(on Tour) HSV - Stade Rennes

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Dilbert, 7 Dezember 2007.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    UEFA-Cup 2007 - 2008, Zwischenrunde, zweiter Spieltag

    Mahlzeit!

    Das wird ein Bericht aus der Serie "kurz und schmerzlos". Warum? Nun ja, ich bin seit einer Woche am rumgrübeln, und weiss einfach nicht, was man zu sowas schreiben soll, damit es halbwegs lustig wird.

    Nun ja, nach der Arbeit an diesem Donnerstag wollte ich eigentlich noch ´ne Stunde Mittagsschnarch halten, aber dem kamen diverse Heinis in die Quere, die alle fünf Minuten das Telefon wegen "Kannste mir heute ma ´n Trikot leihen?" und "Wann geht´s denn los?", und "Wohin muss ich midde S-Bahn?" klingeln liessen, bis ich selbst wieder vom Sofa hochmusste um die Sachen zu packen.

    Viertel vor vier, auf zu Vaddi. Der war entgegen meiner Erwartungen sogar schon abfahrbereit, und nachdem man sich von den Eltern noch zwei Holsten Alkoholfrei geschnorrt hatte (wenn ich schon fahren muss...), ging es los zum Hagebaumarkt, auf dessen Parkplatz Micha irgendwo anner Bäckerei warten wollte.

    Es gibt Sachen, die versteh ich nicht. Z.B. warum mich einer, der weiss, wann ich losfahren wollte, danach noch anruft, obwohl er auch weiss, dass ich im Auto nicht telefoniere.

    Am Hagebau wusste ich deshalb nicht, wer mich angedengelt hatte, also erstmal bei Micha eingeklingelt. Der wusste aber von nix und dachte, ich wolle ihn zur Eile antreiben. Wie sich kurz danach herausstellte, ein dummes Missverständnis. Also Habicht, der irgendwie immer noch nicht wusste, wo er denn bitte aus der S-Bahn springen sollte (und später auch noch inne verkehrte Richtung fuhr).

    Nachdem Micha, der selbst gerade vonner Arbeit zurück war, sich ´n Brötchen und ´ne Blöd ("Ich guck da eh nur die Bilder...") gekauft und sich hinten in meinen Zweitürer geklemmt hatte, konnte ich losfahren...

    ...um zwanzig Meter weiter anner Ampel ein entsetztes "Scheisse, meine Karte!!!" vonner Rückbank zu vernehmen. Okay, also einmal im Kreis fahren (mit Zwischenstop anner Tanke zwecks Flüssigkeitsversorgung), Vaddern raus, Micha wieder raus, Treppe hoch, Treppe runter, Micha wieder rein, Vaddern wieder rein (der inzwischen ziemlich am rumquaken war wegen des ganzen Gehampels), und dann endlich auf nach Hamburg.

    Während der Autofahrt war eigentlich nix los, sieht man davon ab, dass meine Scheibenwischer demnächst mal erneuert werden müssten, es sehr windig war und es teilweise in Strömen gegossen hat.

    Micha: "Dilbert, du brauchst neue Scheibenwischer, ich seh hier gar nichts."
    Dilbert: "Mach Dir nichts draus, ich seh auch nichts.."

    War aber auch ziemlich schwer, da überhaupt ´ne vernünftige Einstellung für die Dinger zu finden. Irgendwo zwischen ganz aus, Interwall und Schnellstbetrieb lag die Lösung, je nachdem, wieviel Wasser gerade auf der Strasse war, und wo die LKWs rumkurvten. Ach ja, und wenn man ´nen Benz hat, dann muss man anscheinend nicht über Dinge wie Sicherheitsabstand, miese Sicht oder Aquaplaning Gedanken machen. Jedenfalls scheint sowas in den Köppen der Fahrer solcher Karossen vorzugehen.

    In Hamburg dengelten wir mal Habicht an, der inzwischen irgendwie doch bei Knappi angekommen war. "Wenn wir vorbeikommen hupen wir.. Moooment... Mooooooment.... jetzt!" MÖÖÖÖÖÖÖÖP! Jo, er steht da. Nach kurzer Suche fanden wir bei Reifen-Herbert einen Parkplatz, und als wir uns gerade stadionfein gemacht hatten, kam uns Habicht entgegengelatscht. Mohoooin!

    So, noch über ´ne Stunde bis zum Anpfiff, es wurde Zeit sich bei Knappi um die Vorabverpflegung zu kümmern. Drei Bier und ´ne Currywurst später machten wir uns auf zum Stadion, da Habichts Karte da ja noch inner Ticketbox auf uns wartete. Kurze Zeit und eine "Mal kurz anne Seite Tapp-Tapp"-Kontrolle danach waren wir im Stadion und lieferten Hermann an seinem Platz ab, ehe wir uns auf die Socken nach oben zu unseren Plätzen machten. Hmm... Durst... In der Not frisst der Teufel Fliegen, oder wie sagt man. Und in der Not trinkt man halt auch Alkfreies Bier und Autofahr-Punsch, der fast nur aus rot gefärbtem Flüssigsüsstoff besteht.

    Also, eines steht mal fest: In zwei Wochen, wenn es gegen Basel geht, zieh ich bei solchen Bedingungen meine Thermounterwäsche an. Meine Fresse, obwohl wir so ziemlich inner Mitte vom Block 27C hockten, fror man sich bei dem eisigen Wind mal ganz gepflegt den Hintern ab. Immerhin war dadurch auch das alkfreie Bier dermassen schweinekalt, dass man den ekligen Geschmack kaum merkte.

    Nach den Mannschaftsaufstellungen (von unseren, durch ca. 150 Fans vertretenen, Gästen aus Frankreich, kannte ich gerade mal Sylvian Wiltord) und "Hamburg meine Perle" ging dann endlich das Spiel los, welches von einem Schiedsrichter aus England geleitet wurde, dessen name für mich schon wieder Schall und Rauch ist.

    Wobei "Spiel" ein wirklich hochtrabender Begriff für den Kick ist. In den ersten zwanzig Minuten wurde glaube ich insgesamt dreimal auf´s Tor geschossen, zweimal von den Gästen (davon war einer wirklich gefährlich), einmal vom HSV (mit Wohlwollen als Torschuss zu bezeichnen). Ansonsten herrschte dermassen tote Hose, dass man sich glücklich schätzte etwas zu tun zu haben, und wenn es nur der Gang zur Pissrinne war.

    Na ja, wie immer: Wenn man davor steht, klemmt erstmal der Reissverschluss, und dann hört man das ganze Stadion in helle Aufregung verfallen. Nein, dem Raunen nach zu urteilen doch nicht das 1:0... und jetzt.. auch nicht. Ich war gerade die Treppe zu meinem Sitzplatz wieder hochgestiefelt (sass aber noch nicht), da war es dann endlich soweit. Olic hatte sich durch die Abwehr von Rennes gewurschtelt, und als alles mit einem Abschluss rechnete schob er quer zum völlig freistehenden van der Vaart, der nur noch lässig einschieben musste. Juhuu, endlich wird ´n Fussballspiel draus!

    Dachte man sich so. Aber die einen hatten keine Lust nachzulegen, und die anderen schienen gar nicht daran zu glauben, dass sie überhaupt ´n Tor schiessen könnten. So wurde es bis zur Pause ein wirklich übles Fehlpassfestival. Die Hamburger entwickelten überhaupt keinen Zug zum Tor und machten einen auf "Kräfte sparen für Werder Bremen" (hat leider nix genützt), weshalb alles, was ein Konter hätte werden können, an der Mittellinie elendig verreckte. Die Gäste hingegen spielten spätestens am Strafraum uns bereitwillig den Ball inne Füsse. Da war man dann schon fast erleichtert, als der Schieri endlich zur Halbzeit pfiff.

    In der Halbzweitpause war nüscht los, danach leider auch nicht. Es ging genauso übel weiter wie in Hälfte eins, selbst mein Gang zur Pissrinne half da nicht weiter (zumindest war es im Scheisshaus ´n bisschen warm), sieht man davon ab, dass Rennes tatsächlich mal bei uns im Strafraum auftauchte und durch einen gar nicht so üblen Fallrückzieherversuch dann doch beinahe den Ausgleich gemacht hätte. Ansonsten war wirklich nicht zu merken, dass Fussball ein Bewegungsspiel sein soll.

    Mehr Bewegung gab es auf den Rängen, nachdem fuffzehn Minuten vor Schluss verkündet wurde, dass die S-Bahn-Station Eidelstedt wegen eines Stromausfalls nicht befahren werden könne, und die Leute deshalb über Stellingen und Othmarschen die Biege machen sollten. Wer hat schon Lust, ´ne halbe Stunde in Stellingen rumzustehen? Nicht viele, und deshalb war auf einmal ein Drittel der 36500 Leute verschwunden.

    Zehn Minuten vor Schluss hiess es dann: "Wer ´n Tor gemacht oder vrobereitet hat darf raus", weshalb erstmal Olic gegen Choupo-Moting ausgewechselt wurde. Der war dann grob geschätzt dreieinhalb Minuten auf´m Platz, als er eine Vorlage von van der Vaart (der wurde zwei Minuten später ausgewechselt) zum erlösenden 2:0 verwertete. Damit war der Drops gelutscht. Der für Rafael eingewechselte Zidan erstolperte uns in der letzten Minute schliesslich noch ´nen Elfer, den er nach kurzem Kampf um den Ball mit seinen Mannschaftskameraden dann selbst zum 3:0 verwandelte.

    Fazit: Selbst wenn man 80 Minuten nix macht, kann man noch drei Tore schiessen. Allerdings wäre wohl selbst ein Spiel gegen Arminia Bielefelds Ersatzmannschaft schwerer gewesen als der Kick gegen Stade Rennes. Mir tun da wirklich die Leute leid, die teilweise seit 18.00 Uhr am Vorabend (!) von Frankreich aus unterwegs waren, wie sie Habicht im Vorfeld inner U-Bahn erzählt hatten. Die Leistung ihres Teams war eine Frechheit, das war in etwa das unterste Niveau vieler Auswärtsspiele von Borussia Mönchengladbach inner letzten Saison.

    Nachdem die Truppe für den irgendwie herausgebolzten Sieg beklatscht (und ein ziemlich markiger Spruch der gesamten Kurve betreffend unseres Möchtegern-Sportsenders losgelassen) war, gingen wir Hermann abholen, und anschliessend zu Knappi zwecks Abendessen. Cola, Fanta und Currywurst, was wohl die Ernährungswissenschaftler davon halten... Beim nächsten Europacupspiel gibbet wieder lecker Dosenbrötchen.

    Auf dem Weg zum Opel fing es natürlich wieder an wie aus Gieskannen zu regnen, weshalb es die Meute doppelt eilig hatte in´s Auto zu kommen. Was aber gar nicht so leicht ist, wenn auf der Fahrerseite der Bautenzug von der Sitzklappvorrichtung gerissen ist, und deshalb alle auf der Beifahrerseite in die Renndose krabbeln müssen. Und zudem noch der Fahrer ein ziemlich grosser Typ mit Riesigen Füssen ist, der den Sitz seehr weit nach hinten schieben muss, um nicht das Lenkrad am Oberschenkel zu verklemmen. Nachdem die Mannschaft verstaut war, und einer aus der Kolonne vor der Ampel die Freundlichkeit besass mir die Strasse freizusperren, machten wir uns also auf den Heimweg. Sieht man vom beschissenen Wetter ab, verlief die Fahrt bis zur Ausfahrt Bordesholm relativ ereignislos. Dort hatte Habicht auf einem Parkplatz seine Mühle von ´nem Kollegen abstellen lassen, weshalb er sich an diesem Punkt von uns verabschiedete. Ich gurkte dann auf dem schlaglochübersäten Parkplatz Marke "explodiertes Minenfeld" erstmal inne verkehrte Richtung (in der Annahme, das Ding hätte eine Ein- und eine Ausfahrt), was meinem Astra eine zusätzliche Geländeprüfung verschaffte, und anschliessend ging es problemlos weiter nach Rendsburg. Nachdem ich Micha und Hermann abgeladen hatte konnte ich dann auch nach Hause und meinem Hamster "Guten Morgen" sagen, ehe ich mich inne Koje haute. Im Gegensatz zu mir war der ja gerade erst aufgestanden.

    Morgen gegen Cottbus müssen wir echt ´nen Zahn zulegen, die werden mehr dagegenhalten als dieser "Keine Ahnung, warum"-UEFA-Cup Kandidat, oder die lächerliche "Hölle von Zagreb".

    Gruss
    Dilbert