrin damals war leider nie wirklich dauerhaft arbeitsfähig auf dem sog. 1. Arbeitsmarkt, aber sie hat z.B. für eine ziemlich lange Zeit so'nen 1-Euro-Job über das Jobcenter in einer Art Garten-Firma bekommen. Da hat sie mit anderen "Leidensgenossen" in einer festen Gartenanlage gearbeitet, wo z.B. Grundschul-Klassen zu Besuch kamen... Das hat ihr Spaß gemacht, sie hatte eine Tages-Struktur und konnte sich so zumindest stundenweise etwas vom Drama ablenken. Klappt natürlich nicht immer, wenn die "Schübe" kommen, aber dennoch, es erhöht die Lebensqualität zumindest temporär.
...

Ja, sie ist noch berufstätig, nicht Vollzeit, aber 4 Stunden täglich (Büro). Mehr geht nicht, weil sie meist mittags von den Medikamenten platt ist. Ihr Chef weiß Bescheid und es ist auch kein Problem wenn es mal an einem oder anderen Tag gar nicht geht - dann macht ihre Kollegin ein bissl mehr. Und sie fühlt sich da auch wohl, seit sie die Karten auf den Tisch gelegt hat.
Was die Medikamente betrifft, ich glaube sie ist jetzt bei Antidepressiva Nummer 8. Das wirkt recht gut im Moment. Sie hatte aber auch mal eins da hat der Körper den Wirkstoff direkt entsorgt. Ihre Ärztin macht seit dem in regelmäßigen Abständen einen Check, wie hoch der Spiegel des Wirkstoffs ist.
Was ihr auch hilft ist ihr Hund, irgendwie wirkt er sehr positiv auf sie. Und so hat mein Schwager sie dazu gebracht regelmäßig raus zu gehen.
 

Detti04

The Count
Rossi hat ja schon ein paar Dinge erwaehnt, die einer Depression zumindest zum Teil hilfreich entgegen wirken koennen:
- Strukturierter Tagesablauf
- Geregeltes Schlafen
- Bewegung und Sonnenlicht

Dazu kommen meiner Meinung nach noch ein paar andere Faktoren, die ich wichtig finde und die von Vielen meiner Meinung nach oft uebersehen werden:

- Das Setzen von Zielen
Das muessen keine besonders grossen Ziele sein, aber es sollte auch kein Kleckerkram sein: Eben ein Ziel, welches dem Depressiven bei dessen Erreichung das Gefuehl gibt "Toll, ich hab was geschafft. Ich bin also was wert." So ein Ziel kann bei jedem anders sein: Beim Einen ist das vielleicht die Teilnahme an 'nem Halbmarathon, beim Anderen ein Kochkurs mit anschliessendem Abschlussmenue, beim Dritten vielleicht ein Sprachkurs mit abschliessendem Test (oder einer Reise ins entsprechende Land). Eben ein Ziel, welches prinzipiell erreichbar ist, bei dem aber auch die Gefahr des Scheiterns besteht. Wuenschenswerter Nebeneffekt ist, dass dieses Ziel dann eben auch Motivation waehrend des Weges dorthin gibt: Wer einmal die Woche gerne zu einem Kochkurs geht, weil er in der Lage sein will, am Ende des Kurses ein 5-Gaenge-Menue hinzuzaubern, der ist weniger depressiv.

- Entscheidungshoheit ueber das eigene Leben
Mit eines der groessten Probleme in einer Depression ist die mangelnde Entscheidungsfreude, welche dann zu einem vermehrt fremdbestimmten Leben fuehrt, welches wiederum die Depression verstaerkt. Als Beispiel:
"Haettest Du lieber Pizza oder Pommes?"
"Weiss nicht. Mir egal."
"Na gut, dann Pommes."
"Hm."
Ist ein solches Szenario Alltag, stellt sich beim Depri ein Gefuehl der Ohnmacht ein, weil ja andauernd andere fuer ihn entscheiden. Das Gegenmittel dagegen ist extrem einfach: Wenn es Dir egal ist, welche Option genommen wird - nimm einfach irgendeine! Das Wichtige ist, dass Du entscheidest!
(Es entlastet uebrigens auch das Umfeld des Depri ungemein, wenn dieser wieder Entscheidungen faellt. Das oben beschriebene Pizza-oder-Pommes-Szenario geht auf Dauer naemlich beiden Seiten komplett auf den Nerv.)

- Scheisskram ignorieren
Es gibt taeglich ganz viele Sachen, die einem die Stimmung versauen koennen, auf die man sich aber gar nicht einlassen muss. Wieso also den Tag mit so einem Mist verbingen, wenn man stattdessen auch Sachen machen kann, die einem Freude bringen? Ein paar Beispiele:
-Muss ich wirklich wissen, wer an welchem Ende der Welt gerade wen umbringt? Wozu? Nur, damit Depri erneut feststellt, wie schlecht die Welt ist? Ignoriere Tagesschau und Konsorten, die braucht kein Mensch!
-Unsinnige Diskussionen in Fussballforen? Mit Typen, mit denen Du eh nichts zu tun hast und/oder die nur rumtrollen wollen und/oder zum Kacken zu doof sind? Was soll das bringen, ausser Dir die Laune zu verhageln? Wieso ernst nehmen? Ignoriere Deppen! (Gilt uebrigens auch im realen Leben.)

- Sich nicht so wichtig nehmen
Ein grosser Teil einer Depression bzw. des selbstverstaerkenden Elements derselben kommt ja aus dem Gefuehl, seinem Umfeld zur Last zu fallen oder dieses zu enttaeuschen. Auch wenn das oftmals richtig ist, ist es noch lange kein Grund zum Drama: Jeder geht irgendwem auf den Geist, faellt irgendwem zur Last oder enttaeuscht irgendwen. Du als Depri hast da keine grosse Ausnahmestellung inne.

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Und dann ist da noch eine Anmerkung fuer das Umfeld bzw. die Gesellschaft an sich:

Es gibt kein normal.

Soll heissen: Das, was wir als "normal" ansehen, ist nicht mehr als ein statistischer Durchschnitt, womoeglich mit einem akzeptierten Konfidenzintervall. Oftmals habe ich das Gefuehl, dass die Gesellschaft jeden, der ausserhalb dieses Durchschnitts liegt, am liebsten zurueck auf diesen Durchschnitt trimmen wuerde. Das is in etwa so sinnvoll wie jemanden, der besonders gross oder klein ist, durch Stauchen oder Strecken auf die Durchschnitssgroesse von 1,80 m trimmen zu wollen. Damit meine ich, dass ich glaube, dass auf Andersartigkeit zu oft mit einer versuchter Aenderung hin zum "Normalen" reagiert wird, statt diese Andersartigkeit einfach hinzunehmen als das, was sie ist.
 
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