Norwegen Tippeligaen

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von wupperbayer, 24 November 2006.

  1. alditüte

    alditüte HSVer

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    Tolle Zusammenfassung, Wupper; würde gern mehr davon lesen! Mir gefällt auch, dass du Sonderzeichen mitschreibst... ich hab nicht immer Lust, mir bei Wikipedia die skandinavischen Ös und AEs zu kopieren und einzufügen (wie jetzt z. B., daher schreib ich jetzt mit den deutschen Äquivalenten der Buchstaben). :)

    Aber der Saisonstart scheint wohl einige Überraschungen zu haben: Meister Rosenborg auf Rang 15 von 16 mit einem einzigen Punkt, Brann Bergen Fünfter und Lilleström, das am ersten Spieltag noch 7:0 gegen Stabaek gewann, steht in der Tabelle jetzt hinter Stabaek.
     
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  3. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Mir auch. :jaja:
     
  4. alditüte

    alditüte HSVer

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    Ich muss gestehen, ich ärger mich immer, wenn man Spieler bei Sky etc. falsch schreibt. *mir die Mühe mach, jetzt mal ein Sonderzeichen einzufügen* Olić heißt Olić und nicht Olic. Man spricht den ja Olitsch und nicht Olik aus. Özil wird ja auch nicht Ozil geschrieben...
     
  5. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    In seiner derzeitigen Heimat schon... ;)
     
  6. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Schon häufig wurde er in Italien oder in Spanien angedroht, aber nie durchgeführt: ein Spielerstreik. Jetzt ist es ausgerechnet im beschaulichen Norwegen dazu gekommen:

    Spieler kicken nicht: Streik in Norwegen, Spieltag fällt aus - B.Z. Berlin - Fu
     
  7. wupperbayer

    wupperbayer *Meister 20xx*

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    Ich melde mich auch mal wieder, denn es ist Großes passiert:

    Molde hat es tatsächlich geschafft, nach sieben(!) zweiten Plätzen (von denen fünf hinter Rosenborg endeten) und 100-jähriger Wartezeit (Molde wurde im Jahr 1911 gegründet) – sie sind „Seriemester“, wie man in Norwegen sagt, also Meister. Wohlgemerkt nicht „Norwegischer Meister“, weil so traditionell der Pokalsieger bezeichnet wird. Also in diesem Fall ein „Saisonmeister“.

    Nichtsdestowenigertrotz ist das natürlich eine ziemlich großartige Sache für Molde, und wie für diesen Verein typisch (1987 verlor man zu Hause im direkten Duell gegen Moss die sicher geglaubte Meisterschaft) musste es natürlich möglichst dramatisch ablaufen:
    Der Verlauf der Saison brachte es mit sich, dass Molde an diesem Abend gewinnen musste, um sicher Meister zu sein; gewännen sie nicht, dürfte Rosenborg, die später am Abend spielten, maximal das gleiche Ergebnis erzielen wie Molde, damit sie ebenfalls Meister wären.

    Bis siebenunddreißig Sekunden vor Abpfiff der Partie führte Molde mit 2:1, das gesamte Stadion stand schon seit fünf Minuten und feierte. Doch die Gäste, Strømsgodset, wollten nicht nur Sparringspartner für die Meisterfeierlichkeiten sein, also erzielten sie nach einem Freistoß das 2:2... der Torschütze sollte später im Interview zu Protokoll geben, dass es „scheiße geil“ sei, Molde die Meisterfeier versaut zu haben. Im Stadion war es plötzlich sehr ruhig. Böse Erinnerungen an vorangegangene Vizemeisterschaften (oder „Silberplätze“, wie man sie in Norwegen nennt, da die ersten drei Mannschaften ganz nach olympischer Tradition entsprechende Medaillen bekommen) wurden wach – wobei diese Vizemeisterschaft in jedes Geschichtsbuch hätte eingehen müssen, da Molde genau ein Punkt aus den letzten zwei Spielen fehlte. Also war es auch so sehr wahrscheinlich, dass man Meister geworden wäre ***– die Unsicherheit wäre aber besonders unschön in die Länge gezogen worden, da der nächste Spieltag erst in drei Wochen ist. Vorher steht das Pokalfinale und eine Länderspielpause an.

    Die Ironie der Geschichte war es nun, dass es wieder einmal an Rosenborg lag, Molde zum Meister zu machen (oder eben nicht). Nicht nur, dass Rosenborg sonst immer die Nase vorn hatte, die beiden Vereine darf man durchaus als Derbygegner bezeichnen. In Trondheim mag man Brann auch nicht besonders, was auch auf Gegenseitigkeit beruht. Eine wunderschöne Ausgangssituation also.
    Und dann das: Nach nicht einmal 20 Minuten führt Brann bereits mit 3:0, davon zwei Tore durch unfassbare Torwartfehler. Vor der Pause kommt Rosenborg immerhin noch auf 1:3 ran, in Molde wird aber schon mal das Bier kaltgestellt. Die zweite Halbzeit beginnt dann wie die erste, und eine der größten Demütigungen überhaupt bahnt sich für Rosenborg an. Innerhalb von 14 Minuten schießt Brann noch einmal drei Tore, es steht also 1:6. Jetzt ist endgültig klar, dass Molde Meister ist, und die Meisterfeier in der Stadt nimmt etwas verspätet, aber dennoch ihren Lauf. Die Sperrstunde wurde schon nach hinten verlegt und es wird damit gerechnet, dass wohl kaum einer in Molde morgen pünktlich zur Arbeit kommt.
    Rosenborg kommt übrigens noch auf 3:6 ran, das interessiert aber eigentlich niemanden mehr.

    Damit hat Norwegen seit 1963 nun 13 unterschiedliche Meister (die Bundesliga bisher zwölf) und 2011 darf sich endlich Molde darüber freuen – ein Titel, der Molde auch von ganz Norwegen gegönnt wird; vielleicht mit Ausnahme von Rosenborgfans und nachtragenden Bayernfans. Meistertrainer ist nämlich Ole Gunnar Solskjær ;)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
  8. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Wurde auch Zeit! :hammer2:

    :laola: :laola:

    Hab gleich meinen Kumpel in Molde angerufen. Er meinte, so eine Party hätte es in der Stadt noch nie gegeben.

    Interessant. So hat jedes Land seine unterschiedlichen Bezeichnungen. Hier in Spanien nennt man den Meister auch nicht "spanischer Meister" (campeón de España), sondern "Liga-Meister" (campeón de liga), während der Pokalsieger "Pokal-Meister" heißt (campeón de copa).
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
  9. wupperbayer

    wupperbayer *Meister 20xx*

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    Es ist Ende März, und was heißt das? In Norwegen liegt zwar in einigen Gebieten noch Schnee (wenn auch dieses Jahr wegen des warmen Winters weniger als gewöhnlich), aber Fußball wird trotzdem wieder gespielt; die Eliteserien geht in ihre 2012er-Saison.

    Meister Molde möchte alles daransetzen, an die Premierenmeisterschaft gleich eine zweite anzufügen. Als hauptsächliche Konkurrenten wird hauptsächlich Rosenborg geführt, mit etwas Abstand noch (in grob dieser Reihenfolge) Brann, Vålerenga und Tromsø.

    In der Meisterschaft eher weniger mitzureden haben werden wohl die beiden Aufsteiger. Während Hønefoss nach einer einjährigen Premiere in der obersten norwegischen Liga 2010 und einer ebensolangen Zweitligazeit wieder zurück ist, ist Sandnes Ulf wohl der Überraschungsaufsteiger überhaupt. Während man 2003 gerade frisch in der dritten Liga angekommen war, pendelte man nach einem Aufstieg 2007 bis 2009 jedes Jahr zwischen zweiter und dritter Liga. 2010 wurde die Liga dann mal nicht gewechselt, 2011 folgte dann der völlig überraschende Aufstieg in die erste Liga.
    Auch in diesem Jahr überraschte man schon, nämlich beim traditionellen "La Manga"-Trainingslager, bei dem man Reihenweise Spiele gewann - übrigens ähnlich wie Sogndal, die trotzdem von der Presse fast unisono auf den letzten Platz getippt wurden.

    Der Ort Sandnes liegt direkt vor den Toren Stavangers, dementsprechend war man in Sandnes bisher eigentlich Viking-Fan. So ein Aufstieg kann daran aber so manches verändern... Das "Derby" ist demzufolge in etwa so sehr eins wie das Spiel der Bayern gegen einen Münchner Vorort, dessen Name nicht genannt werden darf. Dennoch, nichts wäre natürlich schöner, als einem der "Großen" der Liga als absoluter Emporkömmling ein Bein zu stellen. Dieses Derby war auch gleich am ersten Spieltag angesetzt, innerhalb einer Dreiviertelstunde waren alle Karten verkauft.

    Neben den "logischen" Abstiegskandidaten, den Aufsteigern, sowie dem schon erwähnten Sogndal - dem selbsternannten "einzigen Fußballdorf der Tippeliga", was bei 7.400 Einwohnern auf einer Fläche der Größe von Hamburg auch durchaus zutrifft - werden vor allem Stabæk wenig Chancen eingräumt, die Liga zu halten. Die haben nämlich nicht nur buchstäblich fast die gesamte Mannschaft, sondern auch ihr Zuhause verloren. Der Eigner der Fornebu Arena (die heute unter dem Sponsornamen "Telenor Arena" läuft und unter anderem den ESC 2010 beheimatet hat, der dementsprechend eben nicht in Oslo, sondern in Bærum stattfand) hat Stabæk nämlich kurzerhand einfach rausgeschmissen; Fußball rentierte sich zu wenig, nahm zu viele Termine in Anspruch und dann musste auch immer ein (Kunst-)Rasen in der Halle liegen.
    Für Stabæk hat der Rausschmiss positive und negative Aspekte; bei den Fans war die als "Turnhalle" verspottete Arena eher unbeliebt, zumal man praktisch Hallenfußball spielte - das Hallendach lässt sich nicht öffnen. Auf der anderen Seite muss man nun wieder im Nadderud Stadion spielen, und das... na ja, ihr seht es ja selbst. Witzigerweise ist bei dem Wikipediaartikel beim linken Bild sogar noch Werbung für die Fornebu Arena zu sehen. Die Auswärtsfans freut die Rückkehr in die "Fernglaskurve" auch eher wenig, und letztendlich hat man ganz einfach nicht mehr 15.500, sondern nur noch 7.000 Plätze zur Verfügung, von denen der Großteil nicht überdacht ist. Die notwendigen Reparaturarbeiten haben dem dünnen Etat, der im Vergleich zur Vorsaison fast halbiert wurde, auch nicht gerade gutgetan.

    Ansonsten war vor Beginn der Saison überraschend, dass die beiden Vereine mit den meisten Dauerkarten Molde und Aalesund heißen. Gut, das sind der Meister und der Pokalsieger, aus dieser Sicht ist es nicht überraschend - allerdings ein Desaster, wenn man es von der Warte der großen Vereine Rosenborg, Viking und Brann aus sieht, die den Rest der Liga noch vor einigen Jahren zuschauermäßig deutlich hinter sich ließen. Das wird letztendlich vermutlich auch diese Saison so sein, aber allgemein ist in den letzten Jahren mit dem schwindenden Erfolg der "Großen Vier" (die drei genannten plus Vålerenga) allgemein ein Zuschauerschwund in der Liga zu beobachten. Von einem Schnitt von über 10.000 Zuschauern ist man weit entfernt. Daran haben natürlich auch Vereine wie Sandnes Ulf, Hønefoss und Sogndal "Schuld", die einfach nicht mehr Zuschauer ins Stadion bringen können.

    Der erste Spieltag ist schon gespielt, dabei eröffnete Molde als Meister gegen Strømsgodset. Nachdem man erst bis deutlich in die zweite Halbzeit Anlauf benötigte, fiel das erlösende Tor und Molde sah wie der sichere Sieger aus, kam durch ein Traumtor gegen Ende aber noch mal in Bedrängnis. Wie man so schön sagt, es wird schwierig, die Meisterschaft zu verteidigen.

    Für eine ziemlich große Überraschung sorgte dagegen Sogndal, der angebliche Abstiegskandidat. Die gewannen beim selbsternannten Medaillenkandidaten Odd Grenland völlig verdient und mit sehr ansehnlichem Spiel 4:0. Weder so ein hoher Sieg (wenn überhaupt einer), noch, dass Sogndal überhaupt so gut Fußball spielen kann, wurde ihnen zugetraut. Gegönnt wird es Sogndal absolut, auch, weil der Trainer des Gegners, Dag-Eliv Fagermo, wohl der mit Abstand unbeliebteste Trainer der Liga ist; unter anderem (aber nicht nur) wegen einer Situation, als sich bei einem Spiel gegen Brann deren Torwart ohne Gegnereinwirkung bei einem Abwehrversuch verletzte, Odd weiterspielte und Fagermo das Tor frenetisch feierte.

    Vålerenga gewann ein offen geführtes Spiel gegen Haugesund in der Nachspielzeit mit 2:1. Dabei entblößte der Torschütze ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love Jesus“, was ihm harte Kritik auch vom eigenen Trainer einbrachte. Insgesamt war der Sieg trotz des späten Tors durchaus verdient, den hohen Ansprüchen in der Hauptstadt dürfte das Spiel aber vermutlich dennoch nur wegen des Ergebnisses genügt haben.

    Stabæk und Aalesund sowie Hønefoss und Lillestrøm trennten sich 0:0. Während Stabæk in ersterem Spiel deutlich näher am Sieg war, war das zweite Spiel eine ziemlich zähe Angelegenheit, die zurecht keinen Sieger fand.

    Rosenborg gewann überzeugend 3:1 gegen Brann. Nach dem Ausgleich war Brann für einen kurzen Moment gleichwertig, musste sich aber letztendlich aufgrund der etwas wackligen Abwehr zurecht geschlagen geben.

    Im Schneetreiben(!) von Tromsø entwickelte sich in der ersten Halbzeit auf völlig verschneitem Untergrund ein sehr zähes und unansehnliches Spiel. Nachdem der Kunstrasen mit Räumfahrzeugen vom Schnee befreit wurde, konnte Tromsø seine spielerische Überlegenheit aber ausspielen und gewann dementsprechend verdient mit 1:0.

    Schließlich gab es am Montagabend dann noch das Derby zwischen Sandnes und Viking. Auch hier spielte das Wetter Spielverderber, es war das ganze Spiel über ziemlich neblig im Stadion. Vor Beginn des Spiels hatten die Sandnes-Fans dann auch keine bessere Idee, als dem durch (legale) Bengalos nachzuhelfen. Danach sah man dann für ein paar Minuten nicht einmal mehr die Gegengerade. Sandnes spielte frech mit, ging verdient in Führung, musste dann aber ein ziemliches Kullertor hinnehmen. Man steckte aber nicht auf, ging erneut in Führung, nur, um nach einer Ecke den erneuten Ausgleich hinzunehmen. So stellte man Viking zwar trotzdem ein Bein, aber ganz zufrieden dürfte man nicht gewesen sein. A propos Ecken: In Sandnes hat man einen Spieler in den eigenen Reihen, der aus Einwürfen auch Ecken machen kann, siehe hier: Her er Sandnes Ulfs elleville angrepsvåpen - Eliteserien - NRK

    Eine Tabelle spare ich mir erst Mal, die sagt ja noch nicht so sonderlich viel aus ;)