(on Tour) Gladbach - Cottbus

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Dilbert, 6 Dezember 2008.

  1. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    15. Spietag 2008 - 2009

    Mahlzeit!

    Eigentlich hatte ich für diesen Bericht eine ziemlich schräge Idee, aber die spar ich mir lieber für ein Spiel auf, das sie auch wert ist.

    Irgendwie waren die Vorzeichen schon nicht besonders gut. Erst hab ich meinen MP3-Player am Vorabend nicht gefunden (und dann die leise Hoffnung, der könne noch auffer Arbeit im Spind liegen), und dann konnte ich aus unerfindlichen Gründen nicht pennen. Was zur Folge hatte, dass ich nach einer gammeligen Stunde Schlaf um kurz nach halb sechs schon wieder aus den Federn musste. Gute Vorraussetzungen um anschliessend eine neunzehnnstündige Fussball- und Biertour ohne das Verschnarchen irgendwelcher Haltestellen zum Umsteigen durchzustehen, sehen irgendwie anders aus.

    Na ja, nach der Körperbewässerung und ´nem kurzen Frühstück kramte ich die Restuntensilien in den Rucksack. Die Mannschaftsaufstellung: 1 - 2 - 4 - 1. Selterpulle im Tor (ist die grösste), inner Abwehr für den Weg nach Hamburg ´ne Pulle Flens und eine später im Zug erworbene Dose Carlsberg, das Mittelfeld bis Duisburg sollte mit vier Halbliterhülsen Holsten überbrückt werden, und als Sturmtank bis nach Gladbach schliesslich ´ne Literbüchse Faxe, um auch wirklich die richtige Durschschlagskraft inner Birne zu erreichen und dieses Spiel überhaupt ohne grössere Schmerzen überstehen zu können. Eventuell notwendige "Ersatzspieler" konnte man ja unterwegs noch besorgen.

    Bevor die erste Kanne zum Einsatz kommen konnte, stattete ich meinem Arbeitsplatz einen für meine Kollegen unerwarteten Besuch ab. Kram, buddel, wühl... Ich muss meinen Spind mal wieder ausmisten, aber vom MP3-Player keine Spur. Nun gut, dann musste wohl das ziemlich beschränkte Musikangebot auf meinem Handy reichen. Natürlich über Kopfhörer, nicht dass jetzt hier Gerüchte aufkommen, ich würde da morgens um sieben schon komplette Waggons beschallen.

    Bis Dammtor passierte erstmal nichts. Dort musste ich a: strullen, und b: ein zweites Frühstück einwerfen. Also: Ab zu McDoof. Plan A funktionierte, Plan B scheiterte weil, die der Meinung wären Cheeseburger wären um die Uhrzeit noch nicht so nötig.

    Nach einem Besuch beim Bäcker hiess es warten auf den Zug nach Duisburg, und gucken wer sich denn inzwischen alles so auf dem Bahnsteig versammelt. Leider wieder nicht der Fanclub Twistringen, dafür waren aber zwei Bazis aus Preetz anwesend, die nach Leverkusen wollten. Mit denen verbrachte ich dann auch ein paar lustige Stunden, denn ansonsten war der Zug gerammelt voll. Zuerst dachte ich ja, die würde da ganz bestimmt nichts trinken, weil dem einen von denen ein Unterschenkel fehlte, und er deshalb im Rollstuhl durch die Gegend gurkte. Wie sich herausstellte war das aber der grösste Schluckspecht von allen, und deren Fünf-Liter-Dose Weizenbier liess auch keine grösseren Zweifel über gewisse Hobbys zu.

    In Duisburg hiess es für mich dann "Tüüs" sagen, mit dem Versprechen, alles dafür zu tun dass Cottbus mit ´ner Pleite nach Hause fahren würde. Vielleicht hätten die Gladbacher Spieler mit im Zug sitzen sollen.

    Im Zug von Duisburg nach Mönchengladbach ging es meiner Faxe-Dose an den Kragen. Und fast dem Typen neben mir. Meine Fresse, was für ein A... ! Die ganze Zeit nur am rumpöbeln, und das schon vor dem Spiel. Der taugt nichts, und der taugt nichts, und der schon gar nichts, und der Marin wäre noch der blindeste von allen, blablabla. Gerade auf Marin (dem man ja nun noch am wenigsten Vorwürfe an der ganzen Scheisse machen kann, ist er doch einer, der immer kämpft, rennt und auch mal ´ne gute Idee hat) hackte er in einer zehnminütigen Litanei herum, bis ich mich völlig genervt woanders hinsetzte. Sonst hätte ich dem irgendwann "Dann bleib doch vor der Glotze, du blöde Ratte!" anne Birne geschmissen. Nebst meiner halbvollen Faxe-Dose, und um das Bier wäre es wirklich sehr schade gewesen.

    Mönchengladbach Hauptbahnhof. "Schals und Mützen nur fünf Euro" - Ja ja, ich komm ja schon. Nachdem ich mich über den Weg zum Kaisers-Supermarkt erkundigt hatte (nach´m Spiel hat man oft keine Zeit zum suchen) ging es in den nächsten Bus zum Stadion, in dem mir dann ein freundlicher Mensch ´ne Pulle Veltins spendierte. Das war dann Sorte Nummer fünf auf meiner "Tour de Bölkstoff", und drei sollten noch folgen. Erstmal folgte ich in Mönchengladbach aber einem anderen Fan zum grossen Fanshop, schliesslich wollte ich dem kleinen Schnuffelhund meiner Eltern ja ein Halstuch spendieren. Moooment mal, was ist das denn? Die aktuellen grünen Auswärtstrikots für 29,95 Euro in Grösse XXXL? Pling! Haben! Wollte ich mir eh am Saisonende bestellen, wenn die wegen des Designwechsels zur neuen Saison billiger werden. Und kalt war es ja eh. Da ich in dem Menschengewühl keine Tücher finden konnte, nahm ich für Wuffi noch ´nen Autoschal mit, aber wie sich einen Tag später herausstellte, hatte ich da den Halsumfang des kleinen Kläffers weit unterschätzt. So´n Mist!

    Na denn: Ab in´s Stadion. Und ab zum Fanprojekt-Stand, schliesslich hatte ich meinem Arbeitskollegen, der in Rendsburg mitfiebern würde, versprochen ihm da irgendwas mitzubringen. Ich hoffe nur, das T-Shirt passt ihm besser als der Schal dem Köter meiner Eltern. Nu noch ´n Brezel und ´n Bier (Frankenheim Alt, Biersorte Nummer 6), und dann könnte es losgehen... wenn es noch nicht so früh wäre. Also noch´n Bier und ´n Fohlen-Echo.

    Zum Spiel will ich hier einfach nicht mehr viel sagen, da das an seelische Grausamkeit für den Schreiberling grenzen würde (der sich sogar die nachträgliche Sportschau-Aufzeichnung nicht mehr antun wollte). Hans Meyer hätte in der ersten Halbzeit ebensogut meine "Mannschaftsaufstellung" von der Hinfahrt auf den Rasen schmeissen können, ein grosser Unterschied zwischen meinen Flaschen / Dosen, und denen in den weissen Trikots wäre kaum zu erkennen gewesen. Passenderweise war Cottbus zu blöde das Tor selbst zu machen, und so musste ihnen Bradley eben dabei helfen, nachdem die Gladbacher die Pille fast zehn Minuten lang nicht mehr aus der eigenen Hälfte bekommen hatten.

    Die zweite Halbzeit war dann weitaus besser, auch wenn sie mit dem Schock des 0:2 begann. Die Gladbacher spielten zumindest für 25 Minuten sowas wie Angriffsfussball, und hätte wäre wenn.. aber da hatte Friend dann einfach ´nen schlechten Tag. So gab es statt dem eigentlich mehr als überfälligen Ausgleich noch das 1:3, und der Drops war geluscht. Positiv fiel bei dem ganzen eigentlich nur der Borussen-Anhang auf: Trotz des miesen Spiels gaben die Jungs auf der Tribüne die meiste Zeit richtig Gas, selbst in der grottigen ersten Halbzeit.

    So machte sich ein letztendlich doch ziemlich demoralisierter Haufen Gladbacher auf zur Schlacht um die Busplätze. Zum Bahnhof latschen ist ja nicht mehr, seit das Stadion am Arsch der Welt steht. Das Fahrgastleitsystem vor den Haltestellen erinnert inzwischen irgendwie an die Achterbahnen im Heidepark Soltau und den Meet and Greet-Stand in Wacken. Als ich dann am Bahnhof ankam, hatte ich gerade noch genug Zeit zum Supermarkt zu flitzen und ein paar Früh-Kölsch (7) und ´ne Pulle Mezzo-Mix zu besorgen, erinnerte ich mich doch mit Grauen an meinen sehnlichen Wunsch nach Zuckerplörre gegen Ende der Hertha-Tour. Dabei ging mir im Laden leider eine Bierpulle zu Bruch. Die wollte ich bezahlen, aber das Geld wollten die dann gar nicht haben.

    Da das Stadion ja mit gammeligen 36500 Zuschauern nicht gerade gerappelt voll gewesen war, war die Gefahr keinen Platz im Zug nach Duisburg zu bekommen diesmal auch sehr gering. Und. Tatatataaa, ich bekam sogar ´nen Sitzplatz. Die Stimmung hatte sich inzwischen von tieftraurig zu "scheiss drauf" gwandelt, und so wurde dann doch noch ordentlich gesungen und gefeiert.

    Auf der Fahrt von Duisburg nach Hannover gab es (wie immer) eine ziemliche Verspätung, aber den Zug nach Hamburg erwischte ich trotzdem noch. Wenn die Mannschaft schon nicht läuft, dann muss ich eben laufen, oder wie? Dort gingen meine Bierreserven so langsam inne Grütze, weshalb ich mich gezwungen sah, mir ´ne Bremer Weserplörre (Becks´, 8) inne Birne zu schütten, und mich im Zugrestaurant über die Werbung für die "Kulinarische Entdeckungsreise mit internationalen Spitzenköchen" zu amüsieren. Koch des Monats war diesmal Pawel Oszcyk aus Polen, aber wenn der sein "geschmortes Bäcklein vom Jungschwein mit Kartoffelplätzchen" (für nur 14,90 Euro) in seinem Fresschuppen auch aus der Mikrowelle holt, dann kau ich auf meinen Schnürsenkeln rum.

    Nein, ich hab mir das natürlich nicht bestellt, ich hab nur den Werbezettel geklaut.

    Statt "Confit von der Entenkeule mit Rotkraut und Salzkartoffeln" für 15,90 Euro gab es für mich in Hamburg dann zwei Cheeseburger und so´n Hähnchenteil für 2,97 bei Würger-King, was für den Tag dann auch den Abschluss des ernährungstechnischen Suizids bei mir darstellte.

    Im Zug nach Neumünster war ich einfach nur müde, kein Wunder, nach dem Tag. Um nicht wieder versehentlich in Kiel zu landen, stellte ich mir deshalb den Handy-Wecker, steckte mir die Ohrstöppel inne Lauschlappen und fing dann erstmal an zu sägen. Okay, zuerst wusste ich nicht, was das Getröte in meinem Ohr sollte, aber dann kam ich doch noch rechtzeitig wieder auf´n Dampfer um in Neumünster auszusteigen. Der Bus nach Rendsburg stand freundlicherweise schon da. Und so konnte das Nickerchen gleich weitergehen. Als der Fahrer mich dann kurz vor der Endstation mit "Sehr geehrte Fahrgäste, wir erreichen gleich Rendsburg Hauptbahnhof" wieder weckte, hatte ich einen ziemlich heftigen Brummschädel (bei der nächsten Tour trinke ich nur sieben Biersorten...). Also nichts wie nach Hause und ab inne Koje.

    Gruss
    Dilbert