Gerry Ehrmann und Lauterns Torwart Talente

André

Admin
Tarzans Flugschüler

Lauterns Torwarttrainer Gerry Ehrmann hat sie alle geformt. Roman Weidenfeller und Tim Wiese früher, später FLORIAN FROMLOWITZ ( 19 ). Talente, die beim FCK den Sprung in die Bundesliga schafften.

Wenn du raus gehst, gibt es kein Zurück.“ Florian Fromlowitz ( 19) klingelt immer im Ohr, was ihm sein „ Ausbilder“ Gerald Ehrmann ( 47 ) lehrte. Ein anderer Kernsatz, der Lauterns Keeper im Spiel ständig durch den Kopf geht: „ Nerven behalten, Risiko gehen, breite Brust und keine Angst zeigen!“ Worauf er durch seinen Torwarttrainer noch eingeschworen ist: „ Du bist Einzelkämpfer. Verlasse dich nur auf dich selbst, nicht auf deine Vorderleute.“ In einer guten ( Torwart-) Schule zu sein, zahlt sich jetzt aus für die deutsche U- 20 Nachwuchshoffnung. Die ist seit Karnevalsamstag in Hochstimmung. Beim 2: 0- Sieg in Mainz rückte Fromlowitz von der einen auf die andere Sekunde durch das Verletzungspech seines Kollegen Jürgen Macho, der sich den Unterarm brach, ins Rampenlicht. Dort schlägt sich Lauterns Nummer 27 – eigentlich dritte Wahl hinter Macho ( 28 ) und Thomas Ernst ( 38 ) – wie es von einer erstklassigen Nummer 1 erwartet wird. Ruhig, abgeklärt, zuverlässig auf der Linie, entschlossen im Herauslaufen, reaktionsschnell, schnörkellos, fast fehlerlos. „ Nun will ich natürlich im Tor bleiben.“
Selbstbewusst stellt der Schlussmann schon Ansprüche.

Genau das will Ehrmann bei seinen Talenten erreichen: „ Wenn die Chance kommt, müssen die Jungs ihren Mann stehen. Ich will starke erste Torhüter und keine guten zweite ausbilden.“ Das gelingt ihm eindrucksvoll, seit er 1996 nach dem Karriereende und 294 Bundesligaspielen in den Trainerstab mit Schwerpunkt „ Torwartschulung“ umstieg. Die Talentschmiede liefert gute Arbeit ab: Erst Roman Weidenfeller ( jetzt bei Borussia Dortmund), dann Tim Wiese ( Werder Bremen), heute Fromlowitz. Ein Trio, dem Förderer Ehrmann viel zutraut: „ Im Grunde sind sich die Drei sehr ähnlich. Talent, Charakter, Einstellung, Erfolgshunger, Spielweise. Sie bringen alles mit, um eines Tages das Erbe von Oliver Kahn antreten zu können!“ Fromlowitz, Spitzname „ Flo“, auf dem Weg zum Riesen? Ehrmann sieht beste Perspektiven für den Shooting- Star: „ Warum nicht? Seit er ins kalte Wasser geschmissen wurde, zeigt er starke Leistungen, Nervenstärke, Präsenz.“ Das ( Erfolgs-) Geheimnis des Ausbilders? Der Torwarttrainer, Spitzname „ Tarzan“, sichtet seine Kandidaten schon mit 15, 16 Jahren. Fromlowitz beispielsweise spielte noch in der C- Jugend, als sich Ehrmann seiner annahm: „ Wichtig für die Entwicklung ist, dass die Jungs mit den Anforderungen groß werden und so schnell wie möglich lernen, unter Profi bedingungen zu arbeiten. Roman und Flo machten schon mit 16, was sie auch heute täglich trainieren.“ Sich entschlossen zeigen, Verantwortung tragen, mitspielen, kompromisslos sein, ebenso aggressiv an Schwächen arbeiten, bereit sein, an die Grenze zu gehen, sofort wieder aufstehen, wenn man am Boden liegt. Das alles gehört zur Philosophie, die Ehrmann seinen Schützlingen mit Geduld und Zähigkeit vermittelt. „ Manchmal gehe ich denen natürlich auf den Keks. Hinterher wissen sie aber warum.“ Wenn sich die Feldspieler im Training noch aufwärmen, müssen die Torhüter der „ Roten Teufel“ schon durch „ Tarzans Flugschule“.

Flache Bälle, halb hohe, Aufsetzer, mal links, mal rechts, erst über die Hürde, dann unten durch. Wenn es gilt, Sprung- und Schnellkraft zu fördern, kennt der 47- Jährige kein Pardon. Dazu kommen Sonderschichten, zweimal wöchentlich, bis zu 90 Minuten. „ Gewisse Abläufe müssen sitzen. Wenn die Automatismen greifen, bist du einfach den Tick schneller am Ball, Sieger und eben nicht Zweiter.“
Weidenfeller weiß, was er seinem Mentor verdankt: „ Gerry holte mich früh zu den Profi s, nahm sich viel Zeit für mich. Sein Anteil ist sehr groß, dass ich heute der bin, der ich bin.“ Als der 25- Jährige in Dortmund auf der Bank saß, rief Ehrmann an, gab Tipps, leistete aus der Ferne Aufbauhilfe. Der Lauterer litt auch mit Tim Wiese, als der in Turin sein Champions- League Drama erlebte. „ Das war Pech, ist schon anderen großen Torhütern passiert. Abhaken, weitermachen.“ Die aufmunternden Worte aus der Pfalz waren Balsam für den Werder* Keeper. Der ist sehr dankbar über die Lehrjahre: „ Gerrys Training war super. Er war ein ganz wichtiger Mann für meine Entwicklung.“

Statt Wiese ist nun Fromlowitz, der vorsorglich früh bis 2008 vertraglich gebunden wurde, Lauterns Rückhalt im Abstiegskampf. Der kann sich trotz eines Topeinstands bei den Profi s nicht zu sicher fühlen. Denn das nächste Talent steht schon auf dem Sprung. „ Wir haben noch einen Guten. Auch der kann es packen“, grinst Ehrmann. Dass Tobias Sippel, gerade 18 geworden und noch A- Junior, mit 1,80 Meter nicht gerade Gardemaß mitbringt, ist für seinen Trainer ohne Bedeutung: „ Die Größe ist nicht entscheidend. Herz müssen die Jungs haben.“
ULI GERKE

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