Verbeek-Radio-Interview (TORfabrik)

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Jonny, 21 April 2005.

  1. Jonny

    Jonny Guest

    »Ich bereue nicht eine Sekunde«

    (19.04.2005 - 09:11 Uhr) Im NOS-Radio-Interview fuer die
    Sendung “langs de lijn” (an der Linie) stand Pim Verbeek Rede
    und Antwort. Auch Dick Advocaat war gefragt worden –
    dieser sah es jedoch vor, keine Stellungnahme abzugeben.
    von Jan van Leeuwen

    Frage: Pim, guten Abend! Kannst du zum Anfang mal kurz
    erzaehlen, warum ihr zurueckgetreten seid?

    Pim Verbeek: Wegen einer Vielfalt von Faktoren - muss ich
    ehrlich sagen. Ausschlaggebend ist, dass wir in den letzten
    zwei Wochen, Bochum und Mainz zuhause, zwei
    Sechs-Punkte-Spiele voellig unnoetig aus der Hand gegeben
    haben. Also zweimal einen Vorsprung in den allerletzten
    Sekunden weggegeben haben. Gegen Bochum fangen wir in der 93.
    Minute ein Eigentor ein, dadurch spielten wir ein
    Sechs-Punkte-Spiel nur Unentschieden und am vergangenen
    Samstag gegen Mainz kassierten wir in der allerletzten Sekunde
    ein Scheiss-Gegentor. Es wurde nicht mal mehr angepfiffen!
    Wieder ein Sechs-Punkte-Spiel, welches du aus Haenden gibst.

    Frage: Aber es gibt doch mehrere Trainer, die mal zwei Spielen
    hintereinander auf unglueckliche Weise Punkte verlieren...

    Pim Verbeek: Sicherlich, aber die Folgen sind viel groesser.
    Anstatt neun Punkte Vorsprung hast du ploetzlich nur noch
    einen auf die Konkurrenten. Und der Druck bei diesem Klub ist
    so gigantisch. Die Erwartungshaltung ist von Anfang an, als
    Dick gekommen ist, so gigantisch gewesen. Man dachte, wir
    haben jetzt ein neues Stadion, wir haben jede Woche 50.000
    Leute, wir haben einen sehr erfahrenen und international
    anerkannten Trainer und jetzt wird es passieren.

    Frage: War er dem Druck nicht mehr gewachsen ?

    Pim Verbeek: Er schon, aber das Team nicht! Fuer Dick ist das
    nichts Neues, der laeuft vor dem Druck nicht weg. Es ging um
    den Druck, der auf der Mannschaft lastet und das haben wir
    auch am vergangenen Samstag wieder gesehen, als wir noch einen
    Wechsel in der Hinterhand hatten. Vier Spieler wollten zu
    diesem Zeitpunkt ausgewechselt werden. Worueber reden wir
    dann? Vier Spieler, die zwanzig Minuten vor Spielende mit
    physischen Problemen runterwollen, weil wir in dem Moment mit
    1:0 fuehren. Das sagt eigentlich alles. Das kann mit der
    fehlenden Qualitaet zusammenhaengen. Es hat auch damit zu tun,
    dass jeder weiss, wie wichtig es ist, dass Borussia
    Moenchengladbach jetzt den Klassenerhalt schafft.

    Frage: Dick Advocaat ist doch keiner, der das sinkende Schiff
    verlassen wuerde. Da riecht es jetzt aber doch ein bisschen nach ...

    Pim Verbeek: Er hat eigentlich vom ersten Tag an von den
    Medien keine faire Chance bekommen. Er ist hart rangenommen
    worden. Alles was er vorher in Holland gemacht hatte, wurde in
    den Boulevardblaettern gleich gross platziert. Kein Text, nur
    grosse Bilder und grelle Titelkoepfe und nichtssagende Sachen,
    die aber von ganz Deutschland gelesen werden. Es wurde eine
    Atmosphaere kreiert, in der ein Arbeiten sehr schwer war.

    Frage: Hing das auch noch mit seiner Vergangenheit als
    ‘bondcoach’ zusammen?

    Pim Verbeek: Absolut, und das voellig zu Unrecht! So fing es
    schon an und dann kam eine arrogante Hollaender-Story,
    worueber gesprochen wurde. Dann weiss man, dass man ein paar
    gute Resultate erzielen muss. Die haben wir am Anfang geholt
    und auf einmal dachte jeder, dass wir mit ein paar Einkaeufen
    die Spitze der Bundesliga stuermen wuerden. Nichts war
    natuerlich weniger wahr, denn wir hatten immer noch vier,
    fuenf Spieler, die eingepasst werden mussten. Und unsere
    beiden wichtigsten Spieler haben nie gespielt – die Rede ist
    von Elber und Sonck. Damit wurden wir staendig konfrontiert.
    Also der Druck lag auf dem Team und auf Advocaat. Nun, der
    kann damit prima umgehen. Das Team jedoch nicht und das wurde
    nur schlimmer und schlimmer und es wurde immer haeufiger gegen
    Advocaat geschrieben. Da haben wir uns gesagt, wenn das so
    weiterlaeuft, dann leiden die Resultate darunter. Das war dann
    auch in den letzten Wochen der Fall. Die Spieler standen steif
    vor Angst. Dick Advocaat hatte daraufhin stets prima erklaert,
    was sie zu tun haben, wie sie es zu tun haetten, dass sie vor
    nichts Angst haben brauchen... trotzdem passierte nichts. Da
    hat er gesagt »wenn es so laeuft, dann ist es vielleicht doch
    vernuenftig, eine Wahl zu treffen. Geht es so weiter, dann
    hoere ich auf«.

    Frage: Fiel ihm das schwer? Hat er dich bei diesen
    UEberlegungen miteinbezogen? Soll ich oder soll ich nicht?

    Pim Verbeek: Absolut! Wir hatten dies Samstag schon dem
    Vorstand vorgelegt. »Wenn ihr es besser findet« und wir waren
    bereit, weiter zu machen, »dann entscheidet und wir hoeren
    auf«. Der Verein nahm das Angebot nicht an und sagte »nein,
    wir gehen absolut weiter«. Aber durch die sehr unerwarteten
    Siege von Bochum und Nuernberg ist der Druck enorm gestiegen.
    Statt vier Punkte Vorsprung stehst du nur noch einen Punkt vor
    dem Abstiegsplatz bei noch fuenf ausstehenden Spielen. Da kam
    noch groessere Unruhe auf. Wir dachten, dass es immer noch gut
    enden koennte.

    Frage: Du bist zusammen mit Dick zurueckgetreten. Gab es
    keine Moeglichkeit fuer dich, zu bleiben?

    Pim Verbeek: Nein, daran habe ich keinen Gedanken
    verschwendet. Ich war immer komplett einverstanden mit allen
    Entscheidungen, die in Bezug auf Aufstellungen und
    Neuerwerbungen getroffen wurden. Auch diese Entscheidung, die
    Dick Advocaat jetzt getroffen hat, teile ich. Es ging halt
    nicht mehr. Wir hatten das Gefuehl, dass es mit uns nicht mehr
    gehen wuerde. Vielleicht zu Recht, vielleicht auch nicht, das
    wird die Zukunft zeigen. Deshalb habe ich gesagt, wenn Dick
    Advocaat diesen Verein verlaesst, bleibe ich auch nicht. Der
    Verein haette sowieso nicht mit mir weitergearbeitet,
    hoechstens als Assistent, der die Huetchen aufstellen darf.
    Dieser Taetigkeit bin ich vor 20 Jahre nachgegangen...
    Im Endeffekt beurteile ich die Zeit in Moenchengladbach so:
    Zusammen hin, zusammen zurueck! Ich bereue nicht eine Sekunde.

    Frage: Und jetzt zusammen auf der Suche nach einem neuen Verein?

    Pim Verbeek: Beide, ich bin 49 Jahre alt und habe noch 10 bis
    13 Jahre vor mir ...

    Frage: Dick wollte doch nach Borussia seine Karriere beenden ...

    Pim Verbeek: Ja, aber das war nach 2 ½ Jahren geplant! Diese
    Erfahrung haelt ihn nicht vom Fussball weg. Wir haben trotz
    allem die Bundesliga genossen. Es ist eine fantastische
    Meisterschaft, wir waren bei einem tollen Verein und hatten
    grossartige Trainingsbedingungen. Das haben wir genossen. Das
    Problem waren die Resultate und dadurch waren es sehr schwere
    Monate. Aber es bleibt nach wie vor eine Herausforderung, aus
    solch einem Verein etwas zu machen. Ich habe das Gefuehl, dass
    Dick denkt, dass dies noch nicht sein letztes Kunststueck
    gewesen sein kann. Ich glaube, er hat trotz dieser doch fuer
    uns alle grossen Enttaeuschung noch Lust und geht seinen Weg
    weiter. Ob dies nun alleine, oder wir zusammen – um das zu
    beurteilen, ist es etwas zu frueh nach unserem Ruecktrittsentschluss.

    Frage: Glaubst du, dass euer Weggang bei der Mannschaft einen
    Effekt erzielen wird?

    Pim Verbeek: Ich hoffe es! Ich hoffe es von ganzem Herzen und
    muss auch ehrlich sagen, dass ich es auch denke. Auf jeden
    Fall ist der Druck jetzt weg ist und die Spieler bekommen
    hoffentlich etwas mehr Gelegenheit zu zeigen, was sie koennen.
    Denn sie koennen natuerlich Fussball spielen! Das Pech bleibt,
    dass die wichtigen Spieler Elber und Sonck auch in den
    kommenden Wochen nicht spielen werden. Die haben wir
    natuerlich schmerzlich vermisst, weil das sind die Jungs, die
    den Unterschied ausmachen koennen. Die sind auch in den
    kommenden Wochen nicht einsetzbar, also qualitativ wird es
    doch schwer werden. Deshalb hoffen wir, dass der Druck weg ist
    und dass man es im mentalen Bereich packt. Wenn du dann gegen
    Nuernberg vielleicht gewinnst, dann kannst du zuhause gegen
    Stuttgart auch gewinnen. Denn die Fans sind einmalig,
    fantastisch, das moechte ich noch einmal extra betonen. Es gab
    keine negativen Rufe gegen Dick im Stadion. Ein kleines
    Transparent gab es, aber es war nicht so, dass es
    Mega-Probleme gab oder mehrere tausend Leute vor dem Zaun
    gestanden und die Entlassung von Advocaat gefordert haetten.
    Das waren nur die Boulevardzeitungen, denen eigentlich keiner
    glaubt, die aber doch einen grossen Einfluss haben.

    Frage: Die werden jetzt wieder grosse Schlagzeilen haben. Wir
    werden sie lesen …

    Pim Verbeek: Ich nicht!
     
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  3. André

    André Guest

    Klasse Interview! :spitze1:

    Interessant mal die andere Seite zu lesen!

    Und fair ist er auch, nicht nachgerteten im Gegenteil nochmal die Fans und das Umfeld gelobt, und das kauf ich Ihm auch ab!

    Hoffe das er Recht behält mit der Aussage das jetzt der Druck von der Mannschaft fällt.... :hammer2:
     
  4. Jonny

    Jonny Guest

    :13schild: Jau, deshalb habe ich das ganze hier reingestellt, ist mal gut auch die andere Seite zu sehen und was Er über die Fans sagt geht runter wie Öl :spitze: