Artikel: Nationalhymne als Pflicht für deutsche Nationalspieler?

Ichsachma

Loretta-Spezerl
In Zeiten von hohen Marktwerten könnte es durchaus sein, dass sich Spieler gegen Ihr Herz und für ihre Karriereplanung entscheiden, und das würde ich im Allgemeinen sehr traurig finden.

Das meine ich nicht, denn es ist nicht nur denkbar, sondern ziemlich sicher, dass sich manche aus solchen Gründen entscheiden.

Da halte ich dann aber entgegen, dass es mit der doppelten Staatsbürgerschaft schon seinen Sinn hat. Es sind davon schließlich nicht nur Profifussballer betroffen. Wenn ich betrachte, dass von den drei Mitspielern von Ichbrüllma deren zwei türkische Wurzeln haben und einer griechisch-türkische, der eine davon derzeit nur die deutsche, der andere nur die türkische und der dritte nur die griechische hat, wobei alle nach meinem Kenntnisstand noch eine andere annehmen dürften, ist das doch genau das, was ich mir wünsche: die Eltern entscheiden zunächst, "wohin" es geht. Sind die Kinder dann in einem Alter, das selbst beurteilen und bestimmen zu können, so sollen sie machen können, was sie wollen, wenn sie eben hierzulande geboren sind und seit ewig und drei Juppen mit ihren Eltern, Großeltern etc. hier leben. Ich finde, das macht Intergration auch aus: Toleranz gegenüber der Annahme anderer Staatsbürgerschaften bei gleichzeitiger Möglichkeit, die deutsche zu wählen.

Wenn dann die "deutschen" mit Migrationshintergrund, wie ich dieses Wort hasse, bei Toren gegen ihr Vaterland, welches ggf. oftmal ihr Ur-Urgroßvaterland ist, nur verhalten jubeln oder die Hymne nicht mitsingen, hat das - so meine ich - mit gescheiterter Integration nicht viel zu tun. Alleine die Mentalität der Jungs könnte eine andere sein, "gespalten" im Herz aber dennoch integriert.

Ich möchte daher das Spielen in Nationalteams nicht als Herzensangelegenheit bezeichnen, ausgerechnet für Deutschland zu spielen.

Ob Thiago Motta auch mitgeschmettert hätte?
 

André

Admin
Ich möchte daher das Spielen in Nationalteams nicht als Herzensangelegenheit bezeichnen, ausgerechnet für Deutschland zu spielen.
Mir gehts da gar nicht um Deutschland. Ganz ehrlich, wenn sich ein Poldi eher als Pole fühlt, ist das natürlich zu akzeptieren, aber dann sollte er sich auch für das Land entscheiden für das sein Herz schlägt. Jetzt nur als Beispiel.

Fühlt er sich eher zur deutschen NM hingezogen und singt halt nicht mit, ist das auch ok.

Traurig finde ich es halt, wenn jemand zum Beispiel mit dem Herzen Türke ist dann aber aus Karrieregründen für Deutschland spielt. Das finde ich für beide Seiten doof, für den DFB und auch für den Spieler.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Das gilt aber auch für jeden anderen Spieler, vielleicht spielt ja der Spieler Meyer mit Ur-Ur-Ur-Deutschen Vorfahren auch nur in der DFB-Auswahl, weil sich dadurch sein Marktwert erhöht und das ganze Nationalgedöns geht ihm völlig am Arsch vorbei.
 

Rupert

Friends call me Loretta
Ich seh gerade: Klitschkow ist auch so'n Luschi und schlechter Patriot, der die ukrainische Hymne nicht mitsingt.
 
Traurig finde ich es halt, wenn jemand zum Beispiel mit dem Herzen Türke ist dann aber aus Karrieregründen für Deutschland spielt. Das finde ich für beide Seiten doof, für den DFB und auch für den Spieler.

Aber das ist eben Realität. Özil spielt für Deutschland, weil er bessere Aussichten hat, Altintop z.B. für die Türkei.

Also ich fände es sehr gut und lobenswert, wenn die Hymne einen Text hat, dass man dann auch mitsingt. Singen ist ein tolles Gemeischaftserlebnis und da sollte man keine falschen Hemmungen zeigen.
 

alditüte

HSVer
Ist es aber nicht ein Problem des Nationalismus (und gewiss auch anderer Ideologien), dass eben genau diese Differenzierung zwischen den verschiedenen Untergruppen von vielen Anhängern und Praktizierenden nicht gemacht oder unterschiedlich gedeutet wird?

Das liegt aber nicht an den inklusiven Nationalisten, sondern eher daran, dass die Nationalsozialisten (die eine Untergruppe der Nationalisten stellen, nicht mehr) den Term Nationalismus natürlich als „Ausrede“ benutzen im Sinne von „an Nationalismus ist nicht schlecht“. Für die meisten inklusiven Nationalisten ist diese Parolenbringerei natürlich ein Dorn im Auge – aber dagegen können sie nichts tun.
Selbiges tun Kommunisten aber auch, sie seien schließlich sozialistisch. Sonst verwechselt dies aber niemand, Sozialisten werden nicht als „scheiß Kommis“ bezeichnet.
 

SaintWorm

Tusse namens Rupert
Moderator
Angeordnetes Singen ist ganz großer Bullshit. Das war schon zu Schulzeiten so, als man irgendwelche hirnlose Dankes- oder Lobeshymnen an wen auch immer singen sollte ("Danke, für diesen guten Morgen"..."Böse Menschen haben keine Lieder"...blablubb). Wer singen will, soll singen, wer nicht, der singt halt nicht.
Was da alles reininterpretiert wird, oder dass zB Özil immer wieder als jemand dargestellt wird, der nur wegen der besseren "Chancen" für die NM spielt, das finde ich einfach nur zum Kotzen. Ein Özil kann doch gar nicht gewinnen. Spielt er für die Türkei, dann heisst es: "Was für ein undankbarer Typ! Wird hier in D ausgebildet und spielt dann für die Türkei!".
Spielt er für Deutschland, dann heisst es: "Naja, er spielt ja eh nur für D, weil er hier bessere Chancen hat, einen Titel zu gewinnen." Dass eine Nationalmannschaftskarriere für die Türkei von seiner Seite aus nie ernsthaft zur Debatte stand, wird da gerne ausgeblendet.
 
Die Entscheidung für einen bestimmten Verband zu spielen ist letztlich auch nichts anderes als eine Businessentscheidung. Ein Karriere in der deutschen NM zählt eben mehr als eine in der türkischen NM. Hätte Özil nicht für Deutschland bei der WM 2010 gespielt, wäre er jetzt sicher nicht bei Real. Sein Vater hat immer die Fäden im Hintergrund gezogen und jetzt ist er sein alleiniger Manager. Das ist alles legitim, ich habe da nichts dagegen, aber die betonten in eine Richtung gehenden Erklärungen wirken auf mich zumindest nicht besonders glaubwürdig.
 
Diese Aussage ist letztlich auch nichts anderes als pure Spekulation.

Dass Fußball heute Business ist, ist für mich keine Spekulation. Beweisen kann ich es im Fall Özil natürlich letztlich nicht, will ich auch nicht, aber die Auslassungen von Özil und seinem Vater, die ich gelesen hatte, haben mich persönlich nicht überzeugt, schienen eher auch Teil eines Businessplans zu sein. Heute kannst du wirklich in dem Bereich keinem mehr alles glauben, das habe ich früher leider viel zu oft gemacht.
 
Was soll daran falsch sein? Ich kann mich dafür nunmal nicht begeistern. Ich finde den Druck, sich einer Singgruppe anzuschließen, dagegen unangenehm.

Singgruppe wie altmodisch! Schliess dich mal einem Chor an, der Songs deines eigenen Geschmackes singt, dann kommt die Begeisterung von alleine.

zur NM: Wenn ich mit einer Gruppe Fußball spiele und mit den Jungs tagtäglich zusammen bin, dann werde ich doch noch ein Liedchen zusammen trällern können, ohne dass mir ein Zacken aus der Krone fällt. Warum stellen sich eigentlich alle in Reih und Glied auf bei der Hymne? Da könnte ja auch einer sagen:" Ich habe keine Lust mich auf Druck in eine Reihe zu stellen".
 
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Detti04

The Count
Die Entscheidung für einen bestimmten Verband zu spielen ist letztlich auch nichts anderes als eine Businessentscheidung. Ein Karriere in der deutschen NM zählt eben mehr als eine in der türkischen NM. Hätte Özil nicht für Deutschland bei der WM 2010 gespielt, wäre er jetzt sicher nicht bei Real.[...]
Komisch, dass Madrid auch Hamit Altintop verpflichtet hat, obwohl dieser fuer die Tuerkei spielt.
 

Holgy

Kommischer Foggel Fußballromantiker
Moderator
Jetzt geht dieser Unsinn wieder los. Jeder Nationalspieler profitiert davon, dass er in der N11 spielt und jeder Nationalspieler spielt nur deswegen da. Und wegen der Prmänie. Ansonsten würden die alle auch lieber Uralub machen.
 
Komisch, dass Madrid auch Hamit Altintop verpflichtet hat, obwohl dieser fuer die Tuerkei spielt.

Sahin auch! Das kann man ja nicht ausschliessen, nur die Wahrscheinlichkeit ist eben größer bei einem großen Verein zu landen, wenn die NM attraktiver ist, der Spieler dort bei Turnieren mehr im Brennpunkt spielt und sich besser entwickelm kann.
Altintop war ja kein "Königstransfer" wie der von Özil. Außerdem ist Altintop schon wieder weg. Von Sahin höre ich gar nix mehr.
 
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Raffelhüschen

Forennutzer
Es soll auch Leute geben, die mit ihrem Verein mitfiebern und dennoch dabei nicht aus der Haut fahren oder Anfeuerungslieder mitsingen, und nicht nur weil sie nicht gefallen.
 
Es soll auch Leute geben, die mit ihrem Verein mitfiebern und dennoch dabei nicht aus der Haut fahren oder Anfeuerungslieder mitsingen, und nicht nur weil sie nicht gefallen.

Ist ja völlig in Ordnung! Ich habe im Stadion auch noch nie mitgesungen, stehe auch nie in einem Fanblock, sonder mehr im neutralen Bereich.

Wenn ich aber in der NM wäre und der Ablauf vor einem Spiel ist ritualisiert und ich bin Teil dieses Ritual, in dessen Rahmen die Hymne von einem Orchester gespielt und alle sich nebeneinander aufstellen , dann fällt doch keinem ein Zacken aus der Krone, mitzusingen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der italienischen Spieler daran auch nur einen Gedanken verschwendet, ob oder nicht, sie singen einfach.
 
Der Hans Peter Briegel hat nach eigener Aussage immer nur so getan, als ob er mitsänge, also nur Kiefer und Lippen mechanisch bewegt.
 
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