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Watzke contra Werksclubs und Mäzenatentum

Samstag nachmittag 16.07 Uhr in der Fußball Bundesliga. Tooooooor! Die Gäste gehen mit 0:1 in Führung. Statt ohrenbetäubendem Tor-Jubel fühlt es sich eher an, als sei man gerade auf einem Friedhof. Die mitgereisten 47 Fans des Gegners sind einfach nicht laut genug um sich im Stadion erkennbaren bemerkbar zu machen. Statt Bundesliga fühlt man sich eher wie in der Kreisliga. 

Viele Fußballfans kämpfen seit langem gegen die Entwicklung im „modernen Fußball“. Von Plastikclubs ist die Rede. Mit dem VfL Wolfsburg wurde solch ein Club sogar deutscher Meister, aber kaum jemanden hat es interessiert. Während 20.000 Fans in Wolfsburg die Meisterschaft feiern, kommen 100.000 zu den Aufstiegsfeiern zu Tradionsclubs wie Köln, Frankfurt oder Gladbach.

Gästekurve des deutschen Meisters 2009 beim Gastspiel in Gladbach

VFL Wolfsburg Gästekurve in Gladbach (Foto: nordkurvenfotos.de)

Fans oder Geld?

Viele Drittligisten ziehen Fanscharen hinter sich her, von denen Vereine wie Hoffenheim und Wolfsburg nur träumen können, aber Fans sind nur das eine, was heute wirklich zählt ist Geld, und da spielen die Werksclubs dann plötzlich in der Champions League.

Leverkusen zum Beispiel: Bayer zahlt als Hauptsponsor 25,2 Millionen Euro pro Saison. Der FC Bayern bekommt von der Telekom „nur“ ca. 23 Millionen Euro. Im Gegensatz zu der Telekom verzichtet Bayer aber auf Trikotwerbung, diese dürfte dem Werksverein nochmal einige Millionen pro Saison zusätzlich einbringen. Somit hat Leverkusen also Möglichkeiten, von denen selbst der große FC Bayern nur träumen kann. Ein Witz wenn man das öffentliche Interesse an den beiden Clubs vergleicht (Bayer Leverkusen: 135.000 FB Fans, FCB über 6 Millionen Fans)

In Wolfsburg sieht das ganze noch viel heftiger aus, dort sollen jährlich bis zu 100 Millionen Euro!!! vom Konzern in den Werksclub fließen, der aber mit der Kohle offenbar nichts anfangen kann und gerade mal auf Platz 15 rangiert.

Watzke und Bruchhagen warnen vor Entwicklung

Mit Hans-Joachim Watzke spricht sich nun erstmals ein Verantwortlicher öffentlich überraschend deutlich gegen diese Werksclubs aus. In einer Podiumsdiskussion des „Sport Business Summit“ sagte der BVB-Boss:

„Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25.000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland.“  

Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim, dass soll reichen, doch mit RB Leipzig drängt bereits der nächste Club nach oben, der Aufstieg in die dritte Liga ist wohl reine Formsache.

Traditionsclubs werden, so sagt Heribert Bruchhagen: „durch die Werksklubs um drei Plätze zurückgeschoben – bis in die 2. Liga.“

Watzke ergänzte: „Ich warne davor, die Reihe noch auszuweiten.“

Machen zu viele Werksclubs die Bundesliga uninteressant, oder ist es völlig egal für die Attraktivität der Liga ob im Gästeblock des Gegners 50 oder 5.000 Fans stehen?

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Kategorie: Bundesliga, News Tags: ,
 
 

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11 Antworten zu "Watzke contra Werksclubs und Mäzenatentum"

  1. Udo sagt:

    Ich finde die Werksclubs jetzt auch nicht gut, aber ich könnte kotzen, wenn sich Führungskräfte wie Watzke hinstellen und nun eine Elite-Liga haben wollen, die sich nach Anzahl der Fans richten.
    Sollen Vereine wie Haching, Fürth dann auch nicht mehr in die erste Liga dürfen, nur weil die wenige Fans mitbringen?
    Darf RW Essen dann paar Ligen überspringen, nur damit die Hütte voll wird und man für die Road-Show im Ausland gut da steht?
    Die Trikots werden mit Werbung und Logos zugekleisterst, Stadiennamen verkauft, ein Eckball wird von Fa. XY präsentiert etc etc…. da sind geldkräftige Sponsoren gerne gesehen.
    Fußball ist nunmal nur noch Kommerz, daher ist das alles verlogenes Gewäsch.

    • Marc sagt:

      Um die Roadshow im Ausland geht es doch nur am Rande!
      Aber es kann auch nicht Sinn des Fußballs sein, dass sich jetzt jeder große Konzern meint, n Fußballverein „kaufen“ zu müssen!
      Wo soll das hinführen?
      Wie gesagt, mit RB Leipzig steht doch schon der nächste Verein auf der Matte, der nichts anderes ist, als ein Prestige- bzw. Marketingobjekt eines Großkonzerns.
      Sorry, aber das haben wir die letzten 60 Jahre nciht gebraucht, und brauchen es auch in Zukunft nicht!

      Vor allem können wir uns dann auch diese heuchlerische 50+1 Regel schenken, denn die ist bei all diesen Vereinen de facto außer Kraft gesetzt, bzw. galant umgangen

  2. André sagt:

    Hi Udo, also ich sehe es ein wenig anders. Vor Freiburg zum Beispiel habe ich einen Riesen Respekt und ich finde es klasse was dort seit Jahren für Arbeit geleistet wird. Das Budget ist klein und die Fanbasis auch, sie zeigen aber dass man wenn man ein Konzept hat, und auf die Jugend setzt, sehr wohl auch dauerhaft in der Bundesliga mitspielen kann.

    Was ich nicht gut finde ist wenn Vereine nur in der Bundesliga stehen weil irgendwer da 3 stellige Millionenbeträge reinbuttert und es im Gegensatz keine Gegenleistung gibt.

    Und das ist für mich ja auch der große Unterschied: Natürlich gehört Sponsoring dazu und jeder Verein ist drauf angewiesen. Beim Sponsoring gibt es in der Regel für die Firmen aber einen Gegenwert als Werbewert. Bei diversen Werksclubs ist das aber nicht der Fall, und genau hier wird für mich der faire Wettbewerb ausgehebelt.

    Es ist doch klar dass Bayern mehr Kohle durch Werbung bekommt als Schalke, die wiederum mehr als Freiburg, weil eben auch die Aufmerksamkeit und das Interesse der Öffentlichkeit entsprechend gelagert ist.

    Völlig unklar ist aber wieso Wolfsburg, die kaum jemand sehen will (bei Sky teilweise unter 5.000 Zuschauer bei deren Spielen) dann plötzlich dass doppelte oder dreifache von einem FC Bayern kassiert.

    • Marc sagt:

      Na vor allem geht es in erster Linie mal um Erfolg!
      Wenn Bayern oder Schalke dauerhaft keinen Erfolg hätten, dann würde auch das Sponsoreninteresse nachlassen, und sie würden eben nicht mehr so viel Geld von ihren Sponsoren bekommen.

      Bei Wolfsburg scheint es aber genau andersrum zu sein. Die spielen seit 2 Jahren nur Grütze, haben sich letzte Saison am letzten Spieltag vor dem Abstieg gerettet und disnd jetzt schon wieder nur 15.
      VW pumpt aber Jahr für Jahr mehr Geld in dieses künstliche, seelenlose Konstrukt!

      • André sagt:

        Richtig, das ist es eben. Bei diesen Clubs zählen die Gesetzte des marktes scheinbar nicht, und deshalb ist auch nicht von einem fairen Wettbewerb zu sprechen.

      • Fuck Marc sagt:

        Ich komme aus der Region hier und was du schreibst ist völliger Käse. Du bedienst dich an Vorurteile ohne wirkliches Hintergrund wissen, solche Komentare will kein normaler Mensch lesen. . Wenn Vereinen wie Lautern, Dortmund, Schalker, Nürnberg, Frankfurt künstlich der Arsch gerettet regt sich auch keiner auf. In WOB waren damals übrigens 100.000 bei der Meisterfeier, nicht 20.000. In BS waren gerade mal 10.000.
        Der absolute Brüller ist dann: der FCA soll smypathisch sein. Damit hast du dich entgültig zur Lachnummer gemacht. Der Verein, der ohne Herrn Seinsch, ein nix wäre. Und dann über Hoffenheim lästern. Augsburg ist Hoffenheim 2.0
        Du hast keine Ahnung vom Fußball. Mach was anderes Schach, das wäre gut für dich. Fußball ist nur der falsche Sport.

  3. Sven sagt:

    Kurz und knapp ich stimme Andre und Watzke voll und ganz zu. Ich hoffe Augsburg berappelt sich noch etwas und schickt Hoffenheim diese Saison direkt in die 2 Liga.

    • Marc sagt:

      Da wäre zumindest ein Sieg der Gerechtigkeit!
      Auch wenn der FCA eigentlich auch keinen hinter dem Ofen hervorlockt, aber sei es drum! Sympathischer und unter dem Strich für die Liga wertvoller wäre der FCA auf jeden Fall!

  4. Marc sagt:

    Watzke hat doch voll und ganz Recht!
    Diese Retortenclubs braucht wirklich NIEMAND.

    Wenn ich sehe, dass man in Leverkusen bei nem EUOLEAGUE Heimspiel jedem Dauerkarteninhaber erlaubt, noch einen weiteren Besucher UMSONST mit zum Spiel zu bringen, da fass ichmir doch an den Kopf.
    Und selbst dann bekommen se Ihr 28.000-Mann-Stadion nicht mal voll!
    Sorry, aber das ist ein Armutszeugnis!

    Und ohne die horrenden Gelder der Konzerne würden sich diese Vereine auch keine 2 Jahre mehr in der Liga halten.
    Ein Verein wie Hoffenheim bspw. wird sich in 10 Jahren noch nicht selber tragen, weil dieser Verein in der Region einfach niemanden interessiert. Jedenfalls nciht, wenn sie so wie jetzt irgendwo zwischen Tabellenplatz 10 und 15 rumdümpeln.
    Da gehen die Leute nämlich lieber nach Karlsruhe oder Freiburg, weil sie da eben ehrliche und seröse Arbeit zu sehen bekommen, und das ist GUT SO!

  5. Spottirektor sagt:

    (Sch)Watzke polarisiert in der ihm eigenen Manier, im Kern hat er Recht, allerdings ist er nicht der Anwalt der Fanbasis, wie er hier suggeriert. Zu Saisonbeginn hat er die Treuesten der Treuen als Dauerkartenbesitzer tief in die Tasche greifen lassen, um sein aktuelles Premuimprodukt BVB weiter sehen zu dürfen, berechtigte Kritik wurde mit Hinweis auf 37 Tsd Interessenten auf der Warteliste humorlos ausgekontert. Woher weht der Wind wohl morgen, wenn es mal nicht mehr so gut laufen sollte, sehr geehrter Herr Vorsitzender der Geschäftsführung ?

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