(on Tour) HSV - BVB

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Dilbert, 12 November 2008.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    12. Spieltag 2008 - 2009

    Mahlzeit!

    So, nun muss ich hier erstmal "Sorry" sagen, weil der Stuttgart-Bericht nicht den Weg hierher fand. Die Erklärung ist ganz einfach: Der liegt hier ca. zu einem Viertel fertig auf meiner Festplatte rum. Die Ergebnisse am Wochenende nach dem Spiel luden nicht gerade zur fröhlichen Berichterstattung ein, und als ich mich am Montag nach der Spätschicht dransetzen wollte, erfuhr ich vom Tod der Mutter einer Freundin, und hab mich dann erstmal um die gekümmert. Das Ding ist also schlichtweg abgesoffen. Vielleicht mach ich den noch irgendwann der Vollständigkeit halber fertig, und setz ihn dann in den Blog und auf unsere Homepage.

    Liebe Grüsse an dieser Stelle deshalb nachträglich an den Südschweden und das nette Mädel, mit dem ich inner Halbzeit vor Block 23A stand. Und natürlich an Knappi.

    Auch der Dortmund-Bericht wird wohl etwas gekürzt daherkommen. Ich hab derzeit ziemliche Probleme mit meiner rechten Schulter, die mir ein neunzig-Kilo-Mann auffer Arbeit kaputtgemacht hat, und die beim Schreiben schon schmerzt. Mal gucken, was bei rauskommt.

    Ach ja, die Arbeit. Da musste ich vor dem Spiel erstmal hin, auch wenn ich dem Wecker nach knappen drei Stunden Schlaf ein paar nicht jugendfreie Flüche an die Digitalanzeige warf, als dieser losdüdelte. Zum Glück gab es erstmal eher Routinejobs zu erledigen, also Senioren, die ich schon seit Monaten / Jahren regelmässig vor dem Waschlappen habe. Das geht dann auch mit halb geschlossenen Augen. So langsam reifte dabei in mir der Gedanke, dass ich an diesem Tag schlichtweg keine Lust hatte mit dem Zug zu fahren. Bierparty war eh nicht angesagt (kommt nicht gut, wenn man am Sonntag wieder um 6.00 Uhr raus muss), das Wetter schien für die Autobahn ganz passabel zu sein, und die Spritpreise sind ja in den letzten Monaten Dank Wirtschaftskrise auch um 30 Cent gefallen. Zudem würde sich mein Stadtverkehr geplagtes TöffTöff bestimmt mal wieder über 200 Kilometer Autobahn freuen. Diese Erkenntnisse teilte ich dann auch in einem kurzen Telefonat dem Aulataler mit, womit einem Treffen bei Knappi vor dem Spiel nichts mehr im Weg stand.

    So, jetzt noch Günter andengeln, damit die Jungs nicht am Bahnhof auf mich warten. Wat, wie, du fährst nicht? Grippaler Infekt? Na so´n Scheiss. Gute Besserung, Günter.

    Um halb eins hatte ich meinen Job dann soweit erledigt, dass ich mich ohne schlechtes Gewissen davonschleichen konnte.

    Sagt mal, hat irgendwer auf der A7 "Vernunftkapseln" verteilt? Die ganzen hirnigen Raser und Drängler, die einen da früher tagtäglich in Lebensgefahr brachten, waren jedenfalls nicht in Sicht. So verbrachte ich eine recht gemütliche 3/4 Stunde auf der Autobahn, wobei man inner eigenen Karre auch den Vorteil hat, dass man bei der Mucke fröhlich mitgröhlen kann, ohne dass einen 50 Zuginsassen am liebsten mit dem eigenen Schal erdrosseln würden.

    Die Autobahn war ein Klacks, und nun ein schöner Parkplatz bei Reifen-Herbert, war ja gerade kurz nach halb zwei. Aber irgendwie hat der mich wohl über die ganzen Bahnfahrmonate vergessen, und mir kein Fleckchen für mein Auto freigehalten. Kein Sinn für Tradition, der sollte sich wirklich was schämen! Aber überhaupt war für diesen frühen Zeitpunkt erstaunlich viel los, weshalb ich schliesslich genötigt wurde mein Auto irgendwo am Arsch der Welt abzustellen. Immerhin hatte dieser Arsch der Welt ein Gebüsch zum reinpullern zu bieten.

    So, Klingeling, Aulataler, ich bin da, wo bist du? Ach, auch unterwegs zu Knappi. Dann würde man sich da ja gleich über den Weg laufen. Daniel und Werner waren hingegen schon im Stadion. Als ich bei unserem Kult-Imbiss ankam sah ich auch sehr schnell den Aulataler, wie er gerade sein Telefon an´s Ohr führte. Mensch, du musst mich nicht mehr anrufen, ich bin doch nur noch 30 Meter weg. Nun ja, statt mit mir wollte der aber lieber mit Bernd Hoffmanns Sekretärin quatschen, weshalb er mich fünf Minuten lang gar nicht bemerkte, während ich die ganze Zeit neben ihm stand. Als er mich schliesslich registriert hatte gab es erstmal ein grosses Hallo mit meinem Kumpel aus Hessen, dessen Beförderung zum Kasernenschreck bei unserem Kultimbiss mit meinem ersten und letzten Bier an diesem Nachmittag begossen wurde, und der sich köstlich über meinen beruflichen "Werdegang" amüsierte. Der ist nämlich ungefähr so, wie man sich das bei einem eher chaotischen Typen wie mir vorstellen kann.

    Da Aulataler ja noch um´s ganze Stadion zur Südtribüne musste, machten wir uns auch bald auf die Socken dahin. Erstmal kam er noch mit auf die Nord, wo es komischerweise schon 50 Minuten vor dem Anpfiff Blockkontrollen gab. Na ja, bis auf den allerletzten Eingang, durch den wir dann noch schnell reinschlüpfen konnten.

    Ich weiss nicht, irgendwie ist es nicht dasselbe, wenn Günni nicht da ist. Kein blöder Spruch zum Empfang, kein dusseliger Witz über meine Gladbachklamotten... aber der wäre ja in Endeffekt an diesem Tag eh daneben gewesen. He he he...

    Nach ein paar Fotos und einigen "Buuh"-Rufen gegenüber den sich warmmachenden Dortmundern ging Aulataler mit einem eventuellen Treffen bei Knappi nach dem Spiel im Hinterkopf schliesslich zu seinen Leuten, und wir warteten auf den Anpfiff. Eigentlich drückte mich ja schon wieder tierisch die Blase, aber die liess ich dann noch über das gesamte Spiel weiterdrücken, weil ich keine Lust hatte mich treppauf-treppab durch das Gedränge zu wurschteln, und die Schlangen an den Pinkelrinnen schon vorher eh bis vor die Klotür gingen. Wir haben eindeutig zuwenig Strullmöglichkeiten.

    Die Mannschaftsaufstellungen: Bei Borussia (es gibt nur eine Borussia, ihr Gelbfüsse!) Dortmund mit der Nummer 10, Mohamed... "BUUUUH!"

    Unser Zehner durfte sich aus dem Dortmunder Bock zwar dasselbe anhören, aber den hinderte das nicht daran, seinem alten Verein das Leben schwer zu machen, während Zidan im Spiel doch eher unsichtbar blieb. Beim Mannschaftseinmarsch vor proppevoller Hütte (trotz wahnwitziger Eintrittspreise) hatten die Poptown-Jungs dann eine wunderschöne Choreo am Start.

    Schiedsrichter war Dr. Jochen Drees. Über den ist nach dem Spiel viel gesagt und geschrieben worden. Für mich war das aber einer der besten Schieris, die wir seit langem in Volkspark begrüssen durften. Vorallem in der ersten Halbzeit liess er Fussball einfach mal Fussball sein, ohne jedes Kinkerlitzchen und Zupperlein mit einem Pfiff zu würdigen. Er leitete das Spiel "Englisch" und liess viel durchgehen, und das gefiel mir ausserordentlich gut.

    Gut gefallen konnte einem auch der Start in diesen Bundeligaspieltag. So erschien nach kurzer Zeit auf der Anzeigetafel "Bielefeld - Gladbach 0:1", und ein paar Minuten später hätte man den ganzen Kram von mir aus gleich wieder abpfeifen können.

    Merke: Lache niemals lauthals Mladen Petric aus. Der hatte nämlich gerade bei einem Freistoss den Halt auf dem Rasen verloren und den Ball statt in Richtung Tor auf die Reeperbahn befördert... allerdings auf die Rendsburger (vielleicht sollte ich mal losfahren und suchen gehen). Während sich die BVB-Fans also noch köstlich befeixten gab es eine Ecke für uns, die Trocho fachgerecht in den Strafraum kloppte. Petric entledigte sich etwas rustikal des Abwehrrentners Kovac, und beförderte den Ball mit einer halben Kopfballbogenlampe zum 1:0 in´s Tor. Eigentlich wollte er ja aus Respekt vor seinem alten Verein und dessen Fans nicht grossartig jubeln, aber nachdem ihn letztere beim ersten Ballkontakt mit gellenden Pfiffen bedachten, waren ihm die guten Vorsätze dann doch ziemlich wurscht. Ich find sowas eh albern, schliesslich wird er dafür bezahlt, für uns Tore zu machen. Das ist einfach sein Job. Und die Dortmunder haben dafür ja auch ´nen Batzen Geld und einen Superstürmer (HUST!) bekommen.

    So, alles abpfeifen!

    Stattdessen ging es weiter, und ob man Dortmund nun mag oder nicht: Der Klopp hat da eine technisch und taktisch ziemlich gute Mannschaft zusammengeschustert. Jedenfalls sah es in der Folgezeit so aus, als hätten die Gelbsocken einen Mann mehr auf dem Platz, ohne dass sie zunächst daraus grossartige Torgefahr entwickeln konnten. Bis zu einem üblen Schrecken am Nachmittag, als Subotic den Ball einfach mal mit Gewalt auf die Kiste zimmerte. Zum Glück hat Rost stabile Hände, die diesen Hammer gerade noch an die Latte lenken konnten. Uns ging jedenfalls erstmal ziemlich der Kackstift.

    Na ja, was Subotic kann, das kann Trocho doch auch. Der prügelte kurz darauf einen Freistoss an den Innenpfosten, und wärend wir schon alle den halben Torschrei raus hatten, fischte Weifenfeller den Ball gerade noch hinter seinem Rücken (keine Ahnung, wie er das gemacht hat) von der Linie.

    Nach etwas mehr als einer halben Stunde wurde Olic endlich mal für sein riesiges Laufpensum belohnt. Vernünftige Konter von Seiten des HSV waren bis dahin eher Mangelware, aber dieser eine haute perfekt hin. Petric (merke: niemals auslachen...) leitete den Ball weiter zu Ivica, der den grob geschätz zwölften Gang einlegte, und Owomoyela wie einen Traktor mit Motorschaden hinterherschleichen liess. Dann durfte noch Weidenfeller ein bisschen erfolglos herumhampeln, und der Ball in´s lange Eck kullern. Ob das nun verdient war oder nicht interessierte bei uns natürlich niemanden.

    Bis zur Pause passierte dann nichts mehr. In der Pause eigentlich auch nicht.

    Zur zweiten Hälfte holte Kloppo den ollen Klimowicz aus der Mottenksite für fast vergessene Bundesligaprofis, da Kuba in der ersten Halbzeit einen Schlag abbekommen hatte und nicht mehr weiterspielen konnte (gute Besserung!). Und der sorgte gleich mal für mächtig Ärger, da die Falschborussen unsere noch schnarchige Abwehr ratzfatz überrumpelten. Owomoyela hatte seinen Motor wieder instandgesetzt und flankte kurz nach dem Wiederanpfiff vor das Tor. Klimowicz köpfte auf die Kiste, Rost konnte gerade noch wegtauchen, aber den Abpraller kickte Hajnal dann zu unserem Missvergnügen ins Netz. Müsst ihr es denn immer so spannend machen?

    Der Rest vom Spiel war pures Gezitter. Petric köpfte dummerweise völlig freistehend am Tor vorbei, anstatt dem BVB den Todesstoss zu verpassen, und ansonsten liessen sich unsere Torchancen mit der Lupe suchen. Die Dortmunder waren eindeutig feldüberlegen, hatten mehr Laufbereitschaft und die weitaus bessere Raumaufteilung. Und hätten zehn Minuten vor Schluss durch Klimowicz fast noch den Ausgleich geköpft, aber diesmal konnte Rost den Ball über die Latte lenken. Die Gladbacher machten zu meiner Freude nebenbei das 2:0 gegen Bielefeld (wir können so schlecht sein wie wir wollen, in Bielefeld geht immer was, und falls wir irgendwann mal nur drei Punkte in einer Saison holen, dann da), und wenn jetzt hier doch endlich mal Schluss wäre, könnte man quietschvergnügt nach Hause fahren, zumal sich die Leverkusener Konkurrenz in Karlsruhe nach 3:0-Führung noch über den Haufen rennen liess, und mit nur einem Punkt zurück ins Bayer-Werk gurken musste.

    An dieser Stelle muss ich an Udo Lattek denken, und das, was der olle Zausel am nächsten Tag im Doppelpass sinngemäss von sich gab. "Wenn man führt, kommt einem die Nachspielzeit immer ewig vor, wenn man zurückliegt vergeht sie rasend schnell." So erging es auch uns und den Dortmundern. Unsereinem kamen die drei Minuten Nachspielzeit wie mindestens fürnf vor, den Dortmunder Kickern und Kloppo wohl eher wie ´ne halbe. Als uns Drees mit dem Schlusspfiff von diesem seltsamen Spiel erlöste, plumpsten einem schon ganz schön viele Steine vonner Pumpe, während die Action auf dem Platz noch weiterging, und Kovac letztendlich drei Spiele auffer Tribüne einbrachte.

    Na ja, irgendwo kann man den Ärger der Gelbschwatten ja schon verstehen. Wir haben schon gegen viel schlechtere Mannschaften gespielt, und im Gegensatz zu diesem Kick nicht gewonnen. Allerdings hätten die sich über eine rote Karte für Klimowicz nicht beschweren dürfen (weil der so hirnig war von hinten im Laufduell auf Joris einzuprügeln), also sollte man mal lieber die Klappe halten von wegen "Nicht ins Hemd machen", Herr Kovac.

    Na ja, in seinem Alter sind drei Wochen Pause vielleicht auch nicht verkehrt.

    Nach der Beklatschung der Mannschaft hiess es dann aber wirklich aufbrechen. Einmal wollte ich mit der Frühschicht und dem stressigen Spiel hinter mir nur noch nach Hause, weshalb ich dem Aulataler auch telefonisch mitteilte, dass ich keinen Stopp mehr bei Knappi einzulegen gedachte (wir sehen uns spätestens in Mönchengladbach, Kumpel!). Und ausserdem musste ich ja schon seit über zwei Stunden pullern, also nix wie in den Pinkelwald und raus die Strulle.

    Daniel und Werner hatten sich kurzerhand entschlossen, mit mir nach Hause zu fahren. Ob das für Daniel dann die beste Idee war, darf irgendwie bezweifelt werden. Denn nachdem wir die Reste meines Wacken-Schrotts (ich sollte die Mühle wirklich öfter aufräumen) soweit beiseite gepackt hatten, dass er auf der Rückbank Platz nehmen konnte, musste er dort länger herumhocken als geplant.

    Quizfrage: Warum stellt jemand auf der Autobahn an einer Hauptverkehrsstelle irgendwelche bunt blinkenden Schildchen auf, die eine Spur sperren, wenn da überhaupt nichts von irgendwelchen Bauarbeiten zu sehen ist (nichtmal ein gammeliger Presslufthammer)? Antwort: Ääh, ja, die weiss ich auch nicht. Jedenfalls brauchten wir aus Hamburg heraus über eine halbe Stunde, und Daniel hatte einen Anfall von Kopfschmerzen, der ihm den einen oder anderen zusätzlichen Anfall von Übelkeit einbrachte. Nicht schön, wenn man das Gefühl hat, dass auf der Rückbank mitten im Stau einer nach einer Kotztüte sucht (die zum Glück nicht benötigt wurde).

    Den Rest der Rückfahrt über konnte ich meine Möhre dann aber gründlich den Auspuff freiblasen lassen. Nachdem ich die anderen beiden am Bahnhof (Werner, der musste noch nach Owschlag) bzw. zuhause (Daniel) abgeladen und mich selbst auf mein Sofa verfrachtet hatte, bin ich dann beim Studium der Sportschau-Aufzeichnung selbst eingepennt. So ein Tag strengt halt auch ohne sechs bis zwölf Bier im Kopp ganz schön an.

    Gruss
    Dilbert
     
    Zuletzt bearbeitet: 12 November 2008
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  3. Schröder

    Schröder Problembär

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    Guter Bericht (wie immer), aber wer zum Teufel ist denn da gestorben? :(
     
  4. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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