Paule im Stadion: HSV-KSC

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Paule, 25 August 2008.

  1. Paule

    Paule PTL-Team-Weltmeister 2010

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    Später Montagnachmittag, der erste Arbeitstag nach drei Wochen Sommerpause ist geschafft, das blau-schwarze Käppi ist wieder trocken, die Seele findet wieder Ruhe, höchste Zeit, die Stadion-Tour-Premiere der Saison und die erste Bundesliga-Fahrt nach mehr als einem halben Jahr einzunetzen. Bisschen was haben wir schon erlebt auf unserer Tour zu den Fischköppen, auch wenn wir die Jungs aus dem Herzen von Fischkopp-Country nicht getroffen haben. Wäre ja auch ein Zufall, in einer Zweieinhalb-Millionenen-Stadt und in einem Stadion mit 50647 Besuchern ausgerechnet auf bestimmt Soccer-Fans zu treffen.
    Spaß und Stimmung hatten wir, zu fünft aus Südniedersachsen on the rails again unterwegs zur „Perle“. Naja, die beiden weiblichen Wesen zogen dann doch die Europa-Galerie und diverse andere Shopping-Center rund um die Alster diesem komischen Gebilde vor, das vernünftige Menschen in eine tobende, krakelende Masse verwandelt, nur weil 22 Fußballer und Deutschlands bester Schiedsrichter hinter einem Ball her waren. Dass die dort aber T-Shirts für 7,95 und 14,95 Euro gefunden haben, das war denn doch erstaunlich. Dafür hat der Cappucino wahrscheinlich 4 Euro gekostet…
    Also, bei uns fing das jedenfalls anders an als bei denen aus Fishkopp-Country, denn Chöttinger sind noch nicht mal in der Lage, rechtzeitig Dosenbier zu besorgen. Wollte heißen, rein in den Zug und raus mit den beiden Halbliter-Wasserflaschen. Nur eine von ihnen hat den Durstlöscher-Zweck erfüllt (Germeta), während Grauhof ungeleert bei einem Flaschensammler landete. Hätten die beiden Gerstensaft in sich gehabt, wäre es wohl anders gewesen.
    Ja die Fahrt mit dem Metronom von der Leine bis zur Elbe, das ist so eine Sache für sich. Was sich da in der Heide für Ortschaften mit Bahnstation auftaten. Suderburg und dann erst Bienenbüttel. Hier muss Maja zu Hause sein. Immerhin, Paule hat eine Bildungslücke geschlossen und den Hundertwasser-Bahnhof Uelzen mit einer vom Künstler selbst geschaffenen Treppe goutiert. Wobei es viel interessanter war, dass es dort im Shop auch kein Dosenbier gibt. Immerhin, zwei Flaschen Krombacher wurden bis Harburg geleert, und dann ab zum selben Flaschensammler auf dem Weg vom S-Bahnhof Stellingen bis zum Stadion. Die beiden Kumpels leerten je drei Schalke-Plus Lemon, auch eine Möglichkeit, nüchtern zu bleiben.
    Die hatten Karten für die Nordtribüne, Paule war wieder zu geizig und brauchte noch Schiedsrichter-Tickets. Also im Hamburger Schietwetter – in Chöttingen fällt so ein Schnürregen gar nicht – rund ums Stadion zu einer wirklich netten Karten-Verkäuferin. Ja, der Paule hat diesmal den Schiri-Ausweis sogar dabei, korrekt, der Junge (Alte).
    Mit so einem Billett landet man unmittelbar neben dem Gäste-Block, mit perfekter Sicht, wenn in der 90. Minute der Siegtreffer eingeköpft werden soll. Aber wer weiß das schon vorher, wenn die HSVer in die andere Richtung spielen und nicht so recht was auf die Reihe kriegen. Als Deutschlands bester Schiedsrichter anpfeift, hat der Magen wenigstens schon zwei halbe Liter Holsten intus (zum Dumpingpreis von 4 Euro, denn ganz früh gibt es beim Snack-Team Happy Hour. Die entsprechende Mitteilung der mittelmäßig-schönen blonden Studentin hat die Folge, dass die doppelte Menge geordert wird (für die Kumpels auf der Fan-Tribüne). Dankeschön beim Treffen an der Bonbon-Bar beim Rang 22, Prost, weiter geht’s.
    Direkt vom Hauptfanshop gibt es einen schönen Blick auf die Fahnenschwenker. Mal ehrlich, in der Hamburger Arena ist vieles sehr schön, manches einzigartig – Lotto King Carl zum Beispiel – aber das Fahnenschwenken nicht halb so imposant wie im Westfalen-Stadion - oder wie heißt die Dortmunder Arena noch?
    Ja und dann die Fans? Strengen sich ganz schön an, aber mein größerer Respekt gehört doch wirklich der Gäste-Schar, der ich im Rang 15 C, Reihe 7, doch wesentlich näher bin. Ein Trommler, ein Mann auf dem Zaun mit Megaphon, und ein paar Hundert unermüdliche Sänger und Klatscher, die alles geben, fast ohne Pause. Zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen, aber unverdrossen. Ja, also, trotz der kleinen Käppi ist und bleibt Paule ein Fußball-Fan ohne Totalbindung, selbst wenn die jetzige HSH-Nordbank-Arena alles tut, um den 96er und FCB-Mann in eine neue, alte Richtung zu bringen.
    Einfach die Erinnerung an die Jugend in den Vordergrund kommen lassen, damals, als Uwe Seeler, Charly Dörfel und Klaus Stürmer die Vorbilder waren. Aber welcher Spieler soll jetzt, da Van der Vaart weg ist, diese Rolle übernehmen? Der HSV von heute ist ein fast schon perfekt aufeinander abgestimmtes Team, in dem es kaum eine Rolle spielt, ob Petric gerade das Trikot von Zidan übernommen hat. Aber ein paar Jungs, die auch den deutschen Adler auf einer breiten Brust tragen, wären da schon nicht schlecht. Paules Vorschlag: Schweini und Poldi von der Isar an die Alster.
    Aber HSV ist für die Fans längst (wieder) ebenso eine Religion wie Schalke oder BVB, oder etwa Werder für ostfriesische Ostfriesen. Oder ist es etwa Normal, wenn Menschen, die nur paar Jahre jünger als der „Chöttinger“ sind, ebenso im Metronom aus Gütersloh nach Hamburg pilgern. Von denen lässt sich auf der Rückfahrt noch was lernen, die können ganz jungen KSC-Kids doch tatsächlich das Phänoment Raute erklären. So so, ein verbindendes Zeichen für mehrere Stammvereine, die sich schon vor vielen Jahren zusammengeschlossen haben. Und daraus ist der Dino geworden, der einzige Club, der von der ersten bis zur jetzigen Sekunde der Bundesliga I angehört hat.
    Wer dann mal wieder im Stadion ist, bekommt natürlich auch ein paar Veränderungen mit. Dass der NDR2 beispielsweise auch partizipieren will vom Phänomen Fußballfieber und einfach die Kontrolle über die Stadion-Beschallung übernimmt. Lotto King Carl darf noch singen, aber das mit der Hubleiter direkt vor den Fans, das gehört jetzt wohl der Vergangenheit an.
    Ja und das Spiel? Darüber gibt es keine zwei Meinungen, im Stadion ebenso wenig wie auf der langen Zugfahrt zurück nach Südniedersachsen. Die drei Punkte sind so glücklich wie nur was. Aber der Fußballer weiß: Im Laufe einer Saison gibt es meistens nicht nur so glückliche Momente wie den, als Mathijsen den genialen Rückleger von Petric ins Netz befördert. Andererseits, wer solche Spiele gewinnt, spielt ganz oben mit, wer den Punkt nicht mitnimmt, muss am Ende vielleicht doch eine Rolle ganz unten spielen. Auch wenn es danach angesichts der Leistungen auf dem Feld in diesem Spiel für den KSC nicht ausgesehen hat.
    Fazit: Paule kommt irgendwann mal wieder in die Hamburger Arena. Hoffentlich dann nicht wieder bei Schietwetter zwischen Stellingen und Stadion. Denn auf dieser Saison-Eröffnungstour hat er bei all der Stimmung ganz vergessen, dass dieses alles doch in der Hauptsache Geschäft ist.

    :huhu:
     
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  3. Kaka

    Kaka Formel 1 Weltmeister

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    Die Flasche ist so gar fast noch leer geworden ;) Allerdings kriegte ich dann doch einen schönen Kommentar zu hören: "Ey da ist noch Wasser drin, das kannste nicht einfach hier reinschmeißen" - "Dann trink es doch aus" war nur mein Kommentar.

    Leider muss ich gestehen, dass es Brämer Bier war. :kotzer:

    Lotto King Karl war meiner Meinung nach ziemlich weit über unseren Köpfen. :gruebel:
    Also die Hubleiter gibt es weiterhin ;)
     
  4. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Ich hab der einen Flaschentante ´ne volle Pulle Oettinger Alkfrei spendiert, sogar noch geschlossen (hab´s mir inzwischen abgewöhnt mir schon vor dem Spiel die Birne bis zum Abgang der letzten Gehirnzelle vollzubraten). Die Flasche hat sie gern genommen, aber als ich ihr die aufmachen wollte, machte sie nur "Neinneinnein..."

    Da will man schonmal freundlich sein...

    @Paule: Der Bericht hatte schon fast etwas lyrisch-philosofisches an sich, so von der Schreibweise her. :top:
     
  5. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Sag nix Falsches, da hab ich Verwandtschaft. :zahnluec: Die freut sich auch immer, wenn HSV-Publikum aus der Heide den Zug bevölkert. Das ist wohl ziemlich einfach gestrickt.

    Und natürlich gibt es in Ülzen Dosenbier. Ich finde den Bahnhof nur spätestens beim zweiten Mal langweilig. Unpraktisch schon beim ersten.
     
  6. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Freundlich? :schock:
    Du wolltest einen Menschen mit Öttinger vergiften - hätte sie einfach zugeschlagen, dann wäre das locker als Notwehr durchgegangen.
     
  7. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    So wie die aussah, hätte man ihr selbst mit ´ner Buddel Becks Ice etwas gutes tun können. Und da erscheint mir Oettinger alkfrei noch die bessere Alternative. :floet: