Wird Schottland unabhängig? Und die Katalanen? Und...

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Holgy, 12 September 2014.

  1. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Naja, das geht tatsächlich etwas tiefer. In Katalonien wird die spanische Sprache ja niemals "español" genannt, sondern immer "castellano" (kastilisch) - wobei offiziell beides gültig ist. In Andalusien wird allerdings eindeutig "español" bevorzugt, denn es ist eben nicht nur die Sprache Kastiliens, sondern auch die Andalusiens und anderer spanischer Regionen. :)
     
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  3. Leipziger

    Leipziger Well-Known Member

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    Im Baskenland ist um die Identifikation mit dem Zentralstaat z. T. noch schlechter bestellt. Die Basken, die ich kennengelernt habe,:

    1. waren gegen die spanische Fußballnationalmannschaft.
    2. haben mich schief angesehen, wenn ich vom "französischen Teil Baskenlandes" gesprochen habe - gewollt waren die Ausdrücke "nördlicher Teil des Baskenlandes" oder meinetwegen noch "französisch besetzter Teil des Baskenlandes".
    3. haben sich allgemein klar als Basken und nicht als Spanier gesehen.
    4. haben ihre Kultur einschließlich ihrer Sprache intensiv gepflegt
    5. haben die ETA und ihre politische Arme zumindest nicht eindeutig abgelehnt bzw. als Terrororganisation verurteilt.

    Die wirtschaftliche Stärke des Baskenlandes bzw. die wirtschaftliche Schwäche "Spaniens" spielte bei dem Wunsch nach Unabhängigkeit natürlich auch eine Rolle, sie war aber ein Aspekt von vielen.
     
  4. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Jou, das stimmt mit meinen Erfahrungen überein. Wobei sie bei Punkt 4 schon ihre Schwierigkeiten haben, denn Baskisch ist sauschwer und wird zumindest in den Städten von kaum jemandem beherrscht. Und Punkt 5 seh ich natürlich eher negativ - wobei das viele Basken zum Glück auch anders sehen.
     
  5. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    zu 5: Da musste man als Baske aber auch aufpassen, da öffentlich etwas gegen die ETA zu sagen. Heute ist vielleicht nicht mehr ganz so gefährlich wie noch vor ein paar Jahren...
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 September 2014
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  6. Leipziger

    Leipziger Well-Known Member

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    Ja, das kann sein.

    "Meine" Basken haben sich untereinander ausschließlich auf Baskisch unterhalten. Sobald Ausländer dabei waren, wurde Spanisch oder in meiner Anwesenheit* Englisch gesprochen.

    *Ich kann nur ein paar Brocken Spanisch
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 September 2014
  7. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Ich war vor zwei Jahren das letzte Mal im Baskenland, allerdings waren wir nur in Bilbao, wo wir einen baskischen Bekannten meiner Frau (der zuvor lange in Málaga gewohnt hatte) besucht haben. Dabei hab ich in den gesamten zwei Tagen des Besuchs kein einziges Wort Baskisch gehört. :weißnich:
     
  8. Leipziger

    Leipziger Well-Known Member

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    Ich war in Donostia und Umgebung. Dort ist die baskische Kultur und Sprache wohl ziemlich stark vertreten. In anderen Regionen dominieren jedoch "eingespanischte" Basken und "richtige" Spanier.
     
  9. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Naja, ich glaube nicht, dass der Bekannte meiner Frau sich als "eingespanischter" Baske bezeichnen würde. ;)
    Aber in der Provinz Guipúzcoa (Hauptstadt San Sebastián bzw. Donostia) liegt der Anteil der Zweisprachigen, also derjenigen, die neben dem Spanischen auch Baskisch sprechen, tatsächlich am Höchsten, nämlich bei 53%. In der Provinas Álava (Vitoria) liegt er dagegen nur bei 23%, und in der Provinz Vizcaya (Bilbao) bei 31%, wobei die wohl fast alle auf dem Land leben.
    http://es.wikipedia.org/wiki/País_Vasco#Lenguas
     
  10. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Spricht doch alles für meine These: Randlage in einem Staat, starke regionale, manchmal grenzüberschreitende, Identität, eine eigene Sprache und schon halten die Menschen nicht so viel von der "Zentrale".
     
  11. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Erinnert irgendwie daran, was viele Bayern so alles Preußen nennen, auch wenn es nie Preußen war?
     
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  12. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Das kann auch was anderes bedeuten nämlich pure Unfreundlichkeit und Ablehnung von Menschen, die einem aufgrund ihres Verhaltens auf die Nerven gehen und von denen klar ist, dass sie nicht aus Bayern stammen sondern eher aus nördlicheren Gefilden.

    Allerdings dürfte die Bezeichnung auch aus der Ablehnung des Königreichs Preussen herrühren, ja, und dass dann diese Ablehnung über den ganzen Norden ausgekippt wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14 September 2014
  13. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Morgen fällt die Entscheidung. Bin ja mal gespant, Prognose ist kaum möglich, soll wohl ein Kopf-an Kopfrennen werden wenn man den Prognosen glauben will.
     
  14. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    Ohne UKIP und Camerons Wischiwaschi Kurs wäre das Votum wohl eindeutig für einen Verbleib. Die Aussicht aber, mit einem Verbleib gemeinsam mit England die EU verlassen zu müssen, hat den Gegnern des Verbleibs wohl immensen Auftrieb gegeben.

    Wird knapp.
     
  15. Keule

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    Die Zeit der großen Europäischen Nationalstaaten ist vorbei, die Zeit für ein Europa der Völker, zusammengefasst in der Europäischen Union, ist gekommen.

    Mein Vote ist klar:
     
  16. fabsi1977

    fabsi1977 Theoretiker

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    Aha, und das klappt ja heute schon ganz gut die einzelnen Interessen in der EU auf einen Nennern zu bekommen
     
  17. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Ich halt's da eher mit dem, was heute in einem spiegel.de-Artikel steht:

    Nationalismus und Kleinstaaterei gehören ins vergangene Jahrhundert. Das gilt auch, wenn sie von sympathischen Schotten vertreten werden. Niemand braucht eine Grenze quer über die Insel. So harmlos, wie er immer dargestellt wird, ist der schottische Nationalismus im Übrigen auch nicht: Der emotional geführte Wahlkampf hat hässliche anti-englische Gefühle mobilisiert.

    Seit dem 19. Jahrhundert haben wir es geschafft, in Europa immer mehr Grenzen abzubauen, was uns fast überall dauerhaften Frieden eingebracht hat.
    Mein Votum ist daher klar: Gegen Kleinstaaterei und neue Grenzen in Europa!
     
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  18. Keule

    Keule Geile Oma aus deiner Nähe

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    Bitte was? Der Zerfall der Sowjetunion und von Jugoslawien hat doch eine Kleinstaaterei eröffnet die es so selten gab...
     
  19. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Nur was am Rande:

    Bei 1live hammse heute morgen zwei deutsche Studenten in Schottland gefragt, was SIE wählen (dürfenseda nämmich).

    Eine davon sagte im Zusammenhang mit "alles Scheiße, Deine Elli" und "Yes", also weg von der Krone, etwas, was mich schockierte. Also googlete ich und fand das bestätigt:

    http://www.welt.de/vermischtes/article4494015/In-Glasgow-kommt-der-Tod-schon-mit-53.html
     
  20. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Ok, war natürlich mehr auf Westeuropa bezogen.
    Aber seltsamerweise sind doch die von dir genannten europäischen Regionen genau die, in denen der Frieden am unsichersten ist.
    Die Rückbesinnung auf Nationalismus und Regionalismus hat dort nur unnötig den Hass und die Unversöhnlichkeit geschürt.
    In anderen Worten: ein absolut abschreckendes Beispiel für den Rest Europas!
     
  21. Keule

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    Nur ist es ja bei Schottland in die andere Richtung. Es sind ja die Engländer die sich abspalten wollen vom Rest Europas. Die Schotten schotten sich ab damit sie nicht abgeschottet werden. Ganz einfach :D
     
  22. André

    André Foren-Capo Administrator

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    England oder Europa - Es kann nur einen geben. :starwars:
     
  23. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Weiß nicht, ob es dafür in England wirklich eine Mehrheit gibt. :suspekt:
     
  24. Keule

    Keule Geile Oma aus deiner Nähe

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    Es deutet sich zumindest an. Cameron spätestens jetzt politisch tot, Labour traue ich kein großes Comeback zu, der UKIP steht nichts mehr im Weg...
     
  25. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Dann ist es doch um so wichtiger, dass England nicht alleine bleibt, damit eine Mehrheit für Europa vorhanden ist.
     
  26. Oldschool

    Oldschool Spielgestalter Moderator

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    Habe gestern einen Bericht gesehen, bei dem die ewige Rivalität zwischen Rangers und Celtic auch damit erklärt wurde, dass die Rangers ihre royal gesinnte Einstellung nicht ablegen möchten. Sie huldigen dem Königreich und möchten in Grossbritannien bleiben.
    Celtic dagegen ist eher irisch katholisch orientiert, was man auch an den Vereinsfarben und den Trikots ablesen kann. Celtic würde sich auf jeden Fall vom Königreich loslösen. Unter deren Stadiondach im Celtic Park wird auch die grün weiss orangene irische Flagge gehisst, keinesfalls der Union Jack.
     
  27. Keule

    Keule Geile Oma aus deiner Nähe

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    War im Auslandsjournal. Gute Sendung, kam nach der CL...
     
  28. Oldschool

    Oldschool Spielgestalter Moderator

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    joa, stimmt, ich fand den Bericht auch sehr aufschlussreich. Bin nach der CL nur zufällig auf dem Sender geblieben. Danach kam Lanz mit u.a. Wontorra und Borowka. Möchte ich mich zu den dreien nicht weiter äussern, haben ja auch mit obigem Thema nichts zu tun.
     
  29. Schröder

    Schröder Problembär

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    Ich glaube eher, das dieser verordnete Einheitsbrei von geeintem Europa uns in die Krise stürzen wird. Ich zumindest wüsste nicht, warum ich mich einem Griechen mehr verbunden fühlen sollte als z. B. einem Australier. Und viele, die jetzt in Dänemark, England und Frankreich die Eurokritischen Parteien gewählt haben, wissen das wohl auch nicht. In Deutschland verzeichnet ja gerade die AfD enorme Erfolge. Wobei ich keine dieser Parteien wählen würde, ich kann mir nur nicht vorstellen, das deren Wähler alles rechte Spinner sind.
     
  30. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ich erkenne ja keinen Einheitsbrei den mir Europa verordnet aber es lässt sich sicher die eigene Wahrnehmung so konstruieren.

    Im Gegenteil vereinfacht es mir ein vereintes Europa ohne Grenzen, dass ich aus meinem gewohnten Umfeld recht einfach mal rauskomme.

    Wenn man aber nur in seiner Gegend lebt, da nie raus will und auch keinen Wert darauf legt, dass andere in diese Gegend kommen bzw. das gar nicht will, dann lehnt man den Gedanken sicher recht schnell ab.

    Die Meisten wissen ja wahrscheinlich nicht, dass viele ihrer als einzigartigen Traditionen und Erkennungsmerkmale von aussen herein getragen wurden.
    Schönes Beispiel ist der "schottische", kurze Kilt, den angeblich die sog. Highland Clans schon immer trugen. Völliger bullshit, den erfanden die Engländer und die Schotten übernahmen ihn. :D Das Karomuster ist desweiteren null und gar nicht ein jahrhundertealtes Erkennungszeichen der einzelnen Clans. Diese Legende haben auch die Ausrichter eines Besuchs des englischen Königs in Edinburgh Anfang des 19. Jhd. erfunden, weil sie den kurzen Kilt gerade cool fanden und auch die Engländer auf diesen Mystizismus der Highlands abfuhren und das dann einfach geschichtlich begründen wollten. Also mussten sie was erfinden. Sir Walter Scott, auch ein Schotte, unterstützte sie tatkräftig dabei :lachweg:
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 September 2014
    huelin und NK+F gefällt das.
  31. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Naja, beim Front National weiß ich es ziemlich genau, dass die Wähler überwiegend Rechte sind. Als Spinner würde ich sie allerdings eher nicht bezeichnen - dafür finde ich die Erfolge der Partei viel zu beunruhigend.