Retortenvereine

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Jonny, 22 Februar 2006.

  1. Jonny

    Jonny LFC-Borusse

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    VON JAN CHRISTIAN MÜLLER

    Der finanziell erhebliche Einfluss von Großkonzernen hat leider dazu geführt, dass an zwei Orten in Deutschland überflüssigerweise erstklassig Fußball gespielt wird: in Leverkusen und in Wolfsburg. Der hier vom Pharmariesen Bayer und dort vom Autobauer Volkswagen übergestülpte Zwang zur Fußballbegeisterung führt zu ungleichen Konkurrenzbedingungen. Denn die als Tochter-Gmbhs organisierten Mannschaften in Leverkusen und Wolfsburg werden von den Müttern genährt und so künstlich am Leben erhalten. Gleichzeitig strampeln in der Nachbarschaft Traditionsklubs mit riesigem Fanpotenzial verzweifelt an der Nahtstelle zwischen Ober- und Unterhaus: hier der 1. FC Köln, dort Eintracht Braunschweig.

    Wolfsburg besitzt (im Gegensatz zu Leverkusens schaurigem Regionalbahnhof Mitte) immerhin inzwischen einen ICE-Anschluss und seit geraumer Zeit ja auch ein hübsches Stadion, das aber selten auch nur annähernd ausverkauft ist. Es ist tröstlich, dass in der niedersächsischen Provinz - wie ja längst auch in Leverkusen - nicht mehr unverfroren (und zum Schaden der Konkurrenz) mit den Geldscheinen gewinkt werden kann, weil die Mütter seltener die Brust geben.

    Kaum vorstellbar, dass aus dem neuen Trainer Klaus Augenthaler, der sich im Schatten der mächtigen Bayer-Türme nie heimisch fühlte, in Wolfsburg mehr als ein weiterer Söldner mit Zeitarbeitsvertrag werden wird. Es fragt sich ohnehin, weshalb dieser Bundesligist aus der Retorte auch in den nächsten Jahren das Bundesligamittelfeld besetzen muss, Tür an Tür mit Bayer Leverkusen. Bei Auswärtsspielen sorgen beide Klubs als Stimmungstöter traditionell für Verdruss, weil sie regelmäßig mit ihren paar Dutzend Fans ganze Blöcke in gähnende Leere versetzen.

    Der nächste Ärger ist leider längst in Sicht: SAP-Boss Hopp und sein geplantes Kunstgebilde in der Fußballhochburg Heidelberg. Die Vorfreude auf den Klassiker Wolfsburg gegen Heidelberg fällt sicher selbst eingefleischten Golf-Fahrern mit SAP-gestütztem Homecomputer schwer.

    Quelle: Frankfurter Rundschau
     
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  3. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Sehr interessanter und erschreckend treffender Bericht der Franklfurter Rundschau.

    Endlich traut sich mal eine Zeitung das Kind beim Namen zu nennen.

    Plastikclubs sind das letzte.... :hammer2: