Sollte man Produkte aus China boykotieren?

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von André, 13 September 2006.

  1. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Hab das Thema eben im Borussenforum gesehen, finde es sehr interessant und stelle es somit mal hier zur Diskussion frei:

    Wenn man sich Abbau des Sozialstaats: Dolchstoß durch den Konsumenten - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten und dann Chinas Kapitalismus: Profitgier geht über Leichen - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten vor Augen führt. Ist Geiz wirklich geil? Stimmt mich ziemlich nachdenklich. Doch lieber mal´n paar Euro drauflegen oder ist das alles eh nur Augenwischerei und doch das Billigste die beste Wahl?!
     
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  3. Ilai

    Ilai Well-Known Member

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    Naja, wenn du 'n paar Euro drauf legst, dann fütterst du eben die Manager eines anderen Industrieunternehmens - für die Arbeiter ändert sich da nicht wirklich was.
    Was die Arbeitsbedingungen auch in Deutschland angeht, bewegen wir uns die letzten Jahrzehnte auch immer weiter auf die Verhältnisse, wie sie im Mittelalter waren zurück.

    Mit einem Boykott verlagerst du das Problem nur in eine andere Region der Welt, und sorgst zusätzlich dafür, dass du um so mehr selber sehen musst, wo du bleibst, weil du für den selben Gegenwert mehr Geld ausgeben musst.

    Traurig, aber leider ist es so.
    Aus einem 'Proletarier aller Länder vereinigt euch' ist inzwischen ein 'Proletarier aller Länder, leckt mir den Dreck aus dem Profil meiner Stiefel' geworden.
    Das gilt nicht nur für China.
     
  4. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Ja ich sehe das auch skeptisch vor allem weil die tollen Deutschen Firmen, zum teil Ihre hohe Preise mit den hohen Löhnen in Deutschland rechtfertigen, zum anderen aber selbst in China oder Asien für billig Geld produzieren lassen.

    Auf der Packung steht dann dickgedruckt:
    Das ist leider schon nicht mehr die Ausnahme und an Dreistheit nicht mehr zu überbieten! Man wirft den Arbeitern vor, das sie schuld sind mit Ihren "utopisch" hohen Lohnniveau, aber gleichzeitig möchte man hier einen Verkaufspreis erzielen der sich kaum woanders auf der Welt irgendwo erzioelen lassen würde.

    Deutschland ist zur Zeit zu einer Cash Cow verkommen, und wird bald fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

    Dann suchen sich unsere Top Manager nämlich das nächste Spielfeld.

    Ekelhafte Gewinnmaximierung bis zum Erbrechen unter möglichst hohen Verlust deutscher Arbeitskräfte, dies scheint das Motto für viele Firmen geworden zu sein!:nene:
     
  5. Ilai

    Ilai Well-Known Member

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    Der Arbeiter ist ein billiges Verschleißprodukt, das zur Pproduktion halt noch notwendig ist.
    Was aber in dem Zusammenhang ganz besonders auffällt, das ist, dass Produktionen zunehmend ins Ausland ausgelagert werden, und gleichzeitig der Sektor, der die deutsche Wirtschaft auf dem Weltmarkt oben hält - nämlich die Bildung und die gut ausgebildeten Fachkräfte - zusehends weiter beschnitten werden. Das fängt in der Schule an, in der für Klassenverbände in vernünftiger Grösse die Lehrkräfte nicht vorhanden sind, und hört bei Studiengebühren dann auf, die ein normaler Mensch ohne festes Einkommen und ohne reiche Eltern oder sonstige Geldgeber nicht aufbringen kann.

    Momentan sind gerade die letzten Hochschulen dabei, ihren Widerstand gegen die Studiengebühren einknicken zu lassen. In schätzungsweise 5 Jahren wird ein Studium und somit ein gehobener Bildungsweg nur noch denjenigen offen stehen, die bereits privilegierte Verwandte hatten. Nicht mehr die Eignung für ein Fachgebiet entscheidet dann, wer einen Hochschulabschluss erlangen kann.

    In den nächsten 30 Jahren werden wir die vollen Auswirkungen dieser aktuellen Entwicklung erleben können.
    Diejenigen, die für diese Entwicklung zuständig sind, werden dann zu eine signifikanten Teil bereits mit reichlicher Pension an Altersschwäche gestorben sein. Diejenigen, die noch leben, werden ihren sicher nicht ärmlichen Ruhestand geniessen. Diejenigen, die jetzt seit wenigen Jahren zur arbeitenden Bevölkerung gehören, werden dann für das Versagen jener wieder mal grade stehen müssen, und dank dem Generationenvertrag auch noch deren Pensionen bezahlen.
    Der Sozialabbau ist ja bereits heute schon nicht mehr zu übersehen. Das wird sich ebenfalls noch verstärken.

    Was wir oentan sehen, ist lediglich die Spitze des berüchtigten Eisberges.
    Noch können wir auf unsere fernöstlichen Nachbarn zeigen - aber ich bin mal gespannt, wie lange noch.

    Wer dabei jedoch völlig auf der Strecke bleiben wird, sind die normalen Arbeiter. Wie sich dieser fehlende Wirtschaftsfaktor insbesondere auf den Staatshaushalt auswirken wird, dürfte klar sein. Ebenso, dass das entstehende Defizit nicht von den Spitzenverdienern geschlossen werden wird.
     
  6. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Sehr schön geschrieben, genau so sieht es aus in Deutschland und die Entwicklung wird, sofern sich nicht groß was ändert wohl nicht mehr zu stoppen sein.

    Ich mag mir gar nicht ausmalen wie wir in 15 - 25 Jahren hier leben. Diese Zukunftsangst ist auch mit ein wichtiger Grund für das Aussterben des Deutschen Volks. Wer will schon bei den "rosigen" Aussichten noch Kinder in die Welt setzten?
     
  7. Peter Herter

    Peter Herter Erfahrener Benutzer

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    Kaufe doch nur mal Textilien der Marken Adidas ,Puma ,Nike,lacoste usw. und schau mal wo diese sachen produziert werden,fast alles in Asien,ist doch alles nur Profittgier der Firmen,hier werden Leute entlassen,im Ausland wird billig prodoziert,bei uns werden diese Sachen teuer verkauft und wir idioten kaufen diese auch noch,selber schuld:vogel:
     
  8. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Genau, und solche Firmen sollten meiner Meinung nach öffentlich angeprangert werden! :warn:

    Die lassen sich Machinen vom Staat subventionieren, um dann hier Leute zu entlassen und mit den Subventionen bauen sie dann in irgendeinem dritten Welt Land eine neue Fabrik auf, und der Deutsche Arbeiter der jetzt arbeitslos ist, hat sein eigenes Grab auch noch selbst bezahlt.

    An Perversität nicht mehr zu überbieten! :nene:
     
  9. eisenfuß

    eisenfuß Riemensieschen

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    Wenn Du mit öffentlicher Anprangerung z.B. das web meinst, so ist das fraglos möglich, siehe hier.

    Solltest Du jedoch öffentlichkeitswirksam meinen, vergiss es, denn die Medien, egal welcher Publikationsform sind über Beteiligungsverhältnisse genau jenen Leuten verpflichtet, die hier an den Pranger gestellt werden sollen. Der Journalist, der, against all odds, wider dem Establishment eine brisante Sache verfolgt und unter Außerachtlassung aller Risiken zur Veröffentlichung bringt, lässt sich kaum noch finden, auch weil der schöne Satz gilt: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
     
  10. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Ist vollkommen richtig, deshalb hält sich z.b. auch die Bildzeitung, die sich sonst gerne als der Rächer des kleinen Deutschen darstellt, hier ziemlich limitiert.

    Klar, man möchte ja keine Werbepartner vertreiben.

    Wo wir gerade bei Sprichwörtern sind, man könnte auch sagen: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus! :hammer2:
     
  11. Ilai

    Ilai Well-Known Member

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    Naja, die Bild"zeitung" taugt meiner Meinung nach eh nur als volksverblödendes, überteuertes Klopapier...

    Mit Journalismus hat das ja nun mal genau gar nichts gemeinsam.
    Eher mit schlecht recherchierter Propaganda.
     
  12. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Da werde ich Dir nicht widersprechen! :zahnluec: Wollte halt nur mal ein geläufiges Beispiel anführen.