Warum Schüler unsinnig büffeln müssen – Brief eines Vaters an seine Tochter ...

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von faceman, 15 Dezember 2011.

  1. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Warum Schüler unsinnig büffeln müssen – Brief eines Vaters an seine Tochter zur Erklärung « Der Mensch – das faszinierende Wesen

    Ohje, wie wahr, es gibt so viele gute Ansätze in diesem Brief, dass man gar nicht weiss, wo man eigentlich anfangen sollte. Man kann nur hoffen, dass dies an den richtigen Stellen ankommt und auch ernst genommen wird. Alleine daran mangelt mir wiederum der Glaube. Von den Oberen dürfte kaum jemand Zeit haben, sich dies durchzulesen, geschweige denn darüber nachzudenken, zu verstehen und Veränderungen herbeizuführen. Ich werde diesen Brief meiner Tochter zeigen, ich hoffe bzw. bin fest davon überzeugt, dass sie versteht.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
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  3. Detti04

    Detti04 The Count

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    Ich hab zwar Zeit, den Artikel durchzulesen, aber nach Lektuere von etwa einem Fuenftel keinen Bock mehr. Dafuer hab ich aber womoeglich eine Antwort auf die Frage, warum Schueler unsinnig bueffeln muessen: Womoweglich ist das schlichtweg ein Zeichen dafuer, dass der Schueler auf einer Schulform ist, auf die er nicht gehoert. Meistens ist dieser Schueler auf dieser Schulform, weil die Eltern nicht damit leben koennen, dass der grossartige Nachwuchs bei genauer Betrachtung vielleicht doch kein Material fuer das Gymnasium ist.

    Ich selber hab uebrigens nicht bueffeln muessen, hatte aber trotzdem vermutlich weniger Freizeit als die meisten Schueler es heutzutage haben. Der Grund dafuer ist einfach: Ich bin auf dem Land aufgewachsen, und wir hatten (ein bisschen) Landwirtschaft.

    Summa summarum: Ich halte die Klage fuer weinerlich. Ausserdem scheint der Autor einem Ideal von gluecklicher Kindheit anzuhaengen, welches es ausserhalb von Astrid Lindgren-Buechern und -Filmen nie gegeben hat.
     
    klopp <3 gefällt das.
  4. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    ... und in den Sekundarschule ist das heutzutage anders? Mehr Schulformen gibt es ja gar nicht mehr, zumindest nicht hier in Berlin. Und wenn ich sehe, wie die strukturiert sind und was getan wird um Jugendlichen Informationen einzuhämmern (Stichwort: Kurzzeitgedächtnis - auswendig lernen), dann muss ich mich über viele Symptome bei Jugendlichen gar nicht wundern. Das Lernen erlernen hat man zumindest mir früher noch in der Schule beigebracht. Heute höre ich in Schule nur noch, dass "die Jugendlichen der Informationsweitergabe folgen müssen, sonst bleiben sie eben liegen" (O-Ton).
    Und dennoch hätten die Schüler keine Zeit mehr, wie Du früher arbeiten zu gehen, gerade nicht jene, die etwas mehr tun müssten. Und nein, ich halte die Klage nicht für weinerlich, sondern durchaus als Punkt, über den so mancher mal nachdenken sollte.
    Aber ok, Du schriebst ja "Meistens". Das ist ja relativ.
     
  5. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ging mir schon nach dem ersten Absatz so, wo ich mir dachte "Weia, wann kommt der jetzt wohl zum Punkt, wenn er so anfängt?" und da scrollte ich dann runter und sah, dass der Brief ja gefühlte 20 Seiten lang ist. Hab's dann gelassen weiterzulesen.
     
  6. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Detti: Ich weiß tatsächlich nicht, ob ich als Kind glücklicher war als z.B. mein Sohn jetzt. Aber eines weiß ich sicher: er muss mindestens dreimal soviel für die Schule arbeiten wie ich damals. Das hier trifft es in meinem Falle jedenfalls schon ganz gut:

    "Dass ich nachmittags allenfalls vor dem Abitur so viel gelernt habe wie Du jetzt in der fünften Klasse, und niemals auf dem Weg ins Kino."

    Hab den Artikel aber auch nicht zu Ende gelesen.
     
  7. kleinehexe

    kleinehexe SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16

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    Der Brief ist sehr lang, das stimmt, aber ich finde er macht so manche Unterschiede von früher (meine Schulzeit) und jetzt deutlich. Ich kann mich erinnern, dass in meiner Grundschulzeit noch Zeit war, dass die Schüler die langsamer waren eben mehr Zeit bekommen haben, auch wenn sich dann die Schüler die schneller lernten stellenweise gelangweilt haben. Heute ist es eher so, dass die langsamen Schüler einfach auf der Strecke bleiben im Unterricht weil der Stoff so dicht ist, dass die Lehrerin eben nicht einfach mal eine Stunde Zeit für die schwächeren Schüler hat.
     
  8. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

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    Meine Schulzeit ist ja jetzt noch nicht solange her, aber in meinem Freundeskreis, war das Lernen am Nachmittag auch nicht besonders verbreitet und wenn dann nur von den Eltern forciert. Ich und auch der Großteil meiner Freunde sind trotzdem gut durchs Abi gekommen.
    Insofern müsste ich Detti eigentlich recht geben, aber ich bin der Meinung, dass die Schule viel zu zeitig beginnt (Tageszeit ist gemeint) und dass der Notendruck nicht förderlich ist.
     
  9. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ich seh's so:
    - G8 einführen ohne das 9 Jahres Programm zu entschlaken ist natürlich mal grandioser Mist.
    - Nachwievor ein Schulsystem zu haben, wo das Klassenziel der Normalverteilung folgt und keinem Lernziel ist zwar effizient aber fördert eben nicht.
    - Seine Kinder auf Teufel komm raus auf's Gymnasium bringen zu wollen, macht die Kinder fertig und auch die Gymnasien.
    - Das Abitursystem passt nicht mehr zum Bachelor-/Mastersystem - ausser der Tatsache, dass es eben jetzt 1 Jahr kürzer ist.
     
  10. Detti04

    Detti04 The Count

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    Kino? Da geht's ja schon los. In meiner ganzen Schulzeit war ich bestenfalls fuenfmal im Kino - wie gesagt, ich komme vom Land. Aber das ist ja nicht der Punkt, zugegeben.

    Sicher laeuft in der Schule Einiges falsch, aber das ist ja nichts Neues. Neu oder zumindest relativ neu dagegen ist, dass alle Welt (und damit jeder Vater und jede Mutter) meint, dass jeder Schueler Abitur machen oder zumindest aufs Gymnasium gehen muss. Man muss sich nur mal die Abiturientenquoten ansehen, d.h. den Anteil der Abiturienten pro Jahrgang:

    1972: 15%
    1985: 28%
    1992: 31%
    2002: 38%
    2008: 45%

    Glaubt doch keiner, dass es normal sein kann, dass fast die Haelfte aller Schueler den hoechstmoeglichen Schulabschluss erreichen kann. Das geht nur, wenn a) die Anforderungen an diesen Abschluss sinken (was sie vermutlich tun) und b) auch noch der letzte, auch nur halbwegs geeignete Schueler zu diesem Abschluss gepaukt wird. Kein Wunder, wenn dann viele, naemlich die schwaechere Haelfte oder das schwaechere Drittel dieser 45%, sich durch die Schule ueberfordert fuehlen bzw. schulbezogene Probleme haben.
     
  11. andon

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    Es geht doch bei dem Brief nur um Entwicklungen im Bildungssystem, speziell die flächendeckende Einführung des G8, die letztlich nur zwei Gründe hatte, einen vorgeschobenen, die "Wettbewerbsfähigkeit", und einen realen, das Sparpotential.

    Bei beidem könnt ich kotzen!
    "Wettbewerbsfähigkeit" ist mittlerweile immer dann gegeben, wenn der Einzelne für den unternehmerischen Erfolg zurück bleibt, daher auch die Anführungsstriche. Wettbewerbsfähigkeit im Bildungssystem dadurch erreichen zu wollen, dass ich den Stoff, den ich seit jeher in 9 Jahren vermittele, jetzt in 8 vermitteln soll, ohne dass der auch nur annähernd ernsthaft entrümpelt wurde, ist und bleibt für mich der blanke Hohn, lässt sich aber nicht zurückdrehen. In Zwischentönen wird auch angesprochen, dass der Leistungsdruck für Lehrer u.a. darin besteht, ja nicht zu gute Ergebnisse in Klassenarbeiten zu haben, der Leher wird also nciht in seiner Arbeit bewertet, sondern darin, ob er ausreichend das Aussieben befördert. ich könnte mich da jetzt länger auskotzen, will aber nicht noch einen Brief schreiben :D. Schließlich bin ich ja auch noch nicht Vater.

    Das Sparpotential treibt mir dann aber noch mehr die Zornesröte ins Gesicht: wie oft darf man Politiker-Geschwafel von der Bildung als höchstem Gut hören. Klingt besonders dann glaubwürdig, wenn einer der größten Umverteilungsprozesse vom Staat zum Einzelnen, und hier vor allem zu sozial Schwächeren, die ihren Kindern dennoch eine Chance geben wollen, mit Einführung des G8 gestartet wurde. Während noch vor 10-15 Jahren Nachhilfe so nebenher lief, in erster Linie von älteren Mitschülern oder gar Lehrern privat angeboten wurde, ist da heute ein neuer, florierender Wirtschaftszweig entstanden. Während früher wirklich nur die Schwächeren in einer KLasse, oder diejenigen mit Schwächen in einem bestimmten Segment, Nachhilfe bedurften, liegt die Quote heute nach verschiedenen Angaben bei einem Drittel bis zur Hälfte einer durchschnittlichen Gymnasialklasse. Das kann man jetzt überheblich den Eltern vorwerfen, ich persönlich glaube aber nicht, dass sich die Eltern vor 10 oder 20 Jahren so stark von den jetzigen unterscheiden.

    An dem Brief ist verdammt viel Wahres dran, sicherlich das ein oder andere auch überspitzt, aber vieles gut auf den Punkt gebracht.
     
  12. Detti04

    Detti04 The Count

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    Es gibt nunmal Sachen, die kann man nur Lernen, weil es da nix zu verstehen gibt, z.B. Vokabeln. Das Kurzzeitgedaechtnis hilft dabei aber natuerlich nur bedingt bzw. ist dabei nur die erste Stufe. Fuer mich war eine Busfahrt (10 Minuten) uebrigens lang genug fuer eine Lateinlektion (30 Vokabeln), wenn ich mir diese am Tag vorher auch schon mal angesehen hatte (ohne vorheriges Anschauen ging nur eine halbe Lektion). Das war natuerlich alles nur Kurzzeitgedaechtnis, deshalb war ich in Vokabeltests immer richtig gut, in echten Arbeiten, welche einen laengeren Zeitraum abdeckten, aber nur so lala. Soll heissen: Informationen, die man nur im Kurzzeitgedaechtnis abspeichert, sind nicht wirklich gelernt; ohnehin sind Konzepte und deren Verstaendis natuerlich wichtiger als nackte Daten. (Weil ich das schon immer so sah, war ich auch in Geschichte nicht sonderlich gut: Daten auswendig lernen? Ich? Soweit kommt's noch!)
     
  13. lenz

    lenz undichte Stelle

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    Ich habe bis heute nie richtig gebüffelt, war mir immer zu blöd. Deshalb schwankten meine Noten von Physik, Mathe und Philosophie bis zu Französisch und Latein natürlich gewaltig... In Geschichte hat unser Lehrer immer zwei Teile gemacht: einen Daten-Teil (da musste man tatsächlich Daten gebüffelt haben, was ich natürlich nie gemacht habe), und einen Verständnis-Teil. Da konnte man ein schönes Essay schreiben. So war ich in Geschichte trotzdem immer gut...
     
  14. andon

    andon Glubbsau

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    Ich bin überrascht von dem immer noch relativ großen Unterschied zwischen 2002 und 2008, frühere Jahre mit jetzt zu vergleichen ist m.E: Äpfel mit Birnen vergleichen. Dennoch wär ich interessiert an ner Quelle, weil ich jetzt mal unterstelle, dass dieser Anstieg in erster Linie durch die Fachabiturientenquote bedingt ist.

    Edit: Wiki, gell? da wirds leider nicht klar, bzw. sind es Studienberechtigtenquoten, also mit Fachabitur. Was mir gerade auch noch aufgefallen ist: in einigen Ländern gab es 2008 noch keine G8-Abitur-Jahrgänge.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 Dezember 2011
  15. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Beispiel Geschichte - ich hab Geschichte echt gern gehabt:

    In dem Augenblick, wo man natürlich nur Kapitel 3 "Der französische Absolutismus" zweimal in der Woche aufschlägt, wird's härter, denn dann bleibt einem ja fast nix anderes übrig als die paar Seiten dann zu lesen und versuchen sich die Eckdaten ins Hirn zu schaufeln.

    Befasst man sich mit dem Louis dagegen in einem größeren Zusammenhang: Wo kam der her? Wie kam's dazu? Wohin führte das? Was machten denn andere Nationen? Dann wird's einfacher und v.a. auch spannender - ein Interesse daran vorausgesetzt natürlich :D

    Kein Interesse --> immer Büffelei ums irgendwie zu packen, egal welches Fach.
     
  16. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Korrekt, das ist der Prozentsatz der Studienberechtigten. --> Wiki

    Die Zahl der Absolventen mit der "allgemeinen Hochschulreife" liegt um ca. 15% drunter und rat mal, wo sie mit Abstand am Geringsten ist?
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 Dezember 2011
  17. andon

    andon Glubbsau

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    Das bestreitet ja auch niemand, aber wenn für Zusammenhänge, die ein Interesse wecken könnten, heute keine Zeit mehr ist, muss selbiges erstmal entstehen.
     
  18. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Wenn ich mal ganz ätzend darf:

    Wäre ich jetzt in der sog. "Führungsschicht" dieses Ländchens, dann habe ich doch gar kein Interesse daran, dass es ein förderndes und sozial abgestimmtes Bildungssystem gibt für das ich selbst auch noch zur Kasse gebeten werde und das es meinem Nachwuchs nur schwerer macht sich zu differenzieren.
    Ich kriege ja meine Spößlinge dahin, dass sie ein Abitur erreichen aufgrund meines finanziellen Riesenvorteils gegenüber den anderen.
     
  19. Keule

    Keule Geile Oma aus deiner Nähe

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    So, werd' ich als noch Betroffener des Schulsystems auch mal. Ich hab mich etwa 6 Absätze durch das Zeug gequält um dann auch nach dem scrollen zu merken: Nein, ich hab zwar Zeit, aber ich wollt schon vor 11 im Bett sein.
    Aber da sind wir auch schon beim Punkt, ich habe Zeit. Sicher ist es sehr nervig und manchmal auch ansträngend morgens im Dunkeln raus zu gehen um im selben Umweltzustand wieder zu Hause an zu kommen nach dem man 11 Stunden außer Haus war, aber danach mach ich ungefähr nichts. In Ausnahmefällen, wie zum lernen eines Gedichtes oder einer besonders langen Lektion an Vokabeln muss ich dann auch mal 2 Stündchen opfern, aber das was der Vater in diesem Text beschreibt war bei mir nie der Fall und lässt nur den Schluss von Detti zu eine andere Schule zu wählen, wenn auch die Regionalschule, wie sie bei uns heißt, nicht hilft gibt es auch noch genug alternative Schulsysteme um auf die Frage von Face zu antworten.
    Dennoch hat der Vater in diesem Brief teilweise den Nagel auf den Kopf getroffen, deshalb ist es meiner Meinung nach eben kein weinerliches Klagen, sondern gesammelte Erfahrungen. Besonders die Abschaffung der 13. Klasse ist relativ belastend, ich habe hier ja die Umstellung mitgemacht, war auch im letzten Jahrgang der bereits in der 5. Klasse auf das Gymnasium durfte, nun ist das erst nach der 6. der Fall, also ich bin eine Art Versuchskaninchen des Bildungsministeriums. Während man bis zur 7. Klasse - das Jahr des letzten Dreizehnerjahrgangs - noch entspannt irgend wo mit Freunden hin gehen konnte nach der Schule ist das danach kaum noch möglich gewesen, weil viele eben nicht das Glück haben auch ohne wirkliches Lernen durch die Schule zu kommen. Viele sind über die Jahre auf der Strecke geblieben, nach Aussagen einiger meiner Lehrer deutlich mehr als vor der Umstellung. Natürlich ist es auch für die Lehrer eine noch stärkere Beanspruchung, denn der Tag eines Lehrers endet nun mal auch nicht mit dem Klingeln.
    Hinzu kommt ein wirklich massives Problem des Schulwesens in Deutschland, die Kinder werden einfach mit Wissen voll gestopft! Bisher hat mir noch kein Lehrer Fragen nach dem Sinn so einiger Fächer beantworten können. Mir war schon seit Jahren klar, dass ich entweder Informatik oder Politik anstrebe, musste aber dennoch meine Zeit mit Biologie vergeuden, durch das mangelnde Interesse an diesem Fach wäre ich auch 2 mal beinahe sitzen geblieben (8. und 10. Klasse). Ich habe besonders im letzten Jahr keinen Sinn darin gesehen, etwas für ein Fach zu lernen was ich kurz darauf abwähle. Genauso wird es wohl auch angehenden Ärzten gehen, die sich mit Kunst quälen oder an Französisch verzweifeln. Es wird uns Schülern über Jahre aufgezwungen uns Wissen an zu eignen was wir nie wieder brauchen und dann auch noch tatsächlich auf eine Art und Weise, dass man es bereits kurz nach dem Test vergessen hat. Man könnte jetzt bemängeln, dass wir Schüler dann auf eine falsche Art lernen, aber nur so ist es möglich in den kurzen Zeiträumen die für ein Stoffgebiet veranschlagt sind auf Ergebnisse zu kommen, ein ausführliches Überdenken ist an 2 Nachmittagen kaum möglich, außerdem ist Schule sowieso zu bloßem Ergebnissport geworden. In der Grundschule entscheiden die Ergebnisse über die weitere Schullaufbahn, im Gymnasium über den Studienplatz und die Ergebnisse an der Uni sollen mir dann einen möglichst guten Job ermöglichen. Gelernt habe ich während dessen wenig bis nichts, wobei das nach meinem Empfinden in der Oberstufe etwas besser geworden ist. Es ist die traurige Realität, dass ich trotz 10 Punkten im in wenigen Tagen endenden ersten Semester in Mathematik nicht im Stande bin Achtklässlern bei den Hausaufgaben zu helfen und damit bin ich absolut keine Ausnahme.
     
  20. Keule

    Keule Geile Oma aus deiner Nähe

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    97% der Finnen und 91% der Iren sind Studienberechtigt..? :suspekt:
     
  21. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Deren Schulsystem hat auch nicht den Sinn auszusieben, wie es in Deutschland der Fall ist, sondern den Menschen etwas beizubringen. Und das gelingt eben in 91% bis 97% der Fälle, wenn man es nur will und entsprechend umsetzt.
     
  22. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Das ist aber nicht nur ein Problem in Deutschland. Ich weiß es auch aus anderen europäischen Ländern: die Paukerei hat überall zugenommen. Ist also nicht nur ein deutsches Problem, nicht nur ein Problem der zunehmenden Abiturienten oder der Verkürzung auf 8 Gymnasialjahre. In Italien, Frankreich und Spanien haben die Schüler schon immer bis zur 9. Klasse alle gemeinsam Unterricht, und bis zum Abi sind es dann nochmal 3 Jahre.

    Es liegt wahrscheinlich daran, dass das Wissen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten einfach immer mehr zugenommen hat. Umwelt - so was gab's zu meiner Grundschulzeit doch noch gar nicht. In fast jedem Bereich, sei es Technik, Informatik, Fremdsprachen, sind die Anforderungen an Berufstätige zudem gestiegen, und der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt ist auch wesentlich härter.
     
  23. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Japp, es verfolgt ja auch ein anderes Ziel.
    Das deutsche folgt einem Effzienz-Ansatz: Produziere nur soviel, was Du nachher auch auf Unis schicken kannst ums mal hart zu sagen.
     
  24. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

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    Es gibt ja später nochmal Möglichkeiten das Abitur zu machen (auch innerhalb der normalen Zeit), aber ja, das find ich aus persönlicher Erfahrung auch nicht so prall. Ich hatte das Glück, dass bei uns eine Art Zwischenstufe eingeführt wurde, in der obligatorisch erstmal alle von der Grundschule auf die Realschule kamen und erst anch der 6. entschied sich wie es weitergeht. Wir waren in Sachsen-Anhalt da der erste Jahrgang.
    Mit meinem 4. Klassezeugnis wäre ich nämlich wohlmöglich nicht aufs Gymnasium gegangen, das war im Schnitt schlechter als meine Abiturnote am Ende. (ich kenne sonst niemanden der das sonst noch fertig gebracht hat ;) )

    Und allein weil diese Möglichkeit besteht, dass es einem Kind ergeht wie mir, kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, dass Eltern ihre Kinder auf dem Gymnasium sehen wollen.
     
  25. Gablonz

    Gablonz Well-Known Member

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    Da braucht man gar nicht ätzen oder unken oder mutmaßen.

    Einfach mal gucken, was in Hamburg passiert ist: Die von schwarz-grün geplante Bildungsreform mit einer Verlängerung des gemeinsamen Lernens von 4 auf 6 Grundschuljahre wurde per Bürgerentscheid abgeschmettert. Spätere Selektion, Erhöhung von Chancen, für Kinder mit schlechteren Voraussetzungen. Nicht mit uns. Da müssten ja unsere Kinderchen noch länger mit den Schwachen zusammenbleiben.

    Überhaupt ist man sich in unserem Land zwar meist schnell einig, wenns darum geht über unfähige Bildunspolitiker, faule Lehrersäcke, ... zu maulen. Aber oft sinds auch die Eltern und ihre Vertreter, die sich am vehementesten gegen Strukturreformen stemmen. In irgendeinem Artikel hab ich mal die plakative headline gelesen: "Mein Kind first". Also "gute Schulen, eine gerechtere Gesellschaft, immer her damit", aber bitte nur wenns der eigenen Brut nützt.
     
  26. Keule

    Keule Geile Oma aus deiner Nähe

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    Okay, sowas hab ich auch noch nicht gehört :suspekt:
    Ich strebe zwar mit einem 3,6er Durchschnitt in der 10. nun ein 2,0er Abischnitt an, aber besser als in der 4.? Niemals :D

    @Rupert Je nach dem nachfolgendem Prozedere hat beides seine guten Seiten, ich kenne sehr viele die froh sind wenn sie endlich die Schule rum haben, danach noch studieren wäre denen ein Graus, so steigen sie halt nach der 9. oder 10. in die Berufswelt ein und arbeiten praktisch, was für viele deutlich angenehmer ist.

    @Gablonz Ich weiß nicht wie deine Erfahrungen sind, aber nach meinen Beobachtungen und denen meiner Lehrer ist es deutlich härter wenn die Kinder erst nach der 6. Klasse in das Niveau des Gymnasiums eingeführt werden, weil wir da normaler Weise schon fast ein Jahr voraus waren, nicht mal was den Stoff angeht, sondern Techniken und Sozialverhalten. Andersrum kann man ja auch sagen, dass durch weniger Kinder in der Grundschule die Lehrer sich besser auf die Schwachen konzentrieren können, denn nun muss man die 5. und Sechstklässler ja auf das Anforderungsniveau des Gymnasiums vorbereiten und kann deshalb weniger Rücksicht auf langsam Lernende nehmen, wodurch einige da ganz schnell hinten runter fallen können.
     
  27. derblondeengel

    derblondeengel master of desaster

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    Soweit ich weiß gibt es bei denen kein duales Ausbildungssystem wie hierzulande und deswegen gibt es dort für die meisten hiesigen Ausbildungsberufe und/oder nachfolgenden Abschlüsse wie Techniker/Meister einen Studiengang. Ob 91 bzw. 97 Prozent dort Arzt werden könnten wage ich mal arg zu bezweifeln...
     
  28. Detti04

    Detti04 The Count

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    Diesen Vergleich machen die Bildungspolitiker auch gerne, obwohl man da Aepfel mit Birnen vergleicht. Der Clou an der deutschen Ausbildung sind naemlich nicht die Universitaeten, sondern es ist das duale System aus universitaerer Ausbildung einerseits und Ausbildung im Lehrberuf andererseits. In vielen Laendern dagegen bekommt man die einzige nach-schulische Ausblidung an Universitaeten, d.h. man hat entweder einen Uniabschluss oder ueberhaupt keine formale Berufsausbildung. Nur so als Beispiel: In Deutschland ist Krankenschwester ein Lehrberuf, hier in NZ lernt man das an einer Uni. Aehnliches gilt fuer Physiotherapeuten, Hebammen, Zahnarztassistenten, Buchhalter... Ich kannte hier einen Fitnesstrainer, der seinen Abschluss an einer Uni erworben hatte und somit einen "Bachelor of Science" aufwies; formal ist das derselbe Abschluss, den z.B. ein Physiker am Ende seines Bachelor-Studiums aufweist, aber trotzdem sind die Inhalte natuerlich auf komplett unterschiedlichen Niveaus.

    Das duale System ist uebrigens der Grund dafuer, dass in Deutschland vieles Technische viel besser funktioniert als anderswo und dass das handwerkliche Niveau so hoch ist. Auch andere Laender koennen an Unis z.B. Ingenieure (oder Architekten) ausbilden, die tolle Maschinen entwickeln (oder Haeuser entwerfen) koennen, aber leider bilden diese Laender eben keine Leute aus, welche diese Maschinen anschliessend kompetent bedienen koennen bzw. diese Haeuser kompetent bauen koennen.

    Uebrigens weist Neuseeland prinzipiell sogar eine Studienberechtigtenquote von 100% auf.
    - Heisst das nun, dass die Leute hier besser ausgebildet und/oder schlauer sind? - Noe, heisst es nicht.
    - Wie man auf so eine Quote kommt? - Durch Einfuehrung des Prinzips "mature student". Man ist ein "mature student", wenn man nur alt genug ist; als solcher darf man an einer Uni studieren, ohne irgendeinen Nachweis einer schulischen Qualifikation dafuer erbringen zu muessen. Das klingt im Prinzip erst mal gut: Sagenwamal, man ist 40 und hat 20 Jahre als Zimmermann gearbeitet - wieso sollte man da noch eine zweite Fremdsprache lernen muessen, um zum Architekturstudium zugelassen werden zu koennen? Wahrscheinlich hat man ja durch die Arbeit genuegend studienrelevante Erfahrung gesammelt, dass man ein solches Studium schafft. Jetzt kommt der Clou: Ab welchem Alter gilt man hier in NZ als "mature student"? Vielleicht ab 50? Oder schon ab 40? Vielleicht gar ab 30? - Noe, schon ab 20. Das heisst also, dass man hier im Prinzip las Teenie die Schule abbrechen, anschliessend ein paar Jahre Meth rauchen und sich mit 20 Jahren rotzfrech als mature student an einer Uni einschreiben kann.
     
  29. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Natürlich nicht; geht ja auch nicht um einen bestimten Studiengang im "Effizienzsystem" sondern um das reine Verhältnis: Leute mit Hochschulreife / Leute im Job, der Studienabschlüsse erfodert.
     
  30. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Das Diplom haben wir hier ja ohne Not mal schön getötet. Einen Abschluß, der einen Donnerhall hatte - selbst schuld.
     
  31. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Mal als Anmerkung, weil ich mich da zufällig auskenne. Die Health Professionals, die du hier ansprichst, können aber auch deutlich mehr als ihre deutschen Kollegen. Zwar nicht praktisch, aber in allen Belangen, die etwas über den Tellerrand der sehr begrenzten praktischen Fähigkeiten des Berufes hinausgehen. So sind sie zum einen "gebildeter" und zum anderen dann doch in ihrem Beruf besser.

    Und zum vielen Büffeln. Wenn ich mir so anschaue, was in den letzten 15 Jahren so aus den Gymnasien an die Uni kommt, und wie schlecht und schlechter die Jahrgänge werden, deren Hausarbeiten ich da lesen muss, dann frage ich mich, was die da denn angeblich so vieles lernen???