Eure zuletzt geschauten Filme + Bewertung!

Dilbert

Pils-Legende
"Tai Chi"

Jun Bao und Tian Bao freunden sich schon im Kindesalter im Mönchskloster (Shaolin wird meine ich nicht gesagt, aber sowas soll es wohl sein) an. Während Jun Bao dabei eher den ruhigeren Part abgibt, ist Tian Bao wenig begeistert davon dass er offiziell als Neuling einem jüngeren und kleineren Schüler unterstellt ist, weshalb er die Machtverhältnisse hinter dem Rücken ihres Meisters schon am ersten Tag umdreht. Diese leicht rebellische, unbeherrschte Ader behält er auch weiterhin bei, was beiden desöfteren Ärger mit älteren Schülern und anderen Ausbildern einbringt. Zudem befinden er und Jun Bao sich mehr oder weniger durchgehend in einer freundschaftlichen Rivalität, was dazu führt, dass bei ihren spielerischen Kung Fu-Auseinandersetzungen auch das eine oder andere Stück des Klosterinventars zu Bruch geht.

Als junger Erwachsener soll Tian Bao sich mit einem älteren Schüler, der die beiden gerne mal gepiesackt hat, im Kampf messen, um festzustellen, wer von beiden in die nächste Ausbildungsstufe aufrücken darf. Der Warzenkasper hat gegen Tian Bao eigentlich keine Chance, wirft ihm aber in einem unbeobachteten Moment irgendein Pulver in die Augen (ich wusste gar nicht, dass "Bloodsport" schon während der Ming-Dynastie im Kino lief...), was den unbeherrschten Tian auf die Palme bringt. Aus Rache kloppt er dem Blödmann die Gedärme in der Plauze ein wenig matschig. Dessen Meister ist not amused und greift selbst an, wogegen Tian Bao sich mit "Der Faust Buddhas" wehrt (Buddhas Faust... Buddhas Hand... Lief "Kung Fu Hustle" damals auch schon?). Doof dabei ist, dass er diese Technik noch gar nicht beherrschen dürfte, hat er sie doch verbotenerweise bei diesem Meister beim Training abgeguckt. Letzterer findet das dann auch weniger witzig, und will den wütenden Tian Bao deshalb von seinen Schülern vermöbeln lassen. Da Jun Bao (jetzt dargestellt von Jet Li) seinen Freund nicht hängen lassen will, springt er ihm zur Seite, wobei zwei gegen zwanzig schon ein bisschen unfair daherkommt. Aber gut, es ist ein Jet Li-Film, und Freundschaft war eh schon immer besser als eine Zweckgemeinschaft von Schlägern... (Noch...) So können beide nach einer wilden Hauerei gerade noch mit heiler Haut entkommen, rennen dabei allerdings ihrem Meister vor die Füße. Der kann nun auch nicht viel mehr machen als sie aus dem Kloster zu bitten, und ihnen zum Abschied noch eine Schriftrolle mitzugeben.

Kein Job, kein Geld, keine Ahnung wie es weitergehen soll? Genau. Also erstmal auf in die Stadt. Dort treffen sie auf eine Gitarre spielende Bettlerin (Siu Lin, so gutaussehend wie schlagkräftig: Michelle Yeoh), und werden Zeuge wie der Bezirksverwalter (ein freiwilliger Eunuch, der sich kastrieren ließ, damit er sich in seinem Machtstreben nicht von irgendwelchen Weibergeschichten ablenken lassen kann) mit seinen kaiserlichen Soldaten die Bevölkerung unterdrückt, Steuern erpresst und Aufsässige / Zahlungsunfähige misshandeln und ermorden lässt. Jun Bao findet das ziemlich scheiße, aber Tien Bao ist von der Macht fasziniert. Nachdem beide einer kleinen Rebellengruppe geholfen, und zugeguckt haben, wie Siu Lin (welche die Rebellen mit anführt) die neue, reiche und arrogante Frau ihres eigenen Ex-Mannes (den sie wie Sch... behandelt) vermöbelt, schließen sie sich kurzerhand den Aufständischen an.

Aber der Apfel fängt an zu gammeln. Nachdem beide sich als Straßenkünstler ein paar Moneten verdient haben, kommt der Steuereintreiber des Eunuchen angeschissen um ihnen die sauer verdiente Knete gleich wieder abzuknöpfen. Jun Bao sieht das nicht ein, aber Tien Bao überreicht dem Geldgeier ihren Verdienst, und nimmt die Gelegenheit wahr, in die Dienste des Eunuchen zu treten, um so Karriere zu machen und reich zu werden.
Am Anfang deckt Tien seinen Freund und die Rebellen noch, als diese ein paar Schergen des Bezirksverwalters abmurksen, die das gleiche mit ihnen vorhatten. Aber die Gier nach Erfolg Macht zerfrisst mehr und mehr sein Herz und seinen Verstand. Letztendlich ist Tien Bao bereit für seine Karriere über Leichen zu gehen, und wenn es die seines einzigen Freundes und der Frau, die er mal geliebt hat sind...

Jet Li-Filme sind oft ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wissen sie oft gut zu unterhalten und kommen mit prima choreografierten Kämpfen daher, andererseits neigen sie meistens zur kompletten Abschaffung von physikalischen Gesetzen, was die Akrobatikeinlagen und Flugeigenschaften von Menschen angeht, und gerade in seiner Frühphase (aus der auch dieses Werk stammt) zu übertriebenen Albernheiten. Beides hält sich hier zumindest in erträglichen Grenzen, auch wenn ich die grob geschätzt fünf bis zehn Minuten, in denen Jun Bao nach dem Verrat seines Freundes (der einem großen Teil der Rebellen das Leben kostet) den Verstand verliert und einfach nur eher unlustig herumkaspert, ehrlich nicht gebraucht hätte. Dafür gibt es aber rasante Action am Fließband, und die Story und die Figuren sind insgesamt nicht so bescheuert und unglaubwürdig wie in einigen anderen Filmen. Auch wenn natürlich auch hier wieder Menschen über fliegende Speere laufen und rückwärts ein paar Meter hoch springen können. Und dass Jun Bao durch die Schriftrolle des Meisters eine neue überlegene Technik erlernt, war so sicher wie ´ne leere Bierpalette beim RockHarz. Das muss man bei einem Jet Li-Streifen damals wie heute hinnehmen.

"Tai Chi" ist jedenfalls mein Lieblingsfilm aus seiner Frühphase Anfang der 90er. Es gibt fast keinen Leerlauf, und die sich schon in de Kindheit andeutenden Charakterzüge der beiden Freunde sind so glaubhaft dargestellt, wie es in so einem Film eben geht. Die Story geht zum Glück zügig voran, auch wenn ich mich wundere, dass die beiden als sie sich trennen ´ne Glatze haben, und in der nächsten Szene dann plötzlich Haare, auf die so mancher Metalhead neidisch wäre... Die zahlreichen (Massen-) Schlägereien sind bei aller Übertreibung sehr gut gemacht (einmal meinte ich ein Drahtseil bei einem Stunt gesehen zu haben), die Musik ist stimmig, und Michelle Yeoh geht sowieso immer.

Da das Ding ewig nicht mehr in der Glotze lief, hab ich ihm mir auf DVD gegönnt. Meine Box mit vier Jet-Li-Filmen drin war dabei billiger als sich das Ding einzeln zu kaufen. Leider ist der Film minimal an zwei oder drei Szenen geschnitten, warum das bei einer FSK 16-Freigabe so ist, weiß ich aber wirklich nicht (da hab ich schon brutalere Dinge in FSK 12-Filmen gesehen). Zumal der Film vor etlichen Jahren (als ich noch auf VHS-Kassetten aufgezeichnet hab) auch mal ungeschnitten im Fernsehen kam.

Ein kurzweiliges Spektakel, und eine klare Anguckempfehlung meinerseits, wenn man sich für das Genre begeistern kann.

Ich geb dem Ding 8 / 10 Handkanten.
 
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Dilbert

Pils-Legende
"Robocop 3"

Detroit... immer noch Detroit. Schon seit Jahren plant der Multikonzern OCP (Omni Consumer Products) die Umwandlung der maroden Metropole in das moderne "Delta City". Da sich das Unternehmen immer weiter verzögert, geht OCP langsam das Geld aus. Zwar gehört dem Konzern inzwischen die ganze Stadt, nachdem diese einen Kredit (im zweiten Teil) nicht zurückzahlen konnte, nur sind die Menschen nicht so einfach dazu zu bringen, ihre alten Wohnungen zu verlassen. Besonders die Bewohner des einfachen Stadtteils "Cadillac Heights" erweisen sich als besonders widerspenstig. Um finanziell weitermachen zu können, hat sich OCP mit dem skrupellosen japanischen Kanemitsu-Konzern zusammengeschlossen, dessen Firmenchef allerdings wenig von den ungeplanten Verzögerungen hält, und entsprechend Druck auf den neuen CEO von OCP macht.

Die Zeit drängt, OCP steht inzwischen kurz vor der Pleite. In ein paar Tagen muss die Räumung abgeschlossen sein, ansonsten stürzen die Aktien ab, und der ganze Laden ist kaum noch mehr wert als ein verschwitzter Badelatschen eines Fußpilzpatienten. Helfen sollen die "REHABS", eine spezielle Einsatztruppe unter der Führung des korrupten McDaggett, die die Anwohner freundlich bei der Umsiedlung unterstützen soll... So jedenfalls die Darstellung in den von OCP kontrollierten Medien. Die Realität sieht anders aus. Die Leute werden gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt und die Häuser abgerissen, ob da nun noch jemand drin ist, oder nicht. So auch das Haus der Familie der kleinen Nikko, welche bei der Zwangsumsiedlung auseinandergerissen wird. Nikko steht plötzlich allein da, nachdem man ihre Eltern in einen Bus verfrachtet und weggebracht hat. Sie schließt sich einer Gruppe von Rebellen um Bertha an, die in einer Art Guerillakrieg gegen OCP kämpft, um die Räumung so lange herauszuzögern, bis OCP bankrott ist.

Die Polizei, die ebenfalls OCP gehört, müht sich derweil ziemlich vergebens darum, zumindest noch ein Minimum an Recht und Ordnung zu erhalten. Mit dabei und Fels in der Brandung ist auch noch "Robocop" Alex Murphy. Der gerät zunehmend in einen Gewissenskonflikt. Als seine alte Partnerin Ann Lewis zusammen mit ein paar Kollegen von einer Gruppe Splatterpunks eingekesselt wird, gibt er die Verfolgung von Bertha und ihren Rebellen auf, die vorher bei OCP eingebrochen sind und das Waffenlager der Polizei ausgeräumt haben. Stattdessen hilft er lieber seiner Partnerin, was bei OCP natürlich nicht gern gesehen wird. Deshalb wird seine Mechanikerin Dr. Lazarus (die wunderbare Jill Hennessy, einigen vielleicht bekannt als Staatsanwältin Claire Kincaid aus "Law & Order" und namensgebende Pathologin in "Crossing Jordan") dazu aufgefordert, ihm einen Unterbrecherchip einzusetzen, der seine Fähigkeit zu eigenen Entscheidungen subtrahieren würde. Da Lazarus immer noch den Menschen in der Maschine sieht, bearbeitet sie den Chip dann lieber mit dem Hammer.

Die Rebellen werden schließlich in einer Kirche aufgespürt. Murphy und Lewis sind gerade vor Ort, weil Murphy Nikko wiedererkannt hat, entdecken aber darin unbewaffnete Zivilisten. Die Rehabs treffen ein und wollen die Leute zur Not mit Waffengewalt aus der Kirche holen, allerdings stellen sich Murphy und Lewis ihnen in den Weg. McDaggett erschießt Lewis. Robocop kann sich wegen seiner Programmierung, niemals auf einen OCP-Angestellten zu schießen, nicht wehren, und ballert stattdessen dann die Autos der Rehabs kaputt. Er wird dabei allerdings auch selbst beschädigt, und flüchtet mit den Rebellen durch die Kanalisation.

Kanemizu hat unterdessen die Faxen dicke, und schickt selbst einen Cyborg um für klar Schiff zu sorgen. Otomo ist optisch nicht von einem Menschen zu unterscheiden, und furchtelt gerne mal mit einem Ninja-Schwert herum.
Die Rebellen können Robocop in ihrem Versteck leider nicht allein wieder zusammenflicken. Nikko, für die Robo schon immer ein Held war, kommt die Idee seine Technikerin aufzusuchen. Die hat auf OCP eh keinen Bock mehr (und wegen ihrer Weigerung den Chip einzubauen auch keine großartigen Zukunftsaussichten in dem Laden). Deshalb ist sie auch gern bereit den Rebellen zu helfen, das nötige Equipment zu klauen, und Murphy wieder zusammenzubasteln. Ganz nebenbei löscht sie auch "Directive 4", die Murphy verbietet sich gegen OCP zu stellen.

Das ist auch dringend nötig, denn unter den Rebellen ist ein Stinkstiefel, der ihr Versteck für ein paar Dollar an McDaggett verrät. Die haben nun also Otomo und die Rehabs am Hintern kleben, während Robo versucht sich McDaggett vorzuknöpfen, was das letzte war, was er der sterbenden Lewis noch versprochen hat. Dabei schreitet für OCP die Zeit weiter zu schnell voran. Als letzte Hilfe wollen sie die Cops von Robos Dienststelle ranziehen, aber die finden den Gedanken, unschuldige Bürger aus ihren Häusern zu vertreiben widerlich, quittieren den Dienst, und schließen sich lieber dem an, was von den Rebellen noch übrig ist, nachdem ihr Versteck überrannt wurde. McDaggett ist aber OCP inzwischen eh ziemlich wumpe. Er hat schlichtweg Spaß daran Krieg zu spielen. Und wenn die Cops nicht mitmachen, dann zieht man eben ihre Todfeinde an Land: Splatterpunks.
So geht es zum letzten Gefecht um Cadillac Heights...

Das klingt jetzt alles sogar (für einen Actionfilm) noch halbwegs nachvollziehbar. Schräg ist nur, was Fred Dekker und Frank Miller daraus gemacht haben. Das ganze gleicht einem komplett durchgeknallten Comic. Robocop bekommt ein Fluggerät spendiert (die Flugaufnahmen sehen dann leider ziemlich billig aus), jagt McDaggetts Panzerwagen zu Puffmusik in einer (sich nach und nach bis auf den Fahrzeugrahmen zerlegenden) rosa Zuhälterkarre mit Blinkelichterkette um die Windschutzscheibe durch die Straßen von Detroit, oder schießt sich durch ein Autodach, nachdem er mit der Karre von einer Brücke gesprungen ist, um Lewis und ihre Kollegen gegen die Punks zu unterstützen. OCP zerlegt sich so nach und nach hingegen selbst. Ein Mitarbeiter springt aus dem Fenster im 20. Stock, während seine Frau am Bildtelefon sagt, dass doch jede Firma mal eine Krise haben kann, und alles doch gar nicht so schlimm wäre. Der Typ, der Lazarus dazu aufgefordert hat, Robo den Sperrchip einzubauen, sagt zu Johnson (einem der letzten Charaktere aus dem ersten Teil, die anderen sind Lewis und der Revierchef Sgt. Reed... Im Gegensatz zu Robocop werden auch alle noch von ihren alten Schauspielern gespielt, ins Blechkostüm stieg hingegen statt Peter Weller Robert Burke), dass er sich lieber erschießen würde, wenn man ihn rausschmeißt... was dann ein paar Minuten später passiert. (Kurz darauf hört man *BÄNG). Und Otomo ist als Räumkommando eh eine ziemlich behämmerte Idee. Die Polizei hingegen braucht dringend mal ein Schießtraining. Beim Kampf gegen die Splatterpunks am Anfang des Films ballern sie erst doof inner Gegend rum (ohne jemanden zu treffen), und als die Punks dann im Schneckentempo auf sie zukommen sind sie erst zu dusselig ihre Knarren in zwei Minuten nachzuladen, und als sie sie geladen haben und ihre Gegner mit gezückten Messern und mehr als eindeutiger Mordabsicht nur noch ein paar Meter weg sind, stehen sie nur wie hingeschissen da und warten ergeben auf ihr (wahrscheinlich grausames) Ende. In der finalen Schlacht um Cadillac Heights wird dann von beiden Seiten aus allen Rohren geschossen, und gerade die Punks und die Rehabs sind zum Teil völlig ungeschützt und in breiter Front unterwegs. Wenn man so halbwegs die Höhe hinkriegt, muss man da zwangsläufig irgendjemanden treffen. Die Straße hätte zum Massengrab werden müssen, aber die einzigen, die da was treffen, sind der Rehab im Panzerwagen mit seiner Kanone, und Robocop, als er herangeflogen kommt (was übrigens teilweise selbst für geringes Budget wirklich beschissen aussieht).

Was dem Streifen verglichen mit den Vorgängern hingegen völlig fehlt, sind die Splatterszenen. Abgeschossene Arme, ein Typ, der durch Chemikalien verätzt und mutiert vor ein Auto stolpert und von diesem halbiert wird, ein bei lebendigem Leib aufgeschnittener Brustkorb, eine aufgesägte Schädeldecke... Sowas sieht man bei Robocop 3 nicht. Das ganze wirkt schon fast wie eine Parodie auf die ersten beiden Teile natürlich auch auf die Medienwelt. Wobei einen die Szene, in der die Nachrichtensprecherin im Auftrag von OCP von angeblichen Gräueltaten Robocops berichten soll, dann anfängt zu stottern und letztendlich entnervt "Das les ich nicht vor, glaubt hier jemand diesen Mist?!" sagt schon ein wenig an die Regierung Trump erinnert, obwohl diese vor 26 Jahren natürlich noch nicht mal in gröbster Sichtweise war.

Macht dieser ganze Quatsch das jetzt zu einem schlechten Film? Ööööh... Nö. Also nicht, was den Unterhaltungswert des Streifens angeht. Viel daran ist extrem bescheuert, und wer auf ein blutiges Schlachtfest wie in Teil 1 und 2 (wobei beide natürlich zeitweise auch schon etwas von einem zynischen Comic hatten, der zweite noch mehr als der erste) hoffte, wird dann doch eher enttäuscht. Die teilweise angewendeten Stop-Motion-Effekte der Vorgänger sind hier der Computervariante gewichen, welche nicht immer glücklich daherkommt. Wo das Fernsehprogramm (gerade die Werbespots und die Nachrichten) in den ersten Teilen noch einer zynischen Satire gleichkam, gibt es hier schon unverhohlene Anspielungen auf Propagandasendungen und manipulierte Medien.

Trotz allem macht der Käse irgendwie Laune. Der tolle Soundtrack aus dem ersten Film wurde teilweise wieder aufgegriffen (im zweiten Film war der komplett verschwunden), die Killerkiste ED 209 hat einen kleinen Auftritt, und große Langeweile kommt auch nicht auf. Es fängt mit dem Abriss von Nikkos Haus an, und leistet sich dann bis zum Finale keine großen Pausen. Rip Torn gibt einen guten neuen Wendehals-CEO von OCP ab, der eigentlich sieht dass nichts mehr zu retten ist, sich aber trotzdem mit Sarkasmus an den letzten Strohhalm klammert, während er einerseits bitterfröhlich Mitarbeiter feuert, aber andererseits den Bückling vor Kanemitsu macht, während er versucht sein eigenes Versagen irgendwie zu vertuschen. John Castle erinnert als McDaggett ziemlich an eine Arschlochversion von Hannibal Smith vom A-Team. Die Kinderheldin Nikko schafft es als kleines angehendes Technikgenie nicht allzu sehr zu nerven, Mako macht sich als kaltblütiger Mr. Kanemitsu mit Betonmimik ganz gut, und Jill Hennessy könnte von mir aus auch Kochbücher vorlesen, die finde ich eh klasse. Etwas schade ist, dass "Lewis" Nancy Allen relativ früh aus dem Film ausscheidet. Der Robocop-Darsteller Robert John Burke kann natürlich schauspielerisch in seinem Anzug keine Bäume ausreißen.

Eine ziemlich beknackte, aber unterhaltsame Low-Budget-Fortsetzung einer einst erfolgreichen Reihe. Und immerhin noch um Längen besser als die Serie, die später folgen sollte. Bei der schläft man schon beim Pilotfilm zeitweise ein.

Ich gebe dem 6,5 / 10 durchgeknallte Schaltkreise
 

Blaubarschbube

FC Schalke 04
Erst am Sonntag noch auf arte: Die üblichen Verdächtigen

Der größte Teil der Handlung wird von dem körperbehinderten Kleinkriminellen Verbal Kint in einem Polizeibüro bei einem Verhör erzählt und in Rückblenden gezeigt. Kint wurde festgenommen, weil er einer der beiden Überlebenden einer Schiffsexplosion mit 27 Toten im Hafen von San Pedro (Los Angeles) ist. Er war Mitglied einer Bande, mit der er einige gut organisierte Überfälle durchführte. Zwar hat Kint bereits ausgesagt, wofür ihm vollständige Straffreiheit zugesichert wurde, dem Zollinspektor David Kujan gelingt es dennoch, ein inoffizielles Verhör im Büro eines Kollegen zu arrangieren.

Mein Fazit: 10 / 10 Punkte - einfach genial gespielt
 

Dilbert

Pils-Legende
"Bob, der Streuner" (8/10 Flohhalsbänder)

James befindet sich im Methadon-Programm. Er hält sich mehr schlecht als recht als Straßenmusiker über Wasser, und wohnt in einer gammeligen Sozialbutze in einem Problemviertel von London. Eines Tages spaziert eine rotgetigerte Katze durch sein Fenster, der er etwas zu futtern gibt. Danach setzt er sie wieder im Park aus, weil er den eigentlichen Besitzer nicht finden kann. Kurze Zeit später sitzt die Katze wieder vor seiner Tür, diesmal schwer verletzt. Die tierliebe Nachbarin Betty (die in einer Tierarztpraxis für Sozialfälle arbeitet und dummerweise eine Allergie gegen Katzenhaare hat) tauft den Kater flugs "Bob", und schickt den hilflosen James, der den Vierbeiner eigentlich gern wieder los wäre (er hat ja kaum für sich selbst was zu beißen) und einen wichtigen Termin bei seiner Sozialarbeiterin hat, in ihre Praxis, die allerdings hoffnungslos überfüllt ist. Gerade als James aufbrechen will um seinen Termin nicht zu verpassen, wird er aufgerufen, weshalb er dann zu spät kommt. Seine Sozialarbeiterin Val is not amused, weil James kürzlich schon einen Rückfall in die Heroinsucht hatte, und bei einem weiteren Verstoß normalerweise aus dem Programm fliegen müsste. Sie kneift aber nochmal beide Augen zu.

James pflegt Bob mit Bettys Hilfe gesund, und Bob weicht ihm von da ab nicht mehr von der Seite. Der Musiker mit der Katze wird in London allmählich zu einer kleinen Berühmtheit, und er und Betty kommen sich langsam näher, wobei er ihr allerdings seine Drogensucht verschwiegen hat, weil Betty einst ihren Bruder durch Drogen verlor, und deshalb mit Junkies nichts zu tun haben will. Als durch einen Hundebesitzer auf der Straße ein Tumult ausbricht, weil der Hund James an den Gitarrenkoffer pinkelt, wird James kurzfristig verhaftet, weshalb er wieder einen Termin verpasst, und so auch nicht an sein Methadonrezept kommt. Nach seiner Entlassung sorgt Val zwar dafür, dass er seine Dosis bekommt, allerdings ist er als er in der Apotheke aufschlägt voll auf Entzug und entsprechend fertig mit den Nerven, wobei dummerweise Betty ein paar Regale weiter steht. Zudem bekommt er ein Auftrittsverbot erlegt, sollte er nochmal beim musizieren auf der Straße erwischt werden, droht ihm der Knast.
Eine Weile kann er sich mit Zeitungsverkäufen über Wasser halten, da er wegen seiner berühmten Katze aber weitaus mehr Umsatz macht als seine Kollegen, kommt schnell Neid auf, weshalb einer seiner Konkurrenten eine unabsichtliche Verfehlung von James verwendet um ihn bei seinem Arbeitgeber anzuschwärzen, was ihm einen Monat Verkaufsverbot einbringt.

Später geht Bob aus Angst vor zwei Hunden auch noch stiften. James, der inzwischen seelisch fast abhängig von seiner Katze ist, droht nach zwei Tagen ohne Bob kurz rückfällig zu werden, kriegt aber im letzten Moment noch die Kurve. Und als er nach einer erfolgslosen Suchaktion wieder verzweifelt zuhause ankommt, sitzt Bob auf dem Küchentresen.

Unterdessen ist ein Verlag über Zeitungsfotos von James und Bob gestolpert, und macht sich Gedanken darüber, diese ungewöhnliche Geschichte als Buch, eventuell als Buchreihe herauszubringen. James hingegen sieht sich durch Bob inzwischen so gefestigt, dass er sich bereit sieht, trotz der Aussicht auf eine Woche voller elender Qualen völlig clean zu werden, auch um Betty nicht zu verlieren...

Der Film ist nicht kitschig, aber rührend. Er basiert auf der wahren Geschichte des Straßenmusikers James Bowen, dessen Buch "A Street-Cat Named Bob" (bei uns: "Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte") zu einem Bestseller wurde. Der Streifen beschönigt nichts. James wird die meiste Zeit als Typ am Rande des Abgrunds dargestellt, der gerade so über die Runden kommt, und dann eben mit Hilfe der Katze letztendlich die Kurve kriegt, während jemand aus seinem Umfeld im Film seiner Drogensucht erliegt. Der Bob in den Szenen, in denen James (sehr unaufdringlich aber genau deshalb sehr gut: Luke Treadaway) auf der Straße musiziert, auch wirklich der echte Bob, weil dieser als einziger mit dem Getümmel umgehen konnte. Insgesamt hat man für den Film vier verschieden trainierte Katzen eingesetzt. Der echte James Bowen hat am Ende in der Buchhandlung bei einer Signierstunde eine Cameo-Auftritt als Fan (Zitat: "Als hätte ich es selbst erlebt."). Die sich anbahnende, aber nie voll durchstartende Liebesgeschichte zwischen James und Betty bleibt offen. Die Atmosphäre ist zum Großteil eher trostlos düster gehalten, erst zum Schluss hin, als James den kalten Entzug erfolgreich durchgezogen hat, kommt etwas positive Stimmung auf. Zum Glück ohne jede Anwandlung von schmierigem Disney-Gehabe.

Ansonsten ist / sind der Star eindeutig die Katze(n). Wie ja hier auch im echten Leben.

Man erfährt am Ende noch, dass sich das Buch so gut verkauft hat, dass James die Musik aufgeben, dem Sozialbau entfliehen, und sich ein eigenes Haus kaufen konnte.

Bob lebt dort inzwischen leider nicht mehr. Der rotfellige Held und zweiter Hauptdarsteller des Films ist im Sommer 2020 gestorben.

Fazit: Ich hab irgendwie nichts erwartet und viel bekommen. Es könnte sich lohnen, das Buch anzuschaffen.
 

Dilbert

Pils-Legende
"Nummer 5 lebt!"

Bei NOVA-Robotics ist die Kacke am dampfen. Gerade hat man stolz seine fünf nagelneuen S-A-I-N-T-Kampfroboter vorgeführt, da zieht ein Gewitter auf. Ein Blitz pfeffert während der Einweihungsparty in den Ladegenerator von Roboter Nummer 5, bringt seinen Speicher komplett durcheinander und löscht einen Großteil seiner Programmierung. Der Roboter funktioniert zwar irgendwie noch, entwickelt aber ein Eigenleben, welches dafür sorgt dass er durch Zufall auf einem Mülllwagen vom NOVA-Gelände gelangt.

Nun ist so ein Ding ja erstens nicht gerade billig (11 Millionen Dollar), und zweitens mit einer panzerbrechenden Laserwaffe ausgestattet. Es wäre also eine ziemliche Erleichterung, wenn man Nummer 5 so schnell wie möglich wieder einfangen könnte, bevor der eventuell einen Amoklauf startet. Das macht er auch, allerdings zerstört er keine Menschenleben, sondern eher versehentlich das Hab und Gut der Tierfreundin und Imbisswagenbesitzerin Stephanie Speck, die den Blechkameraden erstmal für ein Alien hält und mit reichlich "Input" aus ihrem Bücherregel (der Roboter speichert ein komplettes Lexikon in wenigen Sekunden ab) und der Glotze versorgt. Nummer 5 lernt schnell und entwickelt nach und nach eine eigene Persönlichkeit und ein Gewissen. Unterdessen rückt man bei NOVA aus. Der den Robos eh immer kritisch eingestellte Ballerfanatiker Skroeder würde den Flüchtling am liebsten sofort zu Schrott schießen, seine Entwickler Newton und Ben sowie Konzernchef Howard würden ihn lieber in einem Stück zurückholen um herauszufinden, was mit ihm passiert ist. Das stellt sich allerdings als gar nicht so einfach dar. Zwar hat Stephanie inzwischen enttäuscht festgestellt, dass ihr seltsamer Hausgast nicht aus dem Weltall, sondern der Wellblechbude von NOVA stammt, und die entsprechend informiert in der Hoffnung zumindest den an ihrem Inventar und Imbisswagen entstandenen Schaden ersetzt zu kriegen, allerdings hat sie Nummer 5 auch beigebracht, dass ein Lebewesen irreparabel stirbt, wenn man es kaputtmacht. Und da man ihn auf der Suche nach dem "Fehler" wohl oder übel ausschalten und auseinanderbauen müsste, klaut er lieber Stephanies Imbisswagen (ihre Begeisterung darüber hält sich verständlicherweise in Grenzen) und geht damit stiften. Womit ein Katz und Maus-Spiel mit NOVA beginnt, bei dem sich eines immer mehr herauskristallisiert: Der Roboter hat alles, was er nicht haben dürfte: Angst, Freude, Loyalität, Ideenreichtum, einen etwas abgedrehten Sinn für Humor und vorallem einen eigenen Willen...

Wenn man den Film wie ich grob geschätzt 20 - 25 Jahre nicht mehr gesehen hat, geht einem bei der Sichtung wirklich das Herz auf. Man entdeckt eine lieb gewonnene Geschichte nochmal neu. Neben den tollen Tricks (der Film ist von 1986, und sieht für mich viel besser aus als so manches aktuelles Computereffektspektakel) und den guten Darstellern (Ally Sheedy, Steve Guttenberg, Fisher Stevens, G.W. Bailey), ist es vorallem der schräge Witz, der den Streifen so sehenswert macht. Den Vogel schießt dabei Ben ab, dem man etliche bekloppte Wortdreher in den Mund gelegt hat. Ich weiß nicht, ob sowas heute noch funktionieren würde... okay, würde es, aber in unserer mit Political-Correctness dichtgeschissenen Anti-Lach-Gesellschaft würde er wahrscheinlich in einigen Kreisen gleichzeitig einen Shitstorm sondergleichen lostreten. Das gäbe mehr erhobene Zeigefinger als im Kindergarten bei der Frage, ob jemand noch ein Eis möchte. Aber egal was die spießigen P-C-Alleszernörgler mit dem Zollstock der Gerechtigkeit im Arsch auch zu einem Migranten mit lustigen Sprachdrehern sagen: Ich liebe die Figur. Aber auch Nummer 5 ist einfach cool geworden. Ob er nun Frühstück für Stephanie macht (und dabei fast die Küche abfackelt), den Wagen ihres Ex-Freundes in zwei Minuten in seine Einzelteile zerlegt, sich in zehn Sekunden das Auto fahren (mehr oder weniger...) beibringt oder mal eben seine Robokollegen so umprogrammiert, dass sie sich wie die Stooges aufführen, der mechanische Hauptdarsteller macht einfach Spaß. Steve Guttenberg (Newton) und G.W. Bailey (Skroeder) waren schon bei Police Academy kongeniale Gegenspieler, und die deutsche Synchro ist absolut gelungen.

Wer Freude an einem kleinen Technik-Märchen mit schrägem Humor und einem Schuss Herzigkeit hat, macht hier wirklich alles richtig.

8/10 Kurzschlüsse
 
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