schweres Erdbeben mit Tsunami in Japan

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von faceman, 11 März 2011.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Da kursieren jetzt wirklich die seltsamsten Sachen.

    Die Betreiberfirma sacht "keine Kernschmelze", die Regierung lässt die Umgebung evakuieren, und ganz eindeutig hat´s im / am Kraftwerk heftigst gekracht.

    Ich weiss nicht, was ich da glauben soll. Man kann nur hoffen...
     
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  3. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Is' ja auch gerade alles Spekulation was das AKW betrifft.
    Für die Hunderttausenden, die durch den Tsunami ihre Angehörigen, Freunde, Häuser und Wohnungen verloren haben, dürfte aktuell das Kernkraft auch eher zweitrangig sein.
     
  4. Detti04

    Detti04 The Count

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    Das passt natuerlich alles hinten und vorne nicht, man vergroessert den Evakuierungsradius ja nicht aus Jux. Ich hab mich ein bisschen schlau gemacht, deshalb kommt jetzt ein kleiner Exkurs in Strahlendosis und ihren Auswirkungen, soweit ich die Sache momentan ueberblicke.

    NHK hat berichtet, dass Radioaktivitaet von etwas ueber 1000 Milli-Sievert (mSv) in Fukushima-I gemessen wurde - noch vor der Explosion. Wir hatten dort als Strahlung von 1 Sv. Jetzt die Vergleichswerte, die ich wiki entnommen habe:

    - 1-5 mSv pro Jahr sind der Wert, dem man ueblicherweise ausgesetzt ist
    - zusaetzliche 6-20 mSv pro Jahr sind in bestimmten, vermutlich entsprechend ueberwachten Berufen erlaubt
    - bei 0,5-1 Gray (Gy) einmaliger Exposition (also nicht pro Jahr) erfaehrt man einen "Strahlenkater" mit Kopfschmerzen, Maenner koennen temporaer steril werden
    - bei 1-2 Gy einmaliger Exposition erleidet man eine leichte Strahlenkrankheit; 10% der Betroffenen sind nach 30 Tagen gestorben
    - zwischen 2-10 Gy wird die Strahlenkrankheit immer schwerer und toedlicher, bis
    - bei 10-20 Gy nach 7 Tagen 100% der Betroffenen gestorben sind
    (Bei saemtlichen hochdosigen Expositionen muss man natuerlich auch mit vermehrtem Krebsrisiko und aehnlichen Folgeschaeden rechnen.)

    Anmerkung: Fuer Gammastrahlung ist 1 Gy = 1 Sv. Den Artikel findet man hier.

    Somit haben schon mal alle, die jetzt vor der Explosion im Kraftwerk gewesen sind, mindestens eine leichte Strahlenkrankheit erlitten; wie sich die Werte jetzt, also nach Explosion und (vermuteter) Schmelze darstellen, weiss ich natuerlich nicht. Die Liquidatoren des ersten Tages in Tschernobyl wurden damals anscheinend Werten zwischen 2-20 Gy ausgesetzt.

    Fettes EDIT: Hab gerade im Ticker bei NHK gelesen, dass von 1015 microSievert die Rede ist bzw. war und nicht 1015 milliSievert. Das sieht dann natuerlich erst mal deutlich besser aus, und ist dann wohl wenigstens nicht gleich akut gefaehrlich. Aber der Wert stammt ja eh von vor der Explosion.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12 März 2011
  5. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Aus gleich mehreren Gründen glaube ich dass es dieses Mal anders sein könnte.

    Zum einen war es 1986 keine höhere Gewalt, sondern einzig und allein menschliches Versagen. Das kann man nach außen hin zumindest irgendwie so vertreten, dass dies in Zukunft nicht mehr passieren werde. Bei Erdbeben oder anderen Naturgewalten sieht das anders aus. Auch wenn die Chancen auf ein solches Beben hierzulande um ein Vielfaches geringer sind sind sie nicht gleich Null. Auch hier ist nicht auszuschließen, dass Gleiches passiert. Und das wird auch niemand bestreiten können.

    Außerdem hat es dieses Mal eben nicht ein armes Land aus der zweiten oder dritten Reihe (ich möchte die Ukraine nicht gleich in die Dritte Welt-Schublade stecken), sondern eine fortschrittliche Industrienation. Mir kann keiner erzählen, dass die Kernkraftwerke in Japan in einem deutlich schlechteren Zustand sind als die in Deutschland, Frankreich oder in den USA. Der technische oder bauliche Zustand waren ja auch nicht der Grund für den Gau, sondern letztendlich das Erdbeben und dessen Folgen.

    Und: die Medienkultur hat sich im Vergleich zum Tschernobyl-Unglück komplett gewandelt. Während man damals selbst kaum an Informationen kam wurden einem die, die man serviert bekam auch noch schöngeredet. Aktuell hatte es doch keine Stunde gedauert bis man die Bilder sehen konnte, man kann sich jederzeit in beinahe jeden Sender der Welt einschalten und sich die Informationen, die man haben möchte online zusammensuchen. Heutzutage kann daher auch aus der Bevölkerung ein durchaus größerer Druck entstehen als es 1986 der Fall war.
     
  6. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Wollen wir es hoffen, @Budmaster. Wobei Tschernobyl immerhin in der Weltmacht UdSSR geschah, also nicht unbedingt in einem unbedeutenden Land.

    Und trotz Internet: Verwirren tut mich die Informationslage trotzdem. Einerseits spricht die japanische Regierung inzwischen von einer nie dagewesenen Katastrophe (und das im Land von Hiroshima) - bestreitet aber andererseits, dass es schon eine Kernschmelze gegeben habe. Was wird denn das erst, falls die Kernschmelze tatsächlich eintritt? :suspekt:

    Explosion in AKW: Regierung spricht von beispielloser Katastrophe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
     
  7. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Das war ja auch genau das Erschütternde an Tschernobyl, dass die UdSSR, die wohl mit am meisten Erfahrung auf dem Gebiet der Nukleartechnik hatte, am Ende auch nur noch eine Antwort auf die Eindämmung der Katastrophe hatte: Menschen hinschicken um den Brand zu löschen und die größten Brocken des radioaktiven Materials wieder in das zerstörte Reaktorgebäude zurückzubefördern. Alle diese Menschen starben kurz danach.

    Die Frage, die sich jetzt in Japan stellt, ist, meines Erachtens, diejenige, ob der Reaktordruckbehälter dieser Explosion standhielt oder ob der auch in Trümmern liegt. Wenn das der Fall ist, dann ist sie da, die nukleare Katastrophe.
     
  8. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    In einem Tagesschau Extra der ARD wurde gerade gesagt, dass eben dieser Stahlbehälter bei der Explosion nicht zerstört wurde. Die Explosion war eventuell eine Wasserstoffexplosion, die lediglich das Gebäude an sich zerstört habe.

    Da die Kernschmelze aber bereits begonnen haben soll und der Druck weiter steigt geht man davon aus dass der Druckbehälter früher oder später hochgehen wird. Derzeit gibt es Pläne, den Behälter mit Meerwasser zu kühlen. Hoffen wir mal dass das klappt und noch rechtzeitig genug kommt.

    Und: Experten gehen davon aus, dass sich die Katastrophe selbst bei einer kompletten Kernschmelze im Vergleich zu Tschernobyl in Grenzen halten würde, da in Fukushima weniger brennbares atomares Material und kein Grafit gelagert wird. Zudem sei die Wetterlage so, dass die radioaktive Wolke schnell über den Pazifik davon wehen würde und wenig bis gar kein saurer Regen über Landflächen niedergehen würde.

    Immerhin etwas.
     
  9. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    Die läuft wahrscheinlich zumindest teilweise schon.
    In habe gestern Nacht in Interviews gehört, dass die Kernschmelze unterschiedlich schnell ablaufen kann.

    Oh je, in Japan werden die schlimmsten Befürchtungen wach. :(
    Eine Kernschmelze (oder bald 2?), gigantische Schäden, verdammte viele Vermisste,...

    Man kann nur hoffen, dass wenigstens der Wind in den nächsten Tagen weiterhin Richtung Meer weht.

    Aber ich werde noch einmal pazifischen Seelachs und Fischstäbchen kaufen und dann pazifische Fisch(produkte) für die nächsten 15 Jahre meiden.


    Mein Beileid an alle Betroffenen. :(
     
    Zuletzt bearbeitet: 12 März 2011
  10. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Wie gesagt: Das ist dann kein GAU. Ein GAU gilt als maximaler Störfall, der noch zu beherrschen ist. Eine Kernschmelze ist jenseits des GAUs, da kann man nur noch zuschauen.

    Kein Kernkraftwerk der Welt ist darauf ausgelegt, kann auch gar nicht darauf ausgelegt werden, dass die Kernspaltung komplett ausser Kontrolle gerät, was anscheinend dann der Fall ist, wenn alle Kühlsysteme ausfallen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12 März 2011
  11. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    Einwurf akzeptiert. Ich habe meinen Beitrag korrigiert.
     
  12. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Es ist ja auch recht gleich wie man's bezeichnet. Wir meinten das Gleiche: Ausser Kontrolle geraten.
     
  13. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    Na dann ist ja alles Bestens. Und wenn da schon ne atomare Wolke übern Pazifik weht, kann man ja gleich noch nen bisschen Giftmüll hinterher kippen, macht dann ja auch keinen Unterschied.
     
  14. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Hat ja kein Mensch behauptet dass damit das Problem vom Tisch sein würde. Aber diese Konstellation ist doch das um einiges kleinere Übel als kontaminierter Boden in stark bevölkerten Gebieten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12 März 2011
  15. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Das makabere an der Sache ist, das sich die damalige Regierung der UDSSR einen Scheissdreck um die Soldaten gekümmert hat, die im Reaktor "aufräumen" mussten.
    Moskau hat es doch nicht interessiert, ob dort jemand eine tödliche Strahlendosis abbekommt oder nicht.
     
  16. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Stimmt völlig: Die Sovietmachthaber bestritten auch nachher noch einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und Todesfällen und dem Einsatz in Tschernobyl.
    Meines Wissens bestreiten offizielle Stellen das noch bis heute.

    Das besonders Bittere - es gab gar keine Alternative mehr:
    Irgendjemand musste löschen. Manche Menschen, v.a. die Feuerwehr, gingen da wohl sehenden Auges in den Tod; viele der Soldaten wussten gar nicht, was auf sie zukommt.
     
  17. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Üb er Nacht soll es in einem zweiten Reaktor von Fukushima 1 zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen sein, nachdem auch da das Kühlsystem komplett ausfiel (N24). Die Explosion gestern morgen hingegen soll durch ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch ausserhalb des ersten Reaktors verursacht worden sein. Inzwischen pumpen sie Meerwasser und Borsäure in den Reaktor, um die Kettenreaktion zu vermindern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 März 2011
  18. Schalke-Königsblau

    Schalke-Königsblau Derbysieger 2012/13

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    Was kommt nun noch ? Es scheint keine positiven Prognosen mehr zu geben, da es anscheinend keine Möglichkeiten mehr gibt, ....."alles" (Was auch immer das ist) , aufzuhalten. Oder doch ? Was für Folgen für Japan ? Welche Leiden für die Menschen in Japan und die Menschen auf der ganzen Welt können die Folgen sein ?

    Ich weiss nicht, ob ich übertreibe........aber vielleicht sollte man sich die Fragen mal stellen.
     
  19. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Nukleare Katastrophe in Japan - Regierung bef

    http://www.n-tv.de/Spezial/400-Mal-hoehere-Radioaktivitaet-in-Provinz-Miyagi-article2810866.html

    Solche Meldungen in Worte zu packen geht eigentlich kaum.
     
  20. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Forscher messen nach: Japan-Beben verschob Erdrotation - n-tv.de

    :schock:
     
  21. Simtek

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    Für das dichtbesiedelte Japan dürfte eine Nukleare Katastophe wie in Tschernobyl noch schlimmere Folgen haben, als in der Ukraine :suspekt:
     
  22. Untouchable

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    Allerdings sollte klar sein, dass es sich um einen anderen Reaktortyp handelt.
     
  23. Westfalen-Uli

    Westfalen-Uli Frühaufsteher

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    Macht euch keine Sorgen und hört auf die Politiker.... Die sagen, dass da nix schlimmes passiert... :hail:

    :ironie:
     
  24. Simtek

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    Und was hat es damit zu tun, wenn es zum Super-GAU kommt, egal wodurch?
     
  25. Diego

    Diego Well-Known Member

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    Würde gerne mal wissen.
    Sie sagen zum Glück steht der Wind gut und treibt die radioakive Luft ins offene Meer ihn aus.
    Aber die Scheiße muss ja da auch wieder runter.
    Ist das gesund für Wasser und die Lebewesen im Meer?
     
  26. wupperbayer

    wupperbayer *Meister 20xx*

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    Na zum Beispiel schon mal, dass kein Graphit verwendet wird, das anfangen kann zu brennen und dann die Radioaktivität erst recht schön in der Umgebung verteilt.
     
  27. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Damit übertreibste bestimmt nicht. Wenn der Wind sich dreht und noch mehr Reaktoren durchschmoren (soll angeblich möglich sein, allein in diesem Kernkraftwerk sind immerhin sechs davon), dann ist es denkbar dass die ganze Insel verseucht wird. Und eben nicht nur für kurze Zeit, der Mist hält sich ja tausende von Jahren.
     
  28. MiSp

    MiSp Achtelfinalist <3

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    Jetzt soll auch noch ein Vulkan in Japan ausbrechen :O
    Haben die nicht schon genug gelitten?!

    Japan-Liveticker: 10.000 Tote in Krisenregion befürchtet | Panorama
     
  29. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Sach mal, hat da uberhaupt noch einer einen Überblick, wieviele AKW und wie viele Reaktoren wie schwer beschädigt sind? Ich meine, zumindest so halbwegs?!?

    Kühlsystem in AKW Tokai fällt aus
     
  30. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Was ist deiner Meinung nach der Super-Gau?
    Der Schaden, der durch den in Tschernobyl verwendeten Reaktor entstand kann durch den in Fukushima stehenden Reaktor gar nicht entstehen.
     
  31. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Ne ist klar.