Spielbericht Bayer Tottenham

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von wupperbayer, 25 November 2006.

  1. wupperbayer

    wupperbayer *Meister 20xx*

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    Endlich mal wieder ein europäisches Spiel, bei dem ich im Stadion bin – nachdem ich gegen Sion nicht konnte, freute ich mich trotz der zuletzt gezeigten „Leistungen“ der Leverkusener Individuenansammlung auf das Spiel. Selbst das reichlich englische Wetter konnte mir da nix von nehmen.

    Am Stadion angekommen sah ich erst mal grün, nicht wegen des Rasens, sondern wegen der Polizei, die dort in Massen rumstand. Warum auch immer zwischen C- und B-Block, sprich, zwischen Fanblock und Gegentribüne, wo eigentlich kaum zu erwarten war, dass gegnerische Fangruppen aufeinander treffen würden :vogel: Aber gut.
    Stichprobenartig wurde beim Einlass tatsächlich der Personalausweis kontrolliert, mir glaubte man aber auch so :zwinker: Nach der diesmal seltsamerweise recht laschen Einlasskontrolle (man kann ja auch nicht für alles Sorge tragen) ging ich zu meinem Platz und sah die Bescherung – der Sitz war (eigentlich vorhersehbar) ein Feuchtbiotop und ich hatte nix zum trocknen dabei. Zum Glück halfen mir freundliche Nachbarn darüber hinweg. Ansonsten hätte wohl auch die schon wieder bei +12°C eingeschaltete Heizung für das Trocknen des Sitzes gesorgt :vogel:
    Wie immer bei europäischen Spielen wurden die Standardwerbetafeln abmontiert und durch bewegliche Banner ersetzt. Das sage ich deshalb, weil auf einem der Banner Werbung gegen das Wettmonopol in Deutschland gemacht wurde... wusste gar nicht, dass man sich sowas beim ach so lieben Verein Bayer Leverkusen traut. Nuja.
    Der Gästeblock war für einen Donnerstagabend geradezu sensationös gefüllt, wobei allerdings etliche Zaunfahnen, für die kein Platz mehr an eben diesem war, ein gutes Viertel des F4-Blocks in Beschlag nahmen. Eindeutig Engländer :zwinker: Die Begrüßung der Gäste erfolgte sinnvollerweise auf deutsch, warum auch immer :vogel: Berbatov jedenfalls wurde bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung nicht besonders beachtet, aber das sollte ja noch kommen.
    Stimmungsmäßig sangen sich die Engländer gleich ein, was ein Kontrast war zu dem doch sehr farblosen Fanblock – keine Fahnen (bis auf die Zaunfahnen, natürlich), kaum Schals, eben nur die Stimme zeichnete die Fans als Fans der Spurs aus. Was die so alles sangen, weiß ich nicht, bis auf einzelne „Tottenham“-Rufe konnte ich nix verstehen.
    Auf Leverkusener Seite war die Unterstützung anfangs eher mau, nachdem aber die Mannschaft gezeigt hatte, dass sie so tat, als wolle sie was tun, wurde sie etwas besser.
    Die Leistung der Mannschaft nahm im selben Verhältnis wieder ab, vielleicht sollte man sich gegen Cottbus doch 90 Minuten lang einen Maulkorb verpassen. Dutzende Fehlpässe später gab es dann auch die ersten Pfiffe :vogel:, allerdings begleitet von einigen „Halt die Klappe, wenn du schon nicht anfeuern willst“-Rufen gegen die Pfeifer. Das Spiel nahm so langsam Oberliga-Niveau an, weil auch die Spurs zwar sichtbar mehr wollten als die Levs, aber doch irgendwie von sich selbst gehemmt wurden.
    Ausgerechnet Berbatov überwand dann diese Hemmschwelle. Die Engländer freuten sich, ich war bedient. Ich versuchte mir zwar einzureden, dass eine Führung in den letzten Spielen auch nicht immer das Gelbe vom Ei war, aber zwecklos – bei der bisherigen Leistungen insbesondere des Mittelfelds und des Sturms hätten die auch bis heute weiterspielen können, es wäre kein Tor gefallen – auch ohne die Spurs auf dem Platz.
    Im VIP-Bereich der Nordkurve hatten sich wohl auch einige Engländer versammelt, ich sah, wie einige Engländer Bierbecher aus den Fenstern auf die Nordkurve warfen – die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Einige Doppelhalter wurden direkt vor die Logen gehalten, sodass die Engländer dahinter effektiv nichts mehr sahen. Da aber wohl letztere eindeutig mehr Geld bezahlt hatten als die Lev-Fans, wurden letztere dazu aufgefordert, das Doppelhalter-Hochhalten doch zu unterlassen :vogel: Zu den Engländern kein Wort.

    Von den Engländern im Gästeblock kam mittlerweile auch weniger, zwar wurden auch noch laute Gesänge angestimmt, dazwischen gab es aber doch einige größere Pausen.
    Eine solche folgte unter Pfiffen auch jetzt. Ich hielt mich zurück, mit Pfiffen zur Halbzeit kann ich ebensowenig anfangen wie mit Pfiffen während des Spiels. Nach dem Spiel können sie durchaus ihre Berechtigung haben.

    Zur zweiten Halbzeit kam dann Paul Freier für Kießling – und tatsächlich, das Spiel der Leverkusener wurde besser. Schlechter wäre auch kaum möglich gewesen.
    Allerdings nur etwa eine Viertelstunde lang, danach machte sich derselbe Trott wie zur ersten Halbzeit breit. Nein, es wurde tatsächlich noch schlimmer.
    Die Stimmung auf den Rängen war entsprechend. Irgendwann in den 70er-Minuten wurde dann Berbatov ausgewechselt... mit Applaus, als habe er für Leverkusen das enorm wichtige 1:0 erzielt, und nicht umgekehrt. „Berbatov!“-Rufe waren die Folge, direkt gekoppelt an den angeblich Schuldigen, dass Berbo nicht mehr da ist: „Holzhäuser raus!“ Während diese Standard-Antigesänge noch komplettiert wurden durch „Skibbe raus“, „Wir wolln euch kämpfen sehn“ und „Wir haben die Schnauze voll“, wurde die Stimmung mit der Zahl der Fehlpässe, also mit fortschreitender Zeit zunehmend sarkastischer. Wurde zu Beginn der ersten Hälfte „Wir holen den U-U-EFA Cup und wir werden deutscher Meister“ noch halbwegs hoffnungsfroh angestimmt – zumindest, was den ersten Teil und den davor („Olé schwarz-rot, wir saufen bis zum Tod“) anging – so folgte dieses Lied jetzt wieder. Zusammen mit „Deutscher Meister wird nur der SVB“ und einer beinahe geglückten La Ola wirkte dieser Sarkasmus wohl wesentlich stärker als die „Standard“-Antigesänge. Als dann auch noch jeder geglückte Pass ironisch beklatscht wurde und gegen Ende auch dem Gegner applaudiert wurde, war spätestens hier jedem klar, dass das nichts mehr werden sollte.

    Nach Schlusspfiff blieb das von mir erwartete Pfeifkonzert aus – so wie ich waren wohl alle viel zu sehr erschüttert von den immer wieder neuen Tiefpunkten, die auch ein Rudi Völler nicht mehr schönreden kann. Einen sehr interessanten Lichtblick ganz anderer Art gab es dann aber dennoch: Zum Schluss wurde die alte (und, nach Meinung fast aller Fans, einzige) Hymne gespielt. Vielleicht sieht man auf Vereinsseite ja doch ein, dass der Boykott der neuen Hymne so lange weiter gehen wird, bis diese abgesetzt wird. Oder man wollte die Fans wenigstens ein bisschen besänftigen.
    Ich war jedenfalls sehr bedient und machte mich auf den Heimweg. Gegen Cottbus kann es eigentlich kaum schlechter werden.
    Aber wer weiß, Lev ist immer für Überraschungen gut.

    Die Leistung der Leverkusener ist schwer in Noten zu fassen, ich versuch's aber trotzdem mal:

    Lev-Mannschaft: Dazu ist eigentlich schon alles gesagt. Wegen der Viertelstunde nach der Pause gerade noch 5-.

    Spurs-Mannschaft: Recht ordentliche Leistung, aber vor dem Tor gegen Ende total ineffektiv. Man hätte mindestens 2:0 gewinnen müssen. Note 3.

    Lev-Fans: Bei der Leistung der Mannschaft ist nicht viel zu erwarten. Die Pfiffe nerven aber, und in der 1. HZ war doch deutlich mehr drin. Note 4-.

    Spurs-Fans: Bis auf die schon erwähnten Pausen großartig. Note 1-.

    Schiri: Es gab wenig zu pfeifen, das tat er aber souverän und unaufgeregt. Note 2+.

    Spiel: Grottig für ein UEFA-Cup-Spiel. Note 4.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
  2. Anzeige für Gäste


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  3. R.v.N.

    R.v.N. Junior Konzepter UX

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    schöner Bericht:top: