Warum Schüler unsinnig büffeln müssen – Brief eines Vaters an seine Tochter ...

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von faceman, 15 Dezember 2011.

  1. Schröder

    Schröder Problembär

    Beiträge:
    10.886
    Likes:
    971
    Vielleicht liegt´s eben daran, das sie nicht vieles lernen, sondern sich kurzfristig und nur für die Prüfungen jede Menge Stoff reinpauken müssen, was dann nach der Prüfung zugunsten des Stoffs für die nächste Prüfung wieder "rausfliegt". So fehlt´s dann halt manchmal auch an Wissen, das man eigentlich voraussetzen sollte. Es wird eben mehr für die Schule als für das Leben "gelernt", eine richtige Vertiefung des Wissens findet doch gar nicht mehr statt. Schade eigentlich, dabei ist mind. 50 % dessen, was selbst an einer Realschule gelehrt wird, später völlig unwichtig. Oder kennt noch jemand (außer er ist zufällig Chemiker) das Periodensystem auswendig?

    Schule sollte eine gute Allgemeinbildung vermitteln. Dazu gehören in 1. Linie Lesen, Schreiben, gewisse Grundlagen der Mathematik, Englisch (evt Französisch, obwohl ich trotz 2 Jahren Unterricht mir nicht mal mehr `ne Bratwurst in Frankreich bestellen könnte) und ein paar wichtige Informationen aus Chemie, Biologie, Physik, Geschichte und Politik. Dann natürlich Sport und Kunst gewissermaßen als Ausgleich. Eigentlich könnte man alles auch auf 8 Jahre Gesamtschulzeit eindampfen. Aber es wird einfach zuviel Blödsinn und Spezialwissen schon in der Schule gefordert. Warum muss ich wissen, wie die Hauptstadt von Madagaskar heißt? Oder alle 50 Bundesstaaten der USA kennen (einschließlich Lage)? Warum soll in der Schule Latein gelernt werden, was später vielleicht 5 % aller Schulabgänger benötigen? Wen interessiert später noch die Herzfrequenz eines Kolibris? Und den Logarythmus von 26 errechnet mein Taschenrechner 100 x schneller als ich.

    Wie gesagt: Lieber ein gesundes Basiswissen schaffen, das dann auch später noch abgerufen werden kann und nicht von immer neuen Informationen zugeschüttet wird. Die Ausbildung für den späteren Lebens-/Berufsweg sollte in den jeweiligen Lehrbetrieben erfolgen. Die Ausbildung kann dann ja um 1 Jahr verlängert werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 Dezember 2011
  2. Anzeige für Gäste


    um diese Anzeige auszublenden!.
  3. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

    Beiträge:
    6.855
    Likes:
    221
    Also ich kann das Periodensystem :p Sogar die Hauptstadt von Madagaskar kann ich dir nennen, aber in der Schule musst ich das beides nicht lernen. Latein habe ich freiwillig wählen dürfen, es bestand aber durchaus die Möglichkeit andere Fächer zu belegen und Latein nicht zu lernen.
    Genaugenommen musste ich das alles nicht lernen, was du da nennst. Keine Herzfrequenzen, kein Logarhytmen ohne Taschenrechner...

    Trotzdem hast du recht, dass man schon ein paar Sachen lernen muss, die viele später nichtmehr benötigen um ihr Leben zu bestreiten, aber zumindest im Gymnasium ist es auch so, dass vorallem das Lernen selbst gelernt werden soll, denn im Gymnasium sollen vorwiegend angehende Akademiker ausgebildet werden.
    Wie es auf der Realschule aussieht kann ich nicht wirklich beurteilen.
     
  4. Itchy

    Itchy Vertrauter

    Beiträge:
    7.908
    Likes:
    702
    Ich persönlich finde den Brief sehr gut, habe ihn auch bis zum Ende gelesen.

    Was er aber gar nicht erst aufgreift, ist die Tatsache, daß in unseren Schulen Massen an mehr oder weniger unnötigem Wissen, kaum aber mehr Bildung vermittelt werden, kurz ausgedrückt die Kunst, sein Wissen auch sinnvoll anzuwenden. Und sinnvoll heißt immer, auf der Grundlage des Gelernten, eigene Ideen und Gedanken zu entwickeln.
    Wobei, so ein wenig hat er diesen Ansatz im hinteren Teil des Briefes sehr wohl. Nämlich, daß wir auch über diese Form der "Bildung" stromlinienförmige, gleichgeschaltete Datenträger heranziehen. Schaut man sich in unserer Gesellschaft genauer um, dann haben eben diese Geschöpfe schon heute viel zu viel Macht und Einfluß.
     
  5. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    Ich habe den Brief zu einem Fünftel gelesen und die ersten 7 Kommentare und komme zu dem mich nicht erstaunenden Ergebnis, dass ich mir bei den ersten 7 Beitragsverfassern ziemlich sicher bin, wer Kinder hat und wer nicht.


    Das sollten die Kinderlosen einmal vorsichtig ins Kalkül ziehen.
     
  6. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

    Beiträge:
    43.737
    Likes:
    2.754
    Das Eltern bei dem Thema befangen sind und so keine wohlüberlegte, neutral-abwägende Haltung einnehmen können, das kann ich mir auch gut vorstellen.
     
  7. Schröder

    Schröder Problembär

    Beiträge:
    10.886
    Likes:
    971
    Und, hast du auf dem Gymnasium gelernt zu Lernen? Gab es dort ein Fach "Lernmethoden"? Oder war es nicht eben so, das es bei denen, die das hineingepresste Wissen irgendwie verarbeiten konnten eben behauptet wird, sie könnten lernen - und bei denen, die das nicht schaffen eben gesagt wird, die können nicht lernen?

    Das mit den Kolobris war nur ein Beispiel. Aber es gibt ja noch mehr. Ich habe keine Ahnung mehr von der Vererbungslehre, was da dominant ist und was nicht, und lebe immer noch. Mir sind auch die einzelnen Gesteinsschichten der Alpen egal. Mir würde es auch nix bringen, eine doktorreife Abhandlung des "Schimmelreiters" schreiben zu können (wobei, zumindest der Kelch ist an mir vorüber gegangen, da war unser Deutschlehrer derselben Meinung).

    Nö, brauch ich alles nicht. Dafür weiß ich, dass wenn man eine Zahl A durch eine Zahl B, die kleiner ist als 1 (und größer als 0, aber eine Division mit negativen Zahlen sowieso Unsinn), dividiert, das Ergebnis größer sein muss als A, auch wenn der Taschenrechner mal was anderes behauptet. Da hab ich mich dann wohl vertippt. Ich kann auch halbwegs unfallfreies Deutsch schreiben. Mein Englisch reicht zumindest soweit aus, das ich in einem fremden Land (außer Frankreich) nicht verhungern müsste. Ich kann sogar halbwegs einen Stromkreislauf erklären und weiß, wie ein Benzinmotor funktioniert. Ich kenne auch sämtliche Bundesländer mit ihren Hauptstädten (und zumindest die meisten Hauptstädte in Europa).

    Das sind Sachen, die man im Alltag mal brauchen kann oder zumindest zum Allgemeinwissen gehören sollten. Das sollte in der Schule gelehrt werden, solange, bis auch der Letzte es nicht nur für eine Klassenarbeit auf´s Papier bringen kann, sondern auch wirklich verstanden hat.

    Akademiker sollten nicht am Gymnasium, sondern an den Unis ausgebildet werden. Dafür sind die da.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 Dezember 2011
  8. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    Das ist Quatsch.

    Eigentlich gefiel mir Dettis 1. Kommentar so gar nicht, weswegen ich mir unmittelbar die nächsten 5 auch noch angesehen habe und danach von der von mir mitgeteilten Einteilung gesprochen habe, die hisichtlich Deiner Person offenbar auch richtig ist ;) (Du warst die einzige Unbekannte).

    Mehr habe ich nicht gesagt, nicht sagen wollen und bisher auch nicht sagen dürfen, weil ich mir dann den Brief in Gänze hätte durchlesen müssen.

    Eine Passage des Briefes ist mir aber jetzt noch in Erinnerung. Die wo es sinngemäß hieß, dass das Leben der Erwachsenen von Terminen, Hast und Stress begleitet ist.

    Auch der neutralste Supervisor kann nicht verhehlen, dass das nicht spurlos an den Kindern vorbeigeht. Man mag es als Übung für ihr Leben ansehen. Aber mit Kindheit hat sowas nun einmal gar nichts gemein.
     
  9. Gablonz

    Gablonz Well-Known Member

    Beiträge:
    1.677
    Likes:
    82
    Und was willst Du uns (Eltern, aber auch Kinderlosen) damit sagen?
     
  10. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    Vielleicht, dass es Astrid-Lindgren-Romantik oder etwas, was dem nahe kommt, vor 30 Jahren noch gegeben hat?
     
  11. Gablonz

    Gablonz Well-Known Member

    Beiträge:
    1.677
    Likes:
    82
    Und um das erkennen zu können muss man nun Kinder haben oder nicht oder über 30 sein?
     
  12. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    Mir fällt in jedem Fall eines auf:

    Die Kinderlosen knüpfen mit ihren Kommentaren vorwiegend an der hierzuländigen Schulpolitik an. Das ist aber nur ein Aspekt des Briefes.

    Darüber steht - jedenfalls nach meinem Verständnis - die "Hilflosigkeit" des Alten, seiner Tochter nicht das geben zu können, was er früher hatte, weil er selbst auf Stress gebügelt ist und nicht mehr recht unterscheiden kann oder will, wo das richtige Maß an Freiheit für seine Tochter liegt. Auf mich wirkt er hin- und hergezogen zwischen den kindlichen Bedürfnissen, die er gerne einräumen will, und der Erfüllung der vorgegebenen Ziele, die er nicht als richtig ansieht, sie aber als gegeben hinnehmen muß.

    DAS ist nach meiner Auffassung die Kernaussage.

    Und die teile ich (nahezu) in Gänze, unabhängig davon, welches Schulsystem dem Ganzen zugrunde liegt, und hin- und hergezogen können an dieser Stelle wohl nur Eltern sein.

    Die Anderen können nur Empfehlungen aussprechen.
     
  13. Gablonz

    Gablonz Well-Known Member

    Beiträge:
    1.677
    Likes:
    82
    Verstehe. Werde mir den (bisher nur überflogenen) Brief mal zur Gänze durchlesen.

    Nachtrag: Habs zwar immer noch nicht komplett gelesen, aber eines steht als Prolog (vom Briefeschreiber selbst?) oben drüber:
    "Ich wünsche allen unseren Kindern, aber auch den Eltern und Lehrern, dass wir unser Bildungssystem so umgestalten können, dass ein gesundes geistiges und soziales Wachsen die Regel wird!"

    Sieht er dann wohl selbst den Kern seines Briefes in der Diskussion über die (hierzuländige) Bildungspolitik? Falls ja, ist in der etwas provokanten Replik Holgys sicher was Wahres.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 Dezember 2011
  14. Rupert

    Rupert Je suis soleil

    Beiträge:
    36.159
    Likes:
    3.172
    Da sage ich mal als der besserwisserische Kinderlose, der dazu ja nichts sagen darf:

    Naja, wenn er sich's von der Seele schreiben wollte, bitte. Ich hoffe es hilft, dass er dann auch mal Aktionen ergreifen kann für seine Tochter in der Beziehung.
     
  15. Itchy

    Itchy Vertrauter

    Beiträge:
    7.908
    Likes:
    702
    Wenn es hauptsächlich um seine eigene Hilflosigkeit geht, dann habe ich das Ganze aber falsch verstanden. Letztlich liegt es in der Hand jeder Eltern, den Kompromiss zu finden zwischen den Erfordernissen der Schule und denen, die man selbst darum sieht. Der Autor selbst zitiert einen Professor, der in seiner aktiven Zeit zweimal sitzengeblieben war. So bequem, als daß er sich der Hilflosigkeit gegenüber dem System ergehen würde, erscheint mir der Schreiberling nun nicht.
    Denn der wichtigsten Erkenntnis, daß es zur "Menschwerdung" mehr braucht als das, was Schulen einem Kind mitgeben können, gibt er in seinem Brief breiten Raum und auch die Essenz des Textes, daß eigene Erfahrungen, das Ausleben eigener Kreativität für die Entwicklung eines Kindes das Relevanteste sind, spricht nicht unbedingt für Hilflosigkeit.
    So es dann auch gelebt wird.
     
  16. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    DAS habe ICH überlesen.

    Dann ist er wohl auch nur einer, der die Schuld im Kleinen (Bildungspolitik) statt im Großen (Selbstruinöse Beschleunigung) sieht ;) .
     
  17. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    Du darfst IMMER was sagen. Wie jeder. Du gestehst ja auch zu, dass ich meine eigene Sichtweise haben darf und ich manchen nur mal den Blick durch Elternbrille anraten wollte.
     
  18. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

    Beiträge:
    17.896
    Likes:
    2.980
    Wenn Du mir jetzt noch die Stelle zeigst, an der beschreibt, wie er diesen Spagat löst, könnte ich mit Dir gehen.

    Also doch hilflos, oder?
     
  19. Gablonz

    Gablonz Well-Known Member

    Beiträge:
    1.677
    Likes:
    82
    Kommt m.E. ein bisschen darauf an, auf was geblickt wird. Zumindest bei der Schul- / Bildungspolitik denke ich, dass diese Brille den Blick manchmal eher trübt, denn schärft.
     
  20. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

    Beiträge:
    6.855
    Likes:
    221
    Die Grundlage für die akademische Ausbildung ist aber nunmal das Gymnasium. Dafür ist es da. Vernünftig Lernmethoden zu vermitteln ist eigentlich die Aufgabe aller Lehrer, leider sind die meisten dazu nicht in der Lage.
     
  21. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

    Beiträge:
    15.469
    Likes:
    986
    ... bzw. sind die Voraussetzungen zum erfolgreichen Vermitteln nicht vorhanden.
     
  22. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

    Beiträge:
    6.855
    Likes:
    221
    Das wird nichts, jedenfalls nachdem was man von Eltern immer zuhören bekommt, nämlich dass sich alls ändert wenn man ein Kind bekommt. Und so ist es dann auch schwer sich da reinzudenken.
     
  23. Itchy

    Itchy Vertrauter

    Beiträge:
    7.908
    Likes:
    702
    Die Antwort gibt er nicht direkt - zugegeben. Aber im Gesamtkontext lese ich da doch heraus, gib Deinem Kind die Chance, sich selbst zu entfalten - Stichwort "Langeweile". Ob er den Mut hat, lässt er offen.

    Noten sind mir bei meinem eigenen Kind zwar nicht egal, aber mir ist es wichtiger, daß ich das Gefühl habe, es versteht, was es gelehrt wird und maßt sich mitunter auch an, gewisse Inhalte für weniger wichtig zu erachten. Auch wenn es im Ergebnis nicht immer richtig ist, bleibt Denken wichtiger als Wissen.
     
  24. Itchy

    Itchy Vertrauter

    Beiträge:
    7.908
    Likes:
    702
    Falsch, Aufgabe des Gymnasiums sollte es sein, eine möglichst breite Allgemeinbildung zu vermitteln, die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken. Gerade das verkümmert mehr und mehr. Zum Fachidioten sollte sich jeder erst dann erklären, wenn er die Reife besitzt, dies zu seinem Lebensinhalt zu machen. Nicht dazu gemacht werden.
     
  25. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

    Beiträge:
    6.855
    Likes:
    221
    Ich habe nichts Gegenteiliges behauptet, warum also genau "falsch"? Die Grundlage für eine akademische Laufbahn ist eine solide Basis an Allgemeinwissen und noch viel mehr die Fähigkeit in Zusammenhänge zu denken.
    Als Ziel sollte da aber eigentlich ein Studium stehen, ansonsten braucht man kein Gymnasium (ja ich weiß, die Unternehmen sehen das anders...)
    Dass es dabei teilweise auch ein Stück über die Allgemeinbildung hinausgeht (insbesondere dann in den Klassen 11 und 12) ist aber auch ganz normal, denn irgendwann muss man das richtige Lernen lernen und das geht nur praktisch (unterstützend sollten natürlich Methoden beigebracht werden), denn auf der Uni hat man dafür nichtmehr die Zeit, da gehts sofort oder spätestens nach einem Semester in die Vollen.
     
  26. SaintWorm

    SaintWorm Bolminator Moderator

    Beiträge:
    10.150
    Likes:
    182
    Mir gefällt der Brief. Er mag etwas romantisch überfrachtet sein, aber er beschreibt recht gut, was viele Pärchen in meinem Umfeld, die (schon) geworfen haben, fühlen. Das mag man weinerlich nennen, weil man ohne lernen durch's Gymnasium kam (was ich auch geschafft habe), aber deren Realität trifft er.
     
  27. Detti04

    Detti04 The Count

    Beiträge:
    11.633
    Likes:
    1.390
    Hat es das wirklich? Sollen wir uns die bekanntesten Buecher mal ansehen?

    - Pippi Langstrumpf: Lebt alleine in einem Haus, weil der Vater als Koenig einer Pirateninsel (oder irgendsowas) komplett abwesend ist. (Eine Mutter gibt es erst gar nicht.) Waere das ein Vorbild, nach welchem Du Deine Vater-Kind-Beziehung gestalten moechtest?
    - Michel aus Loenneberga: Spielt am Ende des 19. Jahrhunderts bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Das war also vermutlich schon ein ueberromantisierter Blick zurueck, als Astrid Lindgren diese Buecher in den 60-ern schrieb.
    - Ferien auf Saltkrokan: Eben - Ferien. Hat mit dem Alltag vermutlich wenig zu tun.
    - Wir Kinder aus Bullerbue: Spielt in einem Dorf aus 3 Haeusern und in den 40-er Jahren. Ich glaube kaum, dass es viele Kinder gibt, die in aehnlicher Abgeschiedenheit aufwachsen.

    Zusammengefasst: Wenn das in irgendeiner Weise mit dem uebereinstimmt, was Du in Deiner Kindheit erlebt hast, dann bist Du in einer Gegend aufgewachsen, die noch mehr hinterm Mond war als das Hochsauerland. Das halte ich aber fuer nahezu unmoeglich.

    ---

    Es ist uebrigens absolut okay, dass Dir mein 1. Posting in diesem Thread sauer aufstiess, denn der Beitrag richtete sich ja durchaus gegen Eltern. Im Umgang zwischen Eltern, Kindern und Schule passt mir so manches nicht, und das liegt nicht nur an den Schulen. So kann ich echt nicht nachvollziehen, wieso Eltern mit ihren Kindern zusammen lernen (bzw. bueffeln); ich wuesste nicht, dass in meiner Kindheit irgendwelche Eltern das mit ihren Kinder getan haetten, viele haetten es ja ohnehin nicht gekonnt. Wenn der Lernerfolg des Kindes langfristig ausblieb, dann blieb es eben sitzen oder ging vom Gymnasium ab und auf die Hauptschule - fertig. Ich glaube nicht, dass die Eltern dabei (in der Regel) das Gefuehl hatten, dass sie deswegen als Eltern versagt und/oder ihrem Sproessling damit den Rest seines Lebens verbaut haetten.

    Heutzutage scheint mir das anders. Wenn ich sehe, welchen Aufwand Eltern treiben, damit der Nachwuchs schon in der Grundschule eine gute Note bekommt, dann passt da was nicht. Da werden von Kind und Eltern(teil) Wochen damit verbracht, ein Herbarium zusammenzusuchen - wofuer? Damit der oder die Kurze eine 1 statt vielleicht nur einer 2 (oder - Gott bewahre! - einer 3) bekommt? Klar, mit der Einstellung bueffelt man dann auch 5 Jahre spaeter mit dem Kind spanische Vokabeln, damit es in Spanisch irgendwie durchkommt. Zur Not auch jahrelang.

    Vielleicht muessen sich Eltern schlichtweg entscheiden, was sie fuer ihr Kind wollen:
    - Eine moeglichst gute Vorbereitung auf das Leben? Moeglichst gute Karrierechancen? Dann muss eben ein moeglichst guter Schulabschluss her, und es muss gebueffelt werden. Es muss sogar dann gebueffelt werden, wenn das Kind eh schon talentiert ist, denn es soll ja maximaler Erfolg her.
    - Eine moeglichst stressbefreite (="glueckliche") Kindheit? Mit viel Zeit fuer Spiel, Spass und Alberei? Dann kann das Bueffeln eben ausbleiben, aber man mag sich dann spaeter auch nicht darueber beschweren, dass der (inzwischen erwachsene) Nachwuchs gar nicht mal so dolle Berufsaussichten hat.

    Beides zusammen geht wohl nicht, zumindest nicht in den Extremausfuehrungen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20 Dezember 2011
  28. Itchy

    Itchy Vertrauter

    Beiträge:
    7.908
    Likes:
    702
    Die Grundlage sollte sein, ist es aber nicht, daher falsch. Ich habe es tagtäglich mit Akademikern zu tun und stets ist Fremdschämen angesagt. Nicht jeder muß alles wissen und kennen, aber wie häufig da sieben oder acht von zehn etwas nicht wissen oder nicht in der Lage sind, Zusammenhänge zu erkennen, Ursache-Wirkung zu erklären sobald es über zwei Komponenten hinausgeht, ist schon erschreckend.
    Und der Fehler ist nicht neu. Ich rede von Leuten aus mehr oder weniger meiner Generation. Und früher war es auch nicht unbedingt besser seitens der Lehrenden, es war vielleicht einfacher, da der Gesamtumfang des Stoffes geringer war.
     
  29. kleinehexe

    kleinehexe SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16

    Beiträge:
    21.782
    Likes:
    2.032
    Ich finde es auch enorm wichtig darauf zu achten was mein Kinder für Fähigkeiten, Talente und Interessen hat. Das sollte nämlich nicht zu kurz kommen. Muss ja auch nicht jeder studieren.
    Eine solide Ausbildung sollte es schon sein, und dafür sollte der Schulabschluss eben vorzeigbar sein. Andererseits wenn sie halt vergeigen haben sie ja immer noch die Möglichkeit Abschlüsse nachzuholen.
     
  30. André

    André Foren-Capo Administrator

    Beiträge:
    43.846
    Likes:
    2.739
    Die Erfahrungen teile ich. Bei manchen fragt man sich echt, wer denen morgens die Schuhe bindet.

    Viele Akademiker mit denen ich bisher beruflich zu tun hatte waren totale Fachidioten. In Ihrem Bereich sicher toll, kennen jede Formel auswendig, im wahren Leben für nichts zu gebrauchen.

    Allgemeinwissen oftmals gar nicht da. Besonders in allgemeinen Lebenssituationen. z.b. wenn aktuell was passiert und improvisiert werden muss. Dann fällt denen meist gar nichts ein, vermutlich weil sie nicht praxisnah denken können?! :weißnich:

    Wenn es mal auf eine After-Work Party ging, dann wurden sie gleich unsicher. Andere Gesprächsthemen außer dem fachlichen: Fehlanzeige.

    Es gibt zum Glück aber auch andere, die akademisch Ihren Horizont erweitert haben und sich trotzdem im normalen Leben zurechtfinden, die locker geblieben sind und sich nicht wie ein Roboter verhalten. :top:

    Ein guter Freund von mir studiert bereits seit einigen Jahren und hat mir meinen Eindruck kürzlich nochmal bestätigt. Er meinte mit ca. 75 % seiner Kommilitonen sei menschlich absolut nichts anzufangen.

    Wobei natürlich auch diese Zahl nicht absolut ist. Es gibt sicher auch Jahrgänge oder Unis wo die Quote bei 25% liegt.
     
  31. Rupert

    Rupert Je suis soleil

    Beiträge:
    36.159
    Likes:
    3.172
    So ein Schmarrn, echt. 75%.
    Das hiesse in einer Stadt wie München, dass über 75.000 vorwiegend junge Menschen zwischen 20 und 30 zwischenmenschlich zu nix zu gebrauchen wären.

    Käse, nichts als Käse.
     
    klopp <3 gefällt das.