Detti, bisse noch unter uns?

Detti04

The Count
Jepp, Sperber, ich bin noch da. Hier in Auckland besteht die groesste Gefahr vermutlich nicht in Erdbeben, sondern in Vulkanausbruechen, denn Auckland sitzt auf dem Auckland-Vulkanfeld, welches aus ca. 50 Vulkanen besteht. Der juengste von denen - Rangitoto, eine Insel im Hauraki Golf direkt vor Auckland - ist erst vor 600 Jahren entstanden, d.h. die Maori haben zusehen koennen, wie da langsam eine Insel mit einem Durchmesser von 5,5 km und einer Kraterhoehe von 250 m aus dem Meer wuchs.

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In Christchurch sieht es inzwischen immer duesterer aus. An manchen Orten mussten die Rettungsarbeiten eingestellt werden, weil inzwischen auch das groesste Gebaeude der Innenstadt, das Grand Chancellor Hotel mit 26 Stockwerken, einzustuerzen droht, und weil die Rettungskraefte in den Ruinen der anderen Gebaeude schon seit einer Weile keien Lebenszeichen mehr vernommen haben. Alleine im Gebaeude von Canterbury TV,, welches nicht nur gebrannt hat, sondern auch praktisch komplett eingestuerzt ist, werden inzwischen ueber 100 Verschuettete (und somit Tote) vermutet. Die offizielle Zahl an Todesopfern steht bei 75, aber das sind nur die, welche in der provisorischen Leichenhalle angekommen sind; daneben spricht man noch von 300 Vermissten, und ich befuerchte, dass die Zahl der Todesopfer ungefaehr der Summe dieser beiden Zahlen entsprechen koennte. Selbst in der Kathedrale sind alleine 22 Menschen gestorben, heisst es.

Beim "NZ Herald" gibt es eine Reihe von vorher-nachher-Bildern, anhand derer man sich ein Bild ueber das Ausmass der Zerstoerung machen kann:
Christchurch: Then and now - National - NZ Herald Pictures
 

Rupert

Friends call me Loretta
Holy shit. Da ist ja alles kaputt. Mensch, hoffentlich kriegen die noch etliche der Vermissten lebendig raus.
 

Detti04

The Count
Aus dem Pyne Gould-Gebaeude (dem letzten in obiger Serie) wurden tatsaechlich heute noch Leute geborgen. Aber auch dort werden noch etwa 15 Menschen vermisst, fuer die man inzwischen keine grosse Hoffnung mehr hat. In der Kathedrale dagegen, die sogar noch staerker zerstoert ist, als es auf dem Bild aussieht, herrschte wohl schon kurz nach dem Erdbeben gespenstische Ruhe.
 
Beim "NZ Herald" gibt es eine Reihe von vorher-nachher-Bildern, anhand derer man sich ein Bild ueber das Ausmass der Zerstoerung machen kann:
Christchurch: Then and now - National - NZ Herald Pictures

Oh Mann, sieht das Übel aus. Irgendwie hatte ich Neuseeland bisher gar nicht so auf meiner persönlichen Karte der Regionen mit verheerenden Naturkatastrophen. "Glücklicherweise" für die Menschen wenigstens ein Land, dass genug Ressourcen haben dürfte die Betroffenen zu versorgen und ihnen zu helfen.
 

Detti04

The Count
Oh Mann, sieht das Übel aus. Irgendwie hatte ich Neuseeland bisher gar nicht so auf meiner persönlichen Karte der Regionen mit verheerenden Naturkatastrophen. "Glücklicherweise" für die Menschen wenigstens ein Land, dass genug Ressourcen haben dürfte die Betroffenen zu versorgen und ihnen zu helfen.
Doch, Neuseeland ist sogar besonders von Vulkanausbruechen und Erdbeben betroffen, weil es auf dem sog. "Pazifischen Feuerring" liegt. So sitzt z.B. die Hauptstadt Wellington praktisch direkt auf der Grenze zwischen der Pazifischen und der Australischen Platte, weswegen man sich in Wellington nicht fragt, ob es mal ein Erdbeben geben wird, sondern nur, wann "the big one" kommen wird.

Im Prinzip ist NZ tatsaechlich resourcenreich genug, um den Betroffenen helfen zu koennen. Allerdings wurden die Kosten fuer den Wiederaufbau nach dem September-Beben auf 6-8 Milliarden NZ$ geschaetzt (geschaetzt deshalb, weil man ja noch mitten im Wiederaufbau war), waehrend die Kosten des aktuellen Bebens momentan ganz, ganz spekulativ doppelt so hoch taxiert werden. Angesichts eines Bruttoinlandproduktes von etwa 130 Milliarden NZ$ sind diese Summen asbolut nicht unerheblich. Obwohl ein Grossteil der Kosten von Versicherungen bzw. Rueckversicherern getragen werden wird, befuerchtet man, dass diese Kosten moeglicherweise zu einer Rezession fuehren koennten. (NZ kommt gerade aus einer Rezession.) Um die Summen bzw. die Belastung einordnen zu koennen, ein Vergleich: Das Bankenrettungspaket in Deutschland war zwar 100 Mrd Euro schwer, dafuer betraegt das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands aber auch ca. 2,5 Billionen Euro (wenn ich das alles auf dei Schnelle richtig ergoogelt habe). Prozentual gesehen kostete also das September-Beben alleine NZ schon so viel wie Deutschland das Bankenrettungspaket.
 

Detti04

The Count
Mal so rein Interessehalber.
Was hat Dich überhaupt nach NZ verschlagen?
Die Arbeit.

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Beim NZ Herald gibt es ein interessantes Video, in welchem man durch Einfamilenhaeuser gefuehrt wird, welche nicht direkt vom Erdbeben zersoert wurden, sondern von Felsen, welche durch die Haeuser sprangen und rollten; gestorben ist dort zum Glueck niemand. Das wirkt alles schon sehr surreal.

Christchurch earthquake: Boulders rain down on family homes - Christchurch earthquake videos - NZ Herald Videos
 
Zuletzt bearbeitet:

Markus

Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

Detti04

The Count
Daneben gab es ja auch noch das Erdeben bei Samoa mit anschliessendem Tsunami im Jahr 2009. Das wirkt wirklich alles sehr unruhig gerade.

Die Bilder und Videos, die ich bisher aus Japan gesehen haben, lassen nur Schlimmes vermuten.
 

Detti04

The Count
Schon wieder bebte die Erde in Christchurch: zunaechst mit Staerke 5,5 und etwa 1,5 Stunden spaeter nochmal mit Staerke 6,0. Personenschaeden gab es kaum (nur ein paar leicht Verletzte, glaube ich), allerdings muessen jetzt wohl noch ein paar Dutzend weitere Gebaeude abgerissen werden; daneben sind einige der vom Februar-Erdbeben beschaedigten Gebaeude weiter eingestuerzt. Zusaetzlich traten wieder Bodenverfluessigungen sowie anscheinend auch (kleinere) Ueberschwemmungen auf (keine Ahnung, wodurch letztere verursacht wurden). Ausserdem gibt es mal wieder weder Strom noch (Ab-)Wasser. Auch wenn das alles verglichen mit den Ereignissen aus dem Februar deutlich weniger schlimm ist: In Christchurch zu leben muss im Moment (also seit knapp einem Jahr) unheimlich aetzen.
 

Detti04

The Count
Wir hatten vor knapp 10 Minuten ein Erdbeben der Staerke 6,6. Diesmal hab ich es voll mitgekriegt, denn ich lag zwar schon im Bett, hab aber noch nicht geschlafen. Das war sehr, sehr scary, denn das Beben zog sich ueber eine Weile hin und schien immer staerker zu werden. Da mag ich mir gar nicht vorstellen, wie sich das naeher am Epizentrum angefuehlt hat. Wuerde mich nicht wundern, wenn es in Christchurch schon wieder schlecht aussaehe.

Wo ich's schreibe, gibt es gerade ein Nachbeben. Na prima, das wird eine unruhige Nacht.

EDIT: Falls ihr den Spass live mitverfolgen wollt:

GeoNet

Ich bin uebrigens aktuell in Wellington.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Vor einer Minute gab es ein Nachbeben der STärke 3,2 20 Kilometer südöstlich von Wellington entfernt.
 

Detti04

The Count
So, jetzt sind fuer heute Nachmittag, Abend und Nacht noch Regen und Sturmboeen bis 140 km/h vorhergesagt. Soll sich ja auch lohnen.
 

Detti04

The Count
Lust auf eine Zugfahrt?



Oder doch lieber Auto?





Wie gesagt, das ist State Highway 1, die einzige Strasse and der Ostkueste der Suedinsel. Kaikoura, ein besonders wegen seiner Walbeobachtungstouren und seiner tollen Landschaft beliebter Kuestenort an der SH1, ist momentan auf dem Landweg unerreichbar.
 

Detti04

The Count
Hier noch ein Link zu einem interessanten Video (fuer welches man leider eine uninteressante Werbung ueber sich ergehen lassen muss): Ab Minute 1:39 sieht man, um wieviel dort der Meeresboden vor der Kueste angehoben wurde, naemlich angeblich 2-2,5 m. Krass.

Kaikoura rail line decimated
 
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