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Kinostart: Unser Team – Nossa Chape

König Fußball regiert die Welt. Wenn man sich von Woche zu Woche in den Stadien umschaut, erkennt man die Leidenschaft in den Augen der Fans, die teilweise für ihren Verein leben. Doch ein Verein hat 2016 wohl alle Fans auf der ganzen Welt in seinen Bann gezogen – Associação Chapecoense de Futebol aus der ersten brasilianischen Liga. Viele haben noch jetzt den Flugzeugabsturz vor Augen. In dieser Woche startet nun die Dokumentation „Unser Team – Nossa Chape“ von den US-Regisseuren Jeff Zimbalist, Michael Zimbalist und Julián Duque in den Kinos. Erzählt wird die Geschichte rund um den Klub, das Drama von 2016 und die Zeit danach. Wir haben uns den Film schon vorab angeschaut und geben euch hier einen kleinen Einblick, ob sich der Besuch im Kino lohnt.

Über Aufstieg und Absturz

Einige Jahre vor dem Unglück kannten nur die wenigstens Chape, den Verein der Stadt Chapecó, die gerade einmal 200.000 Einwohner hat. Doch mit viel Engagement schaffte es der Klub trotz geringer finanzieller Mittel immer weiter nach oben und landete letztendlich in der ersten brasilianischen Liga. Selbst die Qualifikation zur Copa Sudamericana gelang, was bei uns der Europa League entspricht. Ein Fußballmärchen wie es im Buche steht. Doch damit nicht genug, durch überragende Leistungen und den Rückhalt der Fans schaffte es Chape bis ins Finale der Copa, doch zu diesem denkwürdigen Tag sollte es nicht mehr kommen. Am 28. November 2016 stürzte das Flugzeug mit der Mannschaft, dem kompletten Vorstand, Mitarbeitern und einigen Journalisten im Anflug auf den Finalort in Kolumbien ab. Dabei verloren 19 Spieler, 10 Vorstandsmitglieder und fast der komplette Betreuer-Stab ihr leben.

Im Film „Unser Team – Nossa Chape“ werden von Beginn an aufgenommene Szenen vor und während dem Flug gezeigt, unterbrochen von Interviews der Angehörigen. Lediglich drei Spieler haben das Unglück überlebt. Bei den Interviews gut ein Jahr nach den Ereignissen merkte man den Beteiligten noch immer die tiefe Trauer an. Neben den Interviews werden alte Aufnahmen der Spieler gezeigt, entweder auf dem Feld oder mit ihren Familien. Ob man will oder nicht, nach nur 15 Minuten sind einem die bis dato unbekannten Namen ans Herz gewachsen und bei dem einen oder anderen werden sicher auch schon die ersten Tränen geflossen sein. Fakt ist, dass dieser Film in einer Stunde und 40 Minuten selbst den härtesten Fußballfan berühren wird.

Das Ende?

Nach dem Unglück zog es die Fans in Massen in das eigene Stadion. Bei Chape herrschte allgemein ein sehr familiäres Verhältnis, sodass jeder einen Bezug zur Mannschaft oder den Männern dahinter hatte. Die Szenen glichen einer riesigen Trauerfeier und lassen mitfühlen, wie es den Menschen in diesem Moment ging. Aber kann es und vor allem wie kann es nach einer solchen Tragödie weitergehen? Neben den Spielern und Betreuern war auch der Großteil des Vorstands nicht mehr da, also war der Klub ohne Führung. Sowohl Fans als auch Verantwortliche entschieden jedoch, Chapecoense nicht untergehen zu lassen. Schon einmal gelang der Aufstieg fast aus dem Nichts und das sollte wieder geschehen. Nur wenige Monate nach dem Absturz stand die neue Saison an. Menschen, die bisher noch nichts mit einer Vereinsführung zu tun hatten, wurden zusammengetrommelt und sollten diese Aufgabe stemmen. Es gab Zuspruch aus der ganzen Welt, selbst Spieler, die schon eine andere Zusage verteilt hatten, schlossen sich diesem Projekt an. Doch das Projekt schien zu scheitern, die neue Mannschaft konnte sich nicht etablieren, verlor die ersten Spiele und zog damit zwangsläufig den Unmut der Fans auf sich. Interviews der neuen Spieler ließen tief blicken, wie es sein muss, mit einer toten Mannschaft verglichen zu werden, die der Lebensinhalt vieler Fans war.

Irgendwann ergriff der neue Trainer die Initiative und begann mit der Wende, in dem er sich nur noch auf Fußball konzentrieren wollte und damit auch sämtliche Aktionen der Trauer in Verbindung mit den Spielen unterband. Die überlebenden Spieler treffen diese Maßnahmen hart, was dem Zuschauer durch erneute Archivbilder mitten ins Herz gelegt wird. Während die Maßnahmen rein sportlich gesehen greifen, erste Siege eingefahren und die Abstiegsregionen verlassen werden, gibt es ganz andere Auswirkungen auf die Überlebenden und Hinterbliebenen der Opfer. Die drei Spieler überlegen sogar, sich komplett zurückzuziehen, da der Verein auch die Witwen der Opfer nicht mehr unterstützt.

Die emotionale Achterbahnfahrt des Films hat aber damit noch kein Ende gefunden. Die finale Wendung des Films wird auch die Zuschauer erreichen, die in der Regel nicht nah am Wasser gebaut sind.

Fazit:

Fußball verbindet. Durch den Film „Unser Team – Nossa Chape“ kann man nicht nur im Stadion selbst, sondern nun auch im Kino nachvollziehen, was hinter diesem Sport stecken kann. Die Dokumentation rund um den Klub und das Drama regt zum Nachdenken an, zeigt aber in erster Linie auch, dass es im Fußball um weit mehr geht, als nur das Runde ins Eckige zu bringen. Wir empfehlen euch definitiv, den Film im Kino anzuschauen. Noch ein kleiner Tipp: Vergesst nicht eure Taschentücher.

Kategorie: International, News, Sonstiges Tags: ,
 
 

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