(on Tour) HSV - Leverkusen (UEFA-Cup)

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Dilbert, 21 März 2008.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    UEFA-Cup Achtelfinale 2007 - 2008

    Mahlzeit!

    Dieser Tag sollte wohl als der sauberste in der Geschichte meines Lebens eingehen. So oft wurde ich wirklich noch nie geduscht... Na ja, ausser vielleicht in Wacken 2005.

    Die erste Dusche bekam ich in Eigenregie morgens vor der Frühschicht. Da die ganze Mannschaft ´n gutes Tempo vorlegte, fragte mich die Schichtleitung um halb zehn, ob ich denn viele Überstunden hätte. Hab ich nicht, aber wenn du jemanden loswerden willst, meld ich mich gern freiwillig.... Man hat ja am Nachmittag noch etwas vor.

    Ich bin wohl gerade rechtzeitig geflüchtet, denn als ich am nächsten Nachmittag mit leichtem Brummschädel zur Arbeit kam, herrschte dort das totale Chaos, weil man uns unverhofft mit neuen (teils ziemlich senilen und damit sehr anstrengenden) Bewohnern vollgestopft hatte. Aber das nur am Rande. Im Gegensatz zum Wetter draussen herrschte im Job also erstmal eitel Sonnenschein, als ich nach der Erledigung des Papierkrams um zehn Uhr das Haus verliess.

    Da der Zug erst um 14.00 Uhr abfahren sollte, hatte ich noch mehr als genug Zeit ´ne kleine Einkaufstour zu drehen, ein paar Typen auffer Playstation zu verdreschen, und anschliessend Mudderns Karren wieder bei ihr vor der Tür zu parken, den ich mir ausleihen musste weil meiner mit defekten Bremsen nicht so wirklich fahrtauglich war. Auf dem Weg von der Bude meiner Eltern zum Bahnhof bekam ich dann die zweite Dusche ab, die aber im Gegensatz zur ersten nicht wirklich gut temperiert war, und von einem stürmischen Wind in das reinste Eisbad verwandelt wurde. Brr! Da ich ja immer lieber zuviel als zuwenig Zeit für irgendwelche Fusswege einplane, kam ich triefend nass schon um kurz nach halb zwei am Bahnhof an, wo Vaddi und Muddern auch schon auf mich warteten. Meine Fresse, war das kalt! Da brauchte man erstmal was zum aufwärmen, und sei es nur eine Dose Paderborner vom Bahnhofskiosk. Gluck gluck gluck - RÜLPS! Irgendwie schien sich die Rendsburger Bahnhofssäufergemeinde von unserer Optik in Form eines Werder-Fans animiert, uns ungefragt ganz viele Knöppe anne Backe zu lallern, die wir eigentlich gar nicht haben wollten. Nun gut, das alles lief im freundlichen Rahmen ohne Gepöbel ab, aber nervig war es irgendwie schon. Günter, Daniel, wo bleibt ihr?!

    Zur allgemeinen Verwunderung tauchte Günni dann allein auf, was dadurch zu erklären war, dass Daniel derzeit versucht in einem Crash-Kurs (okay, in dem Zusammenhang vielleicht die etwas falsche Bezeichnuing) den Führerschein zu machen, und am Nachmittag noch Unterricht hatte. So´n Mist, also wieder ´ne Karte über.

    Als ob es nicht schon schweinekalt genug gewesen wäre, hatte der Zug nach Neumünster dann auch noch fünf Minuten Verspätung, weshalb man sich oben auf dem zugigen Bahnsteig noch ein bisschen länger den Hintern abfrieren durfte. Im Zug selbst waren zudem noch massenweise nervige Schulkinder auf dem Weg vonner Penne in die Heimat vorhanden. Das half alles nichts, da brauchte man wieder ´n Bier. Wie günstig, dass am nächten Tag für mich nur Spätschicht angesagt war, da musste ich also nicht sooo genau die Döschen zählen.

    Neumünster, Bahnhof... Meine Fresse, muss ich pullern! Treppe runter: Klo ausser Betrieb, Danke! Hüpf hüpf hüpf... Zum Glück war der Zug nach Hamburg dann nicht zu spät. Reichte ja, dass meine Hose schon vom Regen patschnass war.

    Im Zug nach Hamburg dackelten dann tatsächlich ein paar Fans der Werkself herum, aber abgesehen von ein paar nett gemeinten Frotzeleien gab es kein grossartiges Gepöbel. eigentlich waren die Jungs ganz in Ordnung. Überhaupt muss ich sagen, dass sich das Bild der Mannschaft von Leverkusen in meinen Augen geändert hat (erst recht, seit Butt nicht mehr da spielt). Man kann ja über den "Verein" sagen was man will, die Truppe an sich spielt mit den besten und erfrischensten Fussball der Liga. Wer hätte Skibbe sowas zugetraut?

    In Hamburg ging es auf ein Bierchen in den Zapfhahn, und anschliessend mit der S-Bahn nach Stellingen, wo ich Daniels Karte nach den unguten Erfahrungen gegen Basel (da musste ich ein Ticket vor´m Stadion schliesslich für ´nen Fünfer verkloppen) für zehn Euro an die Türkenmafia verscherbelte. Als ich später den Typen auf Daniels Platz fragte, was er dafür bezahlt hatte, meinte der: "Zwanzig Euro". Haben die Schwarzhandel-Arschlöcher doch wieder ´nen Dummen gefunden und ein gutes Geschäft gemacht, unglaublich. Genauso unglaublich auch irgendwie, dass die Polente immer fast danebensteht und nichts gegen den Betrug tut.

    Auf dem Weg zum Stadion regnete es dann ausnahmsweise mal nicht, was der Bierstopp bei Knappi um einiges angenehmer machte. da die Temperaturen und die allgemeine Wetterlage aber baldige Änderung der Trockenheit versprachen, fiel der Besuch beim Kultimbiss diesmal relativ knapp aus, zumal ich vor´m Spiel auch nochmal pieseln musste.

    Im Stadion trennten sich dann vorerst unsere Wege. Muddern war ja gegen Zürich nach oben geflüchtet, weil ihr das Stehplatzdasein auf Dauer nicht gut bekam, weshalb ich für sie diesmal gleich ein Ticket im C-Rang besorgt hatte. Wir anderen verkrümelten uns in Block 23A.

    Das Schiedsrichtergespann kam aus Spanien, und deren Leistung nach zu urteilen hatten die wohl die komplette Nacht davor noch am Ballermann durchgefeiert, ehe sie nach Hamburg geflogen waren. Das war grässlicher als der olle Pfeifenaugust Fandel, was die Paella-Liebhaber da rumsignalisierten. Der Meinung waren nach dem Spiel übrigens auch die Fans von Bayer Leverkusen.

    Aber wegen den Schiedsvernichtern sind wir nicht rausgeflogen, egal wie blind die waren. Eigentlich kann man sagen, dass wir das Ding hätten drehen können. Ein Weiterkommen wäre wirklich nicht unverdient gewesen. Vorwürfe an die Mannschaft? Höchtens für´s Hinspiel. Da haben wir es vergeigt.

    Von dem späteren Fazit wussten wir natürlich noch nichts, als der Costa-Brava-Heini den Kick anpfiff. Dass die Jungs da unten gleich volle Pulle nach vorn rennen würden war ebensowenig zu erwarten, schliesslich ist die offensive Besetzung von Leverkusen nicht von Pappe, und ein Gegentor würde schon fast das sichere Aus bedeuten. Trotzdem legten beide Mannschaften flott los, und Rost und Adler hatten alle Hände voll zu tun, wobei die Bayer-Elf den spielerisch etwas kreativeren Eindruck machte. Warum dann aber ausgerechnet unser Sergej (über den man vor dem Spiel noch Witze gerissen hatte von wegen "Der mag den HSV noch und schiesst gegen uns eh keine Tore"... autsch...) den Ball unhaltbar für Rost abfälschen musste, weiss nur der liebe Fussballgott. Sergej zeigte jedenfalls "Reue" (hüstel) und verbarg nach der Bude sein Gesicht. Eigentlich eine ziemlich alberne Show. Ob er nun Hamburg noch mag oder nicht, das war verdammt nochmal sein Job.

    Okay, anschliessend wurde er von den HSV-Fans natürlich ordentlich zur Sau gemacht, aber das sollte jetzt nach dem Spiel auch wieder vergessen sein.

    Nach dem Tor wussten unsere Jungs erstmal nicht so wirklich wohin, und man machte sich ob der Ideenlosigkeit so seine Gedanken, wie die gegen die jetzt sicher stehende Verteidigung der Bayer-Bolzer denn bitte noch drei Buden reintreten sollten. Das sah nicht gut aus. Bis eine ziemlich vergurkte Flanke von Olic Adler zu einer unverhofften Glanztat kommen liess, und den Startschuss für das Unternehmen "jetzt erst recht!" einläutete. Dummerweise war da aber immer noch Adler im Tor, was auch van der Vaart kurz vor der Pause die Laune verdarb. Wenn der Junge nicht mit zur EM darf, dann muss sich Jogi wirklich fragen, was eigentlich ein derzeit sehr unkonstant haltender Hildebrand da zu suchen haben soll. Adler ist für mich die Zukunft im Deutschen Torwartwesen. Ich hoffe nur, dass die blöden Bazis nicht irgendwann derselben Meinung sind. Allein der Gedanke an Adler im Bayern-Dress tut einem schon inner Seele weh.

    In der Pause wechselte Huub den noch überforderten Odjadja-Ofoe aus und brachte Trochowski. Und damit machte er nun endgültig ein klasse Europacupspiel aus der Chose. Nachdem Olic (dem musste an diesem Tag irgendwer die Galoschen mit Schmieröl eingerieben haben, so oft wie der den Ball nicht richtig traf), noch versemmelt hatte, brachte es Trocho per Gewaltschuss endlich fertig den Ball mal an Adler vorbei im Kasten der Leverkusener unterzubringen und damit die Hoffnung auf eine grandiose Aufholjagd zu schüren.

    Der Jubel hielt keine fünf Minuten. Gerade als wir uns anschickten den Leverkusenern richtig Dampf unter´m Hintern zu machen, fuhren die einen Konter (Floskelautomatik "Ein") wie aus dem Lehrbuch (Floskelautomatik "Aus") gegen unsere aufgerückte Mannschaft, wobei Rost nach einem Alleingang von Gekas über das halbe Feld schliesslich das Nachsehen hatte. Scheisse, Scheisse, Scheisse!

    Man muss unseren Jungs ja eines zugute halten: Aufgeben? Kam nicht in die Tüte. Nur neun Minuten nach dem 1:2 zeigte Guerrero (desssen Auswechslung unsereiner im Hinterkopf nach einem wirklich schlechten Auftritt und Platzverweisgefahr schon gefordert hatte) seine erste und glaube ich einzige gute Aktion im ganzen Spiel. Da diese zum 2:2 führte, war ich dann ganz froh, dass Stevens meine Gedanken nicht gelesen hatte.

    So, noch 25 Minuten für zwei Buden, das war nun nicht mehr im Bereich des Unmöglichen. und deshalb wurde das Leverkusener Gehäuse jetzt mit Mann und Maus berannt, wobei allerdings immer wieder elendiges Pech, etwas Dusseligkeit und eben dieser verfluchte Adler im Kasten die Suppe versalzten. Als das Publikum gerade wieder begann sich mit dem möglichen Ausscheiden abzufinden, brachte van der Vaart mit seiner dritten oder vierten Grosschance an diesem Abend den Ball zehn Minuten vor Schluss nochmal im Kasten der Gäste unter, und das Stadion wurde zum Tollhaus. Geholfen hat aber alle Mühe unserer Jungs und alles Gebrüll von den Rängen nichts, ebensowenig wie die vier Minuten Nachspielzeit. Am Ende jubelten nur die Leverkusener im seit Mitte der ersten Halbzeit wieder strömenden Regen. Pfiffe suchte man allerdings nach dem Spiel vergebens, vielmehr gab es Beifall für eine grossartige Leistung beider Teams, und ein wirklich spannendes Spiel. Es hat halt nicht klappen sollen, aber wenn schon rausfliegen, dann wenigstens so.

    Ich drücke den Leverkusenern jetzt auf jeden Fall die Daumen, dass sie den Pott nun auch holen.

    Zurück hatten wir nicht viel Zeit. Günter musste ja wieder früh raus, weshalb es schon schön wäre, wenn er nicht erst mit dem Ein-Uhr-Zug in Rendsburg eintrudeln würde. Deshalb fiel der Besuch bei Knappi (während meiner dritten Dusche vom Stadion bis zur S-Bahn) wieder sehr knapp aus, und wir machten schon in Dammtor einen Abflug aus der S-Bahn, um die Kiste inne Heimat auch wirklich sicher zu kriegen. Da das kein Problem darstellte blieb tatsächlich noch etwas Zeit um Bier zu besorgen, wobei ich das letzte lieber hätte sein gelassen, weil ich dann auf der Rückfahrt wie mir später berichtet wurde noch ziemlichen Mist geredet haben soll. Shit happens.

    Gruss
    Dilbert