Springer Post goes Politik

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Princewind, 4 Dezember 2007.

  1. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    zum wohle der allgemeinheit heißt sicher nicht, dass die allgemeinheit die profitgier einiger mit steuergeldern unterstützt.
    das wäre der fall, wenn hungerlöhne durch hartz IV aufgestockt werden müssen.

    was du mit den lottokönigen vorhast, weißt wahrscheinlich nur du selbst.
    ist jedenfalls ausgemachter quatsch.
     
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  3. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Das Wohl zum Allgemeinheit erschliesst sich mir irgendwie nicht, bei Löhnen um die 5 Euro.

    Vielleicht habe ich aber auch eine verklärte Sicht auf die Allgemeinheit und das Wohl im besonderen.

    Allerdings kann man natürlich auch Ausbeutung paragraphentechnisch schön reden, sicher.
    Mal davon abgesehen, daß nicht alles juristisch regelbar ist.
     
  4. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Pauli hat angefangen, das GG heranzuziehen, nicht ich.

    Was ich damit ausdrücken will, ist, dass man bei solcher Art Probleme auch die andere Seite sich mal ansehen muss, und vor allem, konsequent zu Ende denken.

    Wenn ich also den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik nicht will, dann bitteschön keinerlei Einfluss irgendwelcher Leute oder Institutionen auf die Politik.

    Und wenn ich auf diesen Artikel abstelle und der Auffassung bin, dass Vermögen per sé für die Allegemeinhait im Sinne von sozial gerechten Löhnen eingesetzt werden muss, dann müssen das auch alle und nicht nur große Konzerne.

    Und wenn ich will, dass ich jemanden das Recht nehme, seine Klitsche wieder zu zu machen, dann eröffne ich gleichermaßen eine Verpflichtung, den Laden bis zu Untergang (oder ohne Rendite) weiterzuführen, was gleichsam zumindest einer Teilenteignung gleichkommt. Denn - so sagt auch das GG: Das Eigentum wird gewährleistet.

    Jedoch: in Absatz 3 steht ja die Hintertür: Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig...neben weiteren Voraussetzungen. Unter anderem einer Entschädigung, so dass es letzlich doch keine "Enteigung" im Sinne von Vermögensverlust ist.
     
  5. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    BU, darum geht es doch einigen hier:
    Konsequent zu Ende denken - und nun lassen wir mal das Grundgesetz einfach beiseite:

    Arbeit, die so entlohnt wird, daß der Arbeitende kein Leben führen kann, das bestimmten Mindeststandards genügt, ist unsinnig.

    Das führt nur dazu, daß entweder andere Institutionen einspringen müssen um dem Arbeitenden ein anständiges Leben zu ermöglichen oder, daß der Arbeitende, wenn ihn sonst niemand unterstützt, eben ein Leben in Armut führt.
     
  6. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    oder das er sich, auf sonstige legale und illegale Art und Weise genug Geld besorgt, um ein anständiges Leben führen zu können.
     
  7. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Richtig, unbestritten, das ist auch meine Meinung!

    Und Firmen schliessen, weil sie nicht mehr rentabel genug arbeiten?
     
  8. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Unterhalb wieviel Mio. Gewinn ist denn "nicht mehr rentabel genug"?
     
  9. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Wieder zurückgefragt: Wieviel Zinsen würdest du dir denn auf eine Geldanlage wünschen? Bei wieviel Zinsen würdest du der Auffassung sein, das ist auf jeden Fall zuwenig?
     
  10. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    mal was anderes so nebenbei


    Konzernzentrale


    PIN Group AG

    15, rue Léon Laval, L-3372 Leudelange
    Luxembourg

    kann man sich ja denken wo Verluste gefahren werden und wo die Gewinne auflaufen.....




    BZW, die ersten 880 hat der Springerkonzern nun als Druckmittel gefeuert. Wäre wirklich mal an der Zeit, nen Springerboykott durchzuführen.
     
  11. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Wogegen uns dann einen Überwachungsstaat schaffen und sei unter der Tarnung erhöhter Sicherheit gegen den internationalen Terrorismus.
     
  12. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Nochmal für Dich: Selbst das Geldinstitut, daß mir den höchsten Zinssatz gewährt, wird dabei keinen Verlust einfahren. Es sei denn es verzockt sich dann einer beim Spekulieren mit meinem zu Verfügung gestelten Geld.

    Löhne unterhalb eines Existenzminimums sind es aber für den Arbeitnehmer.
     
  13. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    das waren noch zeiten mit rudi dutschke....

    Q: wikipedia
     
  14. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Da fällt mir der hier Alois Rhiel - Wikipedia ein.

    Ein linker Konservativer.

    Habe erst kürzlich etwas im Spiegel über den Kerl gelesen.

    Die Idee die Stromkonzerne eventuell zu enteignen ist schon mal ein Anfang.

    Hier ein Link zu dem Artikel.

    Deutschland - ENERGIEPOLITIK - „Heiliger Aloysius"

    Über Umwege gefunden, der Spiegel will nämlich 50 Cent für den Artikel haben.
     
  15. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Darum geht es doch gar nicht. Es geht darum, dass Springer mit seinem Geld machen kann, was er will, genau wie du, ich und alle anderen. Die Bedingung die nun eingeführt wurde, ist, dass er anständige Löhne zahlt, und da sagt er: "OK, dann lass ich es mit der Postzustellerei, weil ich dann nicht mehr genug daran verdiene."

    Ich weiss auch nicht, wie die Rendite aussieht mit dem Mindestlohn und ohne. Aber ich weiss, dass sie mit Mindestlohn offenbar weit geringer ist, als ohne. Und dass sich das Investment für Springer dann nicht mehr lohnen könnte, bspw. weil er am Kapitalmarkt mehr bekommt, oder wenn er einen Verlag in Namibia aufkauft, das kann ich mir auch vorstellen. Ich wüsste nicht, was daran unmoralisch sein soll, sein Geld woanders anzulegen. Darauf kommts mir an, nicht ob mein Geldinstitut noch mehr verdient als sie mir Zinsen gibt, das weiss ich auch.

    Wir leben nunmal in einer Gesellschaft, deren wesentliche Orientierung am Geld besteht. Jeder will mehr haben und weniger ausgeben, wir sehen nach dem günstigsten preis, nach den höchsten Zinsen, betrügen das Finanzamt und die Krankenkassen, von Wohngeld uns anderen ganz zu schweigen. Diese Wirtschaftsform nennt man Kapitalismus. Da gehts nunmal um die Kohlen - hauptsächlich. Und alle spielen dieses Spiel mit, der Staat, die Unternehmen, die Verbraucher, Rentner, Arbeitslosen, ALGII-Empfänger etc.

    DIese Orientierung aufzugeben ist ein längerer Prozess jedes einzelnen. Möglicherweise gehört auch dazu, dass jeder erst mal sovie haben muss, um freiwillig verzichten zu können, das kann sein.

    Aber bis jetzt ist es eben noch nicht soweit. Und solange der Sparer nach einem halben Prozentpunkt mehr bei der Bank hechelt oder gierig auf die letzten Pünktchen im DAX ist, solange man erhebliche Zeit (und Geld)-Mengen aufwendet wegen 3 Euro 50 Zusatzerstattung vom Finanzamt, solange haben auch die Firmen und Konzerne das Recht, andere Firmen zu eröffnen oder zu schliessen wie es ihnen beliebt. Rendite heisst das Schlagwort. Und alle spielen mit.
     
  16. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    ... und alles wieder in staatliche Hände zu geben? Nö, Privat finde ich schon nicht verkehrt, denn da ist der Drang zu forschen und zu entdecken wesentlich grösser, als wenn es staatlich verordnet wird. Was ein Problem darstellt ist die Gewinnung der Energie. Solange dafür Erdöl und Erdgas genutzt wird, werden Preise nicht sinken und nicht stabvil bleiben. Auf Dauer denke ich aber schon, das alternative Energien sinnvoller sinn. Sie sind unerschöpflich und unterliegen damit keiner Fördermenge. Norwegen hat z.B. ein neues System vorgestellt klick. Dies sind Forschungen, die in die richtige Richtung gehen und, bei entsprechender flächendeckender Einsetzbarkeit die Preise einmal festlegen und aus meiner Sicht auch nicht wanken lassen. Das die Energiekonzerne davon nicht begeistern sein werden, kann ich vollstens verstehen.
     
  17. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Höchstens der Drang nach möglichst hoher Rendite, auf Kosten von uns allen, zu forschen ist da sehr ausgeprägt.
     
  18. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Der macht mit seinem Geld gar nichts mehr.
     
  19. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Dann eben die entprechende AG bzw. deren Aktionäre.

    Ansonsten haben wir ja erlebt, was technologisch passiert, wenn Konzeren verstaatlicht werden. Es ist schliesslich kein Zufall, dass die DDR technologisch zurück war.
     
  20. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Das ist ein Irrtum. Der Staat lenkt die Forschung, indem er für bestimmte Bereiche Forschungsgelder vergibt. Auch die meisten Firmen forschen mit staatlichen Geldern.

    Privatisierung von Post, Strom und Bahn ist kontrapruduktiv, wie man ja an Ländern sehen kann, wo dies geschehen ist. (Wahrscheinlich auch des Gesundheitssektors.)
     
  21. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    das hatte andere gründe: z.b. dass die menschen den haupteil ihrer arbeitszeit mit dem "organisieren" von mehr oder weniger lebensnotwendigen verknappten gütern verplempern mussten.
     
  22. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    NASA?

    .
     
  23. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Sicher da gebe ich Dir recht, aber die Produktivität (in dem Falle der Forschung) ist in privaten Hand effektiver. Behaupte ich mal.
     
  24. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    da halte ich gegen.
     
  25. Schröder

    Schröder Problembär

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    Nö, kann er eben nicht. Darum steht ja im GG, das Eigentum auch verpflichtend ist.

    Wir leben aber nicht im Kapitalismus, sondern in einer sozialen (noch, mehr oder weniger) Marktwirtschaft. Und wenn du Finanzamt und Krankenkassen betrügst, müssen das noch längst nicht alle machen.

    Das ist sogar ganz sicher so. Worauf willst du verzichten, wenn du nix hast? Rentnern, Arbeitslose und ALGII-Empfängern bleibt nämlich nix anderes übrig, als auf jeden Cent zu achten. Und hier liegt ein weiteres Problem: Sie können sich dann irgendwann nur noch die Produkte solcher Hersteller leisten, die selbst durch Dumpinglöhne und Entlassungen die Anzahl dieser Verbrauchergruppe weiter erhöhen.

    Dieses Recht haben sie aber eben nicht, bzw. sollten es nicht haben. Es gibt sowas wie eine soziale Verantwortung bei jedem einzelnen. Und wenn der diese mit Füßen tritt, sollte man ihm mit legalen Mitteln aufzeigen, das er sich nicht so leicht aus dieser Verantwortung stehlen kann.

    In diesem Fall, indem man der Springer-Gruppe eben keine öffentlichen Aufträge mehr erteilt oder als Verbraucher deren Produkte boykottiert. Und die Macht der Verbraucher ist groß, hat man damals bei der Bohrinsel "Brent Spar" gesehen, als keiner mehr bei Shell getankt hat. Die wurde dann nämlich auch nicht wie geplant im Meer versenkt.
     
  26. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Die Frage ist, wie man die Produktivität von Forschung überhaupt bemessen will. Nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien darf es da meiner Meinung nach nicht gehen. Z.B. kostet Grundlagenforschung erstmal nur Geld, ohne (in der Regel) direkt am Markt erfolgreich sein zu können. Ausserdem gibt es Forschungsgebiete, deren Ergebnisse sich nicht so "verkaufen" lassen, die aber trotzdem einen Wert haben. Nur ist dieser Wert nicht unbedingt in €€ zu bemessen.
    "Effektiv" sind beide Arten der Finanzierung, jedenfalls im technischen Bereich um den es hier vermutlich geht.

    Wenn es rein nach Rendite geht, haben wir an den Hochschulen bald nur noch Ingenieure und Wirtschaftler. Weil sich was anderes kaum noch rechnet. Sind schon auf dem Weg dahin, will ja schliesslich bezahlt werden, so ein Studienkredit.
     
  27. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Also was ich erfahren habe, ist, dass die DDR-Wirtschaft technonogisch weit zurück war. Und das in fast allen Bereichen. Das lag zum einen daran, dass ursprünglich wertvolle Innovationen für ein Appel und ein Ei gegen Devisen verschleudert wurden, aber eben auch, dass staatlicherseits Entwicklungen, z.B. in der Fahrzeugindustrie, behindert, verschleppt oder sogar abgelehnt wurden, oder aber ehebliche Anstrengungen vonnöten waren, um überhaupt halbwegs dranzubleiben, z.B. in der Mikroelektronik

    Da war die DDR nämlich auch hinten. Es wurden Unsummen dafür ausgegeben, um technologisch soweit zu sein, um z.B. Chips der jeweils älteren Generation überhaupt einkaufen zu können. Man musste also kämpfen, um an der dritten oder vierten Reihe überhaupt dranzubleiben, geschweige denn, nach vorne zu kommen.

    Deine von dir genannten Gründe spielen sicher auch eine Rolle, aber die sind nicht unbedingt Thema. Es ist m.E. sonnenklar, dass ein auf Profit orientiertes Unternehmen ständig neue Produkte und Technologien benötigt, um auch zukünftig weiter Profit generieren zu können, also forschen und entwickeln muss - oder aber Innovationen teuer einkaufen. Ein Kombinat, welches Planzahlen zu erfüllen hat, hat dieses Bestreben gar nicht bzw. soll es nicht haben, braucht also auch viel weniger in Innovationen zu investieren.

    Zu @Schröder:

    Fang nicht wieder an das GG zu zitieren. Zum einen müsste man erstmal diskutieren, was in diesem Zusammenhang "Eigentum" ist. Wenn du weiterliest, dann steht ja auch da, dass man Eigentum durch Enteignung verlieren kann, aber nur gegen Entschädigung, was mir die Frage aufdrängt, ob dann Geldvermögen im Sinne des GG auch Eigentum ist oder nicht. Wenn ja, dann könnte ich ja auch - wenn die Voruassetzungen vorliegen - mein Geldermögen durch Enteignung verlieren, aber dann auch nur gegen Entschädigung. Wie sollte diese Entschädigung denn aussehen? Bei Enteigungen von Boden und anderer Güter kann ich mir schon vorstellen, dass die Enteigung auch in Geld passieren kann. Aber bei Enteigung von Geldvermögen? M.E. ist mit Eigentum eher was anderes gemeint als das Geldvermögen.

    Zum anderen hatten wir die Diskussion um den Artikel schon. Wer bitte bestimmt, wie ich mein Vermögen zum Wohle aller einzusetzen habe? Sicher der Gesetzgeber, aber eben auch nur in dem Umfang, das ich dadurch nicht enteignet werde. und in dem Umfang, dass der Staat mir es wegnimmt und selbst entscheidet, was er damit macht. Eine Bestimmung darüber, was ich mit meinem Vermögen selbst anzustellen habe widersricht jeglichem Freiheitsprinzip und würde im übrigen auch von den Kleinsparern richtigerweise angegriffen werden. Denn der Staat kann eben nicht vorschreiben, ob ich persönlcih ein Sparbuch zu besitzen habe oder Festgeld oder Bundesanleihen. Und wenn er es mir nicht vorschreiben kann, kann er es der Springer AG oder deren Aktionären auch nicht.

    Weiterhin mögest du mir bitte erklären ob denn die "soziale Marktwirtschaft" keine Ausprägung des Kapitalismus ist.

    Zum dritten fordere ich keinen Verzicht auf irgend etwas, schon gar nicht von Rentnern, Kindern, Arbeitslosen und ALGII-Empfängern und anderen. Das was ich fordere ist, dass man nicht mit dem Finger auf andere zeigt, wenn man selber - sowohl gezwungenermaßen, aber auch weil es Gesellschaftsprinzip ist - auch nicht anders denkt als der, den ich zu kritisieren oder verurteilen versuche.

    Und klar haben sie das Recht, so wie jeder einzelne und jedes Rechtssubjekt auch. Alles was bleibt ist, an die soziele Verantwortung zu appelieren. Im übrigen - wenn die Springer-AG so ertragssark ist, wie das hier vermutet wird, dann wird sie auch viel soziale Verantwortung tragen und für das Allgemeinwohl sorgen, und zwar nicht über die Inhalte ihrer Presseerzeugnisse, sondern über ihre Steuerzahlungen und über die noch bestehenden zig-tausenden Beschäftigungsverhältnisse.

    Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Springer versucht, seine "Verantwortung" zu minimieren, was sozailpolitisch höchst brisant ist, zugegbenermaßen. Aber Sinn und Zweck einer Firma ist nicht, sozail tätig zu sein, dass kann ein Verein oder eine Stiftung auch. Sinn und Zweck ist, Geld für die Anteilseigner zu verdienen. Die soziale Tätigkeit ist - wenn überhaupt - nur ein Nebenzweck. Diese Ausrichtung ist im übrigen auch in Literatur, Lehre und Forschung nicht strittig, was den Einklang mit dem Artikel 14 GG betrifft. Man beachte das Wörtschen "auch" hierbei.

    Mit deinem allerletzten Satz bin ich höchst einverstanden. Verbrauchermacht zeigen. Das ist angesagt. Aber Fingerzeigen, schimpfen, verlangen, dass der andere sich ändert, anklagen, verurteilen, das ist alles eben viel einfacher, als auf meine Bild und meine Frauen- oder Männerzeitschrift zu verzichten, und das massenhaft.
     
  28. Schröder

    Schröder Problembär

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    Ich weiß wirklich nicht, wie du bei "Eigentum verpflichtet" immer nur an Enteignung denken kannst. :gruebel: Keiner will Springer enteignen. Ich will ihn auch nicht gerichtlich belangen, weil er die Arbeiter entlässt.

    Hier müssen, wie schon gesagt, Staat und Verbraucher mal Flagge zeigen und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (Boykott) solche Arbeitgeber an ihre soziale Verantwortung "erinnern". Ich selbst hab seit ca. 7 Jahren keine BILD etc. mehr gekauft, allerdings eher, weil mir die Art der "Berichterstattung" nicht passt.

    Zur Sozialen Marktwirtschaft: Sinn dieser ist es eben auch, sozial Schwächere zu schützen. Das geht halt auch zu Lasten der Vermögenden, auch wenn dies inzwischen immer weiter zurückgefahren wird. Nur durch unsere sozial ausgerichteten Gesetze sind z. B. Betriebsräte und Gewerkschaften möglich, die dafür sorgen, dass eben nicht jeder mit seinem Betriebsvermögen (was du mit deinem Lottogewinn machst, bleibt weiterhin allein deine Sache) machen kann, was er will.

    Wenn wir so handeln würden, wie du das vorschlägst, gäbe es keinen Kündigungsschutz, keine Sicherheitsvorschriften und keine geregelten Pausen mehr. Weil ja jeder mit seinem Geld machen kann, was er will. Und wenn er davon seinen Angestellten und Arbeitern nur 50 Cent / Stunde zahlen würde, bei einer Arbeitszeit von wenn möglich 20 Stunden am Tag (fast schon zwangsweise für die Arbeiter, um überhaupt von dem "Verdienst" noch leben zu können), hätte er nach deinem Rechtsverständnis keine Schwierigkeiten zu fürchten, weil es ja sein Geld ist. Und das seiner Aktionäre. Wer sich weigert, für diesen Hungerlohn zu arbeiten, wird sofort entlassen. Kapitalismus in Reinkultur, wie du ihn hier propangierst.

    Das meinte ich mit "Eigentum verpflichtet". Keine Enteignung.

    Und was passiert, wenn die soziale Verelendung weiter voranschreitet, zeigt die Geschichte. Hitler und Lenin sind nicht an die Macht gekommen, weil es dem Volk gut ging. Sondern weil verzweifelte Menschen sich gern an solche "Heilsbringer" klammern.
     
  29. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Ich denke nicht an Enteignung, sondern an den Eigentumsbegriff. Guck ins GG, welches du gerne heranziehst. Der grundgesetzliche Eigentumsbegriff in Art. 14 Abs 1 und 2. ist rechtsdogmatisch mit dem Abs. 3 der Ent"eig"nung verknüpft. Daraus ergibt sich die Überlegung, dass hier Eigentum eben nicht Geldvermögen heissen kann, weil Geldvermögen eben kein Eigentum im Sinne des GG ist, weil es nicht enteignet werden kann, wie anderes Eigentum. Also ist Geldvermögen auch nicht unbedingt das Eigentum, welches grundgesetzgemäß verpflichtet.

    Nee. Du nicht und die anderen auch nicht, aber es wird sich aufgeregt darüber, dass Springer entlässt, und damit Druck auf die Tarifpolotik bzw. die Regierung ausübt bzw. das damit bezweckt.

    Richtig. Und der Staat zeigt u.a. dadurch Flagge, dass er den Mindestlohn trotzdem durchsetzt, egal was die Springer AG macht. Das ist doch zu begrüßen. Allerdings ist dann auch die Entscheidung von Springer zu akzeptieren, dass er sich aus dem gerade neu betretenen Markt zurückzieht.

    Und der Verbraucher soll nicht meckern, sondern machen. Das ist schon immer meine Meinung. Meckern und mit dem Finger auf andere zeigen ist leicht, selbst aktiv werden viel schwerer. Das betrifft dich als potentiellen Nicht-Bild-Leser vielleicht nicht direkt, aber dennoch eine Vielzahl der Schimpfenden.

    Im übrigen ist es ja genau das was bei großen Unternehmen so gerne kritisiert wird. Die schimpfen nicht, sondern handeln. Sie kündigen an und ziehen durch. Und das ist eigentlich das, was immer kritisiert wird.

    Und trotzdem ist das Kapitalismius, oder nicht? Vielleicht eine andere Ausprägung, aber dnnoch Kapitalismus.

    Zweite Frage. Wer hält denn das Betriebsvermögen. Sind es nicht im Endeffekt fast immer Privatpersonen, die (über zig Ecken hinweg) das Betriebsvermögen besitzen? Und hat dann nicht jeder das recht sein Privatvermögen aus der Firma abzuziehen (verbunden mit den Konsequenzen des Kündigungsschutzes etc.)?

    Nein überhaupt nicht. Das propagiere ich nicht und vertrete ich auch nicht. Ich bin halt der Ansicht, dass derjenige, der sich entscheidet ein bestimmtes Wirtschaftsunternehmen zu führen, sich an die vom Gesetzgeber gestellten Rahmenbedingungen zu halten hat, und wenn er das nicht will, dann eben seinen Laden schliessen muss. Das ist nur allzu konsequent. Inkonsequent wäre es zu fordern, dass er auch wenn er nicht mehr will, seinen Laden aus sozialen Gründen offenhalten muss. Und das ist das, was ich hier teilweise herauslese: Einerseits die Forderung nach Mindestlohn, andererseits die Forderung, die Wirtschaft möge diesen auch gegen ihre Renditeziele oder gegen ihren Willen zahlen. Nein, muss sie nicht. Sie kann auch die Jobs auch abbauen. Das einzige, was sie nicht mehr kann, ist, sie unterzubezahlen.

    Richtig. Das kann ich unterschreiben.

    Und ich kann auch noch eins dazusetzen: Wenn die Wirtschaft nicht begreift, dass Deutschland oder Europa auch als Markt wichtig ist, als Absatzstätte, und das die Leute, die ihr Zeug kaufen sollen, auch das Geld dazu brauchen, dann wird sie auch mit den Konsequenzen leben müssen, Konsumdelle, schlechte Verbraucherstimmung, Einzelhandelspleiten etc.
     
  30. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Das ist ja gerade der Witz im Pluralismus, daß sich die Einzelnen auch aufregen können. Schadet ja auch nicht - zumal der Faktor "Druckausübung" ja auch nicht ganz wegzudiskutieren ist.
     
  31. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    Q: wikipedia

    ich wäre da nicht so sicher.