Neues Bosman Urteil?

André

Admin
Gestern wurde der Wechsel des schottischen Nationalverteidigers Andrew Webster von Heart of Midlothian zu Wigan Athletic in die englische Premier League offiziell von der Fifa bestätigt, auf den ersten Blick erstmal nichts besonderes und relativ unspektakulär.

Setzt man sich jedoch etwas mit den Hintergründen auseinander, lässt sich leicht erkennen, dass hier mehr dahintersteckt, sogar viel mehr...

Andrew Webster ist der erste Spieler, dessen Transfer auf Berufung einer bisher nicht genutzten "Lücke" des Paragraphen 17 der Fifa-Transferregelungen zu Stande gekommen ist.

Dieser ominöse Paragraph sagt schlicht und ergreifend aus, dass ein Spieler, der einen Vierjahresvertrag bei einem Verein unterschrieben hat, nach drei vollzogenen Jahren bei diesem Verein die Möglichkeit hat sich einen neuen Verein zu suchen, allerdings muß dieser in einem anderen Land beheimatet sein.
Des Weiteren muß ein diesbezüglicher Wunsch des Spielers bis spätestens 15 Tage vor Saisonende dem Verein mitgeteilt werden.

Webster hat hier alle Regularien eingehalten, im April letzten Jahres hat er sich mit der Vereinsführung der Hearts überworfen, weil er sich im Prinzip weigerte seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern. Der Verein drohte ihm damit, dass er bis Ende seines Vertrages, der ihn zu der Zeit noch bis 2007 an die Hearts gebunden hätte, kein Spiel mehr für die Hearts bestreiten würde.

15 Tage vor Ablauf der letzten Saison reichte Webster schriftlich seine Bitte um Freigabe unter Berufung auf den besagten Fifa-Paragraphen bei der Vereinsführung der Hearts ein, da diese davon natürlich nicht sonderlich erbaut waren, landete der gesamte Vorgang bei der Fifa zur endgültigen Klärung und Entscheidung.

Jetzt, also fast nach 4 Monaten der Beratung hat die Fifa ein Präzidenz-Urteil gesprochen und Webster grünes Licht für einen Wechsel zu Wigan Athletic gegeben, die sich zwischenzeitlich um den Spieler bemüht hatten.

Damit ist Andrew Webster der erste Spieler, der auf ganz legalem Weg unter Berufung auf einen offiziellen Fifa-Pragraphen seinen Vertrag bei einem Verein ohne dessen Einverständnis vorzeitig kündigen konnte, und sich einem anderen Verein anschließen konnte.

Dieses Fifa-Urteil ist sicherlich von vielen Vereinen, Spielern und Spielerberatern mit unterschiedlicher Beurteilung registriert worden...


Übrigens wird die Fifa in einer weiteren Anhörung noch über eine ausstehende Transfersumme verhandeln, hier schlägt gleiches Regelwerk eine Entschädigung in Höhe des letzten Jahresgehalts vor und nicht die von den Hearts geforderten und erhofften 3 Millionen Euro Ablöse - man darf also weiterhin gespannt sein.

Quelle: Forum title - Anzeige des Themas #294853 - Ein möglicherweise "historischer" Transfer

Wenn das so bleibt, dann können sich die Profi Clubs ja in Zukunft auf was gefasst machen. Gut das ich kein Bundesliga Manger bin......

Da werden in diesen Zeiten, die Rechte der Profis noch so gestärkt! Finde ich völlig unverständlich. Wieso sollte man als Verein noch zig Millionen Ablösesumme zahlen, wenn der Herr Profi eh gehen will, wann er will... :vogel:

Die einzigsten die in Zukunft davon profitieren werden, sind die Spieler selbst, denn diese Entscheidung garantiert sehr hohe Handgelder für die Fußballprofis! :motz:
 

R.v.N.

Junior Konzepter UX
also ich denke, da er ja im Recht ist, ist es in Ordnung, wenn er das einhällt...eine Ablöse allerdings würde ich dafür nicht verlangen, da er ja weg will und sie ihn eh nicht mehr spielen lassen würden...obwohl wenn ich darüber nachdenke, dann ist das ja bei jedem Transfer so...demnach ist das mit der Ablöse gar nicht mal so falsch...es ist noch vor Vertragsende...
 

sinister

anerkannter Roverfahrer
Dem Spieler an sich mach ich da keinen Vorwurf - er nutzt lediglich sein ihm gegebenes Recht aus - dass allerdings in so einem Fall die Vereine dumm dastehen ist klar.
Diese Klausel ist m.E. nach unnötig, zumindest von der Formulierung her ("einen neuen Verein zu suchen, allerdings muß dieser in einem anderen Land beheimatet sein."). Klar kann in solchen Fällen verhindert werden dass der Verein seine Interessen durch gewisse "Druckmittel" (wie in dem Artikel beschrieben) durchsetzen kann, allerdings entsteht dadurch dem Verein eben auch ein größerer Schaden als dem Spieler. DER behält ja seinen Vertrag wenn er nicht wechseln darf und bekommt sein Geld - der Verein schaut dagegen finanziell gesehen in die Röhre (was die Ablösesumme betrifft).
 

Detti04

The Count
In der Webster-Geschichte ist es inzwischen weitergegangen und der CAS hat auch ein Urteil gefaellt (nachzulesen z.B. bei der Sueddeutschen Zeitung. Ich fass es mal so zusammen:

- Fuer einen Wechsel ins Ausland darf ein Spieler einseitig seinen Vertrag kuendigen, wenn er schon 3 Jahre (oder nur 2 Jahre, wenn er aelter als 28 Jahre ist) fuer seinen aktuellen Verein gespielt hat.
- Er muss als Strafe an den Verein genau die Summe ueberweisen, die er an Gehaeltern erhalten haette, wenn er seinen Vertrag dort erfuellt haette.

Beispiel: sagenwamal, ein Spieler will einen Verein ein Jahr vor seinem Vertragsende verlassen und hat die 3 bzw. 2 Jahre erfuellt. In dem Fall muss er ein Jahresgehalt an Strafe zahlen, ist dann aber frei fuer einen neuen Klub.

Ich finde, das klingt alles nicht gut, weil die Spieler so noch maechtiger werden. Die Konsequenz fuer die Vereinsverantwortlichen kann meiner Meinung nach nur sein, ueberhaupt keine Spieler laenger als diese 3 bzw. 2 Jahre an sich zu binden (schon gar nicht vielversprechende Jungprofis, weil deren Jahresgehaelter und somit Strafen bei Vertragsbruch ja noch recht niedrig sind); bei Spielern, die schon diese 3 bzw. 2 Jahre im Verein sind, kann man dann eigentlich nur noch jaehrliche Vertraege vertreten.

Die Rotation der Spieler von einem Verein zum naechsten wird also wohl noch zunehmen. Wie aetzend.

PS: Mal gucken, ob irgendwann auch die Beschraenkung auf Wechsel ins Ausland faellt.
 

Paule

PTL-Team-Weltmeister 2010
Die Rotation der Spieler von einem Verein zum naechsten wird also wohl noch zunehmen. Wie aetzend.

Das wäre dann irgendwann Profi-Sport a la Basketball: In jedem Jahr werden (fast) alle Spieler weiter gereicht oder ausgetauscht. Ich kann nur sagen: macht es ruhig, dann brauchen wir uns wenigstens überhaupt nicht mehr an irgendwelche Vereine halten und außer "Ultras" wird es keine Fans mehr geben.
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Richtig, dafür werden im Gegenzug die Ablösesummen ein wenig sinken, und die Spieler sowie deren Berater können sich über höhere Handgelder freuen. :hammer2:
Wollte ich gerade sagen: Das größte Interesse an häufigen Wechseln haben gar nicht die Spieler sondern die Berater.

Wenn es diese Regelung gibt (war bzw. ist auch im Fall van der Vaart ein Thema, insofern dass er gesagt hat er macht das nicht), gibt es sie. Fehler der Fifa. Wieso denkt die sich ohne Not so was aus.
 

fabsi1977

Theoretiker
Weil die zwar nicht Mitglied der EU sind, aber mittels bilateralter Verträge an bestimmte Dinge die von der EU geregelt werden gebunden sind. Oder so. Hab da mal was in der Richtung gelesen.
 

Princewind

Rassist und Lagerinsasse
Nochn Schotte weg, spielen da ja bald nur noch Litauer da. Naja, bei dem Präsi....

Sagt ja alles, daß alle talentierten Schotten dort weg sind und der Kader fast ausschließlich aus Litauern besteht bzw aus Spielern die von anderen Clubs kommen, die Romanov gehören.

Völlig korrekt daß er gegangen ist, solange sich da an den Besitzverhältnissen nichts ändert
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Dumm, dass die sich da gerade so einen Palast hingebaut haben. Dürfte schwer werden einen Nachmieter zu finden, falls man sich mit Umzugsplänen trägt. :zahnluec:
 
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