Zentralrat der Juden attackiert Bierhoff

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von diamond, 4 Juni 2012.

  1. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ich kenne diese Vorwürfe auch nicht an meiner Person und ich war auch in ein paar Ländern und kenne auch etliche Nicht-Deutsche.
     
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    um diese Anzeige auszublenden!.
  3. alditüte

    alditüte HSVer

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    Graumann sagt selbst: „Gerade die Deutschen“. Klingt das nicht nach einer indirekten Schuldzuweisung? Von wegen: „ihr Deutsche habt vor 70 Jahren unsere Religion fast ausgerottet, nun habt ihr gefälligst alle vier Jahre Gedenkstätten zu besuchen und wenn ihr das nicht macht, dann habt ihr wohl immer noch nix draus gelernt“?

    Und doch hatte ich damit nichts zu tun und mich geht es nicht weiter an. Warum sollte es das denn? Nur weil ich zufällig der zweiten Nachkriegsgeneration des Weltkriegsbeginners angehöre?

    Genau dazu dient ein Besuch. Ein Besuch dient nicht dazu, irgendwelche Zeichen zu setzen im Kampf gegen Nationalsozialismus. Und der Sinn von Gedenkstätten wird ziemlich verfehlt, wenn diese wichtigen Orte als Alibiplätze für Betroffenheit verwendet werden, von wegen: „Wir sind da gewesen, wir ham an euch gedacht“.

    Warum sollen die Nationalspieler bei der EM in Polen eigentlich an den Weltkrieg denken?! Es geht hier um SPORT, nicht um Politik! Bei der WM in Südafrika hab ich auch nicht die ganze Zeit betroffen im Soccerfans-Forum geschrieben, wie grausam die Apartheid war.

    Zu was Menschen in der Lage sind, weiß man (bzw. ich) auch so, da braucht man keine Gedenkstätte für besuchen (und selbst wenn vereinzelte Nationalspieler das nicht wissen, ist das noch kein Grund, der gesamten Mannschaft einen Besuch aufzudrängen). Abgesehen davon, dass ich ca. 50 Reportagen allein über den 2. Weltkrieg bislang gesehen habe (von weiteren über andere Kriege ganz zu schweigen), ich also gut genug weiß, zu was für grausamen Sachen Menschen fähig sind. Mit der Nationalelf hat das allerdings nichts zu tun und das ändert sich auch nicht, wenn die gesamte Republik fordert, dass die Nationalelf Auschwitz besucht.

    Weil es für das Weiterkommen bei der EM auch so wichtig ist, dass man weiß, zu was für Dinge Menschen fähig sind. Abgesehen davon, dass die Nationalspieler sicher nicht auf den Kopf gefallen sind und wissen, was beim Weltkrieg passierte, KZ-Besuch hin oder her.

    Stimmt, das macht bessere Fußballer aus ihnen!

    Mir fehlt da jegliches Verständnis für. Es gibt keinerlei Bezug zwischen der deutschen Nationalelf von 2012 und der politischen Opfer des deutschen Staates unter der Hand eines Terroristen 1933 bis 45. Und dementsprechend gibt es auch keinen rationalen Grund, AUSGERECHNET DER NATIONALELF einen Besuch der Gedenkstätten zu empfehlen. Was hat die damit auch am Hut? Die 22 Spieler sollen bei der EM Leistung bringen und sich nicht politisch bilden – wenn sie das nebenbei allesamt machen wollen, okay, aber ihnen das „nahezulegen“, ist doch sinnbefreit. Dafür sind freiwillige Bildungsreisen, private touristische Touren oder ganz einfach die eigene Freizeit gedacht, die jeder für sich selbst auswählen kann, wenn er das denn möchte (also auch evt. Nationalspieler).
    Die Spieler sollen spielen und Tore schießen und nicht nach Hause kommen und stolz auf der Pressekonferenz nach der EM verkünden, dass sie nun endlich wissen, wie grausam die Nazis sind und dass sie hoffen, dass nun die ganze Welt verstanden hat, wie schlimm der Weltkrieg war, was sie ja so eindrucksvoll bewiesen haben, indem sie das KZ Auschwitz besuchten..
     
  4. alditüte

    alditüte HSVer

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    Wenn die Nationalelf ein KZ besucht (und dann auch noch, weil sie dazu gedrängt wird) und anschließend einige Spieler auf Pressekonferenzen oberflächlich erklären, dass sich sowas nicht wiederholen darf, dann wird das wohl wenige Leute ernsthaft ansprechen. Dann soll man lieber im Geschichtsunterricht vernünftig über diese Thematik lehren. Und da erreicht man dann auch wirklich ALLE Schüler, nicht nur die, die regelmäßig N achrichten über Nationalmannschaften in Lagern hören.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5 Juni 2012
  5. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Geht mir absolut genauso wie Detti und dir.

    Wieso soll also "gerade die deutsche" Nationalmannschaft geschlossen zu Gedenkstädten reisen und für Medienaufmerksamkeit sorgen?

    Die erreicht man vielleicht wenn man ein guter Stimmenimitator ist und "Die dreckigen Juden!" plärrt. Sowas sorgt nämlich immernoch für Gelächter und lockert die Stimmung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6 Juni 2012
  6. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    Wenn ich mir die Touristenmassen in Dachau anschaue und ich wundere mich jedes Mal ... ähm, anscheinend, nein.
    Das sind anscheinend nur wir doofen Deutschen, die derart viel Asche aufs eigene Haupt streuen.


    Nein, ich stimme alditüte zu. Die echten (Neo-)Nazis erreicht man so nicht.
    Aus meiner Sicht erreicht man die gar nicht. Gegen die hilft nur eine starke direkte Demokratie und ein starker Förderalismus, weil beides lehnen diese Typen ab.

    Der Graumann ist allerdings auch ein Idiot.
    Bierhoff+Graumann = Idiotentreffen.

    DAS bezweifle ich allerdings, teilweise zumindest.
     
  7. alditüte

    alditüte HSVer

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    Vollkommen richtig.

    Nun ja, darum bei einem anderen Abschnitt von mir noch der Nachtrag, dass selbst wenn nicht jeder Nationalspieler die große Ahnung vom Weltkrieg hat, er dies dann privat nachholen kann (und meiner Meinung nach auch sollte), aber eben nicht gezwungen mit der Nationalelf. Sind doch keine kleinen Kinder mehr, die eine Klassenreise machen.

    Und wenn mit der Nationalelf, dann vor allem nicht um ein Zeichen zu setzen, sondern einfach aus INTERESSE. Dafür sind KZ-Gedenkstätten ja schließlich da. Und dass kein Interesse bestand (was an sich auch nicht schlimm ist, jeder hat andere Interessen), sieht man ja daran, dass nur eine Hand voll Leute mitkamen.

    Nach dem Motto: der FC Kleinkleckersdorf hat ein Auswärtsspiel in Kiel und besucht die Hochbrücke aus Interesse und weil alle es wollen, nicht weil man das gefälligst zu tun hat, weil der Kieler Bürgermeister das sagt. Besseres Beispiel fällt mir jetzt nicht ein, ist schon spät. ;)
     
  8. bayer04_princess

    bayer04_princess Well-Known Member

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    Meine Güte. Das ist doch jeden Spieler selbst überlassen, ob er dahin gehen möchte oder nicht.
    Die ganze Mannschaft wäre nie dahin gekommen, und ich finde das auch nicht schlimm.
     
  9. Rezo

    Rezo Weeaboo

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    Muss man ja auch nicht. Sie zu isolieren indem man diejenigen erreicht die einfach nur ignorant, oder teenage-mässig konfus sind reicht doch vollkommen um die 'Richtigen' zu isolieren und ihr Wachstum zu verhindern.
     
  10. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    ich hab das in den 80ern in holland erlebt, als ich auf einem einspurigen weg mit meinem langen bmw gewendet habe.
    als ich dann endlich an dem nachfolgenden, wartenden holländer vorbei konnte, hat der aus seinem auto gebrüllt, "ihr scheid doch alle nazis".
    das hat mich und meine mitfahrer zwar zu einem :zahnluec: schallenden gelächter veranlasst, war von ihm aber wohl durchaus ernst gemeint. ;)
    also, geh mir wech mit holländern! ;)
     
  11. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Mir auch nicht, und ich war schon mehrfach in Israel, in Holland, in Frankreich, von denen es ja am liebsten heißt, das man das da zu hören kriegt. und auch in keinem anderen Land ist mir das je passiert.
     
  12. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Siehste, wie nett eigentlich.
    Im Oberland hätten sie Dich einfach erschlagen oder mit'm Traktor überfahren.
     
  13. Schröder

    Schröder Problembär

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    Vorsicht mit der Ausdrucksweise, gerade in diesem Thread. ;)
     
  14. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Daran zweifle ich auch nicht. Jedenfalls erreicht man sie nicht auf diese Weise.
     
  15. Fussballgott

    Fussballgott Best one ever

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    Auch hier wieder die Frage: Wieso sollte man die ignoranten oder konfusen mit einem Besuch der Nationalmannschaft erreichen? Solche Leute erreicht man im privaten Gespräch oder wenn diese Leute selbst das KZ besuchen. Aber nicht durch den Besuch dritter.

    Und erst recht nicht durch rumgezetere im Sinne von "Ihr müsst da aber hin, sonst bin ich euch böse". Damit macht man sich nur lächerlich.

    Gruß FG
     
  16. alditüte

    alditüte HSVer

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    Und selbst das nur in Ausnahmefällen. Aber ansonsten volle Zustimmung.
     
  17. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Warum das uns heute noch etwas angeht, die Mechanismen, die zu solchen Ereignissen führen können, sind ja schließlich nicht aus der Welt, auch wenn sich die Welt seitdem sehr geändert hat. Das Denken oder die Ideologien und sozialen Prozesse, die dazu geführt haben, waren danach ja nicht auf einmal fort. So ist es wichtig darauf hinzuweisen an nachfolgende Generationen und ihnen Beschäftigung damit nahezulegen. Natürlich ist auch der Kontext wie es zu sowas kam und kommen kann relevant. Das Thema ist insofern auch noch aktuell, dass im Zuge der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise die Gefahr besteht, dass charismatische Populisten mit einfachen Antworten auf schwierige Sachverhalte Einfluss und Macht gewinnen. Dabei geht es um allgemeine politische Bildung. Wieso haben wir in Deutschland eigentlich keine klassisch rechtspopulistische Partei wie in anderen Ländern (da spielen auch andere Faktoren als die deutsche Vergangenheit mit hinein)? Mir ist im Übrigen kein Fall bekannt, in der sich in der geschichtlichen und politischen Bildung des Landes derart kritisch mit der eigenen Rolle in der Vergangenheit offiziell auseinandergesetzt wird und man sich die Schuld auf sich selbst bzw. das damalige Deutsche Reich lädt, schließlich kann es die Identifizierung mit der Nationalität, der Nation beeinträchtigen und einen Anti-Patriotismus bewirken sowie den Nationalstolz als Zugpferd zur Gewinnung von Zustimmung zu politischer Agenda desavouieren oder schwächen.

    Ich würde nicht postulieren, dass die Betroffenheit der Nationalspieler geheuchelt war, insbes. nicht bei den drei die da waren und einen polnischen Hintergrund haben. Und ich denke schon, dass ein Gedenkstättenbesuch der Begleiteffekt ein Signal gegen braunes Gedankengut zu setzen, haben kann.

    Du sprichst im Grunde von deiner Bildung alditüte, ich sehe aber die der allgemeinen fußballinteressierten, insbes. jungen Bevölkerung. Und für die haben Fußballnationalspieler eventuell nochmals eine andere Aura oder einen anderen Vorbildscharakter als der Geschichtslehrer, zumal die Behandlung in einigen Schulen zu kurz kommt. Es ist auch von den gewonnen Eindrücken wie schon gesagt etwas anderes ein ehemaliges Lager zu besuchen oder davon lediglich zu lesen. Daher steht m.E. zurecht der Besuch eines KZs auf dem Lehrplan.

    Das Weiterkommen bei der EM tangiert das vermutlich eher wenig, richtig. Ziehe aber den umgekehrten Schluss daraus wie du, wobei die Relevanz des Sports oder EM-Abschneidens hier für mich so oder so keine vordergründige Argumentationsgrundlage hat. Dem Nationalmannschaftsspieler dient es nicht in seiner beruflichen Funktion und nationalen Mission. Mir ist das aber zu kurz gegriffen, sein Handeln in engen funktionalen Schablonen oder berufsbedingten Erfordernissen einzugrenzen. Insbesondere wenn er sich aus eigener Motivation politisch fortbilden möchte oder die Möglichkeit hat, ein Zeichen zu setzen. Ein sportlich betrachtet kritischeres Echo könnte ich nachvollziehen, wenn es während des Turniers passiert wäre, aber es hätte sich vielleicht auch im Rahmen eines Freundschaftsspiels Monate vor der EM einrichten lassen. Ob das Deutsche, Italiener, Engländer oder Spieler anderer Nationen oder Pässe sind, ist für mich untergeordnet relevant. Ein weiterer Punkt ist, dass die Geschehnisse der damaligen Zeit und das weitere deutsch-polnische Verhältnis auch auf die heutige polnische Bevölkerung, v.a. älterer Generationen, rückwirken und so das Verstehen, nicht immer das Verständnis, für Elemente der heutigen polnischen Kultur stärken können. Schließlich wird man ja nicht vollkommen isoliert von den dort lebenden Menschen sein.

    Die Art und Weise der Darstellung des Besuchs in den Medien, durch den DFB, auf Pressekonferenzen etc. ist natürlich ein relevanter Faktor für dessen Bewertung. Je nachdem erreicht man andere Personen. Davon ab kann ein Besuch aber den Nationalspieler auch menschlich weiterbringen, jeder zieht aber andere Schlüsse aus einem solchen. Daher finde ich es nicht verkehrt, diesen einen nahezulegen und nicht aufzudrängen. Das kann freilich eine solide Darstellung der Vergangenheit im Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht oder persönliche Gespräche mit Zeitzeugen, Betroffenen oder Gebildeten nicht ersetzen. Das hat aber auch niemand, wie ich überblicke, geschrieben. Politisches Desinteresse, Apathie oder mangelnde geschichtliche Bildung halte ich für den Fortbestand oder die Entstehung einer wirklich demokratischen Gesellschaft und von Bürgerbeteiligung für recht gefährlich, aber das geht m.E. zu sehr vom Thema weg. Daher würde ich nicht auf das bauen, was du zu privaten Interessen oder zu vollkommen freien Stücken schriebst.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6 Juni 2012
  18. alditüte

    alditüte HSVer

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    Ach, es geht mich etwas an, weil irgendwelche andere, mit denen ich nichts zu tun hab, noch solche Ideologien, mit denen ich nichts zu tun habe, haben? Dann geht uns allen der Kommunismus, der Islamismus, der Nationalsozialismus, etwas an, weil die Ideologien ja nicht auf einmal fort waren. Super! Dann kümmern wir uns ab jetzt nicht mehr um unsere Leben, sondern mit dem Besuchen von Gedenkstätten für Islamismus und Kommunismus, denn „es geht uns ja was an“.

    Es geht derzeit meiner Meinung nach in Deutschland keine Gefahr vom Nationalsozialismus aus. Vereinzelte Fälle gibt es überall, vereinzelte Nazis gibt es überall. In Deutschland ist der Anteil sogar noch kleiner als in vielen anderen Ländern. Zu melden haben die Nazis in der deutschen Politik aber nichts.

    Unsere nachfolgenden Generationen interessieren sich nicht für ein Besuch der deutschen Nationalelf irgendeiner Gedenkstätte im Jahre 2012.

    Das liegt unter anderem, weil von links permanent gegen rechts gehetzt wird, ohne rechts vom Rechtsextremismus abzugrenzen. Patriotismus ist in vielen Teilen sogar schon verpönt. Selbst die CDU macht mit und nennt sich nun nur noch „die Mitte“. Linkspopulistische Parteien haben wir mit der Linken ja z. B., da fragt auch kaum jemand nach.

    Und genau das sieht man ja an vielen Stellen heutzutage in Deutschland, während Nationalstolz und Patriotismus in anderen Ländern mit Dreck am Stecken in bestimmtem Maße vorhanden sind. So viel dazu, warum es heute keine rechtspopulistische (oder auch nur eine vernünftige rechte) Partei gibt. Die NPD sehe ich im übrigen als extrem, nicht als populistisch an, nur um Fragen vorzubeugen.

    Im übrigen: Wenn die BRD permanent nur sagt, dass sie Schuld hat (was sicher nicht gelogen ist) und immer nur selbst mit der Vergangenheit anfängt (anstatt sie mal ruhen zu lassen), dann braucht man sich nicht darüber wundern, wenn „wir“ als die „Bösen“ gelten und dieses Thema immer wieder aufkommt. Würden wir nicht immer selbst diese Tut-uns-leid-Schiene fahren, würde heute wohl auch nicht mehr dieses KZ-Thema angesagt sein.

    Noch mal – denkst du, dass auch nur ein Brauner vom Rechtsextremismus abfällt, weil ein paar polnisch-deutsche Fußballer über den Weltkrieg reden und die Gedenkstätten besuchen? Das ist nun wirklich extrem vereinfachtes Denken.

    Dass die Behandlung in einigen Schulen zu kurz kommt, stimmt.

    Aber ich bin in einem Umfeld mit viel Links- und viel Rechtsextremismus aufgewachsen und weder die einen noch die anderen lassen sich von irgendjemandem in ihrer politischen Meinung etwas sagen, selbst nicht die Fußballfans unter denen und selbst dann nicht, wenn diese Spieler, die ihre Meinung zum Extremismus sagen, bei der eigenen Mannschaft spielen. So einfach ist das eben nicht. Extremisten denken, ihre Meinung sei normal und berechtigt (genau wie jeder andere Mensch das von seiner Meinung denkt), und welcher Mensch, der denkt, dass er normal denkt, lässt sich von Prominenten irgendwas einreden?
    Da muss der Staat versuchen aufzuklären, die Schulen müssen die Schüler über Nationalsozialismus, Kommunismus (bzw. Links- und Rechtsextremismus) u. ä. aufklären, aber nicht Fußballspieler – denn die erreichen die Nazis nicht, indem sie irgendein KZ besuchen. Und deswegen steht meiner Meinung nach der Besuch eines KZs zu Unrecht auf dem Lehrplan der Nationalmannschaft.

    Dann mal Hand aufs Herz. Glaubst du echt, dass ein Nazi, der auf Sport1 sieht, wie ein paar Nationalspieler ein KZ besuchen, auf einmal die Juden mag und rechtsgemäßigt oder sogar links wird?

    Wenn du „Nationalspieler“ mit „Person“ ersetzt, stimme ich dir im Grunde zu.

    Wenn alle es wollen, das habe ich selbst auch geschrieben, dann soll sich die Nationalelf ruhig ein KZ angucken. Dann können sie auch in der Ostsee baden, die Weichsel auf und ab paddeln oder in der Kiewer Innenstadt Gucci einkaufen. Aber dieses Aufdrängen eines Besuchs und das anschließende Aufregen von Politikern und dem Zentralrat, das ist lächerlich und führt zu nichts – und genau so wirkt diese Aktion (abgesehen davon, nochmal, dass ein Besuch zur EIGENEN Meinung nützlich ist, nicht um „ein Signal zu setzen“, denn wie gesagt, man wird NIEMALS einen Nazi damit ansprechen, dass Politiker oder Sportler irgendwelche Gedenkstätten besuchen).

    Man bildet nicht, indem man sagt, wie schlecht etwas war und wie betroffen wir alle sind. Man bildet, indem man lehrt.

    Und ja, politische Bildung ist wichtig. Es ist aber natürlich trotzdem jedem seine eigene Entscheidung, ob er sich politisch bilden will – und darum eben ein privates Interesse. Und warum sollten Nationalspieler zwangsläufig eine größere politische Bildung haben als Handwerker, obwohl beide mit Politik nichts zu tun haben? Man kann niemanden „zwingen“ sich politisch zu bilden.
     
  19. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Kann ich auch nicht nachvollziehen zumal im gleichen Zug immer Sachen behauptet werden (Vorwurf, Schuld, persönliche Verantwortung), die überhaupt niemand gemacht hat. Das was kritiiert wird ist mithin frei erfunden (das ist so sinnig als würde ich behaupten Löw hätte Hanke mit zur EM genommen und ihr jetzt fadür kritisieren, dass er hankle mit zur WM genommen hat).

    Noch kurz eine Anmerkung zur persönlichen Entscheidung: Die Nationalspieler sind nicht auf einem persönlichen, privatem Urlaubstrip, sondern repräsentieren Deutschland auf einem der weltweit mit am meisten beachtetsten Sportveranstaltung. Das ist halt ein Unterschied.
     
  20. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Ideologien als auch deren Dekonstruktion geht die Gesellschaft etwas an, wenn sie dazwischen nicht zerrieben werden möchte und ist nicht mit dem Besuch von Gedenkstätten gleichzusetzen.
    Vom Nationalsozialismus geht als politische Kraft für das herrschende System in Deutschland weniger eine Gefahr aus, wenn man mal von einzelnen Gebieten in Ostdeutschland absieht. Die NPD ist jedoch in einigen ostdeutschen Gebieten dennoch in der Jugendarbeit verankert, genauso wie die Antifa v.a. im Westen. Die Wahlergebnisse der NPD unter den Jungwählern belegen dies. Rechts- oder linksextremistische Gewalttaten sind noch einmal ein anderes Thema. Chauvinistisches Gedankengut ist aber bis in die Mitte der Bevölkerung verbreitet und die Unterstützung zu einigen Aussagen von Sarrazin beispielsweie in der Bevölkerung vorhanden (endlich ein Mann, der das sagt und ausspricht, was wir viele uns denken..).

    Gehetzt wird nicht nur von links gegen rechts, sondern natürlich auch in die andere Richtung. Politiker der CDU/CSU (Gröhe, Dobrindt, ..) "hetzen" m.E. regelmäßig recht substanzlos gegen Die Linke. Die ersten Programme, Der Spiegel und die Welt voran betreiben ebensolche Berichtskampagnen gegen linksgerichtete antineoliberale Parteien. Die Linke selbst ist eine linkspluralistische Partei, die durchaus auch populistische Forderungen vertritt, dies aber in meinen Augen nicht minder wie die anderen Parteien. So überzeugend scheint das aber für die Wähler dennoch nicht zu sein, wenn man nach den Wahlergebnissen (im Westen) geht, was für populistische Parteien eher untypisch ist. Neben den populistischen Forderungen vertritt sie m.E. zum Teil aber auch intelligente Positionen, die sich damit teils vermischen. Leute aus der CSU oder Hardliner der CDU können allerdings in gleicher Weise als Rechtspopulisten bezeichnet werden. Mit der Bild haben sie ein rechtspopulistisches Blatt als Unterstützung, dass Meinungsführer in der deutschen Medienlandschaft ist.
    Mir sind Nationalstolz und Patriotismus fremd, auch auf andere Nationen bezogen. Was ich sehe, ist, dass diese Konzepte in anderen Ländern vielfach in der politischen Argumentation aus Herrschaftsinteressen missbraucht werden.

    Dass ich kaum glaube, dass man überzeugte Nazis darüber erreichen kann, habe ich ja geschrieben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 Juni 2012
  21. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    ja, wie du richtig schreibst: sportveranstaltung!
     
  22. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Ein Beispiel: Asylbewerberwohnheime: Heftiger Protest | Politik*- Frankfurter Rundschau
     
  23. alditüte

    alditüte HSVer

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    Womit es unnötig ist, der Nationalmannschaften einen Besuch der Gedenkstätte nahezulegen, dann sind wir ja auf dem selben Nenner.

    Stimmt.

    (Ich habe aber mal gehört, dass viele NPD-Wähler nur aus Protest gegen die linksgerichtete Regierung die NPD wählen, mit dem naiven Gedanken, dass sich „sonst ja nix ändert“, ohne dass die Wähler rechtsextrem oder -populistisch denken. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.)

    Ich unterstütze einige seiner Aussagen auch und bin auch der Meinung, dass endlich mal einer seinen Mund aufmacht, auch wenn er sich beim Genthema im Ton vergriffen hat (was er hoffentlich auch selber weiß). Rechtsextrem oder chauvinistisch bin ich deswegen sicher nicht.

    Dem widerspreche ich auch nicht. Sobald der eine hetzt, macht's die Gegenseite auch, so ticken wir Menschen (nein, damit sage ich nicht, dass irgendeine Seite angefangen hätte).

    Aber dann solle man auch nicht von linker Seite aus vorwerfen, dass die rechte Seite „respektlos“ sei, wenn links selbst keinen Respekt vor anderen Meinungen hat (ich weiß, das ist jetzt verallgemeinert gesagt, es gibt natürlich Ausnahmen bei Linksgerichteten).
    Zumal wie gesagt penibel auf den Unterschied von links zu linksextrem geachtet wird, rechts und rechtsextrem wird aber kaum unterschieden.

    Die Linke finanziert, wie ich schon einmal geschrieben hab, linksextremistische Gruppen innerhalb ihrer eigenen Partei, zudem verherrlicht sie den Linksextremismus und tut ihn als „nicht vorhanden“ ab. Bei deiner Aussage, dass die Linke „nicht minder populistisch als andere Parteien“ ist, kann ist also keineswegs zustimmen. Und Kritik gegen die Linke ist auch nicht substanzlos, sondern berechtigt.

    Die Linke hat, wenn ich mir die Wahlergebnisse anschaue, gerade dort viele Wähler, wo auch die NPD sehr viel um sich scharen kann. Mag vielleicht einfach nur am Namen liegen – ist gegen rechts, also kreuz ich „die Linke“ an, auch wenn ich keine Ahnung hab. Aber das ist jetzt nur ein vager Erklärungsansatz (denn der Unterschied zwischen 3 Prozent in Schleswig-Holstein zu fast 30 Prozent in NPD-Hochburgen ist signifikant). Erinnert also an die Ich-wähle-die-NPD-weil-sich-sonst-nix-ändert-Wähler.

    Jede Partei vertritt Positionen, mit denen sich jemand angesprochen fühlt, auch die Linke. Ich finde z. B. auch die Familienpolitik der NPD gut. Das ändert aber nichts am Extremismus der Partei an sich. Denn jede Partei hat auch Themen, die man selbst nicht gut findet, auch die Partei, die ich bevorziehe (die bei der Ausländerpolitik linksgerichtet ist).

    Ich denke mal, wirklich ernstzunehmende Politikinteressierte würden die Bild nicht mal lesen.:floet:

    Nationalstolz ist für mich persönlich ein Synonym zur „Freude“ bzw. dem „Glück“, Deutscher zu sein. Ich sag mal so: In 3/4 der anderen Länder der Welt hätte ich weniger Rechte, weniger Geld, weniger Perspektive und vor allem weniger Frieden. Da hab ich es als Deutscher doch ganz gut getroffen, ein wirtschaftlich vergleichbar stabiles Land (solang die EU das nicht ändert, gegen die ich übrigens aus dem Grund auch bin), das modern ist und bei dem es Freiheit gibt, das nun seit 70 Jahren keinen Krieg mehr hatte und bei dem man sicher auf die Straße gehen kann. Da kann man schon froh sein, drin zu leben – man mag das meinetwegen „Nationalstolz“ nennen, hab ich nix gegen, ist mir aber auch wurscht, jedenfalls bin ich aus diesen Gründen relativ „froh“, Deutscher zu sein.

    Herrschaft nutzt alle Konzepte politisch aus. Da seien es die, die rechte Haltungen ausnutzen (und daraus eine rassistische nationalsozialistische Ideologie machen) und die, die linke Haltungen ausnutzen (und daraus eine diktatorische kommunistische Ideologie machen). Gefährlich ist beides, hat jedoch auch beides mit der Grundhaltung (bzw. der „politischen Argumentation“) von rechts und links wenig zu tun.

    Womit du erneut zeigst, dass ein Gedenkstättenbesuch der Nationalelf unnötig ist.

    ---

    Wir kommen im übrigen vom Thema ab.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
  24. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Glaube ich nicht, die wählen dann eher gar nicht. Dafür ist die NPD zu stigmatisiert. Das aus dem NPD-Wählermilieau die Regierungspolitik links ist, verwundert nicht. Zu rechtspopulistischen Äußerungen: Wenn man eine Umfrage mit derartigen Aussagen veranstalten würde, dem Prinzip nach, stimmen sie der Aussage zu, würde ich eine vergleichsweise hohe Zustimmung erwarten. Aber es gibt natürlich auch Protestwähler, insbesondere bei den EU-skeptischen Parteien.


    Er hat kalkuliert Behauptungen über Minderheiten aufgestellt, die Ressentiments schüren und die sich wissenschaftlich nicht belegen lassen und die eigentlichen Ursachen verschleiern. Es ist auch nur verlogen, so zu tun, etwas nicht sagen zu dürfen, wenn man sich der Unterstützung von Bild und großen Teilen der Bevölkerung sicher glaubt. Mit dieser angeblichen Masche, etwas nicht sagen zu dürfen, arbeitet im Übrigen auch PI.
    Zur Bild sehe ich das Problem, dass viele Bild-Leser eben glauben, durch Bild gut informiert zu sein.


    Es ist doch immer die Sache, wie die Meinung begründet wird und wie fundiert sie ist. Meinungen, die lediglich vom Hören Sagen und deren Übernahme oder aus emotionalen Gründen anstatt durch gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu Stande kommen, fällt es schwer anzuerkennen. Die meisten Argumente, die ich von (rechts)konservativer Seite höre, sind meist m.E. ziemlich leicht argumentativ zu entgegnen.


    Ich weiß nicht, was das eine hier mit dem anderen zu tun hat. Freilich gibt es substanzlose und auch berechtigte Kritik, was denn sonst. Die meiste Kritik die ich an Der Linken höre, basiert aber nach meiner Wahrnehmung auf kalkuliert unwahren oder unvollständigen Behauptungen der politischen Gegner. Dass die Linke Linksextremismus generell als nicht vorhanden abtut, würde ich bestreiten, dass sie eine andere Grenzziehung zwischen Links und linksextremistisch zieht und mit dem Extremismusbegriff Probleme hat, nicht. Ich verweise auf den Fall Christel Wegner oder die überwiegend negative Haltung zu Stalinisten und zur MLPD. Eine (deutliche) Kritik an der militanten Antifa würde ich mir allerdings wünschen. Leute, die die überwiegend negativen Elemente der DDR eher negieren, gibt es allerdings in der Partei. Die Linke ist jedoch m.E. (leider) zur Zeit die einzige größere linke Partei in Deutschland, mit einer pazifistischen und anti-neoliberalen Grundrichtung, die auf die Demokratiedefizite des Fiskalpakts und der EU sowie die Grundgesetzverletzungen der letzten Regierungen glaubwürdig verweist. SPD und B90/Grüne sind ja mittlerweile ziemlich in die politische Mitte gerückt.


    Ich glaube schon, dass die radikaleren Parteien eher Wähler einfangen, die mit dem gegenwärtigen System unzufrieden sind. Das ist nunmal bei vielen Wählern aufgrund der sozialen Lage der Fall. Dennoch unterscheiden sich beide Parteien auch im Wählermilieu, da sie weitgehend absolute konträre Positionen vertreten. Die NPD wird v.a. von jungen wenig ausgebildeten Männern gewählt. Wenn man allein die Kriterien Geschlecht und Alter nehmen würde, trifft das auf die Piraten auch zu. Bei der Linken weiß ich es nicht, würde aber ein anderes Milieu erwarten.


    Naja, ich denke man sollte nicht einzelne Politikfelder herausnehmen, sondern die Forderungen, bspw. in der Familienpolitik, im Gesamtkonzept oder ideologischen Rahmen sehen und einordnen. Die Forderungen der NPD zur Familienpolitik (Kinderprämie bspw.) sind demnach unter dem Gedanken eines bestimmten anachronistischen Familien- und Sozialstrukturmodells zu verstehen, dass ich nicht unterstütze.


    Aber, diese Dinge beruhen schließlich m.E. nicht auf besonderen oder anerkennenswerten Eigenschaften und Leistungen des Deutschen zu anderen.
    Negative Eigenschaften ließen sich neben den genannten positiven ebenso finden, die in den letzten Jahren m.E. auch mehr geworden sind. Man kann die aber immer unterschiedlich stark bewerten. Der Begriff Freiheit ist ein sehr umfänglich und weit interpretierbarer Begriff. Leider bedeutet bei den meisten Freiheitsbegriffen die gemeinte Freiheit des einen die Unfreiheit des anderen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 Juni 2012