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Barcelona: Soccer-Fans zu Gast im Camp Nou

Barcelona, Camp Nou, Messi – Diesen Traum wollte ich mir am vergangenen Wochenende erfüllen. Am Ende habe ich zwar den kleinen Argentinier nicht zu Gesicht bekommen, doch war die Reise definitiv ihre Kosten und Mühen wert.

barcaAnreise

Kaum in Girona gelandet ging es auch schon mit dem Bus weiter Richtung Barcelona City. Wir waren noch nicht richtig ausgestiegen als bei mir die Vorfreude auf den Abend schon auf dem Höhepunkt war. An jeder Häuserwand waren mehrere katalanische Flaggen zu sehen – Spieltag! Das Hotel wurde schnell gefunden, einchecken etc. alles egal, erst mal auf dem Zimmer die Eintrittskarten und das Trikot bereitlegen.

 

Warten warten warten

Ein kurzer Blick auf die Uhr brachte die erste Ernüchterung, denn von 12 Uhr mittags bis zum Anpfiff um 22 Uhr dauerte es einfach noch viel zu lange. Von links kam der Satz „lass uns shoppen gehen“…. ok, ist auch egal, dann geht die Zeit auch rum. Nach einem kurzen Fußmarsch und der „Besichtigung“ eines 9-stöckigen Kaufhauses stieg die Vorfreude wieder an, denn jede Flagge und jedes Trikot ließ mich meinem Ziel einen Schritt näher kommen.

Auf dem Rückweg machten wir einen kurzen Abstecher zum offiziellen Barca-Fanshop, was ich aber besser unterlassen hätte, denn es fällt mir jedes mal schwer an Fußbällen, Schals und Trikots vorbeizugehen, ohne bereitwillig mein ganzes Geld in die Kasse des Ladens zu werfen.

Um 18 Uhr war ich pünktlich wieder im Hotelzimmer, denn an einem Samstag kommt natürlich die Sportschau und nur weil ich in Spanien heißt das nicht, dass ich die Bundesliga an dem Tag boykottiere. Um 19 Uhr habe ich dann aber lange genug an meiner Freundin rumgeredet, ich wollte schließlich früh genug im Stadion sein, um wirklich alles auf mich wirken zu lassen.

Erster Eindruck: Sprachlos

außen

Der Hinweg war erstaunlich unproblematisch. Die Metro war nur mit einzelnen Fans gefüllt, allerdings kann man auch nicht erwarten, dass die breite Masse es wie ich nicht erwarten kann und mehr als 2 Stunden vor dem Spiel schon ins Stadion will.

Nach 5 Minuten Fußweg stand ich also endlich vor dem großartigen Camp Nou, das allerdings von außen deutlich weniger Eindruck machte, als ich es vermutet hatte. Im Innenraum erinnerte mich alles an eine Art Bunker. Die unzähligen Treppen waren alle aus massivem Stein und überall offen, sodass man von ganz oben bis zum Eingang durchsehen konnte. Direkt wunderte ich mich über die „süßen“ Verkaufsstände, an denen für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt wurde. Noch dachte ich mir nichts dabei, da es wie gesagt noch sehr früh war und der Betrieb sich in Grenzen hielt.

Dann folgte der wohl beste Augenblick des ganzen Aufenthalts. Der Schritt vom Eingang raus auf die Tribüne und der erste Blick auf das Spielfeld. Unglaublich, kein Foto kann einem zeigen, wie groß das Stadion wirklich ist. Nach 5 Minuten mit geöffnetem Mund konnte ich mich zu den ersten Fotos durchringen. 20:30 Uhr, immer noch mehr als genug Zeit alles genau anzuschauen.

 

panorama leer

Die letzte halbe Stunde

Noch 30 Minuten bis zum Anpfiff. Jetzt noch schnell nach unten und was zu trinken kaufen, doch was war denn da los? Kurz vor dem Spiel und fast keine Menschenseele in den Gängen. Der erste Kulturschock für einen deutschen Fußballfan. Umso besser, innerhalb von 3 Minuten war ich wieder auf meinem Platz und erlebte direkt den nächsten „Schock“.

Es liefen 4 Männer in weißen T-Shirts auf den Platz, die vom ganzen Stadion beklatscht wurden. Als ich merkte, dass es sich dabei um die Schiedsrichter handelte, war ich schon recht überrascht, was ich während des Spiels noch ausweiten sollte. Keine mögliche Fehlentscheidung wurde vom Publikum mit Pfiffen bewertet, anscheinend hat man als Schiri in der Primera Division einen lockeren Job, was man von den Unparteiischen in der Bundesliga wohl nicht behaupten kann.

Die Mannschaft kommt

Kurz danach folgte die Mannschaft. Die Startformation wurde durchgegeben. Zwar war die Enttäuschung über den nicht vorhandenen Messi noch immer präsent (einige wurden für das Spiel gegen Paris geschont), doch habe ich mit Dani Alves, Iniesta, Sanchez, Piqué, Pedro, Fabregas und Co. mehr Stars zu Gesicht bekommen, als ich es zuerst vermutet hatte.

Auf den Anpfiff folgte die große Stille

Punkt 22 Uhr wurde die Partie angepfiffen und ich freute mich wie ein kleines Kind. Doch nach nur wenigen Minuten fühlte ich mich wie in einem anderen Film. Nur einen Tag zuvor saß ich im ausverkauften Fritz Walter Stadion, wo 50.000 Fans sich 90 Minuten die Seele aus dem Hals schrien. Im Camp Nou herrschte Stille. Mit meiner Freundin konnte ich mich ganz normal unterhalten, man konnte sogar hören, was die Spieler auf dem Feld riefen. Sehr seltsam, aber offensichtlich für die verwöhnten Zuschauer von Barcelona der Alltag. Alles was man hörte war ein kurzes „ohhhhhh“ bei einer vergebenen Großchance und im Anschluss 5 Sekunden anerkennendes Klatschen.

Ich konzentrierte mich also auf das Spielgeschehen und war in kürzester Zeit wieder hell auf begeistert. Im Fernsehen sieht der Spielstil von Barca schon sehr eindrucksvoll aus, doch live im Stadion sieht man erst, wie genial die einzelnen Akteure wirklich sind. Vor allem Iniesta war eigentlich immer am Ball und spielte Pässe, die allein von der Übersicht eigentlich unmöglich sind. Ganze 4 Tore konnten wir in den ersten 45. Minuten auf unserer Seite schon beklatschen, womit mein Abend schon sehr früh gerettet war.

Die Atmosphäre im Stadion erreichte nur einmal Gänsehautfeeling. Eric Abidal stand von der Bank auf und begann sich aufzuwärmen. Kurze Zeit später war es soweit, denn nach seiner Lebertransplantation war es für den Franzosen der erste Einsatz in einem Pflichtspiel. Endlich erhob sich das hochnäsige Publikum mal von seinen Sitzen und feierte den Rückkehrer. Nach dem 5:0 schaltete Bara dann aber einige Gänge zurück, sodass wir noch in den Genuss der ein oder anderen Chance von RCD Mallorca (ja, es stand sogar ein Gegner auf dem Platz) kamen.

Kurz vor Schluss: „Ich will da runter“

unten

5 Minuten vor dem Ende wollte ich dann unbedingt so nah wie möglich ans Spielfeld heran, um eventuell noch das ein oder andere Foto eines Spielers zu erhaschen. Unten angekommen wurden wir von 2 Sicherheitsleuten empfangen, die den Zugang zur untersten „Tribüne“ bewachten. Wir zogen die „blonde Frau“ Karte und mit einem kleinen Lächeln meiner Freundin wurden wir durchgelassen.

Der nächste Schock: Wer will hier sitzen??? Die Plätze, auf denen wir Platz genommen hatte, kosten mal locker je nach Spiel 500-2000 Euro, doch sehen tut man nichts. Ebenerdig mit dem Spielfeld sah man nur das Tor und die Ordner aber egal, das Spiel war sowieso aus. Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, denn nach dem Abpfiff verschwanden die Stars direkt in den Katakomben und die Ordner begannen umgehend damit, die Leute aus dem Stadion zu kehren und alles abzusperren.

Zurück ins Hotel

So einfach die Anfahrt auch war, die Rückreise ins Hotel erwies sich als schwierig. Es kam mir so vor, als wollten die rund 70.000 Fans alle aus dem Stadion direkt in unsere Metrostation rein. Was solls, den Schweiß von 200 verschiedenen Leuten kann man ja im Hotel abwaschen. Zurück im Hotel war es zwar schon spät, doch war ich noch immer von allen Eindrücken komplett gefesselt.

Sonntag und Montag nur Zugabe

Den Rest des Aufenthalts verbrachten wir mit den üblichen Besichtigungen und einem weiteren Shopping-Trip, doch ich hatte ohnehin schon alles gesehen, was ich sehen wollte. Insgesamt kann man sagen, dass sich die Reise zu 100% gelohnt hat. Alleine der erste Moment im Stadion war jeden Euro der vergleichsweise teuren Karte wert. Die nicht vorhandene Stimmung gehört im Camp Nou wohl mehr oder weniger dazu, trotzdem wäre mir da eine Atmosphäre á la Betzenberg lieber. Doch die Spielweise von Barca hat alles wieder rausgerissen. Insgesamt war es ein Erlebnis, das ich jedem Fußball-Fan nur dringend empfehlen kann. Auch wenn ich mir in nächster Zukunft erst einmal ein Spiel in England anschauen werde habe ich definitiv vor, noch einmal im Camp Nou anzutreten.

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Eine Antwort zu "Barcelona: Soccer-Fans zu Gast im Camp Nou"

  1. André sagt:

    Camp Nou ist einfach ein geiler Tempel. Das Stadion steht auch unbedingt noch auf meiner Liste. Ich denke dass ist eins der Stadien welches man einfach mal gesehen haben muss.
    Barca komplett zu sehen, also nicht nur den Teil der Kamera, stelle ich mir auch sehr interessant vor.
    Hast nen schönen Bericht geschrieben, der Lust auf mehr macht. Mal sehen, wann ich es mal schaffe.

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