Wacken 2007 (on Tour)

Dieses Thema im Forum "Musik" wurde erstellt von Dilbert, 14 August 2007.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Wacken 2007

    Mahlzeit!

    So begab es sich also zu der Zeit, genauer gesagt an einem teilweise regnerischen Dienstag, den 31. Juli 2007, dass sich eine kleine Gruppe unentwegter trotz miserabler Vorbedingungen und immer neuen "Katastrophenmeldungen" vom Veranstalter auf den Weg machen wollte um einen kleinen Ort im Kreis Steinburg für sechs Tage seine Aufwartung zu machen.

    Dazu mussten allerdings erstmal Heike und René aus Berlin mit "Beule", dem ollen Mercedes-Sprinter, der uns schon seit 2002 treue Dienste im Transportwesen geleistet hat, ankommen. Grob geschätzt wurde ihre Ankunft auf 11.00 Uhr, also hiess es erstmal warten... und warten... und warten... ich hasse warten!

    Gegen zwanzig nach zwölf war es dann endlich soweit, Beule und das selbstdesignte Wacken-Mobil von Marco und Micha (der uralte Kadett-Kombi bekam später den Namen "Shevardnaze" verpasst, frag mich nicht warum) kamen umme Ecke gebogen, die letzten Sachen (u.a. das Gefrierfach, welches meine Chefin uns gespendet hatte) konnten verladen werden, und unser sieben-Leute-Trupp klemmte sich in die bis zum Anschlag mit Bier, Fressalien und sonstigem Gerümpel vollgestopften Karren.

    Da unser Kanaltunnel mal wieder zu ´ner Baustelle mutiert war nahmen wir den Weg über die Audorfer Fähre, wo man natürlich mal wieder warten musste. Gääähn... so langsam machte sich bei den Fahrern akuter Bierdurst breit, aber während die Beifahrer sich ganz gemütlich einen auffe Lampe giessen konnten hiess es für unsereinen mal wieder ausharren, wie jedes Jahr.

    Unser Strassenbauamt ist echt genial. Es gibt genau zwei halbwegs kurze Wege aus Rendsburg hinaus gen Süden, und natürlich mussten beide mit irgendwelchen monströsen Baustellen versehen werden. Aua! Nach einem ziemlichen Gegurke über irgendwelche Dorfstrassen im Zickzack durch Schacht-Audorf kamen wir endlich beim Einkaufszentrum in Osterrönfeld an, wo sich ein Teil der Mannschaft noch mit Grillfleisch und sonstigen Fressalien eindeckte. Könnwa jetzt endlich looos?! Ich hab Durst!

    Nach einem weitern Zwischenstop um Sprit für´s Aggregat zu tanken waren wir fast am Ziel... Moin, Zollkontrolle! Marco und Micha sind echte Propheten, die hatten schon vorher vorrausgesagt, dass man sie mit der Kiste bestimmt rauswinken wird. So wurde Shevardnaze von irgendwelchen grünen Männchen erstmal durchsucht, die dann aber nix fanden (weil wir keine Rauchwaren mithatten). Anschliessend kamen wir dann gut durch bis in´s Metalparadies... und dann gleich wieder raus? Hä? Die übliche Einfahrt zu den Zeltplätzen war jedenfalls versperrt, und eine ziemlich spärliche Beschilderung führte uns durch Dörfer, die sogar noch kleiner als Wacken sind. Oha, tatsächlich: Autokasse 2, rechts ab.

    Dummerweise waren einige Campingflächen durch die Wetterbedingungen der Vortage nicht befahrbar, so dass René, Heike und Beule plötzlich von uns getrennt wurden. Na so´n Mist, wurde ja aber im Vorfeld angekündigt. Ein paar hundert Meter weiter sammelte Heinrich dann Tobi und Michelle ein, die von Tobis Ma schon vor Stunden in Wacken ausgeladen worden waren, und jetzt mit ihren grob geschätzten Nahrumgsmittelvorräten für drei Monate auf´m Weg rumstanden. Den ganzen Krimskrams haben wir in Heinrichs Corsa gequetscht, aber Tobi und Michelle mussten leider laufen...

    Anordnung des Ordners: Parken auf Platz D, zelten auf Platz C. Hmm... wo is´n René hin.. (Telefonier).. auf O? Kann man da campen? Ja? Na dann: Abmarsch! Die frage war nur, wie wir unsere Autos jemals wiederfinden sollten, auf Parkplatz D standen ein paar tausend Kisten herum.

    Zwölf Jahre später... O war gefunden, aber wo zum Deibel sind unsere Kollegen? Ein weisser Transporter schien nicht unbedingt das beste Mittel zur Orientierung zu sein, davon standen da nämlich genug rum. Aber nach einer Weile hatten wir sie dann doch gefunden, wobei sie schon geistesgegenwärtig einen Haufen von unserer Einrichtung vor Beule verteilt hatten, um Platz für unser Festzelt freizuhalten. Mit unseren Nachbarn waren die Platzverhältnisse auch schon geregelt... es konnte also so langsam losgehen.

    Aber wirklich langsam, denn jetzt konnte man ja endlich ein Bier trinken. Prost!

    Okay, Windstärke 6 - 8 scheint im Nachhinein wirklich nicht dazu geeignet ein 9 x 3 Meter Pavillon aufzubauen, dass neu gerade mal 100 Euro gekostet hat. Das Ding machte schon beim windstillen Testaufbau vor zwei Wochen keinen stabilen Eindruck, aber in der Euphorie des "Endlich sind wir da" wurde dann trotzdem beschlossen: Das Ding muss stehen!

    Nun ja, es ging alles gut... bis ich der ziemlich heftigen Ballonierung des Daches mit Klebeband vorbeugen wollte. Eine Seite hochgehoben, Windstoss... wären lange Seile drangewesen hätten wir wahrscheinlich ´nen prima Lenkdrachen gehabt, so allerdings hatten wir keine drei Sekunden später einen Haufen verbogenen Schrott.

    Wat nu, sechs Tage ohne Pavillon? Kommt nicht inne Tüte! Weil Marco und Micha schon mit sowas gerechnet hatten, wurden die Stangen unseres alten Pavillons kurzerhand als Verstärkung genommen, und damit, ein paar Kabelbindern und 30 Metern Panzertape schusterten wir schliesslich eine Bude zurecht, bei der das Wackener Abrisskommando wahrscheinlich am Montag Probleme hatte sie ohne schweres Gerät wieder vom Acker zu entfernen. Aus irgendwelchem Baustellenschrott und ein paar Scheiten Feuerholz wurde dann ratzfatz von Marco ein Tisch zusammengezimmert, die Sofagarnitur wurde aufgestellt und nachdem auch die Zelte, die Fahnen, da Eisfach und der Grill standen konnte man so langsam zum gemütlichen Teil des Tages übergehen. Übersetzt: Bier, Korn und Jägermeister raus, Prost Mahlzeit!

    Gegen Abend, die eine oder andere Ladung Ausrüstung aus´m Auto und einem Kotzanfall durch schales Bier später wurde es dann langsam Zeit sich mal umzusehen. Wo geht´s zum Gelände? Hier irgendwo querfeldein... Unterwegs hab ich dann noch geholfen eine feststeckende Karre aus dem Schlamm zu ziehen... was damit endete, dass der Fahrer das Gefährt fünf Meter weiter wieder im Modder versenkte. Danke, Jungs, nu zieht ma alleine...

    Anner Bandausgabe war dann netterweise wenig los. Da es nach dem Vorjahr wegen der Parkplatzgebühren und des Full-Metal-Bags heftige Kritik gab, wurde das diesmal umgestellt. Die Leute (wie ich), die eine der limitierten X-Mas-Karten hatten, mussten noch 20 Euro nachberappen, die mit den Normalkarten hatten das schon im (dafür 30 Euro teureren) Ticketpreis inklusive. Für 2008 ist das zum Glück einheitlich geregelt.

    Nachdem wir das Band hatten wurden noch Programmhefte geholt, und weil weder ´ne Bierbude noch der Met-Stand geöffnet hatten latschten wir zurück zu unserer Ein-Zimmer Grossraumwohnung. Dort wurde dann bis in den späten Abend mit den Nachbarn weitergefeiert, bis ich mich total kaputt in mein Zelt verkrümelte, wo ich das verdammte "Luxus-Gästebett" natürlich wieder seine Luft verloren hatte. Nach der erneuten Aufpustaktion (so´n Blasebalg ist echt was feines, wenn man einen hat... ich hatte keinen) fiel ich dann einfach um und versuchte zu knacken...

    ...während meine Kumpels sich die ganze Zeit mit Torfrock vollballerten. Ich weiss nicht genau wie spät das war, aber irgendwann platzte mir bei dieser Antiband (die Box stand auch noch genau vor meinem Zelt) auf voller Lautstärke der Kragen. Erst schmiss ich die Box nur drei Meter weiter, wobei sie allerdings ihren Schall in den Boden treibend liegenblieb. War auch nicht ganz das Wahre.

    "Ich bin der Presslufthammer B-B-B-B-B-Bernhardt.... Ratatazong... lalala...!!!!"

    Kennt ihr den Rockerpräsidenten aus den Werner-Filmen? Wenn man einen Dilbert über Stunden mit Torfrock foltert mutiert er in etwa in die gleiche Richtung. Jedenfalls krabbelte ich auch dem Zelt, räusperte mich kurz und sprach: "RUUUUUUHEEEE!!! IST HIER JETZT ENDLICH RUUUUHEEEEE!?!?!?!?!!!!! MACH DEN SCHEISS AUS, ODER ICH BEISS DAS BOXENKABEL DURCH, DANN IST HIER ACHTERBAHN!!!!!!!!....."

    DAS hat gewirkt! Okay, ich hab den halben Zeltplatz geweckt, und meine Kumpels meinten am nächsten Tag, sie hätten gar nicht gewusst, dass ich so rumbrüllen kann, aber ich konnte endlich pennen!

    In dem Sinne: Gute Nacht!

    P.S.: Da es sich hier um einen Tourbericht handelt habe ich es in einem neuen Thread eröffnet, so wie man bei Spielberichten ja auch nicht den Spieltagsthread benutzt. Wenn das einem ein Dorn im Auge ist, dann bitte in die "Wacken 2007"-Reihe einfügen.
     
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  3. Paule

    Paule PTL-Team-Weltmeister 2010

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    Hallo Ecke-Käptn, das macht Bock auf mehr. Ohne je in Wacken gewesen zu sein, kann ich mir genau vorstellen, wie es da am ersten Abend zugegangen iss. Nur die überflüssigen Apostrophen lass doch bitte wech!
     
  4. MagicOe

    MagicOe Quoten-Glubberer

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    Sehr schön! :beifall: :nuke: Freu mich schon auf die Fortsetzung. :jaja:

    :D :lachweg:

    Ich weis allerdings nicht was du gegen Torfrock hast... Unsere Eintracht-Frankfurt-Nachbarn haben uns am Donnerstag früh mit ner ganz erlesenen Vorstellung ihrer Sing-Star-"Künste" beglückt - dagegen wäre Torfrock selbst rückwärts auf 45 ne wahre Freude gewesen! Frankfurt halt...
     
  5. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Ich schreib nunmal so, wie ich rede...
     
  6. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Mittwoch...

    Fragt mich bitte nicht, wann ich aufgestanden bin, nach der Torfrock-Folter des Vorabends mit anschliessender Rumbrüllaktion brauchte ich halt ´ne Mütze Schlaf. Zumindest, bis die Blase dem Druck nicht mehr lange standhalten wollte und die blöde Matratze wieder platt war. Schuhe anziehen.. AUEEEH!!! Scheisse, Krämpfe im Oberschenkel. Wie kriegt man seine Latschen an, wenn man sich nicht nach vorn beugen kann um an den Fuss zu kommen? Gar nicht. Also auf Socken zum Pullern gehüpft (und anschliessend die Socken weggeschmissen und Füsse gewaschen, nachdem die Krämpfe vorbei waren).

    So, Frühstück! Da die Nacht ziemlich kalt war, war auch das Bier in meinem Zelt wohltemperiert. Dosenbrötchen kommen gut am Morgen. Wobei ich zugeben muss, dass ich einfach alt werde. Normalerweise hätte ich nach einer Stunde die ersten drei Kannen weggehabt, aber dieses Jahr in Wacken wollte es einfach nicht so recht laufen. Ich glaub, ich hab mir in Wacken tagsüber noch nie so wenig Bier inne Birne gegossen. Von den drei Paletten, die ich mitgenommen hab, hab ich fast zwei wieder mit nach Hause genommen am Sonntag. Na gut, meine Kumpels hatten auch dermassen viele pfandfreie Carlsberg-Büchsen mit (und dann selbst fast nur Korn gesoffen) dass da ab Donnerstag so ziemlich unser ganzer Haufen von gelebt hat.

    Nach dem ersten Bier (und für mich Matjesbrot zur Katervorbeugung) kam dann ein Teil von uns auf den Trichter mal die Scheisshäuser zu inspizieren, um etwas von dem am Vorabend vertilgtem Grillgut rektal wieder zu entsorgen. So latschten wir dann über noch leere Campingflächen zur nächsten Spülkloanlage, die netterweise auch schon geöffnet hatte. Da wir die ersten waren, war das Klo auch noch in sehr angenehmen Zustand. Uff...

    So, wat nu? Die einen wollten gleich weiter in´s Dorf, aber Micha hatte schon die ersten Mischen intus und war dementsprechend auch schon wieder im Arsch. Deshalb beliessen wir es beim Gang zum Festivalvorplatz, wo die eine oder andere Fressbude (na ja, eigentlich nur der Baguettestand) geöffnet hatte.

    Erwähnte ich schon mal, dass sich dieses Jahr in Wacken die schärfsten Damen des Planeten eingefunden hatten? Und das zu tausenden? Mann inne Tünn, was da an einem vorbeispazierte sorgte für ein gewisses Dauerkribbeln in der Hose, das schleunigst mit Bier bekämpft werden musste. Anders hätten das die Samenstränge auf Dauer nicht ausgehalten, zumal die Mädels oft wenig anhatten und ich schon seit eineinhalb Jahren solo bin...

    Nun ja, wie schon geschrieben, da rannten also tonnenweise weibliche Geschlechtsmerkmale an einem vorbei, und wat schnackt mich an? Ein Ding, bei dem ich ehrlich zuerst dachte, das wär ein Kerl in Weiberklamotten! Das Wesen war wirklich geschlechtslos, das Verfallsdatum schon etwas überschritten, und obwohl es kein Gramm Fett irgendwo hatte schlug die Bauchhaut über der Jeans Falten. Na ja als es anfing zu sprechen konnte man dann doch eine weibliche Seite erraten.

    Fragt mich nicht mehr wie die hiess, ich weiss nur noch, dass sie aus Schweden kam, das Schweden-Rock kacke fand und Wacken für so ziemlich die genialste Erfindung des Planeten hielt. So ganz falsch liegt sie damit ja auch nicht... Immerhin hat sie mich dazu veranlasst eins meiner Notfall-Kondome zu verbrauchen... sie zog sich die Lümmeltüte über die Birne und blies sie mit der Nase auf. War beknackt, aber lustig.

    Zeit für´n leckeres Bier vom Fass... leckeres... Becks. Pfui Deibel, wat ´ne Plörre! Na ja, zumindest war es kalt. Am Fanartikelstand wurden derweil die T-Shirts angebaumelt, mit dem Ergebnis, dass die eigentlich alle genauso aussahen wie die vom letzten Jahr. Na ja, letztes Jahr hab ich mir keins gekauft...

    Der Magen knurrte, die Bude mit den Baguettes hatte wegen "vorläufig ausverkauft" wieder dicht, und die Schwedin samt ihrem später dazugekommenen Sohnemann war auch wieder weg. Da sich auf den Bühnen eh erst am Donnerstag etwas tun würde konnte man ja wieder zurück zum Pavillon und nebenbei noch etwas die Nachbarschaft erkunden. Die Krönung an schrägen Gefährten schossen dabei die Stuttgarter ab, die sich an ihren ziemlich zerschroteten Bus oben einen aufblasbaren Pimmel geklebt hatten ("Fliegt bei über 50 km/h ab..") und deren Karre vorn mit der Aufschrift "Virgin-Mobile" verziert war. Ein riesiges umgedrehtes Holzkreuz zierte deren Partyplatz inmitten ihrer Zelte (nebst eines jetzt schon gigantischen Müllhaufens), und ausserdem hatten sie sich auch ein paar Brettern und ´ner ollen Zimmertür ein eigenes Scheisshauss zusammengezimmert. Respekt, Leute! Überhaupt waren die Typen total geil drauf, und usner oberster TV-Junkie Heinrich lieferte sich im Laufe der Zeit mit dem Daniel von denen ein heisses Duell darum, wer die beklopptesten Fernsehserien und Kinofilme kennt. Laut Heinrichs Version hat er mit einem durchgeknallten Film Vorsprung gewonnen, ich weiss aber nicht mehr welcher das war. Irgendeiner, der so ähnlich sein soll wie Fight-Club.

    Nachdem ich dort ´ne neue Dose für meine Sammlung abgestaubt hatte (das Ding ist dann leider über die Tage verschütt gegangen, Schande über mich...) ging es zurück unserer Meute, wo die Laune schon wieder bestens war und die Kornbuddeln sich in Rekordzeit leerten. Jungs, ich hab früher auch mal viel von dem Zeugs getrunken, aber was unsere drei Heinis da vernichtet haben ging echt auf keine Kuhhaut mehr. Da hätte ich schon nachmittags um vier im Sanizelt am Tropf oder inner Klinik zum Magen auspumpen gelegen. Die haben drei Sechserkartons Oldesloer mitgenommen, und die waren am Freitagabend schon leer.. Ich hätte nur noch gekotzt.

    Nachdem ich tatsächlich mal durchgegrilltes Fleisch gefuttert hatte (der Einweggrill am Vorabend hatte es.. ähm... nur auf medium bis innen roh gebracht) und der Abend weiter fortschritt machte ich mich auf um unseren Schwäbischen Nachbarn noch einen Besuch abzustatten. Ich kam pünktlich zu einer Gitarrenstunde der besonders alkoholisierten Art, bei der der Gitarrist meinte Country Roads zu klimpern, was mit meinen Gesangskünsten aber absolut nicht kompatibel war. Wer von uns nun weiter neben der Spur lag dürfte im nachhinein nicht mehr aufzuklären sein. Der Typ danach konnte es besser, und so bekamen wir einen halbwegs anständigen "Bard-Song" Refrain als Einstimmung auf den Blind-Guardian-Auftritt am Freitag auffe Reihe.

    Wie aus dem nicht hörte man plötzlich hinter uns "Scheiss Grillanzünder, schmeckt zum kotzen!" HÄ?! Wer ist denn so bescheuert und säuft Grillanzünder?! FLOMMPF!!!

    Da rannte ein Typ über´n Zeltplatz und betätigte sich mit Grillanzünder als ehrenamtlicher Feuerspucker. Ziemlich hirnrissige Idee, aber gut ausgesehen hat es trotzdem. Hoffentlich hat der Knabe sich nicht komplett die Schnauze weggekokelt.

    Hmm... so gegen Mitternacht, der Okerlöwe hatte mir vor ein paar Stunden gesteckt wo sie ihre Party-Bude aufgebaut hatten, und das klang gar nicht mal nach ´nem langen Weg. Zeltplatz N genau gegenüber von P. Da wir auf O waren musste das ja logischerweise irgendwo nebenan sein. Hmm.. so stolperte ich eine Weile planlos durch die Gegend, bis mir eine Karre vonner Polente über´n Weg fuhr. Die Ordnungshüter konnten mir dann zum Glück weiterhelfen. Immer geradeaus und anner Ackergrenze links.

    Tja, und dann einfach dem Lärm nach, den Okerlöwe und die "Heavy-Metal-Family" so verbreiteten. Oker war schnell gefunden, telefonierte aber die ganze Zeit mit irgendeiner Dame, weshalb ich meine Bierdose erstmal anner Zapfe nachfüllte. Kaltes Wolters vom Fass ich echt ´ne feine Angelegenheit, und da mich viele von den Jungs ja schon kannten wussten sie auch, dass ich später einen gewissen Obulus dafür abdrücken würde. Nachdem Oker mit Telefonieren fertig war flog dann noch bis nachts um zwei die Kuh über´n Tresen. Endlich mal weder Torfrock, noch Ektomorf, noch Knorkator...

    Nachdem mein Gehirn sich allmählich in einen unbestimmten Aggregatszustand amöbisiert hatte und der Luftgitarrenarm auch langsam ausleierte, wurde es dann Zeit sich mal auf den Rückweg zu machen. Dilbert total beleiert und auf der Suche nach der Heimat, die dann sogar ziemlich flott gefunden wurde. Leute, mir ist breit, ich geh mal knacken... Rumms - Autsch!Scheiss Matratze, mal wieder platt. Puuuust, keuch, schnarch...

    Gute Nacht!
     
  7. MagicOe

    MagicOe Quoten-Glubberer

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    :hammer2: :lachweg: :top:
     
  8. eckham

    eckham Mit Herzblut zurück

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    Nächstes Mal einfach besser zielen :auslach:
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung :top:
     
  9. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Donnerstag... Matraze wieder platt, Rückenaua, volle Blase, aber immerhin keine Krämpfe im Bein. Ist ja schonmal ´n Fortschritt.

    Komisch, der eine Typ von unserem Zeltplatz stand offenbar immer genau zur selben Zeit auf wie ich. Jedenfalls stand diese gerädert und noch vom Schlaf zerknüllt wirkende Gestalt schon am Vortag neben mir am Busch zur morgendlichen Strunzaktion.

    Zum Frühstück gab´s neben dem obligatorischen Bierchen erstmal fünf Rollmops. Rülps! Schröder verabschiedete sich dann um bei Okerlöwes Bande feiern zu gehen und ward bis zum späten Abend nicht mehr gesehen.

    So, und nu versucht mal die faule Bande zu irgendwas zu bewegen. Für den Donnerstag war ja der am Mittwoch ausgefallene Marsch in´s Dorf angesagt. Vorher musste allerdings noch volle Kanone Knorkator gehört werden, was mich dazu veranlasste lieber ein bisschen Zeit bei unseren Nachbarn zu verbringen. Das Geschrei des "Sängers" gepaart mit den übelst wummernden Bässen bereiten mir nach einer gewissen Dauer nämlich übelste Kopfschmerzen (und mit Musik hat´s ausserdem höchstens in Ausnahmefällen etwas zu tun). Leider fahren die anderen aus unserem Haufen auf diesen "kultigen" Schund total ab, da ist es besser, man ergreift ab und zu mal die Flucht, bevor wieder ´ne Box durch die Gegend fliegt.

    Die Mittagszeit kam, Knorkator gingen (zumindest für ´ne kleine Weile) in die Pause (dafür lief zum 23. mal Ektomorf, also nächstes Jahr brauchen wir mal wieder mehr als vier CDs). Und die Schnarchsäcke, die schon wieder jeder wohl ´ne halbe Pulle Schnaps inner Birne hatten, waren immer noch nicht in der Lage mal den Mors hochzukriegen.

    "Wollen wir langsam mal los, oder wat?!" - "Ja, öööh..." - "Jaaaaaa, geht gleich los..." - "Ich trink nur aus und mach ´ne neue Mische.. (Becher 3/4 voll)" - "Viertel Stunde..." (was übersetzt bei denen "vielleicht mal heute Nacht" heisst...)...

    Eine Stunde später hatte ich sie dann tatsächlich so lange genervt, bis sie sich endlich in Bewegung setzten. Mein Plan bei der offiziellen Festivaleröffnung (Ansprache des Veranstalters) dabei zu sein hatte sich inzwischen in Luft aufgelöst, das würden wir eh nie schaffen. Na, dann eben 2008.

    Micha ist echt eine menschliche Sensation. Man geht neben ihm, und wenn man ca. zehn Meter weiter gelatscht ist hängt der zwanzig Meter zurück. Wie schafft der das? Ist er so langsam, dass sogar die Erdrotation ihn überholt? Natürlich klingelt dann bei dem Lahmar.. auch noch dauernd das Handy, und weil er der Beweis dafür ist dass Männer wirklich nicht "multitasking"-fähig sind, bleibt er beim telefonieren auch noch ständig stehen. Reden und latschen? Zwei Dinge auf einmal? Das geht nun wirklich nicht.

    Nach grob geschätzten eineinhalb Stunden hatten wir den aber auch mit in den Ort gezerrt, wo nach einer Inspektion des Wacken-Hauptquartiers und des Merchandise-Stands erstmal die traditionelle Rendsburger Scheiss-Invasion in unserem Stammkackrestaurant stattfand. Okay, wir haben es nicht wie letztes Jahr geschafft sämtliche vier Herrenklos auf einmal (wirklich ohne Absicht) zu verstopfen, aber der Nebel in der Bude danach war trotzdem aller Ehren wert.

    Auf dem Weg in den Ort wurde übrigens noch Jesus gekreuzigt. Kein Witz! Ein Typ in weissem Bettlaken mit schulterlangen Zotteln, Vollbart und Dornenkrone auf der Rübe liess sich da bereitwillig an einen Baum knoten. Am Mittwoch war der noch von seinem Kumpels im Einkaufswagen über den Festivalvorplatz gekarrt worden und hatte dort armen Sündern vergeben (teilweise in dem er ihnen aus einer Jack-Daniels-Pulle mit Blumensprühaufsatz ´ne Ladung in den Rachen jagte, teilweise knieend bei herumliegenden Schnapsleichen mit ´nem Blechteller inner Hand), jetzt litt er für unsere Verfehlungen. Am nächsten Tag war er allerdings wieder auferstanden und latschte in anderen Klamotten an ein Kreuz gebunden durch die Gegend...

    Ebenso in den Bereich "Freak-Show" gehörten zwei Typen, die in einer Art silbernem Feuerschutzanzug aus der alten Serie "Kampfstern Galaktica" durch die Gegend liefen. Das können die aber wirklich nur Mitwoch und vielleicht Donnerstag gemacht haben, ab Freitag wären die in ihren seltsamen Raumanzügen lebendig gekocht worden.

    Zurück in´s Dorf. Was raus kommt muss auch wieder rein, da kam die Pommes-Bude zwei Häuser weiter gerade recht, die sogar mit (für Wacken-Verhältnisse) zivilisierten Preisen daherkam. Jedenfalls war es nicht teurer als in meinem Rendsburger Stammdönerladen. Nervig war allerdings ein wirklich dickes Kind (wenn der so weitermacht wird er meine Gewichtsklasse schon mit 16 erreicht haben..), das die hübsche Verkäuferin ständig damit nervte, dass es das Pfandgeld für seine Cola-Dose haben wollte, wobei die Verkäuferin ihm ca. zwölfmal sagte, er solle in den Edeka-Laden nebenan gehen (zu dem der Imbiss gehörte). "Ich will das Geld für meine Cola-Dose, ich will mein Pfandgeld, ich will mein Pfandgeld, ich will jetzt mein Pfandgeld...!!!" Für mich schrie das nach fünf Minuten eher nach ein paar Obelix-Ohrfeigen, aber sowas macht man ja nicht.

    Anschliessend kehrten wir, wie 2006 versprochen, wieder in dem Vorgarten eines jungen Hausbesitzers ein, bei dem wir im Vorjahr zusammen bestimmt ´nen Hunni an Bier und Schnaps verfrühstückt hatten. Ein Bier kostete da übrigens 80 Cent und ´n Kurzer ´nen Euro...

    Dieses Jahr kostete alles einen Euro, was uns aber nicht davon abhielt das eine oder andere Getränk zu verhaften... tja, und dann noch zwei oder drei hinterher. Ausserdem waren wir genau pünktlich zum Rüplswettbewerb gekommen, zu dem wir Micha unter dem Namen "Franz Hose" und Heinrich als "Horst-Kevin" inne Liste eintrugen. Als Gewinn stand eine Kiste Paderborner bereit.

    Tja, als Franz Hose aufgerufen wurde hatte der selbiges Beinkleid leider gestrichen voll und verweigerte wegen akutem Lampenfieber (und Lampen inner Birne an) den Auftritt, wofür dann gnädigerweise ein anderer Gast einsprang (ich hatte selbst gerade keinen guten auf Lager und konnte ihn deshalb nicht vertreten), der sich allerdings nicht mir Ruhm bekleckerte. Und dann kam Horst-Kevin...

    Also, bei mir inner Bude rülpst Heinrich sonst dass die Fensterscheiben klirren, aber da oben auf den Bierkisten, die die Welt bedeuten, bekam er trotz dramatischer Pause zwischen den zwei Versuchen auf ´ner Skala von 1 bis 20 nichtmal ´ne gammelige 3 zusammen. "Unter Druck kann ich nicht..." Für ´nen ordentlichen Röhrer braucht man ja auch Überdruck... Der Sieger des Wettbewerbs hatte sich mit seiner Elchimitation, die man wahrscheinlich noch in Hohenweststedt vernommen hat, dann aber auch das Bier redlich verdient.

    So, Leute zurück, marsch marsch, Sodom solten in zwei Stunden die Bühne betreten, und vor dem Gig wollte man doch die inzwischen vom rumlatschen qualmenden Füsse mal für ´ne halbe Stunde hochlegen. Ausserdem brauchten die Jungs so langsam aber sicher ´ne neue Mische.

    Zum Sodom-Auftritt haben wir es dann sogar fast pünktlich geschafft, und ich merkte mal wieder, wie alt ich geworden bin. Vor zwölf Jahren in Hamburg waren die zwei Stunden wüstes Geballer für mich noch eine der schönsten Sachen der Welt, heutzutage ist das doch monotone Gekloppe der Band irgendwie eher belustigend, auch wenn ein paar Evergreens (Bombenhagel, Wachturm, The Saw Is The Law, Ausgebombt, Sodomized) immer noch zum Mitgröhlen und Luftgitarreschaddeln einladen. Anstatt gebannt vor der Bühne zu kleben guckten wir uns nach einer Weile lieber in den Merchandise-Ständen schräg daneben um, wo meine Kumpels sich T-Shirts von den Apokalyptischen Reitern und CDs holten, während ich das Dark Tranquillity-Shirt wegen mangelnder Bierbauchkompatiblität (welcher Hopfensaftliebhaber soll denn bitte in Shirts der Gösse XL passen?) lieber im Laden liess. Wo wir gerade bei Bierbäuchen waren, es war zwischendurch mal wieder Zeit für flüssigen Nachschub. Prost! Ausserdem machten wir ziemlich idiotischen Fotos an einer aufgestellten Comic-Wand, durch die man die Köppe durchstecken konnte.

    Als wir auf dem Rückweg waren war es schon ziemlich duster, und ich bog schliesslich in Richtung Okerlöwe ab. Schliesslich wollte ich noch meine Schulden beim Finanzminister der "Heavy-Metal-Family" begleichen, bin ja kein Bierschnorrer. Da weder Oker noch der Kassenwart anwesend waren vertrieb ich mir die Zeit mit deren Kumpels, die nicht bei Saxon waren, und noch dem einen oder anderen Wolters-Pils. Das führte dann zu dem Ergebnis, dass ich nachher völlig kaputt und mehr oder weniger bewegungsunfähig auf einer der Bierzeltbänke lag, wo mich Schröder dann fand. Tut mir leid, Alter, aber ich war echt im Arsch. Da der Kassenwart immer noch nicht in Sicht war torkelte ich irgendwann nach Mitternacht schliesslich zu unserer eigenen behausung, blies nochmal meine Matratze auf (an das Ding hätte man mal ein Atemalkoholtestgerät halten sollen...) und verkrümelte mich dann in´s Reich der Träume...
     
  10. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Das lag nicht an meiner Zielsicherheit, aber wenn da am Tag ca. 1200 Leute annen Busch struseln will ich lieber nicht wissen ob das Nasse an den Mauken wirklich nur Tau auf den Gräsern war. :suspekt:
     
  11. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Freitag

    Wat, schon wieder Freitag? Dann müssen wir ja übermorgen schon wieder nach Hause! Och nööööö!

    Der Freitag sollte für mich der wortwörtlich beschissenste Tag des ganzen Festivals werden. Warum? Ich weiss nicht von was, aber ich bekam im Laufe des Tages einen tierischen Durchmarsch. Immerhin stählte der Kampf mit den dackelgrossen Scheisshausfliegen auf diversen Dixis meinen schlappen Körper mal wieder ein wenig, wobei ich hier ganz klar anmerken muss: Die Dixis waren wirklich so sauber wie eigentlich noch nie.

    Aber erstmal hiess es wieder: Aha, die Luft ausser Matratze ist raus, wohl Zeit zum Aufstehen. Nach dem üblichen Frühstück (Bier und Zahnpasta) war ich nicht der einzige, der einen gewissen Druck im Heckbereich spürte. Und weil sich ein paar andere eh ´nen Kaffee und ein belegtes Brötchen gönnen wollten, und die nächste Klostation mit Wasserspülung auf dem Weg zum Brötchenstand lag, latschen wir also los.

    Ca. fünf Minuten später: Kacken in Wacken. Oder besser: Zum Kacken anstehen in Wacken. Die Schlange vor der Dusch- und Klostation brach zwar keine Rekorde, war aber doch schon so lang, dass wir da bestimmt zwanzig Minuten rumstanden ehe endlich die Erlösung eingeläutet werden konnte. Das fliessende Wasser an den Waschbecken wurde dann mal schnell für ´ne körperhygienische Wohltat genutzt, und anschliessend ging es zur Fressbude, um Bier und Brötchen einzuwerfen.

    Ich weiss nicht, ob es der prlötzliche Wetterumschwung von 16 auf 26 Grad innerhalb von zwei Tagen war, aber danach war es erstmal vorbei mit dem guten Morgen-Besäufnis. Ehrlich gesagt machte ich ´ne Pause bis in den frühen Nachmittag, und so lange war auch eigentlich nichts los, sieht man davon ab dass Marcos Herzdame Simone endlich ankam.

    Schliesslich wollten wir mal die Merchandise-Stände näher betrachten, und so latschten wir los, Micha und Marco wie immer irgendwie hinter uns herschleifend. Wie die beiden Typen auffer Arbeit so viel Gas geben können weiss ich beim besten Willen nicht, aber da ihre Chefs sie anscheinend sehr schätzen, scheinen sie ihre inneren Batterien auf´m Arbeitsplatz von "TIP" zu "Duracell" zu wechseln.

    Stellt euch mal vor, es ist Freitag, und es gibt wirklich keine Wacken Shirts mehr. So ungefähr sah das aus. Vor dem Festivalgelände war fast nüscht mehr, und auf dem Festivalgelände sah es nicht besser aus, sieht man davon ab dass ich im Schnäppchen-Markt ein Polo-Shirt des TSV Wacken für fünf Euro abstaubte. Wenn ich es jetzt endlich noch schaffen könnte mal ´ne Diät wirklich länger als zweieinhalb Wochen durchzuziehen, würde ich da in drei Monaten wohl sogar reinpassen...

    ...aber da inzwischen das Bier schon wieder besser schmeckte (und ich den Resturlaub zu Hause teilweise auch noch "In vollen Zügen" genossen habe, fängt die Diät jetzt an, wann sie immer anfängt. Nächste Woche... wenn der Kühlschrank leergefuttert ist. Ich schmeiss doch die guten Sachen nicht alle einfach weg.

    Zurück nach Wacken. Marco brauchte für sein Spatzel dringend ein Girly-Shirt, fand aber keins in ihrer Grösse. Hmm... im Ort am Wacken-Hauptquartier war doch auch noch´n Stand. Ausserdem sollte in unserem Frühstücksbiergarten doch heute auch der Scream-Contest (nach dem Motto von Tokio-Hotel: "Schrei so laut Du kannst!") stattfinden. Ich wollte endlich mal die Kultaktion aus dem Film "Detroit Rock City" vor Publikum bringen (der Sohn einer religiös fanatischen Mutter steigt auf eine Anti-Kiss-Protestbühne, scheisst seine spiessige Ma zusammen und gröhlt dann "ICH HABE MEINE UNSCHULD IN EINEM BEICHTSTUHL VERLOREN, GOTT STEH MIR BEI!!!!") und mich deshalb dort anmelden, aber nachdem der Wettbewerb um 16.00 Uhr beginnen sollte und bis 15.56 Uhr noch kein Konkurrent aufzutreiben war, machten Marco (der kein Girly gefunden hatte) und ich uns lieber auf den Rückweg. Allein zum Idioten machen fetzt dann doch nicht so. Da unterwegs der Magen knurrte schien die Bude mit der Aufschrift "Döner (gross), 3 Euro" genau richtig zu kommen. Nachdem ich aber gesehen hatte was der Typ vor mir bekam verzichtete ich lieber auf eine Bestellung. Wenn das der grosse Döner sein soll, dann muss man ´nen normalen wohl oder übel mit der Lupe suchen. Stattdessen gab´s zwei Buden weiter dann eben Curryworscht-Pommes, und auf dem restlichen Rückweg das übliche "Fachgespräch" zweier angedüddelter Kumpels über das Thema Frauen, Liebe und andere Geisteskrankheiten.

    Ach ja, die Liebe... Marco und ich waren fast am Zeltplatz angekommen, da sahen wir an einem Erdwall ein paar Typen stehen, auf ein anliegendes Feld glotzen und sich fast in die Hosen pissten vor lachen. Wat iss´n da so komi... Donnerknispel! Mitten auffer Wiese stand ein Typ mit der Hose umme Knöchel, während ein Mädel den Berufsabschluss für ihre Karriere als Kuhmelkerin auf´m Bauernhof an ihm machte. Und die brachte vielleicht einen Einsatz für ihre zukünftige Laufbahn: Erst Handarbeit, dann mündliche Prüfung, und schliesslich noch die Büchsen runter, vorbeugen und die medizinische Voruntersuchung mit einer menschlichen Vaginalsonde. Test bestanden.

    Woodstock war wahrscheinlich eine streng katholische Veranstaltung gegen die Show.

    Da es gegen Mittag auf dem Festivalgelände kurz gefackelt hatte (eine Pyroshow hatte wohl das inzwischen knochentrockene Stroh vor der Bühne ein wenig angeknöselt, ist aber keinen was passiert) hatten sich die Anfangszeiten einiger Gruppen etwas verschoben. Irgendwer hat uns dann gesagt, J.B.O. würden ´ne Stunde später anfangen, weswegen wir uns entsprechend auf den Weg machten. Tja, als wir ankamen waren die Ritter in rosa allerdings schon seit geraumer Zeit am rumkaspern, und weil dann auch noch jemand mal pullern musste hiess es "Ein guter Tag zum Sterben" draussen mitgröhlen. Als wir alle wieder zusammen waren klinkten sich Marco und Simone aus Gründen, die ich inzwischen schon wieder vergessen habe, aus, während Tobi, Rene, Micha, Heike und meine Rundlichkeit auf dem Gelände unser Glück suchten. Und das hiess, neben für mich dem Auftritt von Lacuna Coil, die Meet and Greet-Stunde mit den Apokalyptischen Reitern. Da die genau neben der Lacuna-Coil-Bühne stattfand, hatte ich sozusagen zwei Wünsche auf einmal... mit dem dazugehörigen Bier waren es schon drei! Von wegen "Das geht nun wirklich nicht." Die Werbung lügt!

    Vorher waren wir aber noch am Merchandise-Stand, der inzwischen neue Ware bekommen hatte. Auf meine Frage, ob es denn auch ein Wacken-Shirt in Bierbauchgrösse gab antwortete dann tatsächlich mal einer mit "ja", und nachdem ich mir seit 2003 kein Festivalshirt mehr dort gekauft hatte (hab ja immer eh die X-Mas T-Shirtbeilage zu meiner Eintrittskarte) investierte ich dann doch mal wieder 18 Euro.

    Die Autogrammstunde der Reiter liess noch etwas auf sich warten, so hiess es erstmal rumstehen. Wir sabbelten gerade über keine Ahnung was, da kam neben uns eine grässliche Stimme angefiept.

    Also, rein optisch war die Tante ja gar nicht sooo verkehrt, aber die hatte echt eine Kreische wie Micky-Maus mit Hodenzerrung oder ein Gockel mit ´nem Kaktus inner Kloake. (QUIEKQUIEKKIKERIKIII) "Ich mag besoffene, verrückte Typen, und ihr seht aus wie besoffene, verrückte Typen. Piep fiep piep..." Wie sagte Micha noch: "Sorry, aber deine Stimme ist ziemlich anstrengend." Das war noch leicht untertrieben. Jedenfalls meinte sie dann, ich würde sie böse angucken und sie wohl gern loswerden. Nach der ständigen optischen Überflutung mit.. ähm... T(zensiert)en der letzten Tage hätte ich eher was anderes mit ihr gemacht, wenn sie doch nur einfach die Klappe gehalten hätte. So waren wir sie nach einer Zeit wieder los, nachdem sie uns einen vorrübergehenden Tinnitus inne Trommelfelle geschrillt hatte.

    Um 20.30 Uhr war es dann endlich soweit: Die Reiter erschienen zur Autogrammstunde! Rene, Micha und ich waren bis an die Zähne mit Bierbechern und Digitalkameras bewaffnet, wehalb ich jetzt hier einen signierten Wacken-Pilseimer, eine Autogrammkarte und ein paar Fotos mit uns und dem Sänger und dem Gitarristen (?) hier habe. Allerdings musste René mal freundlich bitten ("Nimm doch mal den Kopp hoch!"), damit die Ergebnisse auch aussagekräftig waren, und dann gingen auch noch genau da die Batterien seines Fotoapparats leer. Meine hatte ich zum Glück in weiser Vorruassicht am Morgen gewechselt... Geil! Nur der Ordner war von unseren "Mach hier nochma ´n Foto"-Aktionen weniger begeistert, udn verwies uns mit Hinweis auf die dreissig Meter lange Schlange dann des Feldes.

    Nachdem Heike unsere gesammelten Reiter-Utensilien vorläufig in ihrer Tasche verstaut hatte, damit die nicht verschütt gingen, nahte die Zeit des Auftritts von Blind Guardian. Auf den hatten wir uns trotz der (aus meiner Sicht) schwächeren letzten Alben (die mögen ja musikalisch gesehen höchst wertvoll sein, aber die Eingängigkeit und Mitgröhlkompatiblität von z.B. einer Scheibe wie "Tales from the Twillight World" ist leider fast komplett flöten gegangen, und sowas will ich auf ´nem Wacken halt hören) schon im Vorfeld wie die Schneekönige gefreut. Also noch ´n Bier bzw. die anderen ein paar Cocktails geholt (die Begeisterung von denen hielt sich aber ziemlich in Grenzen als sie ihr Gesöff erstmal angesetzt hatten), und auf Richtung Bühne. Da Heike nicht so in´s Getümmel kann standen wir ein bisschen weiter links vonner Bühne im Raum, wo man sich noch halbwegs bewegen konnte. Was vor der Bühne los war beschreibt allerdings genau den Eindruck, den man von diesem Wacken hatte: Es war VIEL ZU VOLL!!! Die Leute standen dicht gerdängt bis zum Eingangsbereich, und teilweise noch in Massen dahinter. Wie das nächstes Jahr bei Maiden werden soll... ich weiss nicht.

    Ich hab weiter oben ja schon beschrieben wecleh Art Songs ich gern hören wollte. Die Band war so freundlich und tat mir den Gefallen. Geil! Walhalla, Lost in the Twillight Hall, Welcome to Dying, Bard-Song, Imaginations from the other side, Lord of the Rings... Herrlich. Die Luftgitarre wurde ziemlich strapaziert (wobei Micha und ich im Vergleich mit zwei Typen am Samstag dann doch eine erbärmliche Vorstellung gaben, aber dazu komm ich später) und die Stimmbänder höchst rustikal bearbeitet. Blind Guardian waren, sind und bleiben (hoffentlich) einfach eine geniale Live-Band.

    Danach war es dann aber auch mal Zeit wieder zum Zeltplatz zu latschen und weiterzufeiern, die Autogramme und die geile Guardian-Show mussten amtlich begossen werden. Ausserdem sollten die Reiter ja noch um 2.00 Uhr auftreten, und bis dahin konnte es nicht schaden auch mal für zwei Stunden die Füsse hochzulegen (und zwischendurch auch noch die eine oder andere Portion Dünnschiss loszuwerden). So kippten wir uns bis irgendwann nach 1.00 Uhr erstmal gemütliche einen auffe Lampe, und machten uns dann wieder auf die Socken um die Reiter zu sehen.

    Was die dann auf der Bühne abzogen war echt unglaublich. Genauso wie die Menschenmassen, die zu so später Stunde noch auf dem Gelände waren um sich den Auftritt reinzuziehen und mal eben kollektiv auszuflippen. Vor zwei oder drei jahren war ich mal nachts um zwei bei J.B.O., da konnte man gemütlich ca. 25 - 30 Meter vor der Bühne stehen und alles sehen. Bei den Reitern waren wir mindestens dreimal soweit weg. Da wir in der Nähe von ´nem Bierstand ein Plätzchen gefunden hatten war der Boden doch ziemlich aufgeweicht, und man musste wirklich aufpassen, dass man am Ende noch beide Schuhe anhatte.

    Ziemlich schräg auch die eine Tante, die bei mir ankam um nach ´nem Taschentuch zu fragen. Man ist ja Kavallier... aber da hatte sie schon eins. Wer nun denkt, die hat sich damit den Rüssel poliert, der liegt falsch. Stattdessen stellte sie sich annen Zaun, zog die Buchse runter, Mors nach hinten und dann abgeschifft. Das Taschentuch war zur Verhinderung von gelben Flecken im Schlüpper da... So ´ne Aktion hab ich auch noch nie gesehen (na gut, ausser von mehr oder weniger senilen Leutchens auffe Arbeit).

    Nachdem die Reiter voll abgeräumt hatten machten wir uns langsam auf den Rückweg, jedenfalls wolten wir das. Michas Frage am Met-Stand wurde mit "Wir ham geschlossen" abgewimmelt. Na ja, ich kann es ja verstehen. Einmal muss der Veranstalter das Gelände über Nacht leerkriegen um vielleicht wieder etwas für Ordnung zu sorgen, und dann waren die Typen an den Getränkebuden ja schon seit dem Mittag im Dauereinsatz, und die müssen ja auch mal ´ne Runde pennen. War ja schliesslich schon nach 3.00 Uhr.

    Als wir gerade vom Gelände runter waren fing im Partyzelt die Metal-Karaoke-Show an, und weil die da unter anderem Maiden und Metallica spielten, und die nächste Pissrinne auch gleich um die Ecke war, beschlossen Matscho, Micha und ich noch ein wenig zu bleiben, während Heinrich und Tobi sich in Richtung Zeltplatz verpieselten.

    Da sich dann bei uns am Ende doch ein gewisses Hungergefühl breitmachte wollten wir unser Glück bei den noch beleuchteten Fressständen versuchen. Die Damen am Fischstand, die gerade dabei waren nach vierzehn Stunden Arbeit die Bude zu putzen um dann endlich knacken gehen zu können, waren irgendwie nicht so beigeistert davon, als Micha da nach halb vier antanzte um noch ein Fischbrötchen zu ergattern. Na ja, wenn man für so´n gammeliges Ding fünf Euro verlangt darf man sich aber auch nicht beschweren... Zehn Mark für ´nen alten Backfisch, ich glaube, es hackt. Marco und ich hielten uns da lieber an "günstigen" holländischen Pommes für zwofuffzich schadlos.

    Anschliessend eierten wir doch ziemlich bedengelt zurück zum Pavillon, wo die Fete bis nach Sonnenaufgang weiterging, ehe wir uns (zu Renés Zufriedenheit, den armen Kerl hatten wir nämlich mit unserer Party dummerweise geweckt) in die Zelte trollten. Nochmal die Matraze aufpusten, tief durchatmen, und dann: Gut´s Nächtle!