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Hertha: Boss-Klartext

Bei den Berlinern wurde nun Klartext gesprochen. Präsident Werner Gegenbauer hat nun noch einmal nachträglich die Kooperation mit Investor Lars Windhorst in diesem Sommer verteidigt. Derweil wollte er nichts von einem Gang an die Börse wissen, der angeblich bereits mittelfristig in Planung sei. „Seit er als Investor bei Hertha BSC da ist, hatte ich noch keinen Tag, an dem es mir lieber gewesen wäre, dass er nicht da ist“, so Gegenbauer über den im Sommer 2019 mit seiner Tennor Holding bei Hertha BSC eingestiegenen Lars Windhorst.

Ende Oktober wird es wohl zur vorerst letzten Zahlung in Höhe von rund 100 Millionen Euro kommen. Insgesamt sind dann bereits 374 Millionen Euro geflossen. Ohne dieses Geld hätten die Berliner mit der Corona-Krise wohl deutlich mehr Probleme bekommen, wie es bei einigen Konkurrenten der Fall ist. „Wir wären sicher ernsthaft ins Trudeln kommen – was nicht heißt, dass wir das Trudeln nicht abgefangen hätten. Aber selbstverständlich wäre das ein ernsthaftes Thema geworden“, so der Hertha-Boss, der auch keine schlechte Worte mehr über die Zusammenarbeit mit dem Investor hören möchte: „Lars Windhorst und wir saßen immer im selben Zug. Es ist immer nur die Frage, wie diejenigen, die seine Umgebung bilden, Informationen verarbeiten. Da gab es Probleme. Aber die kann man immer damit ausräumen, dass man Verträge liest und ernst nimmt.“

Natürlich gibt es immer wieder Differenzen, doch dabei muss man nicht immer gleich von einem Streit sprechen, der dann in der Öffentlichkeit unnötig hochgespielt wird. „Die Frage ist, wie man einen Konsens finden kann. Eins ist klar: Das Geschäft führt die Geschäftsführung von Hertha BSC. Und meine Position ist auch klar: Ich bin nicht der ehrenamtliche Präsident des Investors, sondern der ehrenamtliche Präsident der Hertha-Mitglieder. Dass wir uns mit Lars Windhorst austauschen und gegenseitig über Entscheidungen und die Prozesse dahin informiert halten, ist klar. Aber die Entscheidungen trifft der Verein“, so Gegenbauers klare Aussage, der aber auch noch nachlegen konnte: „Ohne 50+1 wäre ich nicht mehr Hertha-Präsident.“

Seit 2008 ist er bereits Präsident der Hertha. Mittlerweile machte er deutlich, dass es zumindest keinen mittelfristigen Auftritt an der Börse geben wird, auch wenn dies in allen Gremien heiß diskutiert wurde. „Wir vergessen zu schnell, in welcher ungewissen Zeit wir wegen Corona gerade leben. Auch wenn die Börse aktuell stabil ist: Wir können nicht absehen, wie der Fußball kurzfristig aussehen wird. Es ist nicht die Zeit für tolle Pläne, sondern es geht aktuell darum, alles in der Waage zu halten“, so der Präsident. Derweil sind die Pläne für ein eigenes Stadion so aktuell wie nie, auch wenn die Frage nach einem fixen Standort für die eigene Arena noch nicht geklärt werden konnte. Damit dürfte auch klar sein, dass der zunächst geplante Auszug aus dem Olympiastadion im Juli 2025 nicht zu realisieren sein wird. „Tatsache ist, dass die höchste Priorität das neue Stadion und der Termin nur die zweithöchste Priorität hat“, so Gegenbauer: „Wir werden den Kampf um ein neues Stadion nicht aufgeben, nur weil der ursprünglich angedachte Termin womöglich nicht mehr zu realisieren ist. Ein Teil der Berliner Politik hat diese Hoffnung. Die kann ich den betreffenden Damen und Herren hiermit nehmen.“

Dabei können die Berliner aber auch eine eigene Schuld nicht komplett von sich weisen, was auch der Boss bestätigen konnte. Vor allen in Sachen Kommunikation gibt es hier noch das eine oder andere Problem. „Ich bin nicht so eindimensional zu glauben, dass wir keine Fehler gemacht haben. Haben wir, klar. Aber wenn man etwas bewegen will, gehören Fehler dazu. Die Frage der Kommunikation kann man immer diskutieren. Aber die Ernsthaftigkeit, mit der Hertha das Thema Stadion-Neubau angeht, wurde von den politischen Stellen sehr lange unterschätzt. Es ist hoffentlich jetzt bei allen angekommen, dass ein solches Projekt nicht ohne die Unterstützung der Politik zu realisieren ist.“ Bleibt abzuwarten, wie sich das Hertha-Projekt in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Kategorie: Bundesliga, News Tags: 
 
 

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