Proteste in Brasilien: WM in Gefahr?

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
In Brasilien wächst die Wut: Mehr als 200.000 Menschen haben in mehreren Städten gegen die enormen Kosten der Fußball-WM protestiert. Der Ärger richtete sich auch gegen Kungelei und Korruption. In Rio lieferten sich Randalierer Straßenschlachten mit der Polizei.

200.000 Brasilianer protestieren gegen teure Fußball-WM - SPIEGEL ONLINE

Bei einem Teil der Bevölkerung kommt die WM gar nicht gut an. Jedenfalls nicht das, was die Politiker da im Zusammenhang mit der WM so treiben.
 

Markus

Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.
Überall diese Wutbürger. Stuttgart, Istanbul, Rio, ...

Die Proteste sind sicherlich berechtigt - und schlecht für Brasiliens Image.

Ich denke, die älteren Politiker wie Erdogan & Co. unterschätzen die Macht des Internet, Sozialen Netzwerken und Smartphones.
Twitter verbieten? - Ha, wieso nicht gleich Handys verbieten?

Als deutscher Bürger ist das schon fast beruhigend, wenn in solchen auftstrebenden Ländern wie Türkei und Brasilien auch nicht alles rund läuft.
 

GaviaoDaFiel

Last Dino Standing
Tja, irgendwie schon unverschaemt, dass den ganzen AnjaTanja-Gringos der Confed-Cup vermiest wird.
Nur ne kleine Generalprobe fuer naechstes Jahr: Turnierorganisation -> so halbwegs. Infrastruktur -> weiterhin scheisse. Demomobilisierung -> Volltreffer !
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Geht ja ganz schön ab in Brasilien. Ob das Auswirkungen auf die WM haben wird? Die Mannschaft hat sich ja schon mit den Protesten solidarisiert.
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Ich hab mich mal ein bisschen "eingelesen" in die Problematik, die zu den Demos in Brasilien geführt hat.

Alles begann mit einer kleinen Demo gegen eine Fahrpreiserhöhung um 20 Centavos (7 Euro-Cent) in São Paulo, die von der Polizei brutal niedergeschlagen wurde. Daraufhin solidarisierten sich viele Menschen und brachten weitere Probleme des Landes zum Ausdruck.

Es geht nicht darum, die WM zu verhindern, sondern die ausufernden Kosten, die vor allem durch Korruption und Vetternwirtschaft entstanden sind, während auf der anderen Seite das öffentliche Bildungs- und Gesundheitssystem in einem katastrophalen Zustand ist. Zudem ist auch ein Gesetzesentwurf, genannt PEC 37, Stein des Anstoßes, nach dem die Polizei mehr Befugnisse zu Lasten der Staatsanwaltschaften haben soll.

Stellvertretend für viele andere, hier mal ein Blog, in dem es ganz gut beschrieben wird.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Der FIFA geht jedenfalls schon die Muffe: FIFA macht Druck: WM 2014 muss stattfinden! | 11 Freunde

Das wäre mal was, wenn eine WM wegen sozialer Proteste ausfiele.

Aber die Lösung ist ja einfach: Einach die Missstände beseitigen und gut.

Und hier ein Statemant von Fußballgott Romario:


"Der wahre Präsident des Landes nennt sich FIFA. Die FIFA kommt in unser Land, errichtet einen Staat in unserem Staat." Und kritisiert vor allem die Steuerbefreiung für den Fußball-Dachverband. "Sie kommen hierher, bauen den Zirkus auf, haben keine Auslagen, und nehmen alles mit", klagt er.
http://www.11freunde.de/nachrichten/romario-greift-fifa-und-unterstuetzt-demos#disqus_thread
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Na, mal abwarten, ob den Versprechungen auch Taten folgen.


Die Brasilianische Zeitung Folha de S. Paulo gibt es online auch auf Englisch, falls sich jemand informieren will:

Folha de S.Paulo - Internacional - En

Ein Film über die Polizeibrutalität:
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Markus

Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.
"Der wahre Präsident des Landes nennt sich FIFA. Die FIFA kommt in unser Land, errichtet einen Staat in unserem Staat." Und kritisiert vor allem die Steuerbefreiung für den Fußball-Dachverband. "Sie kommen hierher, bauen den Zirkus auf, haben keine Auslagen, und nehmen alles mit", klagt er.
Ich habe heute eine passende Karikatur gesehen, mit dem Tenor: die FIFA hinterlässt Milliardenlöcher.

Die WM 2006 war wohl in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Die Gründe dafür kennen wir.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Ausnahme? Was meinste damit?

http://wm2006.deutschland.de/DE/Con...regierung-wm2006,property=publicationFile.pdf

Deutschland hat auch miese gemacht, aber wir können uns das ja leisten. Unsere Schulen sind zwar marode und die Unis pfeiffen aus den letzten Löchern, usw. usf., aber Hauptsache es wird eine Party gefeiert und der DFB macht ein paar Millionen Euro gewinnt.

Der Bund hat ca. 57 Mio. Steuern eingenommen durch die WM2006. Allein für das Berliner Olympiastadion und das Stadion in Leipzig hat der Bund zusammen etwa 250 Mio. gegeben. Und Danke nochmals an die NATO, die die Awacsflüge nicht in Rechung gestellt hat! ;)
(siehe Quelle oben)

Auch schön: Proteste: Danke, Brasilien! Was Südafrikaner 2010 und Deutsche 2006 nicht wagten, übernehmen nun die Brasilianer| Sport | ZEIT ONLINE
 
Zuletzt bearbeitet:

Markus

Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.
Ja, das meine ich damit. Ein paar Milliönchen Verlust - dank schon weitgehend vorhandener Stadien und Infrastruktur.
Das ist kein Vergleich zu Brasilien, Südafrika oder Polen/Ukraine - die holen das nie rein.

Und für Deutschland kam noch das "Sommernachtsmärchen" mit dem Imagegewinn und der nationalen Aussöhnung mit Schwarz-rot-gold dazu. Eine ausgeglichene Bilanz, finde ich insgesamt.

Einem stimme ich total zu: dass die FIFA, UEFA und IOC ihre Spiele steuerfrei veranstalten können ist ein absolutes Unding und gehört umgehend beendet!
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Der kurzdristige Imagegewinn ist doch längst verpufft.

Die Eventisierung des Fußballs durch die WM2006 für jeden Fußballfan die Pest.

Und Löw werden wir auch nicht mehr los.

Die Bilanz ist also desaströs!

__________________________________

Ich fände es prima, wenn Brasilien die WM absagen müsste! Also weiterprotestieren! :top:
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Einem stimme ich total zu: dass die FIFA, UEFA und IOC ihre Spiele steuerfrei veranstalten können ist ein absolutes Unding und gehört umgehend beendet!
Ist natürlich ein Skandal erster Güte.

Allerdings: Was die Steuern betrifft, macht die Fifa das auch nicht anders als andere internationale Großorganisationen oder Konzerne.

Und solange die Steuerbehörden alle nur national rumwurschteln, wird das auch weiterhin so bleiben.
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Ich fände es prima, wenn Brasilien die WM absagen müsste! Also weiterprotestieren! :top:
Ich fände das extrem scheiße. Bin selbst beim Confedcup schon von der Stimmung in den Stadien begeistert.

Abgesehen davon ist das auch gar nicht das Ziel der Demonstranten.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Brasilien sollte einfach drauf bestehen, dass die FIFA ganz normal Steuern zahlt, wie andere Unternehmen auch. Kann halt sein, dass die FIFA dann drauf verzichtet, die WM noch auszutragen... Hab das oben etwas missverständlich formuliert.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Ja, eben. Das ist ja der Sinn vom janzen.

Und die FIFA macht ja trotzdem noch genug Kohle, die werden also den Deibel tun, und auf eine WM-austragung verzichten.

Daher wäre es toll, wenn die Brasilianer das weiter durchziehen, und sich nicht noch zusätzlich von der FIFA ausplündern lassen! :top:
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Wie gesaqt, den Demonstranten geht es nicht um eine Absage der WM. Hauptanliegen sind innerbrasilianische Angelegenheiten; das mit der Fifa steht leider nicht so im Mittelpunkt wie es sollte. Vielleicht wissen das viele auch gar nicht mit der Steuerbefreiung... :weißnich:
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Zumindest scheint klar zu sein, dass für Fußball Unsummen ausgegeben werden, für wichtigere Dinge aber nicht.

Das übergreifende Motto der Demonstrationen lautet: Während der Staat für den aktuell stattfindenden Fifa Confederations Cup und die Fußball-WM 2014 umgerechnet mehr als 20 Milliarden Euro ausgibt, ist kein Geld für Bildung, Gesundheit und die öffentliche Infrastruktur da. Weitere Dinge, die immer wieder kritisiert werden, sind...


Ein Jahr vor der Fußball-WM: Brasilianer demonstrieren gegen Sport-Gigantismus - Welt - Tagesspiegel

Inzwischen hat sich das vom Fußball etwas weiter losgelöst, und das ist ja auch richtig so, denn es geht ja tatsächlich um Grundsätzliches.
 

Markus

Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.
Wie gesaqt, den Demonstranten geht es nicht um eine Absage der WM. Hauptanliegen sind innerbrasilianische Angelegenheiten; das mit der Fifa steht leider nicht so im Mittelpunkt wie es sollte. Vielleicht wissen das viele auch gar nicht mit der Steuerbefreiung... :weißnich:
Das hat doch schon Romario in die Öffentlichkeit raus posaunt, dass die nichts zahlen.

Jedenfalls geht dem Blätter schon die Düse. Das ist schon mal gut.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Ja, das meine ich damit. Ein paar Milliönchen Verlust - dank schon weitgehend vorhandener Stadien und Infrastruktur.
Das ist kein Vergleich zu Brasilien, Südafrika oder Polen/Ukraine - die holen das nie rein.

Und für Deutschland kam noch das "Sommernachtsmärchen" mit dem Imagegewinn und der nationalen Aussöhnung mit Schwarz-rot-gold dazu. Eine ausgeglichene Bilanz, finde ich insgesamt.

Einem stimme ich total zu: dass die FIFA, UEFA und IOC ihre Spiele steuerfrei veranstalten können ist ein absolutes Unding und gehört umgehend beendet!

Nationale Aussöhnung? Meinst Du die Tausenden von Schwarz-Rot-Gold-Gröhler, die 'schland krähend durch die Strassen zogen? Meinst die zigtausenden von Plastikfahnen, die in den Straßengräben lagen? Was gab's denn überhaupt auszusöhnen?
Wer damals schon Ost-Westvorbehalte hatte, der hat sie immer noch, wenn nicht sogar mittlerweile verstärkt.

Die Stadien waren desweiteren auch nicht schon alle da und die Infrastruktur kostete den Staat Milliarden.

Einen Pfiffkas war das ausgeglichen.
 
Zuletzt bearbeitet:

-Maravilla-

Catalan Boqueron
Missachtung der lokalen Bevölkerung

Die Verschwendung öffentlicher Gelder und die Missachtung der lokalen Bevölkerung bei der Planung des Spektakels bringen immer mehr Menschen auf die Barrikaden. Stadtteilkomitees haben sich landesweit zusammengeschlossen. Die Räumung ganzer Armenviertel zum Bau von Schnellstraßen und für den ungehinderten Zugang zu Stadien steht im Mittelpunkt der Kritik.
Besonderen Unmut erregt ein Gesetz, das eigens zur Sicherung der Vermarktungsrechte des Weltfußballverbands Fifa verabschiedet wurde. Einheimische Händler dürfen in der Nähe der Sportstädten nichts verkaufen, die Nutzung von offiziellen Logos und Maskottchen ist untersagt. Getränke gibt es nur von den Fifa-Sponsoren, die während Confed-Cup und WM sogar alkoholische Getränke in den Stadien verkaufen dürfen, was sonst in Brasilien verboten ist. Von Steuern und Abgaben befreit, wird die Fifa einen großen Reibach machen.
„Die Fifa marschiert bei uns ein, wird einen Gewinn von rund vier Milliarden Reais (umgerechnet 1,7 Milliarden Euro) einstreichen und besteht noch darauf, dass die Regierung für alle eventuellen Schäden bürgt,“ empörte sich Exfußballstar Romário. Der jetzige Bundesabgeordnete befürchtet, dass die meisten Brasilianer von der WM im eigenen Lande wirtschaftlich kaum profitieren und aufgrund der hohen Eintrittspreise die Spiele nur vor dem Fernseher verfolgen werden.

Brasilien verprasst öffentliche Gelder:

Tja wie gut das die Fifa für nichts aufkommen muss und bekommt dafür noch Unmengen an Geld. Langsam sollte man hinterfragen, wieviel Sinn solche Turniere noch machen, denn ich kann mir momentan kein Land vorstellen, welches daraus finanziell profitieren könnte. Einzig die Fifa gewinnt, welche viele Ansprüche stellt und Rechnungen ausschenkt, ohne selber viel machen zu müssen. Noch dazu müssen die Länder selber für Schäden bürgen. Die Fifa bietet die Vergabe dieser Turniere an und hat den Hebel bei der Vergabe. Wenn diese (verbrecherische) Organisation seiner moralischen Verantwortung nachkommen würde, die sie sich sicherlich bei der Gründung auf die Fahne geschrieben hatte, hätte man die WM in Südafrika und Brasilien niemals zulassen dürfen. In diesen Ländern herrscht z.T. riesige Armut und das für Millionen Menschen! So eine WM hat in diesen Ländern keine Nachhaltigkeit und es werden lieber teure Stadien anstatt Schulen und Krankenhäuser gebaut. Wenn die Fifa etwas zur Förderung des Fußballs beitragen möchte - ist man sicher besser beraten, wenn man z.B. Fußballschulen baut und fördert anstatt irgendwelche Stadien (1,2 Milliarden € für den Umbau des Maracana-Stadions) bauen, wo sich der Großteil der Bevölkerung nicht mal die Fahrkarte zum Stadion leisten kann.
 

André

Admin
Sepp Blatter hat seine WM-Eröffnungsrede in Brasilien übrigens schon abgesagt, weil sie vor lauter Pfiffen sowieso niemand verstehen würde. Selbst bei der Abfahrt des brasilianischen Mannschaftsbusses ins Trainingscamp protestierten Menschen. Es gibt Demonstranten, die sich zum Ziel gesetzt haben, wenigstens ein WM-Spiel zu verhindern, komme was wolle. Das gab es noch nie.

http://www.zeit.de/sport/2014-06/fifa-korruption-wm-brasilien
 

Ähnliche Themen

A
Antworten
2
Aufrufe
1K
André
A
Oben