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Fußballvereine sollen Polizeieinsätze selbst zahlen? Nein!

Die Forderung kommt immer regelmäßig wieder: Fußballvereine sollen die Polizeieinsätze selbst zahlen! Oft werde ich gefragt, wie ich denn als Fußballfan und Stadiongänger dazu stehe, und man merkt den Leuten genau an was sie erwarten. Sie erwarten dass ich ihnen bei dieser (Scheißhaus-)Parole zustimme.

Bundesliga

© DFL Deutsche Fußball Liga GmbH

Sorry dass ich so deutlich werde, aber das sind zum Teil hochgebildete Leute aus meinem Bekanntenkreis, die da irgendwo in den Medien was aufschnappen und dass dann ungefiltert als Ihre Meinung wiedergeben. So funktioniert Populismus.

Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft schätzte die Kosten für die Polizeieinsätze während einer Saison auf ca. 115 Millionen Euro. Das Killerargument lautet: Wieso soll ich mit meinen Steuern die Bekloppten finanzieren?

Da ich es leid bin immer wieder die gleichen Diskussionen zu führen werde ich diese Leute zukünftig auf diesen Artikel verweisen. Durch einen Artikel im Tinneff Blog (SCHÖNE GRÜSSE AN DIE HERREN WENDT, JÄGER UND CO) bin ich auf einen wirklich sehr informativen Report der Bundesliga gestoßen:

“Bundesliga Report 2013: Die wirtschaftliche Situation im Lizenzfußball” (pdf-Download)

Bundesliga Steuern und Abgaben

Man sieht also dass die Clubs der ersten und zweiten Fußball Bundesliga in der vergangenen Spielzeit ca. 797 Millionen Euro an Steuern und Abgaben bezahlt haben. Ganz nebenbei wurden damit auch 44.284 Arbeitsplätze gesichert.

In dieser Rechnung fehlt noch ein ganz entscheidender Punkt: Hotels & Gastronomie.

Jedes Wochenende reisen Fangruppen von mehreren tausend Fans durch die Städte der Republik, übernachten in Hotels, nutzen die Bahn oder Flugzeuge, übernachten in Hotels, essen in Restaurants oder Pommes Buden und bescheren den Kneipen und Biergärten tolle Umsätze. Indirekt werden so nochmal zig tausende Arbeitsplätze durch die Fußballindustrie geschaffen bzw. erhalten, und auch die genaue Steuersumme die hinten dranhängt lässt sich wohl kaum genau ermitteln, leugnen kann sie aber niemand.

Profifußball für den Staat kein Verlustgeschäft

Der Profifußball ist für den Staat also kein Verlustgeschäft, wie es häufig von einigen Medien propagiert wird, sondern am Ende bleiben einige hundert Millionen Euro an Einnahmen übrig, die für den Haushalt wie auch immer genutzt werden, aber das ist ja Sache der Politik. Es ist also nicht so, dass der normale Steuerzahler für den Fußball „aufkommen muss“, sondern es ist so dass der normale Steuerzahler durch die Einnahmen des Staates am Fußball sogar profitiert. Sonst wären die Steuern vermutlich sogar noch höher. ;-)

Gefordert wird ja dass die Vereine die Zeche zahlen, aber die geben das ganze natürlich an die Fans weiter und der Volkssport Fußball würde für den normalen Bürger noch teurer, noch unerschwinglicher als er es bereits schon jetzt ist.

Kalkulieren wir mal schnell:

Wenn ich zum Heimspiel fahre benötige ich kein Hotel und es bleibt bei einem Bier. Auswärts würde das ganze nochmal anders aussehen.

  • Ticket 40 Euro (7,60 Euro Mwst)
  • Bratwurst und Bier im Stadion 10 Euro (1,90 Mwst)
  • Anfahrt 140 km (einfache Strecke) 22 Liter Sprit = 17,16 Euro Steuern

26,66 Euro Einnahmen für den Staat. Dazu kommen 5 Euro Parkplatzgebühren für die Stadt.

Das sind über 30 Euro die ich indirekt an Abgaben und Steuern habe, ohne dass ich mich besoffen habe oder sonst groß was konsumiert habe, nur um ein läppisches Fußballspiel zu sehen. Und da soll ich nun auch noch nen Sicherheitseuro bezahlen?

Was gerne verschwiegen wird: Die Fußballvereine bezahlen innerhalb Ihrer Arenen ja eh den Sicherheitsdienst und stellen Ordner ab.

Dass die Polizei in der Öffentlichkeit für Sicherheit sorgt ist ja kein Problem des Fußballs, sondern nun mal deren Aufgabe.

Polizeiaufgebote häufig übertrieben?

Und wer sagt überhaupt dass es immer soviel Polizei sein muss? Ich erinnere mich noch an die erste Aufstiegsfeier der Borussia am Alten Markt in Mönchengladbach. An die 70 Polizeibusse (9-Sitzer) hatte ich alleine links neben der Leinwand gezählt. Wozu? Es feierten lediglich Gladbachfans untereinander den Aufstieg. Da hätten auch locker 5 Busse gelangt, dafür hätte man auf dem Platz besser paar Dixie-Klo´s aufgestellt. Aber dann wären ja von den bösen Fußballfans keine Straftaten begangen worden. So gab es dann einige Einsätze wegen Wildpinkelns, die das Polizeiaufgebot wieder rechtfertigten ;-)

Desweiteren zahle ich als Fußballfan ja auch Steuern und Abgaben für Dinge die ich nicht nutze. Das ist halt so. Mit meinen Steuern werden Bahnstrecken gebaut obwohl ich Auto fahre, mit meinen Steuern werden Schwimmbäder finanziert obwohl ich z.B. wasserscheu bin etc. pp. Da könnte man nun stundenlang drüber diskutieren.

Meine letzte Diskussion zum Thema war ziemlich schnell beendet als ich demjenigen der mich fragte: „Wieso soll ich mit meinen Steuern den Fußball finanzieren?“ entgegnete: „Weil die Fußballfans mit Ihren Steuern auch die Solaranlage auf Deinem Dach finanzieren!“

In diesem Sinne freue ich mich auf eine hoffentlich spannende Diskussion zum Thema.

Sollten die Verein die Polizeieinsätze selbst zahlen, oder sind das nur populistische Forderungen?

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10 Antworten zu "Fußballvereine sollen Polizeieinsätze selbst zahlen? Nein!"

  1. faceman sagt:

    Es wäre schön, wenn zu dieser Aufstellung einfach die Fordernden mal Stellung nehmen würden. Alleine die würden sich gar nicht genötigt sehen, ist es doch keine dienstliche Anfrage, sondern eben nur eine von einem Internetuser.

  2. FCB4ever sagt:

    Jeder der hier Steuern zahlt hat doch Anspruch auf Sicherheit. Dafür sorgt die Polizei, egal ob beim Konzert, beim Oktoberfest, beim Fußballspiel oder bei einer Demo. Wobei eine Demo ja wirklich ein Verlustgeschäft ist, oder lässt die Polizei da später den Hut bei den Beteiligten rundgehen? Die Ideen sind tatsächlich populistisch und entbehren jeder Grundlage. Um aber in der Öffentlichkeit Stimmung zu machen und Meinungen zu erzeugen taugen sie aber wie man hier schön sieht. Vermutlich ist genau dass das Ziel …

  3. Schröder sagt:

    Natürlich ist die Forderung, die Vereine sollten die Polizeieinsätze selbst zahlen, kompletter Unsinn. Ein paar Korrekturen solltest du in deiner Rechnung aber schon vornehmen:

    Die Abgaben für die Krankenversicherung und die Kirchensteuer gehen nicht an den Staat. Ebensowenig die Ausgaben für die Berufsgenossenschaft. Wenn du sie in der Berechnung lässt, musst du auch die Zahlungen der KV etc. für Lohnfortzahlung etc. bei verletzten Spielern gegenrechnen. Da kommen dann bei langwierigen Verletzungen oder gar Sportinvalidität einige Summen zusammen.

    Außerdem fehlen bei dir noch die staatlichen Zuschüsse und Bürgschaften für div. Stadien in Deutschland, ohne die diese Einnahmen, die dann zu den hohen Steuern etc. führen, gar nicht möglich wären. Der Staat hat ja nicht nur durch die Polizei Aufwendungen bei Fußballspielen, sondern ist auch für die passende Infrastruktur wie Straßenanbindung und Parkplätze verantwortlich.

    • André sagt:

      Hi Schröder, die Berechnung stammt ja nicht von mir, sondern ist aus diesem Bundesliga Report. Aber Du hast natürlich Recht. Wenn man aber die Zuschüsse zu den Stadien einrechnet, müsste man auch die geschaffenen Arbeitsplätze und die daraus resultierenden Steuern und Abgaben berücksichtigen. Aber es ging mir auch nicht unbedingt darum, eine genaue Rechnung aufzustellen, das wird vermutlich unmöglich sein, es ging mir einfach darum, diese Killerphrase ein wenig zu entkräften und eben zu zeigen, dass der Fußball nicht durch externe Steuergelder subventioniert wird, sondern dass er sich selbst trägt.

      • Klopp sagt:

        Mit der Argumentation kannst du vielleicht deine Freunde überzeugen aber an entscheidender Stelle gewinnst du damit keinen Blumentopf. Das Unternehmen Steuern zahlen ist Gesetz und damit ist die Diskussion beendet. Dabei handelt es sich nicht um eine Art Nettigkeit, die sich dann auf andere Dinge anrechnen lässt.

        Was glaubst du denn wie viel die Finanzbranche an Steuern zahlt und vor allem gezahlt hat? Dagegen sind die paar Millarden Euro, die für die Rettung gewisser Banken bereitgestellt wurden Pipifax. Und zwar in einer ganz anderen Relation als das was hier bei dem Fussballthema vorliegt.

        Also: Wenn du deine Überlegung konsequent anwendest ist sie durchaus interessant. Ich befürchte nur, dass sie beim Thema Banken auch bei dir dann endet, oder?

        Der Tenor vom Artikel ist ja durchaus richtig. Nur ist der Grund warum die Vereine die Kosten nicht selbst tragen sollten schlicht und ergreifend, dass es Aufgabe der Polizei ist auf den Straßen für Ordnung zu sorgen. Auf Privatgelände tun das die Vereine selbst. Sobald die Massen aber das Stadion verlassen ist es Aufgabe der Polizei für die öffentliche Sicherheit zu sorgen. Das sind die Spielregeln und der Staat hat sich daran zu halten und fertig. Das Instrument dem ganzen zu entgehen hat er ja: Wenn der Staat der Meinung ist die Sicherheit auf den Straßen nicht gewährleisten zu können entzieht er der Veranstaltung einfach die Genehmigung stattzufinden.

        Und die Partei, die sich das traut würde ich dann gerne sehen ;)

        • Klopp sagt:

          Mit anderen Worten: Macht euch bei dem Thema doch nicht so in die Hose. Ihr müsst euch mal überlegen von wem diese Aussagen kommen. Das ist der Chef der Polizeigewerkschaft. Der wird von Polizisten gewählt. Da er wiedergewählt werden will muss er Dinge sagen, die Polizisten bewegen. Und das wird klar so ein Thema sein. Die beteiligten Ordnungshüter erleben jede Woche aufs Neue einen Riesenstress. Spaß macht das den meisten sicher nicht. Ein guter Politiker, und dieser Gewerkschaftsheini ist einer, erkennt da einen Haufen Potential für sich.

  4. Schröder sagt:

    @ Klopp: Das ist von der Aufgabe nicht vergleichbar. Bei den Banken geht es ja nicht darum, dass die für ihre Sicherheit extra zahlen sollen, sondern das deren spekulativen Verluste von der Allgemeinheit getragen werden. Wenn du das schon mit Fußball vergleichen willst, dann nimm die Bürgschaften, Kredite und sonstigen Rettungsmaßnahmen für in Not geratene Profi-Vereine aus der öffentlichen Hand. Darüber ließe sich natürlich trefflich diskutieren, warum das eine richtig sein soll und das andere nicht.

  5. Holgy sagt:

    Ich sehe das nicht so eindeutig. Andere Wirtschaftszweige zahlen auch viel Steuern, einige sogar mehr als die Fußballfirmen, benötigen aber nicht so einen großen Aufwand an Polizeimaßnahmen wie das Fußballgeschäft. Da ist der Fußball eindeutig überproportional mit (Polizei-)Diensten versorgt. Wieso soll diesen Extraaufwand die Allgemeinheit bezahlen? Steuern sind ja nicht nur dazu da um die Polizei zu bezahlen. Daher halte ich die Idee, Profifußballfirmen zum Teil an den Polizeikosten zu beteiligen nicht für grundlegend ablehnenswert.

  6. Joey sagt:

    Es werden mehrere ZIG Millionen im Jahr vom Staat bezahlt für die ganzen Polizei Einsätze.
    So jetzt kommt das eigentliche.
    1. Die Fussball spieler waren letztes mal in einem Bus und es war ein Stau, die Polizei ist vorgefahren und hat den Stau auf gemacht, dass der Fussball spieler Bus nicht im Stau stehen muss. wtf?? Wenn ich das nächste mal im Stau stehe soll die Polizei auch kommen und für mich Platz schaffen
    2. Steuererhöhung um Schuldenfreier zu werden und um die Bildung in Deutschland zu fördern.
    Warum bezahlen nicht die Vereine richtige Sicherheitsdienste, welche auf Sicherheit achtet?
    Arbeitslosigkeit wird verringert und somit logischer weiße mehr Geld in den Steuer Kessel gelegt.
    Dazu kommt natürlich auch noch, dass das Geld für die ganzen Polizei Einsätze gespart werden.
    Fazit: Es muss keine Steuer erhoben werden und trotzdem gibt es genug Geld welches Man in Bildung etc stecken kann bei gleichen Aufwand wie zuvor nur mit dem Unterschied, dass der einzelne Bürger nicht schon wieder mehr Geld zahlen muss in form von Steuern.

    Basketball, Ringen, Eishockey etc. Sind Sportarten die Ihre Hallen selber bauen müssen und dessen Kosten selber tragen. D.h. kein Geld, pech gehabt egal ob BL Mannschaft oder nicht.
    Die Zuschüsse sind lächerlich: wenn ein Bezirk 1000.000 € zur Verfügung hat (für drei BL Mannschaft wie z.b. Ringen, Eishockey, Fussball, BasketballI) so wird es für diese drei Mannschaften wie folgt aufgeteilt: Basketball: 25.000, Ringen: 10.000, Hockey: 50.000-70.000 und den Rest bekommt die BL Mannschaft (in dem Fall über 900.000€)!!
    (diese Zahlen wurden nur zur verdeutlichung gesagt und stimmen nicht den aktuellen zahlen. Es geht nur darum, dass man weiß was Sache ist, wie Prozentual alles verteilt ist.)

    Warum wird es nicht gerecht auf alle Drei gleich aufgeteilt?

    Die Hallen müssen diese Drei Sportarten selber finanzieren, Fussball nicht.

    BL Fussballstation wird zu 50% von der Stadt bezahlt. D.h. wir zahlen letzt endlich mit für ein Stadion und müssen nochmal obendrauf Eintritt bezahlen wenn wir rein wollen.

    Das ist so wie wenn ich ein Haus Baue und dann noch eintritt in mein Haus bezahlen muss.

    • Betze sagt:

      Puh… Der Inhalt deiner Antwort wird vom Niveau nur von den Grammatik schlechter Satzstellung und unterboten. Dein Text ist so unleserlich, dass ich nicht ganz sicher bin ob es eine ernst gemeinte Stellungnahme oder eine sehr gute Persiflage ist.

      Was die Thematik angeht haben meine Vorredner eigentlich schon viel Gutes heraus gearbeitet, vielmehr als du mit deinem Kommentar wieder kaputt machen wolltest…

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