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Nationalelf: Die ersten zwei Spiele nach dem Umbruch – Kann der Neuanfang gelingen?

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Nach turbulenten Tagen und Wochen hat sich die deutsche Nationalmannschaft eindrucksvoll zurückgemeldet und mit einem Sieg gegen die Niederlande ein Ausrufezeichen gesetzt. Die junge deutsche Auswahl dürfte somit erstmals nach einer enttäuschenden WM sowie dem sieglosen Ausscheiden in der neuen Nations League etwas Selbstvertrauen zurückgewonnen haben. Doch trotz einer erheblichen Leistungssteigerung zeigten die beiden Spiele gegen Serbien und die Niederlande unter der Woche auch, dass auf Bundestrainer Jogi Löw noch viel Arbeit wartet. Kann der Neuanfang dennoch gelingen?

Das Expertenteam von MySportwetten.de wirft einen Blick auf die aktuelle Situation der deutschen Nationalmannschaft sowie die letzten Änderungen des Bundestrainers, um eine Antwort auf diese Frage zu geben.

Fans der deutschen Nationalmannschaft

Joachim Löw in der Kritik

Joachim Löw hat ein mehr als schwieriges Jahr hinter sich. Der nicht immer unumstrittene Bundestrainer musste sich in den letzten Monaten vermehrt mit Kritik an seiner Person auseinandersetzen und Fußball-Experten wie Ex-Nationalspieler Michael Ballack legten ihm unter anderem seinen Rücktritt nahe – zu groß war die Enttäuschung über das Vorrunden-Aus des damals amtierenden Weltmeisters Deutschland während der letzten WM.

Doch anstatt die Schuld nur bei seinen Spielern zu suchen, zeigte sich Löw selbstkritisch und gab Fehler bei der taktischen Ausrichtung der Mannschaft zu. Letztendlich blieb der Bundestrainer im Amt und startete noch während der ersten Saison der neuen Nations League eine erste Verjüngung des Kaders und leitete somit den überfälligen Umbruch ein.

Trotz zunächst ausbleibender Erfolge und des Abstiegs innerhalb der Nations League sollte sich der Umbruch auch in diesem Jahr fortsetzen: Die Ausmusterung von gleich drei altgedienten Nationalspielern sorgte vor allem wegen der Art und Weise für erneute Kritik am Bundestrainer. Dennoch bleibt festzuhalten, das mit Müller, Boateng und Hummels drei Spieler betroffenen sind, die auch bei ihrem Heimat-Club FC Bayern München längst nicht mehr unumstritten sind. Während Hummels trotzdem regelmäßig seinen Weg in die Startelf der Bayern findet, mussten Boateng und Müller in der laufenden Saison oftmals Platz auf der Bank nehmen. Die Nicht-Berücksichtigung der drei genannten Spieler war aufgrund der mangelnden Leistungen in der laufenden Saison sowie dem Ziel einer Kaderverjüngung entsprechend folgerichtig. Für die neue und noch unerfahrene deutsche Nationalmannschaft wartete mit Serbien sogleich ein erster Härtetest.

Das Spiel gegen Serbien: Licht und Schatten

Joachim Löw schickte gegen Serbien eine runderneuerte Startelf ins Rennen. Mit Torhüter Manuel Neuer stand nur noch ein einziger Weltmeister von 2014 auf dem Platz – das Durchschnittsalter der deutschen Feldspieler lag bei nur 23,4 Jahren.

Die Veränderungen machten sich insbesondere in der Defensive bemerkbar, in der neben Tah und Süle mit Debütant Klostermann und dem noch unerfahrenen Halstenberg frischer Wind einkehrte. Der neu gebildeten Viererkette merkte man die noch fehlende Abstimmung an, sodass es gerade in der ersten Halbzeit zu einigen brenzligen Situationen in der deutschen Abwehr kam. Der frühe Gegentreffer ist dabei ein gutes Beispiel für die mangelnde Konsequenz im Defensivverhalten der Mannschaft von Jogi Löw.

In der Offensive zeigte die deutsche Mannschaft hingegen äußerst ansehnlichen Fußball mit schnellen Kombinationen – oftmals zu schnell für die Serben. Doch trotz bester Möglichkeiten scheiterte die deutsche Auswahl um Werner, Gündogan und Sané an der eigenen Chancenverwertung, sodass man lange Zeit einem Rückstand hinterherlief. In einer zweiten starken Halbzeit gelang schließlich doch der Ausgleich, sodass das Spiel mit einem unglücklichen Unentschieden endete.

Denn auch wenn die deutsche Mannschaft lange einem Rückstand hinterherlief war hier mehr drin: In Halbzeit zwei dominierte Deutschland die Partie nach belieben und hätte das Spiel gewinnen können oder sogar müssen. Dennoch machte der erste Auftritt runderneuerten Mannschaft Lust auf mehr. Mit dem EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande wartete nur drei Tage später jedoch eine deutlich größere Herausforderung.

Ein Ausrufezeichen gegen die Niederlande

Das Spiel gegen die Niederlande galt als erste große Prüfung für die neue deutsche Mannschaft. Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Serbien herrschte dabei große Zurückhaltung von Seiten der deutschen Fans. Auch das Ergebnis des letzten Auswärtsspiels beim Nachbarn machte wenig Hoffnung: So verlor Deutschland im Oktober im Rahmen der Nations League mit 3:0 gegen die Niederlande und zeigte sich dabei enttäuschend.

Dennoch hatte die deutsche Elf nichts zu verlieren und begann mutig. Denn auch ohne Reus und Werner in der Startelf zeigte sich die Mannschaft offensiv und überzeugte mit schnellen Angriffen. Das frühe 1:0 durch Sané war folgerichtig und nicht unverdient. Zwar wackelte die deutsche Defensive anschließend, doch Manuel Neuer rettete gleich zweimal gegen den freistehenden Ryan Babel. Mit einem Traumtor entschädigte Serge Gnabry zudem für schwache Chancenauswertung gegen Serbien und sorgte zum 2:0-Halbzeitstand.

Die Halbzeitpause tat der deutschen Mannschaft jedoch alles andere als gut: Fehlende Offensivaktionen sowie eine wackelige Defensive zeigten, dass es den jungen Spielern noch an der nötigen Erfahrung fehlt und einige Automatismen einstudiert werden müssen. De Ligt und Depay sorgten mit jeweils einem Treffer für den Ausgleich.

Doch was der neuen deutschen Mannschaft an Erfahrung fehlt, gleicht sie durch Spielfreude und Mut wieder aus. So kam Nico Schulz nach schöner Vorarbeit von Marco Reus in der 90. Minute doch noch zum Siegtreffer. Doch auch wenn das Siegtor aus dem Nichts fiel, belohnte sich die deutsche Auswahl für ihren Mut und eine starke erste Halbzeit, sodass der Sieg in Ordnung geht.

Was ist zu erwarten?

Joachim Löw hat endlich den Umbruch eingeleitet und mit jungen Spielern für frischen Wind gesorgt. Spieler wie Müller oder Boateng konnten zuletzt nicht an ihre starken Leistungen der Vergangenheit anknüpfen, sodass die Nicht-Berücksichtigung folgerichtig ist. Dennoch verfügt Löw mit Neuer, Kimmich, Kroos, Reus und Sané über ein durchaus erfahrenes Grundgerüst, auf das er aufbauen kann.

Die junge Truppe hat sich in den letzten beiden Spielen teuer verkauft und ihr Potenzial angedeutet. Dennoch ist aufgrund der fehlenden Erfahrung auch mit Rückschlägen zu rechnen und gerade die Defensive wird sich im Laufe des Jahres finden müssen. In der Offensive verfügt Deutschland über viel Qualität und überzeugt mit schnellen Kombinationen. Neben Sané hat auch Serge Gnabry einen guten Eindruck hinterlassen und dürfte das deutsche Spiel noch unberechenbarer machen. Insgesamt wirkt die Mannschaft hungrig und frisch und dürfte nach einem enttäuschenden letzten Jahr wieder viele Fans zurückgewonnen haben.

Im Juni steht das nächste Spiel der deutschen Mannschaft an. Beim Auswärtsspiel gegen Weißrussland geht es um die Tabellenführung in der Gruppe C der EM-Qualifikation, sodass für ausreichend Motivation gesorgt sein dürfte. Nach dem Sieg gegen die Niederlande geht Deutschland übrigens als Favorit auf den Gruppensieg ins Rennen – zumindest wenn man nach den Wettanbietern geht: Während bei Tipico eine Wette auf den deutschen Gruppensieg nur mit einer Quote von 1,30 belohnt wird, liegt die Quote für die Niederländer bereits bei 3,50.

Fans der deutschen Nationalmannschaft dürfen somit nach einem enttäuschenden letzten Jahr auf ein erfolgreicheres Jahr 2019 hoffen.

Autor: Timo Kleusberg

Kategorie: Nationalteams Tags: ,
 
 

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