Pro und Kontra Mindestlohn

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Schröder, 7 April 2011.

  1. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    der funktioniert überall und verbessert überall die lage der wenigverdiener.
     
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  3. Catweezle

    Catweezle Geißbock

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    mal erlich wer sollte davon leben ...also ein mindeslohn von 10.00 euro sollte schon sein...


    gruß
     
  4. Schröder

    Schröder Problembär

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    Der geht nicht zu, da kostet dann halt der Haarschnitt wieder 15 € statt 9 oder 10 wie jetzt. Weil das aber bei der Konkurrenz genauso der Fall ist, gibt sich das nicht viel. Es gehen viel mehr Friseursalons pleite, weil sie diesen ruinösen Preiskampf nicht überleben. Jedenfalls, wenn sie ihren Angestellten gegenüber noch einen Rest soziales Gewissen haben. Übrigens muss man da den Mindestlohn nicht ganz so hoch ansetzen, weil halt in dem Bereich auch Trinkgelder Bestandteil des Lohns sind.

    Oder meinst du, das die Leute von z.B. Frankfurt nach Polen fahren würden, weil dort der Haarschnitt nur 2 € kostet? Im Leben nicht...

    Das ist ja der Irrglaube an der Sache: Es wird immer behauptet, das wir uns Mindestlöhne nicht leisten können, weil wir im internationalen Konkurrenzkampf stehen. Die meisten Dumpinglöhne gibt es aber in regional beschränkten Konkurrenzfirmen: Friseure, Discounter, Wachdienste, Gaststättengewerbe, Hotels usw. - Dienstleister eben. Dagegen sind Hungerlöhne bei den "Global-Playern" wie Automobilkonzernen, Banken, Industrieunternehmen doch eher eine Seltenheit. Siemens z. B. hat vor 1 Jahr die Löhne der Zeitarbeiter von sich aus an die Gehälter der Festangestellten angepasst.

    Oder meinst du, das ein Geschäftsmann sein Hotelzimmer in Hamburg umbucht und lieber in Belgien übernachtet, weil der Preis für sein Zimmer um 10 € gestiegen ist? Weil die Putzfrau jetzt plötzlich einen menschenwürdigen Lohn bekommt? Wohl eher nicht.

    Alles Panikmacherei. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wenn die Leute mit geringsten Einkommen mehr Geld haben, geben sie das auch aus und leisten sich mal was, was sie sich vorher jahrelang ohne Mindestlohn nicht leisten konnten. Gehen vielleicht mal ins Restaurant oder zum Friseur. Die Kundschaft würde auf eine viel breitere Basis gestellt. Aber das will bei den Unternehmen auf dem Gebiet ja keiner wahrhaben, die sparen sich beim Lohn lieber alle gegenseitig kaputt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 April 2011
  5. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    wer sich ernsthaft für das thema mindestlöhne interessiert:

    http://library.fes.de/pdf-files/asfo/03980.pdf

    ftp://ftp.iza.org/dps/dp152.pdf

    da kann man sich mal einen überblick über den stand der erkenntnis der wissenschaft zum thema machen.
     
  6. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Darauf meine Frage:
    Und deine Antwort:
    Hier von "nicht ganz fair" zu sprechen halte ich für unangebracht. Entweder wird zeigen beide mit dem Finger aufeinander, wie aktuell oder wir versuchen eine ordentliche Diskussion auf die Beine zu stellen. Die wurde bisher nämlich durch solche "Scharmützel" verhindert.

    Das große Negativbeispiel in Sachen Mindestlohn, außerhalb Europas, kann ich gar nicht festlegen. Ist es China? Sind es die USA? Der eine Staat aufstrebend und trotzdem mit verarmender Bevölkerung, die von Hartz-IV-Verhältnissen nur träumen können und die USA auf der anderen Seite: Hochverschuldet, kaum weniger menschenverachtend und mit Arbeitslosenzahlen, die jenseits von Gut und Böse liegen.
    Innerhalb der EU sind viele Staaten mit Mindestlohn auch weit davon entfernt, sich mit Deutschland in Sachen Lebensstandart, Versorgung und Wirtschaftsstärke vergleichen zu können. Alle eigentlich. Einige deiner Beispiele existieren nur dank EU-Rettungsschirm in der Form weiter, andere haben keine Wirtschaft mehr. Und in Frankreich bekommen Jugendliche und Frauen immer schwerer einen Arbeitsplatz.
    Keines deiner Beispiele macht mit Mindestlohn irgendetwas besser als Deutschland ohne Mindestlohn.

    Jetzt du.
     
  7. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Kurz gefasst. Du hebst die Löhne an, um alles andere auch teuerer zu machen.
     
  8. Catweezle

    Catweezle Geißbock

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    finde ich echt daneben .... von denn von denn ach so tollen wissenschaftler halt ich nix .. die leben ja von nix oder besser gesagt von denn was andere leben,...
    deshalb ..fürn arsch wie immer ..


    gruß
     
  9. Schröder

    Schröder Problembär

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    Nicht ganz so kurz gefasst: Nein. Ich hebe erstmal die Löhne an, die bisher unter dem Mindestlohn liegen. Wenn ich die unteren Löhne um x % steigere, damit sie auf den Mindestlohn kommen, müssen deswegen alle Löhne die schon drüber liegen ja nicht auch um x % steigen, sondern vielleicht soweit, das der alte Abstand in € wieder hergestellt wird.

    Es ist ohnehin ein Blödsinn, das bei %-Lohnerhöhungen die oberen Einkommen mehr profitieren als die unteren. Wenn jemand, der 1.000 € verdient, eine Lohnerhöhung von 2 % bekommt, hat er 20 € mehr. Jemand der ohnehin schon 10.000 € verdient, hat aber 200 € mehr.

    Deswegen müssten auch nicht die Preise um x % steigen. Weil die Löhne in den oberen Einkommenschichten halt auch nicht um x % steigen, sondern
    prozentual gesehen eben weniger. Auch die Mieten würden nicht um soviel % steigen wie die Niedriglöhne. Es bleibt also auf alle Fälle was übrig.

    Ganz weggelassen hab ich dabei noch die Entlastung der Sozialkassen durch weniger Aufstocker und die Mehreinnahmen der Sozialversicherungen und des Bundes (Lohnsteuer) durch mehr und höhere beitrags-/ steuerpflichtige Beschäftigungsverhältnisse, so dass die Lohnnebenkosten durch entsprechend sinkende %te ebenfalls sinken würden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 April 2011
  10. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    selten so einen quatsch gelesen.
     
  11. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Von BU und mir hältst du nichts, weil wir gut bezahlte Jobs hätten, von den Wissenschaftlern hältst du nichts, weil sie nicht von Sozialhilfe leben, ja, da stellt sich mir die Frage: Von wem oder was hältst du überhaupt was?
     
  12. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Von prozentualer Anhebung halte ich auch nichts, die stand bisher aber auch gar nicht zur Diskussion. ;)

    Aber ein Teil der Problematik ist doch eben das, was du geschrieben hast. Die Angestellte im Friseursalon bekommt dank Mindestlohn mehr Geld, um das finanzierbar zu machen, muss aber bei den Preisen nachgezogen werden. Wo bleibt hier der Vorteil, wo der Sinn? Dass man sagen kann, wir haben den Mindestlohn, es geht keiner mit zu wenig Geld nach Hause?
    Dass ein Mindestlohn nur mit einer Anhebung der Sozialhilfe durchführbar wäre hätten wir dann ja auch angeschnitten. Die Betroffenen möchten schließlich auch etwas zum Leben haben.

    Ein Schritt, den ich sofort bereit wäre zu gehen, wäre der, die Beitragsbemessungsgrenze aufzuheben. Beispielsweise.
     
  13. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Sorry, ich habe nichts verstanden.
     
  14. Schröder

    Schröder Problembär

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    Der Sinn liegt vor allem auch darin, den Betroffenen endlich auch geldmäßig mal die Anerkennung zukommen zu lassen, die sie verdienen. Nicht selten arbeiten sie 50 Stunden die Woche, auch Samstags, weil sie auf das Trinkgeld angewiesen sind zum Überleben. Meine Freundin hat mal zufällig ein Anstellungsgespräch bei ´ner Friseurin mitbekommen. Da war die "Neue" - wohlgemerkt ausgelernt - total glücklich, das sie mit 1.027 € Brutto sogar noch übertariflich bezahlt wird. Das sind dann ca. 800 € Netto. In Offenbach, wo Wohnungen unter 500 € Miete / Monat kaum zu bekommen sind, blieben ihr somit gerade noch 300 zum Leben, weniger als der Sozialhilfesatz. Das kann´s dann doch nicht sein! Deren Arbeit ist doch wohl mehr wert, oder?
     
  15. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Daran würde der Mindestlohn nichts ändern. Die Beträge würden erhöht, den Menschen blieben höhere Beträge aber die helfen nichts, wenn das, was ich mit diesen Geldwerten erwerbe teuerer wird. Geld ist virtuell. Wenn ich nichts dafür bekomme ist es nichts wert.
     
  16. Schröder

    Schröder Problembär

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    Du hättest recht, wenn die Preise wirklich in gleichen Maße steigen würden. Tun sie aber nicht, wie ich schon ausgeführt habe, weil die Gehälter in den oberen Lohngruppen nicht in gleichen Maße steigen. Die Materialkosten auch nicht, aber die lass ich hier mal außen vor.

    Mal als Beispiel: Arbeiter A verdient 1.000 € und Arbeiter B 10.000,-. Beide gehen mit ihren Löhnen zu gleichen Teilen in die Kalkulation für das Endprodukt ein, sagen wir mal zu je 30 €.

    Wenn ich jetzt beiden den Lohn um 200 € erhöhe, erhöht sich der Anteil von A um 20 % von 30 auf 36 € und der Anteil von B um 2 % auf 30,60 €.
    D. h. der Lohn von A erhöht sich um 20 %, der Preis für das Produkt aber nur um 6,60 €, was einer Erhöhung bei einem Ursprungspreis von 60 € von nur 11 % entspricht.

    De Facto bleibt also für A viel mehr übrig, als er für das Produkt selbst an höherem Preis bezahlen müsste. Früher konnte er sich von dem Produkt bei seinem Lohn 16 2/3 Stk / Monat leisten, jetzt sind es etwas über 18 Stk.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 April 2011
  17. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Schon der erste Fehler. ;)
     
  18. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Wegen der Friseure: Warum steigen die Preise derart, wenn ein Haarschnitt nun 15,- kostet, so dass dem Frisseur von seinem gestiegenen Gehlt nichts übrig bleibt?

    Die Mieten in München werden dadurch nicht steigen und der Preis für's Pfund Kaffee auch nicht.
     
  19. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Ein gesetzlicher Mindestlohn beschränkt sich nicht auf einen Friseursalon.
     
  20. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Nö, natürlich nicht, sondern die Branchen, die kaum Geld zahlen sind betroffen. Jetzt sind da ja, laut Deinem link, sogar "nur" so um die Hunderttausend betroffen - was ich ausserdem bezweifle, die Zahl, ich halte sie für höher - und dann sollen bei einer Gehaltsteigerung von sagen wir mal 30% im Schnitt die Preise in Deutschland derart anziehen, dass den Betroffenen der Gehaltserhöhung nichts im Geldbeutel bleibt?
    Das bezweifle ich mal massiv.
     
  21. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Jetzt verwischst du zwei verschiedene Dinge. Die aktuellen "um die Hunderttausend" kann man nicht in Relation zu einem möglichen Mindestlohn setzen, steht ja im Link. Der Mindestlohn müsste erstmal auf einer bestimmten Höhe angesetzt werden, um derartige Berechnungen anzustellen. Wenn er aber so niedrig liegt, dass nur die Hunderttausend betroffen sind, kann man sich das Ganze eh sparen.
     
  22. Schröder

    Schröder Problembär

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    Ja, mein Gott, dann nimmst du eben bei A 30 € und bei B 300 €. Verschiebt aber die Sache eher zu meinen Gunsten, weil sich die 30 € um 20 % = 6 € erhöhen und die 300 um 2 % auch nur um 6 €. Also steigt der Preis für das Produkt von 330 auf 342 €, was einer Erhöhung von gerade mal 3,6 % entspricht, im Gegensatz zur 20 %igen Lohnsteigerung bei A. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 April 2011
  23. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Fehler Nummer 2. ;)
     
  24. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Verstehe ich nicht - auch ganz ohne link:
    Warum kann man es sich sparen, den paar Hunderttausend eine vorgeschriebene Mindestentlohnung zu geben?

    Das Problem des Mindestlohns sehe ich eher darin, dass ein bundesweites Gießkannenprinzip nix bringt, denn ein Mindestlohn sollte ja, in meinen Augen, absichern, dass man mit ihm ein menschwürdiges Leben führen kann und da gibt's nun mal extreme regionale Unterschiede aufgrund der extremen Kostenunterschiede im Lebensunterhalt von Region zu Region; siehe das Beispiel Hof - München.
     
  25. Schröder

    Schröder Problembär

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    So? Na dann zeig mir mal deine Rechnung, wenn du meinst, Löhne und Preise würden im gleichen Verhältnis steigen. ;)
     
  26. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    soll ich die mindeslohndebatte mal rausschieben? oder hier lassen, weil sich das mit westerwelle sowieso erledigt hat?
     
  27. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Ich habe den falschen Teil zitiert. :D
    Hier liegt der Fehler:
     
  28. Schröder

    Schröder Problembär

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    Auch wenn ich sonst immer dagegen bin: -> Abschiebung. :D Vielleicht haben dazu noch mehr User `ne Meinung und finden das Thema sonst nicht. :)
     
  29. Schröder

    Schröder Problembär

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    Aha.. Und wo genau? :gruebel:
     
  30. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Zusätzlich zu den steigenden Lohnkosten dieser zwei Mitarbeiter kommen alle anderen Erhöhungen.
     
  31. Schröder

    Schröder Problembär

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    Richtig ja. Und jede Erhöhung die Prozentual weniger beträgt als die Lohnsteigerung bei A lässt seinen Verdienst im Vergleich zum Endpreis des Produktes höher werden. Abgesehen davon, hätte es diese Erhöhungen ja auch ohne die Lohnsteigerung bei A gegeben.