Die EU - Europa am Scheideweg?

André

Admin
Hatten wir hier tatsächlichen noch keinen EU Thread?

Die EU hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eröffnet. Darin geht es um ein neues ungarisches Gesetz, welches aus Sicht von von der Leyen "gegen fundamentale Werte der Europäischen Union: Menschenwürde, Gleichheit und der Respekt für Menschenrechte" verstoße.

 

powerhead

Pfälzer
Ich finde es als einen schlechten Scherz, dass Mitgliedsländern bei selbst drastischen Verletzungen der EU-Richtlinien nur mit Sanktionen gedroht werden kann, eine Androhung des Ausschlusses aus der EU ist gar nicht möglich. Bisher lachen die Nationalisten in Ungarn und Polen über die "Androhung von Sanktionen" ja nur lauthals.
Die EU war vom Grundgedanken eine lobenswerte Idee, ihre derzeitige Situation ist meiner Meinung nach auf Dauer zum Scheitern verurteilt.
Zu schnell zu groß geworden, die Bürokraten haben dabei komplett den Überblick verloren. Das wichtige Beschlüsse nur einstimmig beschlossen werden können, ist von vornherein ein übler Grundfehler, der die EU immer lähmen wird.
 

André

Admin
Sehe ich ähnlich. Ich bin Europäer, aber die Organisation der EU ist leider mangelhaft und sehr bürokratisch.

In wichtigen Fragen ist man uneinig und somit teilweise handlungsunfähig. Oder mann muss erst mal wochenlang diskutieren, um auf einen Nenner zu kommen.

Man ist träge, langsam und oft uneinig.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
...die Bürokraten haben dabei komplett den Überblick verloren...

Interessant. Hast Du da mal ein Beispiel?

Das Vorgehen gegen Urban ist natürlich mau. Aber man muss ja auch mal sagen, dass wohl niemand damit gerechnet hat, dass in Europa nochmals solche Undemokraten an die Macht kommen.
 

Hendryk

Forum-Freund
Zu einer Demokratie gehört für mich zwingend, dass die Mehrheit entscheidet.
Die Bedingung einer Einstimmigen Zustimmung ist auch in einer Demokratie fast gar nicht erfüllbar und für mich undemokratisch.
Ich darf meine Zustimmung also nicht verweigern, obwohl ich nicht völlig einverstanden bin. Denn wenn ich mit "Nein" stimme, kommt der Beschluss gar nicht zustande.
Welcher Politiker stimmt denn Sanktionen gegen den eigenen Staat zu? Der darf ja gar nicht wieder nach Hause... :)
Also hast du bei jeder Frage nach Sanktionen bereits mindestens eine Nein-Stimme und der Beschluss kommt nicht zustande.

Oder anders: Polen und Ungarn können zu Hause machen, was sie wollen. Die EU ist da machtlos.
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Stimmt schon, dass die EU schnell wuchs und u.a. deshalb jetzt vor Problemen steht. Aber eine europäische Union, die gar nicht alle europäischen Länder umfasst, ist irgendwie auch keine europäische Union.

Man kann zu einem Ungarn, Polen, Serben irgendwie schlecht sagen: "Ich bin Europäer, aber du nicht".

Ich frage mich jetzt nur, wo der Zusammenhang zwischen dem Eingangsbeitrag mit verlinktem Artikel und dem Titel des threads ist. Geht es um die EU am Scheideweg, oder um das Gesetz aus Budapest?
 

André

Admin
Ich frage mich jetzt nur, wo der Zusammenhang zwischen dem Eingangsbeitrag mit verlinktem Artikel und dem Titel des threads ist. Geht es um die EU am Scheideweg, oder um das Gesetz aus Budapest?
Der Thread soll ein Dauerthread zum Thema EU werden. Und da sehe ich die Union an vielen Punkten am Scheideweg.
Der Eingangsbeitrag war nur der erste Beitrag in diesem Sammelthread. Falls jemand nen besseren, verständlicheren Vorschalg hat, gerne her damit.
 

HoratioTroche

Zuwanderer
Der Thread soll ein Dauerthread zum Thema EU werden. Und da sehe ich die Union an vielen Punkten am Scheideweg.
Ok, einverstanden.
Nun, am Scheideweg ist sie ständig, schon als Dänemark gegen die Maastrichter Verträge stimmte. Da gibt's einen tagesthemen-Ausschnitt von 1992, da tritt ein Schulfreund von mir auf. Den bringe ich immer gerne zu dem Thema. Wer ihn kennt, sieht aber, dass er das nicht wirklich ernst meint was er da erzählt, erstaunlich dass das gesendet wurde.

Robert de Niro hat übrigens einen Gastauftritt.
 

Hendryk

Forum-Freund
Stimmt schon, dass die EU schnell wuchs und u.a. deshalb jetzt vor Problemen steht. Aber eine europäische Union, die gar nicht alle europäischen Länder umfasst, ist irgendwie auch keine europäische Union.

Man kann zu einem Ungarn, Polen, Serben irgendwie schlecht sagen: "Ich bin Europäer, aber du nicht".
Die USA umfasst ja auch nicht alle amerikanischen Staaten. Nicht mal alle nordamerikanischen, sonst wäre Kanada ja auch dabei. Mexiko gehört schon zu Mittelamerika.

Man kann aber zwischen EU-Europäer und Nicht-EU-Europäer unterscheiden, ohne jemanden zu diskriminieren.

Letztlich ist die EU ein politisch gewolltes Kunstgebilde, das immer weiter aufgebläht wurde. Im Innern gibt es mMn zu wenige Pfeiler, um das Ganze dauerhaft abstützen.
Dazu kommt, dass einige Staaten ihre Bürger gefragt haben: Wollt ihr in die EU - oder: Wollt ihr den Euro?
Die EU ist vor allem gewollt, wenn es um die (finanziellen) Vorteile geht.
 

Rupert

Friends call me Loretta
(...)

Letztlich ist die EU ein politisch gewolltes Kunstgebilde, das immer weiter aufgebläht wurde. Im Innern gibt es mMn zu wenige Pfeiler, um das Ganze dauerhaft abstützen.
(...)
Die EU, besser gesagt ihre Vorgänger, Montanunion und und EWG, ist ein Bund, der v.a. deswegen geschaffen wurde, weil unser Ländchen zuvor seine Nachbarn dauernd mit Krieg überzog und dieses Bündnis entwickelte sich eben, weil es so erfolgreich war, weiter und umschloß immer weitere Staaten.
Ein weiterer Aspekt, den man auch kaum mehr hört: Ohne EU hätte es niemals ein wiedervereinigtes Deutschland gegeben, weil keiner, aber gar keiner der europäischen Staaten und auch nicht die USA, Lust auf ein alleinstehendes, wirtschaftliches dominantes Deutschland gehabt hätten.
 
Zuletzt bearbeitet:

HoratioTroche

Zuwanderer
Ein weiterer Aspekt, den man auch kaum mehr hört: Ohne EU hätte es niemals ein wiedervereinigtes Deutschland gegeben, weil keiner, aber gar keiner der europäischen Staaten und auch nicht die USA, Lust auf ein alleinstehendes, wirtschaftliches dominantes Deutschland gehabt hätten.
Fragt sich, ob es ein wirtschaftliches dominantes Deutschland ohne EU/EG, Wiederaufbau, Marschallplan etc. gegeben hätte, oder ob Bayern nicht Agrarland geblieben wäre und Württemberg eine Streuobstwiese.
Fragt sich weiter, ob eine DDR weitere 40 Jahre (30 davon wären jetzt schon rum) hätte existieren können, was sie ja schon damals nicht konnte. Oder ob ein irgendwie gearteter Anschluss (*) nicht sowieso zwangsläufig in vielleicht grösserem Zeitrahmen gewesen wäre.

(*) Ich schreibe absichtlich nicht Wiedervereinigung.
 

Hendryk

Forum-Freund
Ohne EU hätte es niemals ein wiedervereinigtes Deutschland gegeben, weil keiner, aber gar keiner der europäischen Staaten und auch nicht die USA, Lust auf ein alleinstehendes, wirtschaftliches dominantes Deutschland gehabt hätten.
Schon klar, wie du es meinst.
Letztlich hat die USA - Marshall Plan - Westeuropa (einschließlich Westdeutschland) wirtschaftlich sehr geholfen. Natürlich mit dem Gedanken, in Westeuropa Verbündete zu haben.
Ein bereits früher wieder vereinigtes Deutschland hätte es gegeben, wenn Konrad Adenauer zugestimmt hätte. Bedingung war ein neutraler Staat wie die Schweiz. Die UdSSR hätte zugestimmt. Adenauer hat mehr Vorteile bei einer Anbindung an die Westmächte gesehen.
Edit: Was HT dazu schreibt, passt auch!
 

Rupert

Friends call me Loretta
Das war die sog. Stalin-Note von 1952:
Die lehnte ja genau Adenauer ab.

Die Wiedervereinigung 1990 wäre ohne EU nicht möglich gewesen, das war die Vorbedingung, dass ein wiedervereintes Deutschland eng in ein europäisches Bündnis eingebunden ist. Das ist ja den Äusserungen der damaligen Alliierten zu entnehmen und steht auch in der Präambel des "2+4 Vertrages" von 1990. "....die staatliche Einheit Deutschlands herzustellen, um als gleichberechtigtes und souveränes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, IN DER ÜBERZEUGUNG, daß die Vereinigung Deutschlands als Staat mit endgültigen Grenzen ein bedeutsamer Beitrag zu Frieden und Stabilität in Europa ist..."
 
Zuletzt bearbeitet:

Itchy

Vertrauter
Problem der EU ist nach wie vor, dass sie es nicht schafft sich von ihrem Ursprung zu lösen und der ist nunmal der einer reinen Wirtschaftsunion.

Alles andere wird nach wie vor zweitrangig behandelt und in Zeiten des gesellschaftlichen und politischen Werteverfalls zeigen sich die Spaltungen nunmal überdeutlich.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Problem der EU ist nach wie vor, dass sie es nicht schafft sich von ihrem Ursprung zu lösen und der ist nunmal der einer reinen Wirtschaftsunion.

(...)
Ja, das ist eines der Kernprobleme: Kaum gemeinsame Politik in vielen Teilen, die über die wirtschaftliche Verflechtung hinausgehen: Außenpolitik, Finanzpolitik, Bildungspolitik, Verteidigung, etc.
Das scheiterte und scheitert halt auch daran, dass kaum ein Nationalstaat dazu bereit ist hier kontinuierlich Kompetenzen an ein multinationales Bündnis abzugeben.
 

GaviaoDaFiel

Last Dino Standing
Die USA umfasst ja auch nicht alle amerikanischen Staaten. Nicht mal alle nordamerikanischen, sonst wäre Kanada ja auch dabei. Mexiko gehört schon zu Mittelamerika.

Fussballtechnisch - ja. So wie USA und Kanada.
Sonst - nein.

Mexiko (spanisch México [ˈmexiko], in Spanien auch Méjico[5], nahuatl: Mexihco [meː'ʃiʔko]), amtlich Vereinigte Mexikanische Staaten, spanisch Estados Unidos Mexicanos, ist eine Bundesrepublik in Nordamerika.

 
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