Schabowskis beiläufige Ankündigung oder: Wie habt ihr den Mauerfall erlebt?

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
...und die Menschen aus dem Osten mit denen ich beruflich zu tun hatte, waren meist kleinkariert, ängstlich und irgendwie leicht verklemmt. Ich will niemanden persönlich zu Nahe treten, da die Menschen für ihre Biographien natürlich nichts konnten. Aber es wird sicher noch eine Generation dauern, bis das aus den Menschen draußen ist.
Das ist doch Unsinn. Hast du dir schon mal überlegt, was der Kapitalismus für Einflüsse auf einen Menschen hat? Da müsste für mich auch so manches raus...

Ich habe in den 90ern in Berlin in einer Firma gearbeitet, von deren 100 Mitarbeitern die Hälfte aus dem Westen und die Hälfte aus dem Osten waren. Wir sind fast durchgehend gut miteinander klargekommen, wobei es selbstverständlich solche und solche gibt, wie überall.

Ich finde überhaupt, es wird langsam Zeit, dass nicht nur die Wessis in diesem Thread zu Wort kommen.
 
Nun, ich habe schließlich nur meine persönlichen Eindrücke geschildert und spreche aus der Erfahrung eines grossen Bekanntenkreis und langer Berufserfahrung.
Political correctness und Friede-Freude-Eierkuchen schadet auf lange Sicht nur.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass Charakterausbildungen infolge des Kapitalismus (Egoismus) immer noch wesentlich akzeptabler sind, als die charakterlichen Verformungen eines Menschen, der in einem Schnüffel- und Unterdrückungsstaat geboren wird. Mal abgesehen davon, dass man das eine mit dem anderen nicht relativieren kann.
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Nun, ich habe schließlich nur meine persönlichen Eindrücke geschildert und spreche aus der Erfahrung eines grossen Bekanntenkreis und langer Berufserfahrung.
Political correctness und Friede-Freude-Eierkuchen schadet auf lange Sicht nur.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass Charakterausbildungen infolge des Kapitalismus (Egoismus) immer noch wesentlich akzeptabler sind, als die charakterlichen Verformungen eines Menschen, der in einem Schnüffel- und Unterdrückungsstaat geboren wird. Mal abgesehen davon, dass man das eine mit dem anderen nicht relativieren kann.
Gegen deine persönlichen Erfahrungen kann ich natürlich nichts sagen, obwohl die schon auch von Vorurteilen geprägt sein können. Hört sich zumindest nicht so an, als wenn du viele Ostdeutsche wirklich näher kennengelernt hättest. Oder es waren einfach die falschen...

Aber mit Political Correctness hatte meine Antwort nun überhaupt nichts zu tun, sondern mit meinen eigenen persönlichen Erfahrungen. Und die sich wahrscheinlich doch etwas intensiver - zumal meine letzte Freundin, bevor ich meine Frau kennenlernete, aus Mecklenburg stammte.

Sicher gibt es den typischen verklemmten Ossi, der von dem System negativ geprägt wurde, aber das sind beileibe nicht alle. Viele haben sich Nischen geschaffen, viele waren gerade durch die schwierigen Verhältnisse sehr solidarisch untereinander, und angesichts des Mangels auch sehr pfiffig im Finden von improvisierten Lösungen (z.B. bei Reparaturen).

Und nach der Maueröffnung ging dieses solidarische Verhalten nach übereinstimmender Aussage aller, die ich getroffen habe, ziemlich schnell flöten, die Leute wurden egoistischer, dachten plötzlich nur an sich. Ich bleibe jedenfalls dabei, dass der Kapitalismus - auch wenn er wirtschaftlich wesentlich besser funktioniert - sich in vielen Fällen mindestens genauso negativ auf die Persönlichkeit auswirkt.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Ich hab mir gestern die Frage gestellt, als ich die ganzen Bilder wieder sah, wie die Menschen durch die geöffneten Grenzübergänge in Berlin nach Westen strömten: Gingen auch welche von West nach Ost in diesen Stunden?
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Ich hab mir gestern die Frage gestellt, als ich die ganzen Bilder wieder sah, wie die Menschen durch die geöffneten Grenzübergänge in Berlin nach Westen strömten: Gingen auch welche von West nach Ost in diesen Stunden?
Aber sicher, hab ich selbst mehrfach gemacht. Ich glaube, Holgy hat es auch schon erwähnt. Es war ja viel einfacher (und billiger) geworden, sich drüben umzuschauen - und sehr aufschlussreich.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Auch genau in diesen ersten Momenten? Das meinte ich. Und vielleicht nicht nur bis auf'n Potsdamer Platz oder zum Brandenburger Tor ;)
Dass natürlich dann in den nächsten Tagen der Weg in die andere Richtung eingeschlagen wurde, is' klar.
 
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faceman

Europapokal-Tippspielsieger 2015
Nun muss ich auch mal meine Erlebnisse schildern. Ich habe die Wende in Halle/Saale erlebt. Erstmalige war ich in den Septembertagen in der Kirche der St. Georgen-Gemeinde in Halle, ein Treffpunkt für Interessierte. Ich muss ehrlich sein, wir Jugendliche (ich war damals 19 Jahre) sind dort hingegangen, weil durch die Informationen, die man dort erhielt, eine Abwechselung zum Alltagsmief uns erfreute. Politisch engagiert war ich nicht, zu DDR-Zeiten war es eh besser sich nicht politisch aufzudrängen. Zu schnell geriet man in Mühlen, die man nicht durchschauen konnte, sowohl in die eine Richtung, als auch in die andere. Neutralität sicherte ab. Vielleicht habe ich daher auch gelernt, mir für alles stets Optionen zu lassen, um einen rettenden Ausweg in Gefahresituationen zu haben.

Je mehr wir dort waren, um sehr mehr waren und wurden wir involviert. Die Mauer dieser Gemeinde war mit Kerzen voll. Jedes Auto was vorbeifuhr hupte oder gab Lichtsignale. Allerdings hat man aus dem gegenüberliegenden Hochhaus auch bemerkt, das immer wieder dieselben Personen mit Ferngläsern zu uns rüberschauten. Der Begriff Stasi war zwar uns Jugendlichen bekannt, jedoch war es für uns damals so, als wenn man heute über die Polizei spricht. Ich hatte zu diesen Institutionen niemals Kontakt, zumindest nicht wissentlich.

Es lag etwas in der Luft, was, war aber nicht näher definierbar. Die Vorstellung, daß die Mauer aufgehen würde, hatten wir niemals, auch nicht zu diesen Tagen. Ich bin mit dieser Teilung groß geworden. Sie war so fest in den Köpfen zementiert, wie heute die Position des Mondes am Himmelsfirmament. Ich war in Leipzig bei der entscheidenden Montagsdemo dabei, ohne die Gefahren damals zu sehen. Ich wäre von allem Glauben abgefallen, wenn da geschossen worden wäre. Die Prügelszenen in Berlin, Dresden und Leipzig haben wir im Fernsehen gesehen. Was konkret passierte, haben wir in der Kirche erfahren.

Tja und dann kam dieser Tag. Donnerstag, 9. November 1989. Ein Tag, den ich so gar nicht richtig mehr in Erinnerung habe. Die Pressekonferenz hatte ich nicht gesehen. Das die Mauer aufging habe ich erst am nächsten Tag erfahren, wieso, weiß ich heute nicht mehr, leider. Aber an diesem Freitag war die Hölle los. Ich war auf Arbeit, an arbeiten war hier aber nicht zu denken, das Thema war klar. Nach Feierabend sind wir auf den Hauptbahnhof mit dem Ziel irgendwie nach Berlin zu kommen. Wir wollten dabei sein. Was sich auf dem Bahnhof abspielte kann sich glaube ich niemand vorstellen, der es nicht erlebt hat. Die Bahnhofshalle war voll. Die Treppen zu den Bahnsteigen waren voll, die Bahnsteige erst recht. Das müssen Tausende gewesen sein. Es war bekannt, das die Züge nach Berlin alle zwei Stunden fuhren. Und all diese Menschenmassen wollten nach Berlin. Unfassbar, wie sollte das funktionieren? Die konnten unmöglich alle in Züge einsteigen. Das es nicht zu Verletzungen oder gar Toten gekommen ist (beispielsweise bei der Einfahrt eines Zuges) ist aus heutiger Sicht ein Wunder.

Tja, wir wollten uns damit nicht weiterbeschäftigen und wollten ne schneller Lösung. Da wir bei der Reichsbahn arbeiteten hatten wir damals eine bestimmte Anzahl von Freifahrten, ergo, wohin die Reise gehen sollte, war uns egal, nur sollte sie schnell beginnen. Also entschieden wir uns für einen Zug nach Hannover. Gesamtdauer der Fahrt war ca. 6 h. Davon eine Sunde Pass-/PA-kontrolle an der Grenzübergangsstelle Oebisfelde. Ja, die sind da in der Tat durch und haben reingeschaut. Was dachten die eigentlich, was sie daran finden werden? Mmmmh, uns war in der Tat mulmig. Ich kann das gar nicht beschreiben, allein der Gedanke, das wir in kurzer Zeit im anderen Teil Deutschlands sein werden, verschlug uns schier die Sprache. Die Grepos kamen, schauten in die PA und gaben uns diese anstandslos zurück. So einfach ging das? Einfach so? Und warum erst jetzt? Egal, der Zug fuhr an und langsam löste sich die Anspannung. Der Zug fuhr unwahrscheinlich langsam. Wollte der Zugführer uns den Genuss geben, die Grenzanlagen zu studieren? Keine Ahnung und dann geschah das absolut unfassbare. Da stand er, der schwarz-rot-goldene Grenzpfahl. Jetzt war es passiert, wir waren drüben. Was in dem Zug los war, kann sich keiner vorstellen. Jubel, Gesänge und Freudentränen bis zum Abwinken. Keine Ahnung mehr wie der erste Bahnhof hieß wo wir einfuhren. Alleine das Aussehen des Bahnsteiges bestätigte uns, wir waren in einer anderen Welt. Und dann fuhren wir in Hannover ein. Wir stiegen aus und betraten erstmals bundesdeutschen Boden. Die Idee hierzubleiben war aber nicht im Entferntesten geboren. Uns war völlig klar, das wir wieder zurückfahren.

Die ersten Eindrücke von Hannover? Unwahrscheinlich gastlich, freundlich und angenehm. Im Bahnhof roch es wahnsinnig angenehm (wie kann ich nicht näher definieren), nicht so muffig, wie auf nahezu allen ostdeutschen Bahnhöfen. Dann gab es da Zeitungsläden mit Zippofeuerzeugen, Westzigaretten und … und … und. Tja, als jemand der zu keiner Zeit Westverwandschaft/-kontakte hatte, war das was ich sah einfach unfassbar.
Was ich hingegen erschreckend fand, das wir dann draußen an einem Laden vorbeikamen, wo Waffen im Schaufenster lagen. Waren die echt? Ich wollte es lieber nicht wissen. Dann kann ich mich nur noch daran erinnern, das wir das Begrüßungsgeld abgeholt haben (natürlich mit dem entsprechenden anstehen) und dann loszogen. Keine Ahnung, was wir gekauft haben.

Heute kann ich natürlich verstehen, dass die Westbürger anfänglich euphorisch waren und sich zunehmend genervt fühlten. Klar, die Ruhe war dahin. Es zogen Schwärme von Menschen über Geschäfte aller Art her. Ein normales Shoppen war damals eigentlich nicht mehr möglich, zudem der notwendige Einkauf zum Feierabend sicherlich auch stets den Ossis zum Opfer gefallen ist. Ich kann mir sogar vorstellen, das sich Westbürger in unser Leben gar nicht reindenken konnten bzw. es können. Seid froh, niemals in einer Diktatur gelebt zu haben. Ich wiederum bin heute froh beides gesehen und erlebt zu haben. Sich darüber Urteile zu bilden fällt mir dadurch einfacher. Mich stört dagegen eher, das es viele gibt, die uns Ossis einfach als Gesocks und Penner sehen und bezeichnen. Das habe ich leider hier im Forum schon gelesen.

Wenn es sowas wie Zeitreisen irgendwann geben würde, dann würde ich alles dafür geben, um die Mauer einmal zu DDR Zeiten von der Westseite aus zu sehen und zu erleben. Das bleibt mir leider verborgen. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich sicherlich durch die Einheit gewonnen habe. Mir geht es heute gut. Ich habe Dinge erreicht, die ich zu Ostzeiten niemals erreicht hätte.
 
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Itchy

Vertrauter
Ich hab mir gestern die Frage gestellt, als ich die ganzen Bilder wieder sah, wie die Menschen durch die geöffneten Grenzübergänge in Berlin nach Westen strömten: Gingen auch welche von West nach Ost in diesen Stunden?

Definitiv ja. Hat mir Samstag noch ein Berliner erzählt, den es in einer Woge an der Invalidenstraße auch nach drüben getragen hatte.
 

huelin

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Definitiv ja. Hat mir Samstag noch ein Berliner erzählt, den es in einer Woge an der Invalidenstraße auch nach drüben getragen hatte.
Direkt am 9.11.? Was wollten die denn da, wartende Trabischlangen bewundern? Da war doch sonst schon nix los abends - erst recht an diesem Abend, wo sie alle drüben waren...
 
Ich weiß ja nicht, wie alt du genau warst, aber ich hätte als Grundschüler den Mauerfall sicher wesentlich interessanter gefunden als sowas langweiliges wie eine Ofenreparatur... :floet:

Kann mich jedenfalls noch genau erinnern, wie uns unsere Mutter eines Morgens im November 1962 (ich war 7) mit den Worten weckte, Kennedy sei ermordet worden. Das hat mich damals irgendwie sehr berührt, wohl auch weil meine Eltern dem sehr viel Bedeutung beimaßen.

Deine Mutter macht mir Angst.
Was noch ahnte sie Jahre zuvor?
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Hast recht Balla, ist mir inzwischen auch schon aufgefallen, es war ein Jahr später. Das kommt davon, wenn man einmal nicht bei Wiki nachguckt...

Aber dass es November war, das werde ich nie vergessen.
 
Es ist ja schön für die Ostmenschen ausgegangen.
Nichtsdestotrotz plagt mich heute die Neugierde, wie die DDR mit Internet und Handy-SMS überlebt haben wollte.
 

Dilbert

Pils-Legende
Ich sass damals vor der Glotze, sah die jubelnden Massen in Berlin und wie die da mit ihren Trabis über die Grenze gekurvt kamen und mit Sekt und Bier empfangen wurden. Da wir Verwandte im Osten haben, hab ich mich natürlich gefreut, als Kinder haben Schröder und ich diesen ganzen Zirkus ("Wenn wir an die Grenze kommen, haltet bloss den Mund!") ja ein paar mal mitmachen dürfen, wenn es zu Besuch "nach Drüben" ging.

Elf Monate später war Deutschland vereint, praktischerweise genau an dem Tag, an dem ich auch erstmals legal Bier trinken durfte. :prost2:
 

Dilbert

Pils-Legende
Es ist ja schön für die Ostmenschen ausgegangen.
Nichtsdestotrotz plagt mich heute die Neugierde, wie die DDR mit Internet und Handy-SMS überlebt haben wollte.

Internet? Die haben nach der Wiedervereinigung noch ´ne halbe Ewigkeit gebraucht um inner Grossstadt wie Jena zumindest ein funktionstüchtiges Telefonnetz hinzubasteln.
 

BoardUser

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Es ist ja schön für die Ostmenschen ausgegangen.
Nichtsdestotrotz plagt mich heute die Neugierde, wie die DDR mit Internet und Handy-SMS überlebt haben wollte.

In der Tat ist das eine gute Frage. Aber nicht nur wegen Internet und Hady, sondern mit der gesamten Technisierung überhaupt. Geht ja weiter über Satelliten- oder Kabelfernsehen, die Privatsender, mit CD und DVD, die ganzen Rechnergenerationen etcpp.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, wir hätten hier die ganze Entwicklung überhaupt nicht mitgemacht. Bzw. Nachgeholt.
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
In der Tat ist das eine gute Frage. Aber nicht nur wegen Internet und Hady, sondern mit der gesamten Technisierung überhaupt. Geht ja weiter über Satelliten- oder Kabelfernsehen, die Privatsender, mit CD und DVD, die ganzen Rechnergenerationen etcpp.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, wir hätten hier die ganze Entwicklung überhaupt nicht mitgemacht. Bzw. Nachgeholt.
erst als die robotron-pläne ausgewertet waren, gings im westen vorwärts.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
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sagst du....

Zur Wendezeit waren wir diesbezüglich schon meilenweit hintendran. Sicher, das spielen auch die Handlungen des Westens mit eine Rolle. Technologieembargo, zu teure Verkaufspreise für Computertechnik etcpp.

Bei uns wurde ja schon ein Nationalfest gefeiert, als wir mal einen Megachip-Prozessor (oder wars ein Speicher?) selber produzieren konnten. Gefühlte 20 Jahre später als der Westen. Komischerweise gingen wohl dann die Importpreise sofort runter.
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
sagst du....

Zur Wendezeit waren wir diesbezüglich schon meilenweit hintendran. Sicher, das spielen auch die Handlungen des Westens mit eine Rolle. Technologieembargo, zu teure Verkaufspreise für Computertechnik etcpp.
denken und forschen konnten die ostdeutschen vor, während und nach der teilung auch!
 

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Jede Saison ein Titel!
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Echt? Und wo sind unsere Forschungsergebnisse in der Mikroelektronik? Wer entwickelt weltweit führende Prozessorgenerationen. Und Speicher? Und Standardsoftware? Und Heimelektronik? Und dessen Software?

Sorry, aber die heute gebräuchlichen, wesentlichen Komponenten von Heimelektronik wurden offensichtlich nicht in Deutschland entwickelt. Und das war damals nicht anders. Nur - heute ist es kein Problem, dies alles zu erwerben. Damals war es ein Problem. Schon der Import dessen war eins. Ein offenbar unlösbares. Zum einen aus politischen, zum anderen aus währungspolitischen und somit wirtschaftlichen Gründen.
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Elf Monate später war Deutschland vereint, praktischerweise genau an dem Tag, an dem ich auch erstmals legal Bier trinken durfte. :prost2:
Am 3. Oktober geboren? Man kann also sagen: du bist Deutschland! :prost2:

Ich befand mich am Tag der Wiedervereinigung übrigens in Rio de Janeiro. Da aber an diesem Tag Gouverneurswahlen waren, fiel die Berichterstattung in den TV-Nachrichten eher dürftig aus: ganz zum Schluss wurden ein paar Bilder von dem hängenden Trabi samt Feuerwerk am Brandenburger Tor gezeigt - das war's.

In den besseren Zeitungen war die Berichterstattung natürlich schon ausführlicher. Als ich mir in der Nähe eines großen Hotels am Strand ein Plätzchen suchte, um die Zeitung zu studieren, kam ich mit einem Pförtner dieses Hotels ins Gespräch und zeigte ihm den Artikel.

"Was, das Land gibt es jetzt gar nicht mehr?", fragte er ungläubig - und dann tat er etwas, was meinerseits noch viel mehr Ungläubigkeit auslöste. Vor dem Hotel war nämlich eine lange Reihe von Fahnen aufgestellt, worunter sich tatsächlich auch die DDR-Fahne befand.

Flugs machte er sich nun auf einmal daran, diese DDR-Fahne einzuholen und dann einzurollen. "Die wird bestimmt noch wertvoll, wenn es das Land jetzt nicht mehr gibt", meinte er nur zu mir und setzte dabei sein breitestes Grinsen auf... :D
 
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