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Bremen: Filbry spielt mit offenen Karten

Die Corona-Krise hält für die gesamte Bundesligisten einige Herausforderungen bereit. Vor allem gibt es viele Klubs, die finanziell in Richtung Existenzkrise steuern. Wie ernst die Lage ist, hat nun unter anderem Werder Bremens Klubchef Klaus Filbry für seinen Klub bestätigt. Er hat sich dabei hochgradig transparent gezeigt.

Der 53-Jährige äußerte sich in einer telefonischen Pressekonferenz und gab ganz tiefe Einblicke in die Bremer Zahlen. Demnach drohen Werder durch die Krise im worst case 45 Millionen Euro Verlust, die durch wegfallende Einnahmen wegbrechen könnten. „Die Liquidität ist auf jeden Fall bis in den Frühherbst sichergestellt“, so Filbry. Selbst bei einem Saisonabbruch ohne Geisterspiele würde sich daran nichts ändern. Voraussetzungen dafür sind aber auch die neuen Kreditlinien bei den Hausbanken und auch ein geplanter KfW-Kredit in zweistelliger Millionenhöhe. Die Werder Bremen GmbH und Co.KG auf Aktien, die zuletzt vier Jahre in Folge keinen Verlust geschrieben haben, musste nun erstmals seit der Gründung 2003 Schulden aufnehmen. „Ein Novum“, so Filbry, „aber es zeigt die Dringlichkeit in dieser nicht selbst verschuldeten Krise. Wir sind in der Pflicht, den wirtschaftlichen Fortbestand von Werder zu sichern. Und in dieser Situation sind früher oder später alle Bundesligisten.“ Selbst wenn die Profis erneut auf Gehalt verzichten, „würde uns nicht in die Lage versetzen, es ohne fremde Hilfe zu schaffen“, so der Bremer Boss.

Die Einschnitte sind zu groß, auch wenn dann die vierte Rate der TV-Gelder in Höhe von rund 15 Millionen Euro ins Haus flattert. Definitiv werden rund 6 Millionen Euro aus Sponsoring und Ticketing sowie 3,3 Millionen Euro im Businessbereich abhanden kommen. Hinzu kommen noch 5 Millionen Euro aus offenen Rechnungen die noch nicht geklärt sind, da sich natürlich auch die Partner in einer Krise befinden. Völlig ungewiss sind die Vertragsverlängerungen der Sponsoren wie VW und betway, mit denen man zusammen rund 5,6 Mio. Euro pro Jahr einnimmt. Die gleichen Probleme gibt es auch mit kleineren Sponsoren in Gesamthöhe von 0,5 Mio. Euro sowie gekündigte Hospitality-Buchungen im Gesamtwert von 1,4 Mio. Euro.

Fakt ist aber, dass es wohl in diesem Jahr keine Spiele mehr mit Publikum geben wird, sodass weitere 16 Millionen Euro aus den Bereichen Ticketing, Sponsoring und Businessbereich entfallen würden, die man bis dato fest für das Kalenderjahr eingeplant hatte. So könnte es also sein, dass beim Abbruch der Saison ein Minus von insgesamt 18,5 Millionen Euro zusammenkommen könnte. In diesem Fall müsste man doch noch einmal mit den Profis über einen Gehaltsverzicht sprechen. Ein Lichtblick sind dann mögliche Transferüberschüsse wie z.B. bei einem Verkauf von Milot Rashica, doch hier ist noch nichts konkretes geplant. Natürlich ist auch ein möglicher Abstieg noch lange nicht vom Tisch, was der finanziellen Lage an der Weser einen weiteren Nackenschlag geben würde.

Die Bremer haben derzeit einen Lizenzspieleretat von rund 50 Millionen Euro und dieser „muss in der kommenden Saison reduziert werden, das ist keine Frage„, so Filbry, der auch einen Verkauf von Klubanteilen nicht für ausgeschlossen hält: „In dieser Phase würde man kaum jemanden finden, der an einer Minderheitsbeteiligung interessiert wäre. Und es wäre auch für den Klub kein guter Zeitpunkt, da man sich unter Wert verkaufen müsste.“ Eine kurzzeitige Rettung wären also nur die Geisterspiele, die aber immerhin die TV-Einnahmen sichern würden. „Wenn wir die Saison nicht zu Ende spielen können, dann könnten wir mit den gleichen Argumenten auch im September, Oktober nicht spielen. Und das würde die Bundesliga nicht überleben“, so Filbry abschließend.

Kategorie: Bundesliga, News Tags: ,
 
 

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