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Hertha: Dardai ist Geschichte

Bei der Hertha ging dann alles doch recht schnell. Pal Dardai musste gehen, Tayfun Korkut wurde vorgestellt. „Es tut gut, hier zu sitzen“, so der neue Trainer an seiner neuen Wirkungsstätte. Heute hatte er dann die erste Einheit zusammen mit der Mannschaft. Dabei hat er schon jetzt einige Ansatzpunkte, die er im Vergleich zu seinem Vorgänger verbessern möchte.

Eigentlich hatte Pal Dardai schon seinen Plan gemacht, was er der Mannschaft am Dienstag nach dem freien Tag hätte sagen wollen und wie er die neue Trainingswoche angehen würde. Nach dem unglücklichen 1:1 gegen Augsburg verlor er weiterhin nicht den Glauben daran, dass sein eingeschlagener Weg die Berliner weiterbringen wird. „Ich glaube, dass wir trotzdem stabil sind“, so der Ungar am Sonntag: „Ich habe keine Phase im Spiel gesehen, wo Chaos war. Die Mannschaft ist kompakt, die Mannschaft will, taktisch sieht das sehr ordentlich aus. Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht, aber die Punktzahl …“

Sport-Geschäftsführers Fredi Bobic zog dann aber die Notbremse und entließ sowohl Dardai, als auch seine Admir Hamzagic und Andreas Neuendorf am Montagmorgen. Schon am Nachmittag konnte er dann mit Korkut einen Nachfolger präsentieren und hofft, dass mit diesem nun die Wende eingeleitet werden kann: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich viele Dinge verbessern. Er ist genau der richtige Trainer für eine Mannschaft, die diese neuen Impulse braucht.“ Die Aufgabe besteht nun darin, aus einem sehr guten Kader auch eine Mannschaft zu formieren, denn aktuell sind es nur Einzelspieler, die im Kollektiv nur selten funktionieren. Korkut hatte seine letzte Anstellung beim VfB Stuttgart 2018 aufgegeben und geht pragmatisch an die Sache heran: „Die einfachen Dinge außergewöhnlich gut machen. Nicht zu kompliziert werden, einfach pragmatisch bleiben“, so der neue Trainer der Berliner.  

Unter Dardai war zuletzt das größte Problem das Spiel mit eigenem Ballbesitz. Die Hertha hat die wenigsten Torschüsse der gesamten Liga und gleichzeitig auch die wenigsten Ballkontakte in des Gegners Strafraum. Bei den Torchancen sind sie zusammen mit der Arminia aus Bielefeld auf dem letzten Platz. Eigentlich auch kein Wunder, da man sich vor der Saison noch von den Offensivakteuren Matheus Cunha, Jhon Cordoba, Dodi Lukebakio, Nemanja Radonjic, Javairo Dilrosun und Jessic Ngankam getrennt hat, was bis heute nicht kompensiert werden konnte. Neue Angreifer wie Myziane Maolida und Ishak Belfodil konnten noch nicht einschlagen. Hinzu kommen schon 11 Gegentreffer nach Standards, was für keine Truppe ein Kompliment ist. Dardai hielt hier bis zum Schluss an seiner Manndeckung fest, bekam damit aber das Problem nie wirklich in den Griff. „Wenn du das in der Bundesliga nicht hinbekommst, kostet dich das am Saisonende vier, fünf Plätze“, so der Ungar, der sich damit jetzt nicht mehr beschäftigen muss.

Dardai-Vorgänger Bruno Labbadia war vor seiner Entlassung im Januar 2021 auch schon auf der Suche nach Leadern im Kader, die eine komplette Truppe mitreißen können. Beide konnten sie in ihrer Amtszeit allerdings nicht finden. „Es fehlen ein oder zwei Anführer auf dem Platz, die Ordnung bringen“, so Dardai nach dem 1:1 gegen Augsburg. Die Verteidiger Dedryck Boyata und Niklas Stark wären noch am ehesten dazu geeignet, doch beide sind nicht wirklich laut gegenüber ihren Kollegen, auch wenn sie meist eine ordentliche Leistung an den Tag legen. Gleiches gilt auch für die Routiniers  Vladimir Darida, Peter Pekarik sowie Keeper Alexander Schwolow. Bobics hofft, dass nun auch der eine oder andere Kicker nach der Entlassung von Dardai einen Schritt nach vorne machen kann. Ein großes Problem sind auch die Konter, die man bei eigener Führung nicht konsequent genug zu Ende gespielt hat. So hätte man unter anderem gegen Augsburg oder auch beim 1:1 gegen Leverkusen schon frühzeitig den Deckel auf die Partie machen können. „Es ist immer zehn Zentimeter zu weit vorn, zu weit hinten oder halbhoch statt flach – der letzte Pass muss da sein. Der letzte Pass kommt nicht an. Und diese Tore fehlen uns“, so Dardai.

Kategorie: Bundesliga, News Tags: ,
 
 

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