Springer Post goes Politik

Princewind

Rassist und Lagerinsasse
aus Protest gegen den gesetzlich nun eingeführten Mindestlohn im Postdiensleistungsgewerbe hat die PIN AG( Axel Springer als Beteiligter) nun angekündigt Massenentlassungen zu starten. Mal abgesehen davon ob dies im Rahmen des gesetzlich Erlaubten ist stelt sich mir nun die Frage in wie weit Unternehmen auf derart dreistie Art und Weise in die Politik eingreifen dürfen.

Kleine Anekdote am Rande, Hauptauftraggeber der Springer Post sind Bund, Land und Kommunen, also gibt der Staat hier die Aufträge an einen Anbieter, weil dieser günstiger ist und niedrig Löhne zahlt. Kein Wunder warum gewisse Parteien gegen den Mindestlohn in diesem Bereich sind, da denken wohl einige Lokal- und Provinzpolitiker nur an ihr eigenes Budget.


Postdienstleister PIN Group entlässt 1000 Mitarbeiter - Yahoo! Nachrichten Deutschland
 

Schröder

Problembär
Nun, wer mit Massenentlassungen auf gerechte Löhne reagiert, sollte bei den nächsten öffentlichen Aufträgen nicht mehr berücksichtigt werden...
 

André

Admin
Nun, wer mit Massenentlassungen auf gerechte Löhne reagiert, sollte bei den nächsten öffentlichen Aufträgen nicht mehr berücksichtigt werden...
Genau das passiert aber leider nicht, Im Gegenteil die sind dann noch günstiger als die Konkurrenz.
Wenn ich sehe das an öffentlichen Baustellen des Staats illegale Einwanderer für 3 Euro die Stunde arbeiten, dann fällt mir nichts mehr ein. :suspekt:
 

Princewind

Rassist und Lagerinsasse
Nun, wer mit Massenentlassungen auf gerechte Löhne reagiert, sollte bei den nächsten öffentlichen Aufträgen nicht mehr berücksichtigt werden...

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, nur siehste ja, selbst unsere Politiker sind zum Teil der Meinung Mindestlöhne müssen nicht sein (Was bedeutet, sie sind der Meinung, die (anderen, speziell die Postboten) verdienen genug....).

Obwohl, wenn es ums eigene Salär geht, dann können sie nicht nur schnell, sondern auch geschlossen, eine Erhöhung beschließen.
 

fabsi1977

Theoretiker
Tja, so ist das nun mal, öffentliche Bauten sind nach VOB auszuschreiben, der günstigstes Bieter hat den Zuschlag zu bekommen, im Regelfall ist das der mit dem billigsten Angebot.
 

Princewind

Rassist und Lagerinsasse
Tja, so ist das nun mal, öffentliche Bauten sind nach VOB auszuschreiben, der günstigstes Bieter hat den Zuschlag zu bekommen, im Regelfall ist das der mit dem billigsten Angebot.


Naja, nicht so ganz. In Berlin ist nen Gesetz verbaschiedet worden, das besagt bei der Auftrgasvergabe ist zwingend notwenig, daß der Auftragnehmer seine Angestellten nach Tarif bzw den Mindestlohn zahlt. Nun sollte auch klarer werden, warum Springer gegen den Mindestlohn ist, demnach würden sie nämlich keinen großen Gewinn mehr machen aus den öffentlichen Aufträgen.
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
Naja, nicht so ganz. In Berlin ist nen Gesetz verbaschiedet worden, das besagt bei der Auftrgasvergabe ist zwingend notwenig, daß der Auftragnehmer seine Angestellten nach Tarif bzw den Mindestlohn zahlt. Nun sollte auch klarer werden, warum Springer gegen den Mindestlohn ist, demnach würden sie nämlich keinen großen Gewinn mehr machen aus den öffentlichen Aufträgen.
springer ist der letzte dreck.
und die politiker, die dem verlag die stange halten, sollte man nicht wählen.
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
wenn ich die berichte vom cdu-parteitag sehe, habe ich den eindruck, dass ich den idiotenstadl eingeschaltet hab.

die haben ja richtig spaß am scheißereden!

da muss man allerdings gar nichts mehr übersetzen.
 

Dilbert

Pils-Legende
Nun, wer mit Massenentlassungen auf gerechte Löhne reagiert, sollte bei den nächsten öffentlichen Aufträgen nicht mehr berücksichtigt werden...

...aber da Springer da seine Dreckspfoten im Spiel hat, wird das nicht passieren, weil jeder, der seine Aufträge zurückzieht, hemmungslos in der Presse gemobbt werden wird. Wie ja auch alle Promis, die keine Lust haben da Interviews zu geben, oder sich kritisch äussern.
 

andon

Glubbsau
Eine andere nette Anekdote zur PIN-Group ist, wenn auch schon ein wenig her, die vom inszenierten Streik:

Angestellte der PIN-Group haben vor ein paar Wochen gegen den Mindestlohn "gestreikt" oder vielmehr demonstriert, weil sie zu befürchten hätten, ihre Arbeitsplätze zu verlieren. So weit, so gut, ist ja ihr gutes Recht ihre Meinung frei zu äußern, allerdings haben sich dann ein paar von ihnen verplappert. Der Tag der Demo wurde ihnen nämlich als Arbeitszeit voll bezahlt.

Aber es wundert mich eh, dass der Mindestlohn bei den Briefzustellern jetzt wohl doch kommt, so dicke wie die Kanzlerin mit dem Springer-Verlag und auch deren "Aushängeschild" ist.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Mal ehrlich:
Ich begreife das alles nicht mehr.
Ein Service, der als wichtig für die Gesellschaft wahrgenommen wird (und das wird er, denn sonst würde PIN ja auch nicht seine Kohle damit verdienen), kann nicht wichtig und richtig für diesselbe sein, wenn diejenigen, die ihn fulltime ausführen nicht anständig ihr Leben davon bestreiten können.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
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Moderator
aus Protest gegen den gesetzlich nun eingeführten Mindestlohn im Postdiensleistungsgewerbe hat die PIN AG( Axel Springer als Beteiligter) nun angekündigt Massenentlassungen zu starten. Mal abgesehen davon ob dies im Rahmen des gesetzlich Erlaubten ist stelt sich mir nun die Frage in wie weit Unternehmen auf derart dreistie Art und Weise in die Politik eingreifen dürfen.

Also das es die PIN AG möglicherweise in Kauf nimmt, ein politisches Signal zu setzen, kann ich mir zwar auch vorstellen. Aber, dass es der PIN AG nun tatsächlich überwiegend darauf ankommt, mit ihrer Entscheidung Einfluss auf die Politik zu nehmen, das kann ich eigentlich nicht erkennen.

Gleichsam müsste man auch jedem mittelständischen Bauunternehmer vor zig Jahren dies unterstellen. Denn im Bau gibt es seit Jahren einen gesetzlichen Mindestlohn und bei Einführung dessen sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch Firmen über die Klinge gesprungen oder haben freiwillig die Segel gestrichen und ihre Arbeiter auf die Straße gesetzt.

Ich denke, dass man mit der Aussage, unternehmerische Entscheidungen für oder gegen etwas werden getroffen, um politisch Druck auszuüben, oder als "Protest" gegen eine politische Entscheidung, vorsichtig sein muss. Alternativ empfehle ich, sich mal gedanklich auf die Seite eines Unternehmensinhabers oder Vorstandsvorsitzenden zu stellen und von da aus die Problematik zu betrachten. Denen gehts ums Geld, um den Gewinn, und der muss maximalmöglich sein - unter der Berücksichtigung, seine Kundschaft am Leben - und die Abeiter halbwegs motiviert zu erhalten.

Es ist nunmal offenbar so, dass die PIN AG ihre wirtschaftlichen Ziele gefährdet sieht, wenn es zum Mindestlohn bei den Briefzustellern kommt. Das ist doch genau das, was die Politik (und auch die Arbeitnehmervertreter) will. Jemand, der nicht bereit oder in der Lage ist, ihre Arbeitnehmer so zu bezahlen, dass diese davon leben können, sprich, wer den Mindestlohn nicht aufbringen kann oder will, der soll halt vom Markt verschwinden. Und nix anderes macht die PIN AG. Ich erkenne da keinen "Protest", sondern eher die gezogene Konsequenz dieser Firma.

Ich glaube, dass die bewusste, gezielte Einflussnahme mit dieser Ankündigung nicht stattfindet. Denn sowohl die Tarifpartner also auch die Politik haben sich mit Sicherheit mit diesem Problem im Vorfeld auseinandergesetzt, und dennoch ihre Vorstellungen durchgezogen. Da kommt die "Signalsetzung" oder "Einflussnahme" wohl zu spät.
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Es ist nunmal offenbar so, dass die PIN AG ihre wirtschaftlichen Ziele gefährdet sieht, wenn es zum Mindestlohn bei den Briefzustellern kommt.
Die Frage ist: Stimmt das?
Jemand, der nicht bereit oder in der Lage ist, ihre Arbeitnehmer so zu bezahlen, dass diese davon leben können, sprich, wer den Mindestlohn nicht aufbringen kann oder will, der soll halt vom Markt verschwinden. Und nix anderes macht die PIN AG. Ich erkenne da keinen "Protest", sondern eher die gezogene Konsequenz dieser Firma.
Ich denke, wer will, der kann auch.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
Die Frage ist: Stimmt das?

Ich denke doch....
Wirtschaftliches Ziel ist es, Geld zu verdienen, und das im Briefzustellergewerbe. Dazu muss die Firma zum ersten der Deutschen Post AG Marktanteile abnehmen, das geht nur bei gleicher Qualität preiswerter oder bei gleichem Geld eben qualitativ besser. Man will also, so vermute ich, preiswerter operieren. Das geht nun offenbar nicht mehr, da die Personalkosten ebensohoch sind wie bei der Deutschen Post AG. Und da die Personalkostenquote sehr hoch ist in diesem Gewerbe, war es offenbar die beste Möglichkeit, an dieser Stelle signifikant zu sparen.

Ich denke, wer will, der kann auch.

Nee, nicht immer. Wozu gibt es sonst Insolvenzverfahren?
 

Itchy

Vertrauter
BU, den Unterschied zwischen Gewinnerwirtschaftung und Gewinnmaximierung ist Dir aber bekannt?

Und Insolvenzen bei Playern in der Springer-Gewichtsklasse sind auch eher die Ausnahme, es sei denn sie lohnt sich für den Konzern.

Für mich eh wieder so ein Fall, wo eine Reglementierung hingehört. Was bitte hat der Springerhaufen mit Postzustellung zu tun? Die finanzielle Macht, die hinter Konzernen steht, ist eine ganz klare Verzerrung des Wettbewerbes, auf den sich eben die Verfechter der freien Marktwirtschaft so gerne berufen.
 

drunkenbruno

Keyser Söze
Ich finde es schon erstaunlich:

Da kündigt die PIN AG an 1000 Mitarbeiter zu entlassen....angeblich wg. dem Mindestlohn. Ferner verschweigt man, dass man im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit bisher etwas mehr als 55 Mio € Miese eingefahren hat.
Das Witzige überhaupt ist auch noch, dass man die STREIKENDEN MITARBEITER bezahlt, die angeblich gegen den Mindestlohn sind. Dass man genau diese Mitarbeiter wg. Managerversagen sowieso an die Luft setzen wird....verschweigt man....

Hier in der Diskussion wird auch immer der Zusammenhang des Stellenabbaus durch den Mindestlohn genannt. Ich bin kein BWLer...aber durch Lohndumping gehen meiner Meinung nach auch Stellen den Bach runter. Wieviele deutsche Bauunternehmen sind in den 90ern pleite gegangen, weil sie eben keine Billigarbeiter beschäftigt haben.

Wenn es diesen Mindestlohn nicht gibt, würden eben bei der deutschen Bund....äh Post auch einige 10000 Arbeitsplätze verloren gehen....aber das wird hier eben auch vergessen.

Ich kann mir eben nicht vorstellen, dass man mit dem Tariflohn eines Frisörs seine Familie durchbringen kann..... Ihr könnt ja mal googeln, was der verdient.......

Deswegen bin ich uneingeschränkt für den Mindestlohn in allen Bereichen! Für 5 € und ein paar Zerquetschte würden wohl 98% der Leute nicht einen Handschlag tun......
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
BU, den Unterschied zwischen Gewinnerwirtschaftung und Gewinnmaximierung ist Dir aber bekannt?

Und Insolvenzen bei Playern in der Springer-Gewichtsklasse sind auch eher die Ausnahme, es sei denn sie lohnt sich für den Konzern.

Für mich eh wieder so ein Fall, wo eine Reglementierung hingehört. Was bitte hat der Springerhaufen mit Postzustellung zu tun? Die finanzielle Macht, die hinter Konzernen steht, ist eine ganz klare Verzerrung des Wettbewerbes, auf den sich eben die Verfechter der freien Marktwirtschaft so gerne berufen.

Also wenn schon, dann muss man auch ein wenig vorurteilsfrei sein, denke ich.

Die Deutsche Post AG hat das Briefzustellmonopol. Andere Firmen haben diesbezüglich mal überhaupt keine "Marktmacht". Und die komische Firma, die zu Springer gehört, ist eine eigentändige Kapitalgesellschaft und somit ggf. schon von Insolvenz bedroht. Und klar hat die Mutter, der Springer-Konzern eine enorme finanzielle Macht, aber die hat die Deutsche Post AG auch, und wenn die Deutsche Bank, Burda, Daimler oder Bertelsmann wollten, könnten sie auch mithalten. Die wollen aber offenbar nicht oder noch nicht, und ich denke, deswegen Springer seine finanziellen Mittel vorzuwerfen, ist ziemlich einfach und auch nicht ganz fair.

Im Sport würde das so aussehen, als wenn man dem Valujew seine Größe und Masse vorwerfen würde, wenn er boxt. (Ich weiss, das hinkt ein wenig)

Klar ist mir der Unterschied zwischen Gewinne machen und maximieren klar. Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass hier zwangsläufig die Insolvenz droht, sondern dass die Geschäftsziele nicht mehr erreicht werden.

Wenn du eine Firma hast und entscheiden müsstest, ob du 150.000 Euro verdienst oder nur 100000 und dafür einen Mitarbeiter mehr bezahlst (der jedoch nicht mehr Umsatz bringt), dann müsstest du entsprechend dem marktwirtschaftlichen Gesetzen dich für die 150.000 Euro entscheiden und gegen den Mitarbeiter. Wenn nicht, wärest du ein "schlechterer" Unternehmer als andere.

Und dier stehen eben nicht 150.000 sondern mehrere Millionen zur Debatte und auf der anderen Seite etliche Mitarbeiter. Der Kapitalgeber des Ladens erwartet jedoch eine entprechende Rendite auf sein kapital, ebenso, wie du Zinsen von der Bank erwartest, und du lieber 1% mehr bekommen wollen würdest als 1% weniger.

Und in "diesen Kreisen" ist auch eins klar. So ein Unternehmen ist keine Hobby-Veranstaltung, wo man mehrere Tausen Mirarbeiter beschäftigt, um sie von der Strasse zu holen. In solch ein Unternehmen werden etliche Summen reingesteckt, die wie es eben logisch ist, eine Maximalrendite, also mindestens mehr als die Marktrendite und den Risikozuschlag abwerfen soll. Und wenn dieses Ziel nicht mehr erreichbar ist, dann wird das Projekt eben eingestellt.

Wieder ein hinkender Vergleich: Wenn ich meine, mein Fussballspiel ist eine Million wert und ich kann die im Markt bekommen, dann werde ich nicht dort anfangen, wo ich nur 950000 bekomme, sondern eher, wo ich 1,1 Mille bekommen kann.

Naja und was der Springer-"Haufen" mit Postzustellung zu tun hat, kann ich dir leicht erklären. Genausoviel wie ein Abiturient mit einem Strukturvertrieb oder Daimler Benz mit AEG, nämlich nix. Aber sie probieren halt aus, sich in diesem Gewerk sesshaft zu machen. Ich denke, das kann und sollte man keinem verbieten - auch nicht moralisch. Denn wo diese Moral hinführt, ist gar nicht abzusehen.

Nicht dass ich falsch verstanden werde. Ich bin auch für den Mindestlohn und ich weiss auch um die Einflussnahme der Wirtschaft, namentlich gewisser Kreise, auf die Politik. Aber so einfach ist das eben nicht, als dass man sofort mit Kanonen drauf schiesst. Denn genauso nehmen andere Kreise Einfluss auf die Politik, ja das ganze Leben und Land nimmt Einfluss darauf, denn nur dadurch kann sich Politik auch fortentwickeln und können Entscheidungen getroffen werden.

Also wenn hier schon der mögliche Einfluss von Springer kritisiert wird, dann bitte auch der Einfluss von Gewerkschaften, Verbänden, Vereinen, anderen Konzernen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern und überhaupt von allen.
 

Princewind

Rassist und Lagerinsasse
Du vergisst bei dem Vergleich Valujew, das er dann auch in Kleinkleckersdorf vor 20 Leuten boxen müsste.

Pin betreibt Rosinenpicken, d.h. die suchen sich nur die Märkte aus, wo sie Profit erwirtschaften können. Ländliche Gegenden mit langen Wegen und wenig Briegaufkommen wird von PIN gemieden, dafür ist dann die Post wieder gut genug.

Und die Postlöhne auf das Niveau der Dumpinglöhne von PIN runterzudrücken, das kann z.B. auch ein Herr Koch aus Hessen nicht wollen. Wenn doch sollte er aus der CDU austreten, Lohndumpoing ist nämlich nicht christlich.
 

Markus

Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.
Pin betreibt Rosinenpicken, d.h. die suchen sich nur die Märkte aus, wo sie Profit erwirtschaften können. Ländliche Gegenden mit langen Wegen und wenig Briegaufkommen wird von PIN gemieden, dafür ist dann die Post wieder gut genug.

Und die Postlöhne auf das Niveau der Dumpinglöhne von PIN runterzudrücken, das kann z.B. auch ein Herr Koch aus Hessen nicht wollen. Wenn doch sollte er aus der CDU austreten, Lohndumpoing ist nämlich nicht christlich.

PIN betreibt in der Tat Rosinenpickerei. Andererseits ist das legal, insbesondere dann, wenn erst daran ist sich zu etablieren. Man darf nicht vergessen, die Post hat rund 200 Jahre gebraucht, um das zu haben, was sie heute hat.
Aber man muss sich auch die Frage stellen, will bzw. wollte PIN/Springer Post überhaupt jemals das ganze Land bedienen.
Ich bezweifle es. Erstrecht weil der Hauptgesellschafter Springer ist. Und die wollen sicher nicht jahrelang warten, bis der Laden rund läuft.

Ehrlich gesagt, ich traue nur einem einzigen Unternehmen zu in Deutschland der Post im Briefbereich richtig Konkurrenz zu machen: die holländische TNT. Sie kommen aus der Branche, haben entsprechende Erfahrungen, sind auch börsennotiert. Aber auch hier gilt: haben sie den Willen und die Ausdauer dazu. Wahrscheinlich nein. Die Expansion in den lukrativen US-Paketmarkt haben sie auch aufgegeben.

Im Grunde unterstütze ich den Postmindestlohn auf quasi Deutsche Post-Niveau, weil ich lieber 1 funktionierende Post habe, als 3-4 Postunternehmen, die nicht ausreichend Leistung bringen (können).
Von mir aus kann die Mehrwertsteuerbefreiung der Deutschen Post gestrichen um mehr Wettbewerbsgleichheit zwischen den Postunternehmen zu schaffen. Und von mir aus kann dann die Deutsche Post das Porto erhöhen. Die paar Cent stören mich nicht.
 

Itchy

Vertrauter
Also wenn schon, dann muss man auch ein wenig vorurteilsfrei sein, denke ich.

Die Deutsche Post AG hat das Briefzustellmonopol. Andere Firmen haben diesbezüglich mal überhaupt keine "Marktmacht". Und die komische Firma, die zu Springer gehört, ist eine eigentändige Kapitalgesellschaft und somit ggf. schon von Insolvenz bedroht. Und klar hat die Mutter, der Springer-Konzern eine enorme finanzielle Macht, aber die hat die Deutsche Post AG auch, und wenn die Deutsche Bank, Burda, Daimler oder Bertelsmann wollten, könnten sie auch mithalten. Die wollen aber offenbar nicht oder noch nicht, und ich denke, deswegen Springer seine finanziellen Mittel vorzuwerfen, ist ziemlich einfach und auch nicht ganz fair.

Wie prince so schön sagt, die Post hat aber dafür die Auflage, jedem zum selben Preis die gleiche Dienstleistung zuzugestehen. Sprich auch die unrentablen Wege zu befahren. Das, was der freie Markt sehr schnell hinten runter fallen oder sich entsprechend bezahlen lassen würde.
Hier stellt sich sich doch wieder die Frage, was ein Staat gewährleisten muß. Die Befriedigung von Grundbedürfnissen, zu denen ich die zugestellte Post rechne, oder die vorgebliche "Freiheit" einiger, so viel Asche wie möglich zu machen.



Im Sport würde das so aussehen, als wenn man dem Valujew seine Größe und Masse vorwerfen würde, wenn er boxt. (Ich weiss, das hinkt ein wenig)

Klar ist mir der Unterschied zwischen Gewinne machen und maximieren klar. Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass hier zwangsläufig die Insolvenz droht, sondern dass die Geschäftsziele nicht mehr erreicht werden.

Wenn du eine Firma hast und entscheiden müsstest, ob du 150.000 Euro verdienst oder nur 100000 und dafür einen Mitarbeiter mehr bezahlst (der jedoch nicht mehr Umsatz bringt), dann müsstest du entsprechend dem marktwirtschaftlichen Gesetzen dich für die 150.000 Euro entscheiden und gegen den Mitarbeiter. Wenn nicht, wärest du ein "schlechterer" Unternehmer als andere.

Unter der Maxime "Eigentum schafft Verantwortung" oder dem Gesichtspunkt, wie ein einzelner seine Stellung in der Gemeinschaft und sein Verhalten ihr gegenüber definiert, kommt mir bei Betrachtung des Verhaltens vieler Unternehmen und ihrer treibenden Führungskräfte immer sehr schnell der Begriff "asozial" in den Sinn.
Zudem hat sich gezeigt, daß ein funktionierendes Verhältnis zwischen Unternehmer und seinen Mitarbeitern da funktioniert, wo eine hohe Identifikation des Unternehmers mit den Inhalten seines Unternehmens und auch -nicht nur uneigennützig- mit seiner Belegschaft herrscht. Mit der Haltung, ein Unternehmen nur als maximale Geldbeschaffungsinvestition zu sehen, geht es in der Regel sehr schnell bergab. Was dem Maximalverdienenden meist so ziemlich an der hintersten Körperöffnung nebst umgebenden Fleischgeschwulst vorbei geht, da er i.d.R. seine Schäfchen längst im Trockenen hat.


Und dier stehen eben nicht 150.000 sondern mehrere Millionen zur Debatte und auf der anderen Seite etliche Mitarbeiter. Der Kapitalgeber des Ladens erwartet jedoch eine entprechende Rendite auf sein kapital, ebenso, wie du Zinsen von der Bank erwartest, und du lieber 1% mehr bekommen wollen würdest als 1% weniger.

Vergleich mal schön Äpfelchen mit Birnchen. Stichwort asozial.

Und in "diesen Kreisen" ist auch eins klar. So ein Unternehmen ist keine Hobby-Veranstaltung, wo man mehrere Tausen Mirarbeiter beschäftigt, um sie von der Strasse zu holen. In solch ein Unternehmen werden etliche Summen reingesteckt, die wie es eben logisch ist, eine Maximalrendite, also mindestens mehr als die Marktrendite und den Risikozuschlag abwerfen soll. Und wenn dieses Ziel nicht mehr erreichbar ist, dann wird das Projekt eben eingestellt.

Immer wieder schön, wie potentielle oder tatsächliche Arbeitnehmer dieses Gebot der Ökonomie widerspruchslos übernehmen. Ohne sich eines Gewissenskonflikt bewußt zu werden. In Vollendung glaubt man dann auch das "C" in CDU oder CSU.

Wieder ein hinkender Vergleich: Wenn ich meine, mein Fussballspiel ist eine Million wert und ich kann die im Markt bekommen, dann werde ich nicht dort anfangen, wo ich nur 950000 bekomme, sondern eher, wo ich 1,1 Mille bekommen kann.

Es ist schon ein Unterschied, ob ich für firlefanz nehme, was einer, der offensichtlich mehr als genug hat, bereit ist zu geben oder ob ich von existentiellen Notwendigkeiten profitiere.

Naja und was der Springer-"Haufen" mit Postzustellung zu tun hat, kann ich dir leicht erklären. Genausoviel wie ein Abiturient mit einem Strukturvertrieb oder Daimler Benz mit AEG, nämlich nix. Aber sie probieren halt aus, sich in diesem Gewerk sesshaft zu machen. Ich denke, das kann und sollte man keinem verbieten - auch nicht moralisch. Denn wo diese Moral hinführt, ist gar nicht abzusehen.

Die Moral ist recht einfach mit dem Wort "Respekt", vor allem vor jedem einzelnen Mensch zu sehen. Aber schon klar, jeder der nicht auf der Gewinnerseite ist, ist selbst dran schuld.

Nicht dass ich falsch verstanden werde. Ich bin auch für den Mindestlohn und ich weiss auch um die Einflussnahme der Wirtschaft, namentlich gewisser Kreise, auf die Politik. Aber so einfach ist das eben nicht, als dass man sofort mit Kanonen drauf schiesst. Denn genauso nehmen andere Kreise Einfluss auf die Politik, ja das ganze Leben und Land nimmt Einfluss darauf, denn nur dadurch kann sich Politik auch fortentwickeln und können Entscheidungen getroffen werden.

Also wenn hier schon der mögliche Einfluss von Springer kritisiert wird, dann bitte auch der Einfluss von Gewerkschaften, Verbänden, Vereinen, anderen Konzernen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern und überhaupt von allen.

Sorry, wenn ich in diesem Kontext kein "Cockpit ist scheiße" oder "Hundt ist ein mieser ohne -t-" untergebracht habe. Obwohl es stimmt.


Und jetzt muß ich noch was sagen, damit mein Text akzeptiert wird:

BU, mach mal ein Urlaubssemester und lern das Leben kennen. Dann kannst von all den theoretischen Abwägungen vielleicht mal praktische Entscheidungen treffen.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
Was hat denn diese Diskussion mit "Entscheidungen" zu tun? Und woher nimmst du die Annahme von (deines Erachtens) fehlender Lebenserfahrung?

Der Unterschied zwischen dir und mir ist der, dass ich das gleiche wahrnehme wie du, aber nicht darüber urteile. Ich bin nämlich kein Richter. Und der Unterschied ist womöglich auch, dass ich genau die gleichen Phänomene, die du auf der einen Seite wahrnimmst und verurteilst, auf der anderen Seite auch sehe und da sehe, dass sie dort nicht verurteilt werden.

Das alles hat aber nix mit "Entscheidungen" zu tun, sondern mit "Einstellung".
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
Art. 14, Absatz 2 GG (Grundgesetz) ordnet die sozialpflichtigkeit des eigentums an.

ein auskömmliches einkommen eines vollzeitbeschäftigten ist eine mindestanforderung an einen auf gewinnerzielung ausgerichteten arbeitgeber.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
Art. 14, Absatz 2 GG (Grundgesetz) ordnet die sozialpflichtigkeit des eigentums an.

Ja, den Artikel kenne ich. Allerdings steht dort "zum Wohle der Allgemeinheit", und nicht "zum Wohle des Solidaritäts- oder Sozialstaatsprinzips". Das "Zum Wohle der Allgemeinheit" kann auch anders aussehen, als Arbeitnehmer einzustellen oder anständig zu bezahlen. Wenn es so einfach wäre, hätte das BVerfG mit Sicherheit schon eine Beschwerde in diesem Zusammenhang entscheiden müssen und dann auch zugunsten der Arbeitnehmer entschieden.

ein auskömmliches einkommen eines vollzeitbeschäftigten ist eine mindestanforderung an einen auf gewinnerzielung ausgerichteten arbeitgeber.

Die Interpretation hingegen erschliesst sich mir nicht im Zusammenhang mit diesem Artikel.

Überspitzt ausgedrückt müsste das heissen, dass die neuen Lottomillonäre umgehend Arbeitsplätze schaffen müssen, mit angemessenen Gehältern. Ich denke, das ist nun wirklich zuviel verlangt. Und es ist auch zuviel verlangt, irgendwelchen Selbständigen oder Unternehmen vorzuschreiben, was die mit ihrem Kapital machen, ebenso, wie man es mir oder dir nicht vorschreiben kann. Jedenfalls wäre der Protest groß, wenn du verpflichtet werden würdest, dein Kapital, so du denn welches hast, in Staatsanleihen oder bei der xy-Bank anzulegen, womöglich noch zu geringeren Zinsen, als der übrige Markt hergibt.

Man kann vorschreiben, und das wird ja auch getan, das ein bestimmter Teil des Einkommens an den Staat abgeführt werden muss. Aber man kann nicht vorschreiben, wie derjenige sein Kapital einsetzt.

Naja, und Springer bzw. seine Tochter hat eben Kapital eingesetzt, um in einem für ihn neuen Wirtschaftszweig Fuß zu fassen, und wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, dann schliesst man eben wieder. Das findet täglich überall so statt. Das machts nicht besser aber eben trotzdem kritikunwürdiger weil es eben alltäglich ist.

Wenn man diese Praxis kritisiert, dafür kann man ja sein, dann müsste man wegen jeder Filialschliessung einer Handels- oder Unternehmenskette, wegen Umsiedlung von Fabriken, wegen Outsourcing, Geschäftsstellenverlagerungen, ja sogar wegen konzerninternen Entscheidungsprozessen (z.B. wo das nächste Auto gebaut wird) etc. massiv protestieren.

Kapital bewegt sich nunmal dorthin, wo es die meiste Rendite (bei entsprechender Risikobereitschaft) abwirft. Das ist im übrigen auch bei Kleinsparern so. Aber da ist es plötzlich nicht verwerflich, sondern was ganz normales.
 
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