(on Tour) HSV - Leverkusen 07 - 08

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Dilbert, 21 August 2007.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Tick-Tack-Tick-Tack-Tick-Tack.... MEEEEPMEEEPMEEEEPMEEEEP...!!!

    (Knirsch...) Ein Auge auf... (Knarz...) Zwei Augen auf... (Plonk!) Zwei Augen wieder zu. Ich will nicht zur Arbeit! Ist doch gerade mal halb sechs... (Rumquäl) Aber irgendwie muss man sich ja die Kopeken für die Dauerkarte 2008 - 2009 verdienen, zur Not halt auch am Sonntag und vor einem Heimspiel.

    Ca. zwanzig durch´s Heim gelatschte Kilometer später war es dann halb zwei, und nachdem ich auch noch ein dämliches Katzenvieh aus´m Speisesaal verscheucht hatte (ein maunzender Flohzirkus hat da nunmal nichts zu suchen) bekam ich vonner Chefin die Genehmigung mich auf die heilige Misson "Heimsieg gegen Leverkusen" zu machen. Das lässt man aich als Fussballsüchtiger nicht zweimal sagen, also gab´s eine kurze Grundreinigung, ein paar mehr oder weniger (das Trikot hätte ich doch vorher mal waschen sollen..) frische Klamotten, den neuen Fanclubschal ummen Hals und ein kurzes Teletubbie-Zitat (Winke Winke) für die Kollegen. Auf zum Bahnhof!

    Obwohl ich unterwegs noch ´nen Kumpel getroffen habe kam ich sehr pünktlich dort an, wo die anderen fahrenden Mitglieder der "Raute Rendsburg" schon auf mich warteten. Hmm.. da fehlt doch was... Wat, wie, der Präsi kann nicht mit?! Wir können doch nicht ohne den Präsi... persönliche Gründe, Mist! Na ja, dafür war Schröder dabei.

    Nicht so wirklich dabei waren die Fahrkartenautomaten vor den Bahnsteigen. Zwei Stück, beide schrott, prima. Volker wollte gerade ´ne Karte am Schalter kaufen, da pulte ihm ein anscheinend gelangweilter Typ bei, dass der Automat neben dem Service-Center im Gegensatz zu den beiden anderen Geldscheine annehmen würde. Warum der gelangweilt sein musste? Weil der das wirklich jedem erzählte, der da ankam, ohne ´ne Bahnuniform anzuhaben oder auch nur im geringsten nach einem Mitarbeiter der Schienenfuzzis auszusehen. Wenn man dann am Sonntag nichts besseres zu tun hat als Leuten im Bahnhof den Automaten zu erklären muss man zu Hause schon ganz schön Langeweile haben. Na ja, er verdiente sich für seinen "Privatservice" immerhin den einen oder anderen Euro Wechselgeld (auch den von Günni).

    Unser Grösster (Präsi) war nicht mit, aber dafür bei ihrem ersten Stadionbesuch überhaupt unsere Kleinste, Maskottchen und Ehrenmitglied Silke, die dementsprechend hibbelg war. Dazu muss gesagt werden, dass Silke kleinwüchsig ist und mir so gerade bis zum Bauchnabel geht. Was die Natur ihr an Körpergrösse nicht geben wollte hat sie aber in´s Mundwerk investiert, und so hatte sie die ganze Mannschaft inklusive ihres Verlobten und eines Teils der "zivilen" Bahnkunden von Beginn an im Griff, was ihr immerhin auf jeder Etappe einen Sitzplatz bescherte.

    Ab in den Zug... "Seid ihr alle da?!" - "Ja!" - "Auf Silkes ersten Stadionbesuch! Prost!"

    Bis Neumünster hatte es Silke dann geschafft jeden HSV-Fan in dem Waggon auf ihrer Fahne unterschreiben zu lassen. Wie schon geschrieben, die weiss, wie man die Männer rumkommandiert.

    In Neumünster hatten wir ca. 15 Minuten Aufenthalt, was von der einen für ´me dringend benötigte Pinkelpause genutzt wurde, von den anderen um schnell ´ne Fluppe durchzuziehen. Was bin ich froh, dass ich nicht rauche, nicht nur weil es mir viel zu teuer wäre. Wie einige später auf der Rückfahrt (der Zug fuhr da von Hamburg nach Rendsburg durch und hatte kein Raucherabteil) sehnsüchtig darauf warteten sich wieder eine anzustecken - nee, da bleib ich lieber bei meinem Bier. Wobei es mit dem Bier bei mir auch nicht weit her war, am Montag hiess es ja wieder fröhlich zur Frühschicht erscheinen.

    Ausser Silke und Schröder (den hatten wir kurzerhand zum Silke-Beauftragten abgestellt, damit die uns nicht verschütt ging) hatten wir im Zug nach Pinneberg alle Stehplätze, wobei es eine ganz lustige Fete mit ein paar anderen Fans gab, von denen der eine sich schon die ersten Jägermeister reinknallte (würg!) und seltsame Rabattgeschäfte mit dem Mitropa-Karren-Schieber machte (bei Abnahme von ´nem Bier und ´nem Jägermeister spart man 20 Cent oder so). Ansonsten gab es natürlich nur ein Thema: Spielt van der Abvaart? Und wenn, was machen wir dann mit dem? Insgesamt wurde damit gerechnet, dass Stevens den draussen lässt, und dass er ansonsten bei jedem Ballkontakt zur Sau gemacht werden würde. Auch Ideen wie "Für zwei Spiele zu den Amateuren stecken" kamen auf. Ausserdem versuchte ich verzweifelt herauszufinden wie es in Mönchengladbach stand, da war ja Hoffenheim zu Gast. Leider war das Handy-Display von dem einen Typen genau an der falschen Stelle ziemlich zerkratzt, so dass man beim Ergebnis oben inner Ecke nun raten durfte. Konnte von 0:0 über 0:1 bis 4:1 wirklich alles sein, aus dem knarzigen Reporter-Kommentar konnte man auch nur raten, dass Gladbach bisher noch nicht getroffen hatte und das Spiel ziemlich schnarch war.

    Nun ja, am Ende stand es 0:0. Ich erwarte an den ersten sechs, sieben Spieltagen ehrlich gesagt auch nichts von meiner Borussia. Die müssen da so viele neue Spieler einbauen, das kann noch gar nicht rund laufen nach der totalen Kaderausmistung des Sommers. Wenn wir zum Hinrundenende Siebter sind bin ich schon zufrieden.

    In Pinneberg stand schon die S-Bahn bereit, weshalb wir uns ein bisschen beeilten, was unserem Maskottchen mit ihren kurzen Beinen eher wenig entgegenkam. Das das Ding da noch sechs weitere Minuten nachdem wir es erreicht hatten rumstehen würde konnte ja auch keiner wissen. Etwas beleidigt war ich allerdings, als Schröder meine Aussage "Der Karren ist der richtige" in Frage stellte. Hör ma, mit der Kiste bin ich früher immer gefahren!

    In der S-Bahn war die Luft dann.. ähm in erfrischungsbedürftigem Zustand. Kein Wunder, gerappelt voll mit schwitzenden Menschen in nicht gerade aromafreundlichen Trikots. So waren wir dann alle froh über etwas frische Luft als wir in Stellingen ausstiegen. Schröder begleitete Silke mit dem Busshuttle, wir anderen taten etwas für unsere Linie und latschten lieber zu Fuss. Während Günni und Volker gleich zum Stadion stiefelten wurde es für Marco und mich Zeit nochmal bei Knappi vorbeizugucken, um ein Bier zu holen und was mich angeht eine heilige Mission zu erfüllen. Wer uns über die Jahre so schön bewirtet, der hat auch einen von unseren neuen Fanclub-Schals verdient! Wenn ihr also bei Knappi im Wurstwagen irgendwann mal einen "Raute Rendsburg"-Schal seht, der kommt von uns.

    Vor´m Stadioneinlass war die Schlange mal wieder ziemlich lang, was aber immerhin Zeit gab gemütlich die güldenen Döschen zu leeren. Zwischen den Schlangen hin und her tappelte ein älterer Herr mit Plastiktüte, der die Leute um Leergut anschnorrte. Hmm.. ist ja eigentlich egal, ob ich mit meinen Büchsen nun dem alten Knispel seine Rente aufbesser, oder sie oben inne gelbe Tonne schmeisse. Auf meine Rufe von wegen "He Sammler" hörte er nicht, aber als ich "He, Tüte!" rief kam er angedackelt. Nun ja, der hatte seinen Namen für die nächste Zeit also weg. Opa Tüte schlägt wieder zu...

    Am Einlass brav den Rucksack gezeigt... "Da ist nix drin ausser ´nem Handy." Nun ja, das hat der Ordner mir gelaubt, und als ich dann die Arme zwecks Filzung ausbreitete schickte er mich einfach weiter. Ob ich da nun Wurfmesser oder Handgranaten für van der Vaart gehabt hätte war anscheinend ziemlich Wurscht. Im Stadion hätte ich mir dann gern ein Bier gekauft, aber: Mal ehrlich, vier Euro für ´nen halben Liter, die haben komplett den Verstand verloren, die Caterer! Möge der Fusel in den Leitungen verschimmeln, ihr dummdreisten Wucherer!

    So, ab in den Block. Blockkontrollen? Ham wa nich. So stand ich zwanzig Minuten vor´m Anpfiff im 24er schon auffer Treppe rum und sagte den "Königen des Nordens" erstmal "Moin". Hmm, wenn hier keine Kontrollen waren, dann im 23er doch bestimmt auch nicht, und da standen Günni und Volker drin rum. So hab ich mich dann flugs wieder davongemacht um mir auf der Suche nach den beiden zwei Aufgänge weiter den Hals auszurenken. Genützt hat die doppelte Treppab-Treppauf-Aktion mit eingesprungenem Genickknoten allerdings erstmal nüscht. Da ich auch keinen Bock hatte in den inzwischen komplett vollgestopften 24A zurückzugehen blieb ich einfach mal stehen wo ich war und hoffte auf eine Sichtung inner Halbzeitpause.

    Mannschaftsaufstellung... Stevens war so gewitzt gewesen den Spielern beim Aufwärmen drei unterschiedliche Outfits zu verpassen, so wusste also keiner vorher so genau, wer denn nun in der ersten Mannschaft auflaufen würde. Allerdings muss ich auch sagen, dass sich die Unmutsbekundungen für van der Vaart beim Aufwärmen auf einige Transparente (am geilsten fand ich "Geh, aber lass Sylvie hier!") beschränkten. Als er von Marek dann als letztes in der Startelf aufgerufen wurde gab´s ein Pfeifkonzert, bei dem ich aber nicht mitgemacht habe. Ehrlich gesagt hab ich mir da noch den Hals auf der Suche nach meinen beiden Spezis verrenkt und seinen Namen aus alter Gewohnheit einfach mitgegröhlt. Das war aber auch das letzte Pfeifkonzert für Rafael an diesem Tag, während des kompletten Spiels war Ruhe, was das anging.

    Was hat sich nun verändert im Gegensatz zur Vorsaison? Klar, wir hatten schon drei Punkte. Ansonsten frage ich mich wirklich ob es eine gute Werbung für ein Unternehmen ist, die gelben Karten zu präsentieren. Und wenn man die Jungs da unten hat spielen sehen stellt sich einem auch die Frage, wie zum Deibel fast die gleiche Truppe in der Vorsaison anfangs so abstinken konnte. Das war teilweise wirklich sehr feiner Fussball, allerdings mit ein bisschen Pech und Schusseligkeit im Abschluss. Die Leverkusener hatten jedenfalls in der ersten Halbzeit fast nichts zu melden, ausser einem Schuss aus der zweiten Reihe den Rost mit Vergnügen einsammelte.

    Bei uns fielen vor allem zwei Dinge auf: Erstens: Wir haben da ´ne wirklich beingeile Innenverteidigung am Start! Wie locker Kompany (das ist wohl ein Grund warum wir inner letzten Spielzeit nicht in Tritt kamen, der Typ ist in der Form auch von einer Kampfsau wie Reinhardt nicht zu ersetzen... hoffentlich bleibt er fit) und Mathijsen dem Bayer-Angriff die Bälle abknöpften war wirklich eine Augenweide, der Defensivkünstler Stevens musste bei dem Anblick eigentlich ein ziemliches Rohr inner Hose haben vor Freude. Und zweitens: Ich gehe inzwischen davon aus, dass Rafael bis Saisonende bleibt. Wenn der und Castelen sich noch etwas besser einspielen dürften wir eines der unberechenbarsten Duette der kompletten Liga besitzen. Der Gegenspieler von Castelen war jedenfalls die ärmste Sau auf dem Platz, der wurde teilweise mit eigentlich einfachen Finten dermassen zum Idioten gemacht, unglaublich. Und den Typen haben wir ja gerade erst ein paar Tage dabei. Was van der Vaart angeht: Er lief trotz des ganzen Zirkus als Cheffe auf. Seine Zweikampfbilanz war nicht gerade berauschend, aber wenn er den Ball hatte schlotterten der Leverkusener Hintermannschaft doch ziemlich die Knie, weil er wirklich die Bälle unvorhersehbar verteilte und damit auch noch Erfolg hatte. Ich kann mich trotz aller technischen Kabinettstückchen jedenfalls an keinen einzigen Fehlpass von Rafael erinnern.

    Einige Sachen ändern sich nie. So bekommt man auch in dieser Saison regelmässig graue Haare und leichte Herzrhytmusbeschwerden, wenn Atouba in der eigenen Hälfte den Ball hat. Da der aber im Gegensatz zur Vorsaison seine Leichtfüssigkeit endlich wiedergewonnen hat, klappten seine teilweise scheinbar vom Irrsinn begleiteten Aktionen aber zur grössten Teil. Ehrlich gesagt hab ich mich gweundert, warum den kein Leverkusener am Ende einfach weggekloppt hat, so wie er sie teilweise veräppelte. Muss äusserst frustrierend gewesen sein.

    Nu hab ich hier bisher unsere Jungs mit Lob überschüttet, was kam dabei raus? Na ja, den Aluminiumrekord dürfte uns in dieser Saison keiner mehr streitig machen. Nachdem wir in Hannover ja schon die eine oder andere Delle in´s Gebälk gebolzt hatten, ging es gegen Leverkusen fröhlich weiter mit der Metallmisshandlung. So war es nach ein paar Minuten Shorty Zidan, der die Stabilität des Tores testete. Ansonsten gab es ein paar leicht misslungene Schüsse von van der Vaart, denen etwas der Dampf fehlte, einen Aussennetzknaller von Castelen, nachdem er und Rafael die Leverkusener Abwehr per Doppelpass ausgekickt hatten als würden sie schon zehn Jahre zusammenspielen, und die eine oder andere Flanke, die entweder vom guten Keeper Adler weggefischt oder ganz knapp von unseren Kickern verpasst wurde. Eigentlich fehlte nur das Tor zu einer sehr starken Vorstellung in der ersten Halbzeit.

    Ehe ich es vergesse: Das Spiel war ein paar Minuten alt, da sah ich gaaaaanz unten einen grauhaarigen Schopf mit HSV-Basecap und vonner Sonne auf´m Bau gebräunten Ohren... Dat war doch Volker! So hab ich die beiden Halunken also doch noch gefunden, auch wenn der Weg die Treppe runter etwas beschwerlich war. Hmmm.. also die Sicht da ganz unten ist ja nicht gerade die beste, aber dafür hat man Platz um sich zu bewegen und kommt sich nicht vor wie inner Konservendose eingeschlossen. Insgesamt war die Stimmung prächtig, auch weil die Fans es eben unterliessen van der Vaart die Lauschlappen wegzupfeifen und ihren Gefühlen stattdessen mit etlichen "Nur der HSV!!"-Chören Ausdruck verliehen. Die Leverkusener Anhänger hatten es tatsächlich geschafft den Gästestehblock halbwegs ordentlich zu füllen, viel rüber kam aber von denen nicht, wobei sie auch schon mal leiser waren.

    Tja, weil die Hamburger zu oft versucht hatten den Ball über siebzehn Stationen in´s Tor zu tragen, stand es zur Halbzeit dann unverständlicherweise noch 0:0, obwohl wir eigentlich schon zwei bis drei Buden hätten machen können / müssen. Bis zum Strafraum war das über weite Strecken ein spielerischer Augenschmaus, nur leider vergassen die Heinis oft dass man das Ding auch irgendwann mal in die Kiste schiessen sollte.

    Da in der Pause nichts los war komm ich gleich mal zur zweiten Hälfte, die beide Teams in unveränderter Formation begannen.

    Sieht man davon ab, dass die Gäste jetzt ab und zu mal aus ihrer eigenen Hälfte rauskamen ging es eigentlich genauso weiter wie in Halbzeit eins. Als Deja-Vu semmelte schon wieder Zidan den Ball an den Pfosten, hört das denn nie auf? Im Aufbau klappte es jetzt allerdings nicht mehr ganz so gut wie in Halbzeit eins, was den Gästen dann doch die eine oder andere Halbchance und einen Schuss von Barnetta einbrachte, den Rost gerade noch wegboxen konnte. Ich schmeiss mal drei Euro in´s Phrasenschwein: Wer vorn die Buden nicht macht... das war verdammt knapp!

    Als Fandel dann einen glasklaren Handelfer nicht gab stellte ich mich innerlich schon auf ein bei den Chancen völlig unnötiges 0:0 ein. Nach etwas mehr als einer Stunde betätigte sich aber nochmal ein Leverkusener als Volleyballer (es war eben der bedauernswerte Gegenspieler von Castelen, der dessen Flanke mit erhobenem Arm unfreiwillig abwehrte), und diesmal gab es den Pfiff.

    Rafael liess gar nicht erst grosse Diskussionen zu und schnappte sich den Ball. Der? Au weia, wenn er da Ding versemmeln würde, wäre seine ganze gute Leistung bis dahin für die Katz, dann nähmen die Fans den auseinander. Und dann stand da auch noch Adler im Tor, der im letzten Heimspiel gegen Bayer van der Vaart mit einem gehaltenen Elfer die Parade vermiest hatte.

    Diesmal nicht. Der Ball klatschte mit ungeheurer Wucht unhaltbar unten in´s Eck, und das Stadion flippte aus. Das Tor war eigentlich überfällig gewesen, und dass nun ausgerechnet (ich hasse dieses Wort eigentlich im Zusammenhang mit Fussballspielern, weil die Fernsehreporter es immer dann verwenden wenn einer gegen einen Verein trifft bei dem er vor grob geschätzten zwölf bis achtzig Jahren mal auf der Ersatzbank gesessen hat, aber diesmal komm ich nicht drumrum) er die Kiste machen musste passte irgendwie zu diesem teilweise seltsamen Fussballspiel.

    Nun wollte van der Vaart die Sache auch klarmachen. Leider konnte Adler seinen "hinterlistigen" Lupfer von der Strafraumgrenze gerade noch über die Latte lenken, sonst hätte der eine oder andere im Stadion aber vielleicht auch angefangen zu heulen. So einen fussballerisch genialen Spieler in absehbarer Zeit mit ziemlicher Sicherheit zu verlieren (spätestens nach Saisonende ist er dann wohl weg) tut einem einfach weh, egal was er in der letzten Woche für Scheisse gebaut hat.

    Was gab´s sonst noch... ach ja, zwei Jubelstürme im Stadion. Aber nicht weil wir etwa das 2:0 gemacht hätten, sondern einmal als Opa Sergej sich vor der Nord warmlief, und dann nochmal, als Barbarez schliesslich eingewechselt wurde. Ausserdem blieb einem mal kurz die Pumpe stehen, weil Barnetta einen Kopfball gegen die Latte setzte. Puuh!

    Ansonsten hatte Bayer aber bis auf ein paar Ecken nichts mehr zu melden. Ach ja, und wenn Adler nicht in spätestens vier Jahren Nationaltorwart ist, sollte der DFB den Trainer rausschmeissen, wer auch immer das dann sein mag. Allein der hinderte Van der Vaart nämlich daran, noch zwei Treffer nachuzulegen. Einmal faustete er einen Freistoss aus dem Eck, ein anderes mal verkürzte er so geschicht den Winkel, dass unser Holländer frei auf ihn zulaufend am langen Eck vorbeizog. Und einmal stand auch Jarolim im Weg, der Rafael unsinnigerweise den Ball vom Fuss nahm um dann zu versemmeln. Ausserdem hatte Stevens inzwischen den Oberjoker Guerrero gebracht, der nach einer schönen Flanke von Castelen (der kriegt die Note 1, wie gut kann der erst werden, wenn die richtig eingespielt sind?) den Ball knapp vorbeiköpfte.

    Van der Vaart wurde kurz vor Schluss noch ausgewechselt, von Pfiffen konnte nach der Vorstellung aber wirklich keine Rede mehr sein. Für ihn kam Reinhardt, um den Sieg über die Nachspielzeit zu mauern. Was dann auch prima geklappt hat.

    Fazit: Ich hab selten einen so verdienten Sieg gesehen, der allerdings zwei Tore zu niedrig ausgefallen ist. Mit der völlig verunsicherten Mannschaft der letzten Hinrunde hatte diese Vorstellung gerade mal noch einige Namen auf den Trikots gemeinsam... und die Unfähigkeit mal mehr als ein Tor zu machen.

    Nach der UFFTA und der Welle mit der Truppe latschten wir dann so langsam mal los. Als Treffpunkt war wie immer der Bronzefuss von "Uns Uwe" ausgemacht, wo sich nach und nach auch die ganze Raute Rendsburg-Mannschaft einfand. Bis dahin lief ja alles bestens, und dann klinkten sich Schröder und die überglückliche Silke (die sich nach dem Spiel irgendwie bis auf ein paar Meter an ihren "Vanni" rangearbeitet hatte und wohl am liebsten bis zum Kick gegen die Bayern im Stadion geblieben wäre) aus um mit dem Busshuttle nach Stellingen zu fahren, während ich zu Knappi latschte um Flüssigverpflegung für die Rückfahrt zu holen. Auf dem Fussweg zur S-Bahn verdiente der "Jeder Schal nur fünf Euro"-Mann an mir noch ein Scheinchen.

    Treffpunkt war ganau vor der S-Bahn-Station, und da warteten wir dann rum. Und warteten.. und warteten... aber Schröder und Silke tauchten einfach nicht auf. Da dachten wir, die wären schon mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof gegurkt (man sollte mit dem Bus ja eigentlich schneller sein als wir zu Fuss) und fuhren ihnen "nach".

    Ähm, ja. Im Zapfhahn waren die beiden dann aber nicht. Stattdessen klingelte irgendwann mein Handy mit Schröder dran. "Wo seid ihr?" - "Im Zapfhahn, wo seid ihr?" - "In Stellingen..." Ups! In etwas mehr als einer halben Stunde sollte schon unser Zug fahren... Nun hiess es nur hoffen, dass sie die kurze Tour fahren würden, bei einer Fahrt einmal durch das Rotlichtviertel könnte es sehr knapp werden.

    Nachdem ich mein leckeres Schwarzbier im Zapfhahn ausgetrunken hatte ging ich deshalb den Bahnsteig zur S-Bahn runter, um die beiden abzufangen. Tja, da stand ichm mir dann ziemlich doof die Füsse platt und guckte mir die Augen aus dem Kopp... wo blieben die denn?

    Schröder ist echt so´n Held. Verläuft sich mit Silke im Bahnhof, hört dann von den anderen dass ich auf´m Bahnsteig auf sie warte, hält es aber nicht für nötig mich mal anzurufen damit ich meinen Wachtposten verlasse. Hätte ich nicht irgendwann mal sorgenvoll mein Handy bedient stünde ich vielleicht immer noch da.

    Na ja, am Ende waren dann alle im richtigen Zug und es konnte nach Hause gehen. Auf der Rückfahrt wurde noch ein wenig über da Spiel gesabbelt und das eine oder andere Bier getrunken (wobei für mich nach einem Schluss war wegen eben der akuten Frühschicht am Montag). Ansonsten passierte nicht mehr viel, sieht man von den Entzugserscheinungen unserer rauchenden Fraktion ab. Um kurz nach zehn rollerte der Karren dann in Rendsburg ein, wobei der bierselige Günni es sich nicht verkneifen konnte dem Lokführer ein "Hast du gut gemacht! Schön geradeaus gefahren!" zuzurufen.

    Nach dem Abschied von den anderen und einem kleinen Fussmarsch schloss ich um kurz vor halb elf dann meine Bude auf. Meine Füsse schmerzten nach Arbeit, Stehplatz und dem ganzen Gelatsche unterwegs zwar wie Sau, aber das war es wert!

    Gruss
    Dilbert