Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" - erste Vereine lehnen ab

André

Admin
Unter dem Titel "Sicheres Stadionerlebnis" wollten DFL und die Politik einen Maßnahmenkatalog durchsetzen der für die Fans ziemlich unbequeme Folgen gehabt hätten. Erste Clubs lehnten den Katalog nun ab, manche erbaten sich eine längere Bedenkzeit. Vorwürfe am Vorgehen dieser Clubs kommen von Dr. Reinhard Rauball.

Ziemlich deutlich wir der 1. FC Kaiserslautern in seiner Stellungnahme:

"Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass nach Auffassung aller an der Diskussion Beteiligten, die vorgeschlagenen Maßnahmen zum größten Teil nicht dazu beitragen, aktuell bestehende Probleme an einzelnen Standorten zu lösen oder zu entschärfen. Im Gegenteil: Zahlreiche der vorgeschlagenen Maßnahmen hätten für die große Mehrheit der friedlichen Stadionbesucher negative Auswirkungen, wie auch für den Fußball an sich in seiner Außendarstellung."

1. FC Kaiserslautern e.V. - Stellungnahme zum Konzept "Sicheres Stadionerlebnis"

7 Vereine haben den Maßnahmenkatalog bisher bereits abgelehnt. Der FC Augsburg, der VfL Wolfsburg, Fortuna Düsseldorf, Union Berlin, Hertha BSC Berlin, FC St. Pauli sowie der 1. FC Kaiserslautern. Kritik kommt auch aus Gladbach und Köln. Claus Horstmann vom FC wird vom kicker wie folgt zitiert:

"Bei allen positiven Ansätzen in dem Papier scheint uns der Fokus zu sehr auf Sanktionsmaßnahmen zu liegen und weniger auf Dialogthemen. Hier sehen wir noch Anpassungsbedarf".

Weitere Clubs haben die DFL offenbar gebeten, die Frist für die Stellungnahme zu verlängern.
Liga-Vorsitzender Dr. Reinhard Rauball wirft den Clubs vor, sich bei ihren Fans profilieren zu wollen:

"Das gemeinsame Vorgehen ist das A und O bei diesem Thema. Nur so kann das Vorhaben Erfolg haben. Es darf nicht sein, dass sich einige Klubverantwortliche zu Lasten der Solidargemeinschaft bei den Fans profilieren wollen."

Harte Kritik am Sicherheitskonzept der DFL - Bundesliga - kicker online

Ich persönlich finde es hocherfreulich dass es neben Union Berlin noch weitere Vereine gibt, die nachdenken und Verhältnismäßigkeiten abwägen können.

In diesem Sinne Chapeau an jeden der gegen diesen Maßnahmen-Katalog ist. :top:
 

André

Admin
Passt auch ganz gut zum Thema:

EX-DFB Sicherheitschef Spahn:

"Man muss es mal so deutlich sagen: Es unterhalten sich teilweise Personen über Themen wie Pyrotechnik, Gewalt, Stadionverbote oder Sicherheitsrichtlinien, die von der Materie nullkommanull Ahnung haben. Das Problem ist, dass die Medienmaschine so immer wieder mit dem Thema angeheizt wird und damit eine gewisse Stimmung erzeugt wird."

Ex-DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn über Gewalt im Fußball | 11 Freunde
 

André

Admin
Aus erstem Link.

"Eins mal nebenbei: Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Alkoholausschank im Stadion und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Das belegen unzählige wissenschaftliche Erhebungen zu diesem Thema."

Da sieht man doch schön dass wissenschaftliche Erhebungen und Statistiken nicht interessieren, sondern es nur um populistische Maßnahmen geht.

Aber hauptsache wir tun was. Wieso suchen sich diese Deppen nicht eigentlich mal ne andere Spielweise?
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Außerdem, wenn ich mir die Gestalten an den Bierständen so ansehe haben die recht wenig mit den an allem Schuld Seienden Ultras zu tun. Das sind eher so Trinkhallentypen.
 
"Eins mal nebenbei: Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Alkoholausschank im Stadion und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Das belegen unzählige wissenschaftliche Erhebungen zu diesem Thema."

Vielleicht sollten diese Fachmänner ab und zu mal in verschiedene Stadien gehen und die Augen aufhalten. Dann können sie die randalierenden Fans direkt befragen.

So btw. :
Nicht wenige Fangruppen kommen leicht angetrunken ins Stadion und fangen erst im Stadion so richtig an zu saufen. Die wechseln sich dann mit dem Bierholen ab. Einer oder zwei von denen sind immer unterwegs um Bier zu holen.

Außerdem, wenn ich mir die Gestalten an den Bierständen so ansehe haben die recht wenig mit den an allem Schuld Seienden Ultras zu tun. Das sind eher so Trinkhallentypen.

Ich finde das kannste nicht pauschalisieren. Da siehste u.a. auch Ultras. Ausserdem, die Ultras unterscheiden sich in ihrem Aussehen nicht von den sogenannten "Normalos".

Draussen knallts immer. Z.B. gerade nach dem Derby Schalke 04 gegen den BvB hörste noch stundenlang die Polizeisirenen. Oder halt die der RTW´s.
Vor dem Derby in der Nähe des Bahnhofs, oder in der Innenstadt. Trotz Polizeipräsenz finden diese Fans ihren Platz zum Hauen.

Pyros oder z.B. iwelche Klappmesser werden, solange die Sicherheitskräfte die Fans viel zu lasch untersuchen, auch weiterhin ins Stadion geschmuggelt werden können.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
Auf jeden Fall sind wir nach dem Derby in der Wahrnehmung soweit gekommen, den Vereinen indirekt oder direkt eine Verantwortung für Vorkommnisse aufzubürden, die zwar zeitlich noch irgendwas mit dem Spiel zu tun hat, aber örtlich nur im weiteren Sinne.

Wir hatten die Diskussion bei irgendwas bei der Hertha schonmal. Wo will man da die Grenze ziehen? Wenn einer mit einem Hertha-Trikot in Marzahn früh um 8 einen Fahrkartenautomat sprengt. Ist das schon spielbezogen? Oder erst auf'm Alex oder erst ab 11? Und was machen wir 50 Meter hinterm Alex und 10 vor 11? Oder in die andere Richtung - an einem "Kein-Fussball-Tag" bei einer Szenenschlägerei In Kreuzberg? Oder bei einer Oktoberfest-Keilerei, bei einem Karnevalsdelikt oder einer eher als politisch einzuordnenden Demo?

Ich meine, das geht so überhaupt nicht. Bannmeilen, Bannzeiten, Reiseverbot (für alle) und dergleichen bringen da gar nix. Zu scharf sind die Ränder, zu willkürlich die Einschränkungen. Das ist für mich nicht mehr angemessen und auch nicht mehr das mildeste Mittel. Und den Vereinen (auch noch) diese verantwortung für den öffentlichen Raum zuzuschreiben, und das sowohl (sport)rechtlich als auch moralisch, dürfte dann auch zu weit gehen.

Ansonsten: Der Spruch von Rauball ist selten dämlich. Man erinnere sich: "Das gemeinsame Vorgehen ist das A und O bei diesem Thema. Nur so kann das Vorhaben Erfolg haben. Es darf nicht sein, dass sich einige Klubverantwortliche zu Lasten der Solidargemeinschaft bei den Fans profilieren wollen."

Was soll denn diese Aussage sein? Man schreibt was vor und fordert sogleich ein gemeinsames Vorgehen ein, frei nach dem Motto, wen nicht dafür ist, ist gegen die Solidargemeinschaft (also gar nicht gegen die vorgeschlagenen Maßnahmen, sondern sogar gegen die Gemeinschaft an sich) und ist im übrigen nur dagegen, weil er sich (gegenüber Dritten) profilieren will?

So einer ist Anwalt. Gehts noch?
 
Zuletzt bearbeitet:

André

Admin
Jo das mit Rauball finde ich auch unfassbar dämlich.

Zum Alkohol im Stadion: Ich behaupte mal ein Großteil der Ultras hat gar nicht genügend Taschengeld um im Stadion zu saufen. Außerdem ist ein nicht beachtlicher Teil unter 16 Jahren alt.

Bei mir persönlich ist es sogar so dass ich im Stadion wieder nüchtern werde. Ich bin aber auch kein Randalist, vielleicht ist das bei denen anders. Aber wenn wir auswärts fahren, dann wird unterwegs schon mal was getrunken, im Stadion steh ich dann 2-3 Stunden im total engen Stehplatzblock und hoffe dass ich nicht raus muss bzw. aufs Klo muss. Wer geht denn da freiwillig raus Bier kaufen? Klar gibts immer einzelne, die große Masse aber ist froh wenn sie im Block bleiben kann.

Viel mehr gesoffen wird auf den Sitzplätzen. Da kommt man jederzeit wieder zu seinem Platz, man kommt auch viel schneller raus etc. Es gibt sogar Bierverkäöufer die im Block Bier verkaufen. Nach der These müssten ja jetzt die größten Randalemeister auf Sitzplätzen hocken.

Natürlich ist alles viel anders, aber wie schon gesagt, die Leute die das entscheiden haben vermutlich Ihre Spiele bisher nur aus den VIP-Kabinen gesehen.
 

kleinehexe

SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
T

theog

Guest
J(...)müssten ja jetzt die größten Randalemeister auf Sitzplätzen hocken.
(...)

Bei uns im Sitzplatzbereich wird bei einigen gesoffen, was das Zeug hält...:schock: Ich frage mich, wie man so viele Bierbecher überhaupt erst auf einmal tragen und dann auch noch trinken kann...:isklar: Ich trinke meistens 2, nicht mehr, wegen autofahrerei...:(
 

kleinehexe

SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16
Ich denke das kann man so pauschal auch gar nicht sagen. Ich saufe nicht wenn ich im Stadion bin, trotz Sitzplatz.
 

Schröder

Problembär
Gesoffen wird doch eh vorher.
In Hamburg sind die Bierpreise im Stadion jetzt bei 4,20 € ! für´n halben Liter Bier angelangt. Das ist mehr, als ich bei jeder anderen Veranstaltung einschließlich Konzerten und dem Open Air in Wacken für so´n Bier bezahlen muss.

Das mit dem Nacktscanner kann noch lustig werden. Um Diskriminierungsklagen zu entgehen, müssten diese ja auch vor den VIP-Plätzen aufgestellt werden.
 
Zuletzt bearbeitet:

kleinehexe

SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16

Rupert

Friends call me Loretta
Ich hab mich auch schon um den Zaun gewickelt als ich das FCB-Statement las. Frag mich schon fast warum, weil's ja klar war, da die ja ihren Hausjuristen nach Berlin geschickt hatten.
 

BoardUser

Jede Saison ein Titel!
Admin
Moderator
Wusste gar nicht, dass eine Arbeitsgemeinschaft Fananwälte gibt, die halten die ganze Chose auch mal zuallererst für rechtswidrig:
Arbeitsgemeinschaft Fananwaelte - Aktuelles5

Alter Schwede....deren Stellungnahme kann man fast 1:1 hier zitieren......die zerreissen das Papier der DFL förmlich in der Luft.

Für mich besonders bemerkenswert:

- Die DFL stifte mit der Forderung nach Datenweitergabe von Polizei zu den Vereinen (möglicherweise) zu Straftaten an....
- Die Verbandssanktionierung gegen die Vereine ist wegen Verstoßes gegen das Schuldprinzip rechtlich höchst zweifelhaft...
- Der DFL käme es gar nicht auf Verbesserung der Sicherheit an (objektiv), sondern auf einer Verbesserung des Sicherheitsgefühls (subjektiv)....(mit Beweisführung)...
...und daher seien die Maßnahmen schon unverhältnismäßig, weil objektiv gar nicht notwendig.
- Das vorgeschlagene Prinzip der Kollektivschuld sei rechtsstaatlich nicht zulässig
- vorgeschriebene Vertragsstrafen der Vereine gegen Zuschauer seien sowohl aus strafrechtsgesichtspunkten als auch über den Zivilrechtsweg unzulässig, weil sie nur Nebenpflichten berühren und zudem (im Falle der Sanktion) unangemessen benachteiligen würden.

Ist natürlich noch nicht alles, aber eben für mich das bemerkenswerteste.
 

Keule

Geile Oma aus deiner Nähe
Zum Alkohol im Stadion: Ich behaupte mal ein Großteil der Ultras hat gar nicht genügend Taschengeld um im Stadion zu saufen. Außerdem ist ein nicht beachtlicher Teil unter 16 Jahren alt.

Was bringt dich zu diesem Schluss? Ich würde mal behaupten der Anteil der unter 16 in der aktiven Fanszene in HRO liegt bei unter 2%, die meisten sind Mitte 20.

Zum Thema: Ich finde den Titel so schön gewählt, da er noch mal wunderbar suggeriert, dass das Stadionerlebnis derzeit unsicher ist.
 
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