Ost-West-Bewertung der deutschen Einheit

Die Wiedervereinigung war für mich

  • gut

    Stimmen: 11 37,9%
  • weder/noch

    Stimmen: 12 41,4%
  • schlecht

    Stimmen: 6 20,7%

  • Umfrageteilnehmer
    29

Holgy

Kommischer Foggel
Moderator
Demnächst ist ja wieder Einheitsfeiertag und da wurde mal eine Umfrage gemacht:

75% der Ostdeutschen sehen durch die Vereinigung mehr Vor- als Nachteile.
Und nur 48% der Westdeutschen sehen mehr Vor- als Nachteile.

Rund ein Viertel der Westdeutschen findet, die deutsche Wiedervereinigung habe ihnen eher Nachteile gebracht. Im Osten sagen das nur 15 Prozent.

http://www.doebelner-allgemeine.de/...he-Gute-Noten-fuer-DDR-Schulsystem-1189902204
 

fabsi1977

Theoretiker
Hab ich heute morgen auch was zu im D-Radio gehört, fand ich ganz interessant. Und wie sehen es die anderen hier bzgl. Vor- oder Nachteil? Für mich (Wessi) schwierig zu beantworten, ich war 12 als die Mauer fiel und 13 am Tag der Wiedervereinigung. Tendenziell würde ich sagen dass ich nun keinen unmittelbaren Vor- oder Nachteil habe. Und wie sich die Welt so ohne den Mauerfall und dem Öffnen des eisernen Vorhangs entwickelt hätte ist nur schwer zu beantworten.
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Für mich (Wessi, beim Mauerfall schon stolze 34) hält sich das in etwa die Waage.

Vorteile:
Ich wohnte ja nach dem Mauerfall in Berlin, da war es natürlich schon erleichternd, dass diese ganzen Grenzkontrollen wegfielen. Und die Vorzüge von Friedrichshain oder Prenzlberg hätte ich so auch nicht kennengelernt. Von den vielen netten Ostdeutschen, die ich kennenlernen durfte (auch und besonders als Arbeitskollegen) ganz zu schweigen.
Die ganze Situation, mit einem riesigen Stacheldraht mitten in Europa, hatte schon etwas Unnatürliches.

Nachteile:
Vor allem hat die Wiedervereinigung uns sehr viel Geld gekostet. Ich war ja zunächst eher für eine eigenständige, demokratische DDR, in der die DDR-Bürger freier über ihr Land entscheiden können. Aber die wollten ja im Endeffekt vor allem an die Westkohle - was natürlich verständlich ist, hätte ich als Ostler wohl auch gewollt.
Meiner Meinung nach hätte man das Ganze aber nicht ganz so überstürzt angehen sollen. Das gilt im übrigen auch für die Osterweiterung der EU - aber das ist eine andere Geschichte.
 

André

Admin
Ist ja spekulativ zu sagen, dass es uns heute besser oder schlechter ginge, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Wer weiß das schon? Ich finde es gut dass unser Land wieder zusammengehört und mich nervt das Gequatsche von Ossi oder Wessi, sagt ja auch niemand Nordi oder Südi.

Ich finde es mittlerweile nur makaber noch Soli zu zahlen. Wenn ich mir die Straßen der Eifel so angucke, mit ihren metertiefen Schlaglöchern, wo ganze Autos drin versinken können, dann frage ich mich wann der Eifel-Soli kommt. Oder Städte wie Duisburg etc. Also mir geht es dabei nicht mal um die Bezahlung des Solis sondern um die Verwendung.

Ich habe einen Onkel im Osten, und der lacht sich immer nen Ast wenn er in die Eifel kommt und meint, solche Straße gäbe es drüben nicht. Damit zieht er mich immer auf. :cool:
 

Holgy

Kommischer Foggel
Moderator
Den Mauerfall in Berlin mitzuerleben und die Zeit danach war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Und ohne Mauerfall würde ich heute wohl auch nicht Teilzeit in Dresden wohnen. Von daher: :top:
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
Ich für meinen Teil kann und will mich auch nicht beschweren. Die Bewegungsfreiheit und Freiheit in der eigenen Entwicklung ist schon ein deutlicher Vorteil gegenüber früher. Mein Weg wäre wohl ganz anders verlaufen, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Auch die Art und Weise, wie man sich hier und auch sonst öffentlich selbst äußern kann, ist natürlich klar besser als früher. Bestimmte Diskussionen, die wir hier führen, hätte es in solchen Plattformen, halb- oder ganz öffentlich, nicht so gegeben.

Andererseits ist eben auch das Risiko größer. Seinerzeit hatte wohl zwar nicht jeder zu tun, aber jeder hatte eine Arbeitsstelle bzw. hätte eine haben können. Das ist heute (leider) nicht mehr so. Das Risiko des finanziellen und damit sozialen Abrutschens ist heute erheblich größer.

Am Konsum will ich die Entwicklung gar nicht festmachen. Keiner weiss, ob wir heute hier Internet hätten, mit welchen Bandbreiten, ob es Mobiltelefonie gegeben hätte, Flachbildfernseher oder dergleichen. Ich für meinen Teil kann mir heute nicht mehr vorstellen, dass wir bei weiterer langsamerer Entwicklung oder gar Stillstand - was bedeuten würde, dass wir all dies heute immer noch nicht hätten - noch lange in diesem Staatsgebilde zu Hause gewesen wären. Wenn die Lücke noch 20 Jahre größer geworden wäre, hätte es zwischendurch meiner Auffassung nach eh geknallt.

In der Summe überwiegen für mich die Vorteile deutlich gegenüber den Nachteilen. Allerdings ist mir eben auch klar bzw. bestätigt worden, dass das jetzige System eben doch kein Idealzustand ist, so wie das immer mal wieder dargestellt wurde bzw. rüberkam.

Noch was zum Soli an @Andrè: Es ist eine Mär, dass der Soli "für den Aufbau Ost" verwendet wird. Diese Auffassung ist eher eine politische als eine tatsächliche.
Tatsächlich fliesst der Soli in die normale Steuerkasse, aus welcher auch der Aufbau Ost finanziert wird. Der Soli ist schlicht eine Steuer, eine zweckgebundene Erhebung von Steuern ist rechtlich gar nicht zulässig.

Ungeachtet dessen gibt's da mittlerweile natürlich einen erheblichen Vorlauf in Teilen der neuen Länder bzw. in Ecken der alten erheblichen Nachinvestitionsbedarf. Nur kann man das nicht mit dem Soli erklären. Ebensowenig würde man - wenn man den Aufbau Ost streicht - den Soli damit zwingend streichen müssen oder umgekehrt.

Der Soli hat auch die Besonderheit, dass er zu 100% dem Bund zusteht, während die andere Einkommensteuer zu Teilen auch den Ländern gehört. Ein wesentlicher Grund, warum der noch nicht abgeschafft bzw. in den Einkommensteuertarif integriert ist.
 
Zuletzt bearbeitet:

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
Für mich (Wessi, beim Mauerfall schon stolze 34) hält sich das in etwa die Waage.

Vorteile:
Ich wohnte ja nach dem Mauerfall in Berlin, da war es natürlich schon erleichternd, dass diese ganzen Grenzkontrollen wegfielen. Und die Vorzüge von Friedrichshain oder Prenzlberg hätte ich so auch nicht kennengelernt. Von den vielen netten Ostdeutschen, die ich kennenlernen durfte (auch und besonders als Arbeitskollegen) ganz zu schweigen.
Die ganze Situation, mit einem riesigen Stacheldraht mitten in Europa, hatte schon etwas Unnatürliches.

Nachteile:
Vor allem hat die Wiedervereinigung uns sehr viel Geld gekostet. Ich war ja zunächst eher für eine eigenständige, demokratische DDR, in der die DDR-Bürger freier über ihr Land entscheiden können. Aber die wollten ja im Endeffekt vor allem an die Westkohle - was natürlich verständlich ist, hätte ich als Ostler wohl auch gewollt.
Meiner Meinung nach hätte man das Ganze aber nicht ganz so überstürzt angehen sollen. Das gilt im übrigen auch für die Osterweiterung der EU - aber das ist eine andere Geschichte.
deutschland zu vereinigen, das ging nur so, wie es geschah.
verhängnisvoll war die verramschung der ddr durch die treuhand - da müssten heute noch einige, die ich kenne, im knast sitzen.
völlich daneben war die osterweiterung der eu.
 
Ist ja spekulativ zu sagen, dass es uns heute besser oder schlechter ginge, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Wer weiß das schon? Ich finde es gut dass unser Land wieder zusammengehört und mich nervt das Gequatsche von Ossi oder Wessi, sagt ja auch niemand Nordi oder Südi.

Ich finde es mittlerweile nur makaber noch Soli zu zahlen. Wenn ich mir die Straßen der Eifel so angucke, mit ihren metertiefen Schlaglöchern, wo ganze Autos drin versinken können, dann frage ich mich wann der Eifel-Soli kommt. Oder Städte wie Duisburg etc. Also mir geht es dabei nicht mal um die Bezahlung des Solis sondern um die Verwendung.

Ich habe einen Onkel im Osten, und der lacht sich immer nen Ast wenn er in die Eifel kommt und meint, solche Straße gäbe es drüben nicht. Damit zieht er mich immer auf. :cool:


Dann musst Du dir mal die Strassen im Ruhrpott angucken, :eek:
 

huelin

Quite clear, no doubt, somehow
Allerdings ist mir eben auch klar bzw. bestätigt worden, dass das jetzige System eben doch kein Idealzustand ist, so wie das immer mal wieder dargestellt wurde bzw. rüberkam.
Das "jetzige" System war noch nie ein Idealzustand. Allerdings war es vor der Maueröffnung eindeutig besser - vielleicht, weil der Kapitalismus sich damals noch der Konkurrenz des Sozialismus stellen musste.
Allerdings gab es damals im Osten - wie ich aus eigener Erfahrung weiß - tatsächich eine Art Idealisierung unseres Systems. Teilweise, weil man die Werbewelt aus dem Fernsehen für die richtige hielt, teilweise aber auch, weil die westliche Seite natürlich bemüht war, das System besser darstehen zu lassen als es war.
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
Das "jetzige" System war noch nie ein Idealzustand. Allerdings war es vor der Maueröffnung eindeutig besser - vielleicht, weil der Kapitalismus sich damals noch der Konkurrenz des Sozialismus stellen musste.
Allerdings gab es damals im Osten - wie ich aus eigener Erfahrung weiß - tatsächich eine Art Idealisierung unseres Systems. Teilweise, weil man die Werbewelt aus dem Fernsehen für die richtige hielt, teilweise aber auch, weil die westliche Seite natürlich bemüht war, das System besser darstehen zu lassen als es war.
nette umschreibung des begriffes propaganda!
 

Rupert

Friends call me Loretta
Um auf's Thema zurückzukommen:

Das war halt der Lauf der Geschichte und ich halte das Endergebnis auch für richtig.

Rein für mich selbst gefühlt, tendiere ich weder groß zu pro noch zu contra was die Vorteile für mich persönlich betrifft; es ist mir weitestgehend egal. Ein positiver Aspekt, der mir spontan dann doch einfällt und den ich auch sehr gut finde, ist die Möglichkeit seit der Wiedervereinigung an Orte zu kommen wo ich vorher nicht bzw. nur sehr erschwert hinkam.
 

pauli09

2. Ewige Tabelle "1gg1"
Mir fällt zumindest keine bessere ein
aber du als "theoretiker" könntest doch mal aufschlüsseln:
macht, die vom volk ausgeht
macht, die von konzernen ausgeht
macht, die ökologische ziele hat
macht, die geopolitische ziele hat
macht, die religiöse ziele hat

wie sieht es denn mit unserer scheiße aus?
in welcher stecken wir und wie tief?
;)
 

Litti

Krawallbruder
Es geht mir schlechter, es geht uns allen schlechter. Also, Mauerfall rückgängig machen, ich schwinge auch selber die Maurerkelle.
 
Nun mal meine seid Jahren zusammengestellte Chronik, warum die Mauer fallen musste.
Ich wusste, dass ich es irgendwann gebrauchen kann
Viel Spaß beim lesen und nachdenken

Die von der SED- Nomenklatura verursachten SCHÄDEN:

- Errichtung einer Diktatur und Verweigerung der Demokratie für die Bevölkerung;
- mitverantwortlich für die 40 Jahre Teilung Deutschlands;
- Verweigerung freier demokratischer Wahlen;
- Eingrenzung von 17 Millionen Menschen;
- Schießbefehl und Ermordung hunderter Menschen;
- verantwortlich für über 4 Millionen Flüchtlinge;
- verbrecherische Eigentumsentziehungen;
- Schikanöse Einmauerung von zwei Millionen Westberlinern;
- militärischer Einmarsch in ein Nachbarland; ...

- Verweigerung der Freizügigkeit;
- Verhinderung der Meinungsfreiheit;
- Verwehren des Streik- und Demonstrationsrechtes;
- Negieren der Pressefreiheit;
- parteiabhängiges Recht und ideologisiertes politisches Strafrecht;
- ständige Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen;
- 390.000 politische Häftlinge ; davon 190.000 Tote ;
- lebens- und gesundheitsgefährdender menschenunwürdiger Strafvollzug;
- offene und versteckte Zwangsarbeit;
- Ausweisungen und Zwangsumsiedlungen;
- Kommunikationsbehinderung der Menschen;
- Eingrenzung des Konsumangebotes der Menschen;
- Verweigerung des Tarifrechtes für die Arbeitnehmer;

- einseitige ideologische Ausrichtung des gesamten öffentlichen Lebens;
- ideologische Indoktrinierung des Bildungswesens;
- Erziehung der Jugend zum Haß und zum militärischen Einsatz;
- Vergewaltigung der Freiheit von Lehre und Forschung;
- Indoktrinierung von Kunst und Literatur;
- vielfältige Geschichtsfälschung;
- Überwachung der Bevölkerung durch ein Geheimdienstsystem;
- Beeinträchtigung der freien wirtschaftlichen Entfaltung;
- Erpressung zum Wohlverhalten durch Prämien und Vergünstigungen;
- ständige Verletzung der menschlichen Würde zur Erhaltung des Regimes;
- Gewährung erheblicher Privilegien an die Nomenklatura zu Lasten der Bevölkerung;

- schleichende Zerstörung aller wirtschaftlichen Bereiche;
- rücksichtslose Ausbeutung des Bodens zu Lasten von Mensch und Natur;
- gewaltige Umweltschäden durch Verschmutzung von Wasser, Luft und Erde;
- Verkommenlassen des Straßen- und Schienennetzes;
- Lädierung aller Stadtbilder durch Vernachlässigung der Altbausubstanz;
- miserabler Wohnungsbau;
- zurückgebliebene Technologie;
- Vernachlässigung des Gesundheitswesens und der sozialen Einrichtungen."

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte ergänzte diesen Schreckenskatalog sogar noch: Neben der "planmäßigen Hasserziehung in allen Bildungseinrichtungen" nannte sie

- den obligatorischen Wehrkundeunterricht und vormilitärische Ausbildung der Jugendlichen;
- Verpflichtung aller Geistesschaffenden - die Richter vorrangig eingeschlossen - zur
Parteilichkeit;
- den allgegenwärtigen Staatssicherheitsdienst;
- die Begünstigung des internationalen Terrorismus;
- den intrasystematischen Terror durch hohe Freiheitsstrafen;
- Folter und unmenschliche Haftbedingungen;
- Zwangsadoptionen;
- Zwangsmitgliedschaft in paramilitärischen Kampfgruppen;
- ca. 1.000 rechtswidrige Tötungen an Mauer und innerdeutscher Grenze;
- Hinrichtungen "aus erzieherischen Gründen";
- Morde, die als Selbstmorde oder Unfälle getarnt wurden.

Diese Schäden waren/ sind nicht oder nur in eng begrenztem Maße wieder gut zumachen. Sie waren ausschlaggebend dafür, dass viele Bewohner der DDR den Rücken kehrten und somit das menschenverachtende pseudokommunistische System entscheidend schwächten.


So Litti nun kannst de die Mauer wieder aufbauen. Ich werde nicht dabei helfen
 

osito

Titelaspirant
Diese Osterweiterung ist doch ein Kind der Deutschen Vereinigung. Ein Europa in dieser Form ist doch den Deutschen auferlegt, oder zur Grundbedingung gemacht worden. Frei nach: Erst mal koennt ihr den osten klar machen, und wenn ihr das geschafft habt, kuemmert ihr euch um Europa.
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Nun mal meine seid Jahren zusammengestellte Chronik, warum die Mauer fallen musste.
Ich wusste, dass ich es irgendwann gebrauchen kann

Diese Schäden waren/ sind nicht oder nur in eng begrenztem Maße wieder gut zumachen. Sie waren ausschlaggebend dafür, dass viele Bewohner der DDR den Rücken kehrten und somit das menschenverachtende pseudokommunistische System entscheidend schwächten.

So Litti nun kannst de die Mauer wieder aufbauen. Ich werde nicht dabei helfen
Schön und gut, Mauer weg ist ja ok.
Aber hätte es dafür eine Wiedervereinigung gebraucht? Reformation innerhalb einer DDR, wie ursprünglich von der Bürgerbewegung gewollt, ging nicht?
Wieviel DM- und Konsumgeilheit war wirklich wichtiger als "Freiheit"?
Als Onkel Helmut das Begrüßungsgeld auspackte, war doch klar wie der Hase läuft.
Ich kenn jedenfalls viele die heute sagen, mir ginge nicht so schlecht, aber die Kohle hab ich natürlich abgeholt.
 
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