Langsam kotzt mich der Fussball an

Dieses Thema im Forum "Fussball Stammtisch" wurde erstellt von faceman, 29 Januar 2013.

  1. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Langsam entferne ich mich vom Fussball. Ist das nur gefühlt so? Oder ist das Realität? Fakt ist, dass ich heute einen ganz anderen Blick auf den Fussball habe, als noch vor 20 oder 30 Jahren.

    Was hat sich seitdem einschneidendes verändert? Nuja, eigentlich ne ganze Menge. Die Punkteregel hat sich verändert, die internationalen Wettbewerbe sehen anders aus, die Berichterstattung finde ich, nuja ... abstossend? Aber der Reihe nach.

    Was haben wir damals diskutiert. 3 Punkte für einen Sieg und ein Punkt für ein Remis. Was ne Neuerung gegenüber dem vorherigen System. 2 Pluspunkte für den Sieg, 2 Minuspunkte für ne Niederlage, ergo Punkt- und Torverhältnis spielten die Rolle. Veränderung? Nuja, sicherlich ja, aber das finde ich nicht so gravierend, dass nächste Thema an sich schon.

    Die internationalen Wettbewerbe hatten für mich damals Festivalcharakter. Eigentlich war völlig egal, wer gegen wen spielt. Es gab Hin- und Rückspiel und fertig. Der Sieger kam weiter. Wie einfach und wie praktisch. UEFA-Cup hatte richtig was, Cup der Pokalsieger hatte richtig was und der Cup der Landesmeister erst. Und heute? CL? Interessiert mich so gut wie gar nicht. Mir fehlt da irgendwas. Es liegt teils daran, dass es Mannschaften gibt, die zu perfekt sind --> FC Barcelona z.B. Will ich mir sowas antun? Ein Spiel anschauen, wo ich den Sieger bereits kenne? Nö, da verzichte ich lieber. Der UEFA-Cup hat seit des Kaisers Aussage (Cup der Verlierer) für mich genau dieses Image. Es wird eben für mich auch genau so rübergebracht. Da laufen Mannschaften teils mit der zweiten Garnitur auf, weil die Samstagspiele die wichtigeren sind, da werden Spiel aus taktischem Kalkül heraus abgeschenkt usw.

    Was hat sich noch verändert? Für mich ganz klar die medialen Auswüchse. Angefangen von der 10. Zeitlupe, die eindeutig etwas beweist, über Fragen an Protagonisten, wo man sich fremdschämen müsste, bishin zu Spekulationen die tief in die Persönlichkeit vordringen. Wochenlange Diskussionen um Schiedsrichterentscheidungen oder um Fans und deren Kultur. Endlose Analysen, wo welcher Spieler auch nur zwei Meter falsch gestanden oder falsch abgespielt hat. In der Summe finde ich das gesamte Gehabe drumherum mittlerweile als abstossend. Da werden Kriegsszenarien und Hassduelle herraufbeschworen und im Endeffekt wundert man sich, wenn auf den Rängen das umgesetzt wird, was im Vorfeld aufgepeitscht wurde. Es wird mit und über Fans Politik betrieben, die abenteuerlich ist und auch nur jenen hilft, die sich dort durchsetzen, notfalls auch gegen den Willen von bestimmten Gruppen. Da sind wie Klonenkrieger verkleidete Polizisten, die Fans vor Fans beschützen.

    Da spielen Bestechungsvorwürfe gegen Funktionäre, Schiedsrichter oder Spieler eine Rolle, die den Sport so langsam in die Richtung der Tour de France treiben. Es werden Umsätze aufgerufen, die jeglichen Bezug zum realen Leben verloren haben scheinen. Es werden Gehälter gezahlt, die fern jeglichem Verstandes sind. Dazu wird entlassen, rausgeworfen oder suspendiert, sodas bei nicht wenigen Vereinen so ziemlich jegliche Identität fehlt. Die Spieler sind austauschbare Marionetten, heisst, wenn ein Holzklotz Fussball spielen könnte, würde auch der auflaufen. Die Mannschaft des Halleschen FC z.B. aus den Jahren 88 und 89 kenne ich heute noch komplett, wenn ich mir das Jahre später ansehe, dann sieht man, dass da alle Nase lang die Spieler ausgetauscht wurden und all jene eben nur bezahlte Angestellte waren, aber eben ohne Vereinsherz.

    Nicht zu vergessen der ganze Kommerzdreck. Von sky angefangen über jeglichen Müll auf den ein Vereinswappen draufgepappt wurde, nur um es im Namen des Fussballs zu Geld zu machen. Ne Tasse bleibt ne Tasse, auch wenn da ein Logo drauf ist. Das geht über Eintrittsgelder, die im Gegensatz zu früher astronomisch hoch sind, im Gegensatz zu anderen europäischen Ligen dennoch moderat ausfallen. Weiterhin mit dem lächerlich gepanschten Bier, was doppelt so teuer ist, wie vor dem Stadion oder Dinge die zum verzehr angedacht sind, aber dennoch Preise haben, die man vergessen kann? Nicht zu vergessen die ewig langgezogenen Spieltagen, was dem ganzen TV-Fernsehdreck geschuldet ist. Zudem wird dann auch noch über Urheberrechte geklagt, wenn man sich ein lächerliches Fussballspiel anders als angegboten anschauen würde.

    An Produkte, wie Hoffenheim, RB Leipzig etc. wurde damals nicht mal ein Gedanken verschwendet. Das Vereine von Scheichs zum Hobby gemacht wurden und jährlich dreistellige Millionenenbeträger reingebuttert werden ebenso nicht, oder wurde nur nicht darüber berichtet?

    Fazit, all das ist wohl dem Profifussball geschuldet. Dreckig und verlogen, verdienend und profitabel. Wo ist das Positive für mich, an das ich mich noch nach Jahren erinnern kann? Oder liegt das gar an meinem Alter, das man eben nur anders empfindet und sich die Interessenlagen verschieben und sich bzgl. des Fussballs nicht mehr vor jeden Karren spannen lässt?

    Empfinde nur ich das so oder geht es anderen auch so? Habe ich mich jetzt einfach nur ausgekotzt? Liegt es an der fehlenden Sonne oder ist der Fussball irgendwann auf dem Scheitelpunkt, nachdem es nur abwärts gehen kann?

    edit: Da fällt mir ja noch ein dass ja über Rettungsfonds spekuliert wurde, die gefallenen ehemalige Traditionsmannschaften helfen könnten oder massenhaft Vereine mit Genussscheinen, Wertpapieren und anderem Spekulationsmaterial überschwemmt werden, nur damit diese Ihre Angestellten bezahlen können. Sicherheiten werden von Kommunen und Städten hinterlegt, nur damit ein runtergewirtschafteter Verein irgendwie am Leben bleibt. Bähhh, wie abstossend.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29 Januar 2013
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  3. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Für mich gesprochen: Solange ich den Profifuppes als big business sehe und ich nur die 90 Minuten betrachte, in denen eben ein, hoffentlich, ausgefuchster Trainer- und Taktikstab seine "Soldaten" gegen die anderen schickt und innerhalb der 90 Minuten nur die Leistung auf'm Platz zählt, kann ich mich damit noch arrangieren und mich rein an Spielzügen, Toren, etc. erfreuen bzw. mich positiv drüber aufregen.
    Das ganze Drumherum lässt mich, bis auf immer wiederkehrendes Kopfschütteln, manchmal gepaart mit einem Ekelgefühl, eher kalt.
     
  4. KGBRUS

    KGBRUS SF Dschungelkönig 2016

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    Na das war ja mal ein Rundumschlag :)

    aber weisst Du warum das so ist? Weil wir Fans es genauso wollen!

    Werden die Tassen mit Emblem nicht mehr gekauft, gibt es die auch nicht mehr.
    Will keiner mehr jeden Freitag / Samstag / Sonntag / Montag /Dienstag / Mittwoch / Donnerstag live Fuppes gucken, gibt es kein Sky mehr
    Würden nicht Jahr für Jahr mehr Leute in die Stadien gehen wären die Werbeeinnahmen nicht mehr so hoch und die Spielergehälter würden auf ein normales Level fallen
    Wo nicht mehr das große Geld fliest, da lohnt sich such keine Bestechung, keine Korruption (obwohl es das ja schon in den 70ern gab)

    Also reg Dich nicht auf: Wir sind´d selber schuld.

    PS: Was den Europapokal angeht wünsch ich mir auch drei Wettbewerbe im KO System zurück! War irgendwie viel geiler!
     
  5. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    solange mannschaften wie dortmund und bayern und - zurzeit mit abstrichen - s04 und leverkusen schönen, interessanten fußball spielen, ertrage ich das geschäftsmäßige gerne.
     
  6. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    So wie ich jetzt den face verstanden habe, macht er ja auch genau das nicht mit, weil es ihn ankotzt.
     
  7. KGBRUS

    KGBRUS SF Dschungelkönig 2016

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    Nicht MEHR mit, würde ich sagen
     
  8. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Wow, klasse Thread, regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

    Bei vielen Punkten stimme ich Dir zu. CL und Uefa Cup werden erst interessant, kurz bevor es rum ist. Die ganzen Gruppenphasen dienen doch dazu dass die reichen Clubs Ihre "Garantieeinnahmen" auch erreichen. Was war das früher geil, wenn der Titelverteidiger tatsächlich bei einem Underdog rausflog. Da wurden Helden geboren, das ist heute leider in der Form alles gar nicht mehr möglich.

    Einen Punkt hast Du in Deiner Aufzählung vergessen: Früher gab es noch echte Typen. Heute werden die Jungs schon mit 14 auf die Medienwelt vorbereitet, was einerseits ja für manchen definitiv auch gut ist. Es führt aber dazu dass man als Zuschauer wirklich jedes Interview schon vorher kennt. Es kommen immer wieder die gleichen einstudierten Satzbausteine. Ähnlich wie bei nem Anruf im Callcenter - furchtbar langweilig.
     
  9. Oldschool

    Oldschool Spielgestalter Moderator

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    Früher gab es keine Internetforen. Da konnte man sich allenfalls am Stammtisch so schön aufregen. Aber aufgeregt wurde sich immer schon, eben im kleineren Kreis. Den Kommerz kann man nicht aufhalten, man kann ihn beklagen, man kann sich abwenden oder auch ärgern, dass man nicht teilhaben kann. Ich finde, es gibt schlimmere Probleme, die sind meist persönlicher Natur und daher wichtiger.
    Ich beobachte die ganze Entwicklung eher mit Staunen ohne Kopfschütteln, was alles möglich ist oder möglich gemacht wird. Ich habe aufgehört mich zu wundern, wo die Korruption enden wird, wo überall noch doping eine Rolle spielen wird, was alles noch aufgedeckt werden wird. Mich kann da echt nichts mehr schocken, weil es mich persönlich nicht betrifft. Ich sehe mich eher als Beobachter nach dem Grundsatz "Es kann passieren was will, ich gehöre zu denen, die es kommen gesehen haben werden." Ich rege mich da nicht auf, ich brauche meine Nerven für meinen Alltag.
    :weißnich:
     
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  10. osito

    osito Titelaspirant

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    Das koennte ein Klassiker werden, weil es diesbezueglich immer wieder neuen Stoff geben koennte, um sich ueber die Neuerungen im Fussballgeschaeft auszukotzen.

    Wenn ich an den Fussball von vor 25 Jahren denke, wird mir schlecht. Damals ging ich bei Dynamo Dresden rein und wusste es ist auch Dynamo Dresden drin. Heute bist du kaum noch Fan sondern eher ein Teilnehmer der Geld in's Stadion bringt.
     
  11. Herthingo

    Herthingo Höha, schnella, Hertha

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    Ich kann vieles von dem unterschreiben. Ich habe schon seit einiger Zeit das Interesse an anderen Vereinen verloren und konzentriere mich auf meinen Lieblingsverein. Nicht, weil ich meine, daß er besser ist, als andere (das überlasse ich den Fans von St. Pauli und Union :D), sondern weil es bei mir so ist, wie Nick Hornby schrieb: ""Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden." So ist es bei mir nicht nur in Bezug auf Fußball, sondern auch bezüglich Hertha BSC. Ich gehe immer noch wahnsinnig gern in's Stadion, sauge die Stimmung auf, fluche, weine, lache. Und es ist mir egal, was andere darüber denken. Auswärtsspiele schaue ich meistens mit Gleichgesinnten und viel Spaß dabei.
    CL? EL? 1.BL? Länderspiele? Ist mir inzwischen alles wumpe, auch, weil ich inzwischen andere Interessen habe und Prioritäten sich verschoben haben. Ich habe mich mit all den Veränderungen abgefunden und ziehe nur doch das heraus, was mir Freude bereitet. Aber den Fußball loslassen? Niemals!
     
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  12. alditüte

    alditüte HSVer

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    Vor 50 Jahren hat man über den DFB gemeckert, dass sie sich gegen den Profifußball gestemmt haben.
    Heute wünscht man sich diese Zeit fast schon wieder zurück.

    Na ja, sobald ein Sport ein Profisport ist, werden Gehälter eben immer teurer, weil man immer mehr damit verdienen kann. Genau wie Gehälter bei jedem anderen professionellen Beruf immer höher werden (was natürlich daran geschuldet ist, dass Lebensunterhaltskosten ebenfalls teurer werden). Die einzige Möglichkeit, diese Entwicklung einzudämmen, liegt meiner Meinung nach darin, den Profisport aufzulösen und wieder auf Amateurbasis einzuführen, weil dann kein Mensch mehr mit dem Sport seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

    Was Punkteregel betrifft (auch wenn ich die 2-Punkte-Regel nie erlebt habe): Zwei Punkte pro Sieg finde ich besser. Und dieser Quatsch, dass es „zu Zeiten der Drei-Punkte-Regel auch ganz schnell gehen kann“, dass ein Verein nach oben oder unten reinrutscht – Schwachsinn! Mit der Zwei-Punkte-Regel holt man zwar weniger Punkte, aber dafür hat man auch weniger Punkte Vor- oder Rückstand.

    Bei den internationalen Wettbewerben kann ich praktisch uneingeschränkt zustimmen.

    Meine Meinung über den Kommerzdreck à la Red Bullshit oder BSG Volkswagen Würgsburg ist eh allgemein bekannt …

    Super Beitrag, Faceman. :top:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
  13. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ähm, nein, das ist sicher nicht in jedem anderen Beruf der Fall und in vielen Berufen isses gerade mal ein Inflationsausgleich.
    Allerdings weiß ich auch nicht, was Du unter einem "professionellen Beruf" verstehst.
     
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  14. alditüte

    alditüte HSVer

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    Nun ja, es ist in vielen Berufen der Fall. Auch wenn unter dem Strich weniger bleibt (Steuerabgaben), ist es doch so, dass man vor 50 Jahren weniger Mark für die selbe Arbeit verdiente als heute (ohne Berücksichtigung davon, wie teuer heute die Kosten zum Leben sind).
     
  15. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Stimmt - nur der Unterschied ist:
    Vor 50 Jahren verdiente ein "ganz normaler" Angestellter, meinetwegen ich weiß es nicht genau, 15 Mark/Stunde brutto, was im Monat, bei 40h/Woche dann 2400 DM im Monat waren, also ca. 1200 €.
    Ein Fußballer bekam 1962 vielleicht im Schnitt etwas mehr, ich verdopple mal großzügig, wobei ich glaube, dass die Allerwenigsten damals vom Fußballspielen leben konnten, also 2400€ im Monat.
    Jetzt gebe ich dem Angestellen mal 3500€ im Monat im Jahr 2012, also fast verdreifacht. Mache ich das beim Fußballprofi, dann sind's 7200€.

    So, und jetzt legen wir mal ein Durchschnittsgehalt von 300.000€ / Jahr bei einem Fußballprofi in Liga 1 fest, das sind 25.000€/Monat. Ich glaube diese Schätzung ist ausserdem eher zu konservativ aber d.h. dessen Gehalt hat sich mindestens verzehnfacht und nicht, wie beim Angestellten verdrei- oder vielleicht vervierfacht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29 Januar 2013
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  16. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    1963? Nee, so viel war das auf keinen Fall. Nimm die Hälfte, also 1200 DM.

    Der Grundgedanke stimmt aber trotzdem. :)
     
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  17. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Wie gesagt: Ich hab keinen genauen Plan, was damals genau verdient wurde.
    Alles was ich sagen wollte, war: Die Gehaltssteigerung im Profifußball ist um ein Beträchtliches höher als bei einem Menschen, der in der sog. freien Wirtschaft als Gehalts- und Lohnempfänger arbeitet.
    Nimmt man die letzten 15 Jahre wird der Unterschied noch krasser ausfallen.
     
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  18. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Ups, es war noch wesentlich weniger. Das Durchschnittseinkommen lag bei etwa 500 DM im Monat.

    http://wko.at/mk/60jahre/ZDF/EinkommenZDF_60Jahre.pdf

    Trotzdem, wie gesagt... zumindest für Deutschland war der Unterschied lange nicht so groß wie heute.
     
  19. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Vielleicht liegt es ja doch am Alter, denn mir geht es ähnlich, doch hat das bei mir zu einer ironischen Distanz zum Fußball geführt. Richtig schlecht wird mir regelmäßig nur noch von dem ganzen verlogenen und geheuchelten Gelaber der diversen Vereinsfunktionäre, die inzwischen alles dem Marketing opfern und dem dazugehörigem BWL/Marketing-Blabla. Schlimm ist
    auch, dass inzwischen auch ein Großteil der Fans in splchen Kategorien denkt. Der Sport hat den Fußball schon längst berlassen.

    Es bleiben die 90 Minuten. Die kann ich mir immernoch anschauen, aber ich war schon mal mit mehr Herz dabei als heutzutage.

    Gesendet aus dem Jahr 1984.
     
  20. jambala

    jambala Moderator Moderator

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    Hallo.

    Ich denke, dass das Problem ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist und nicht auf den Fussball beschränkt.

    Früher (also zu meiner frühen Jugendzeit, zu Beginn der 80er) gab es mal so was, das sich Sendeschluß genannt hat, gefolgt vom Testbild. Und das schon vor Mitternacht. Telefone hatten noch ne Schnur und konnten nicht mitgenommen werden, in jedem Kaff gab es ne Telefonzelle. Werbespots waren saisonal und relativ kurz (Spielzeug wurde ab Ende Dezember beworben). Kunstfeste wie Valentinstag oder Halloween waren nicht bekannt. PCs gab es in Form von C64 oder Atari 500 (für die Kinder besser verdienender Eltern).

    Und dann kam mit Aufleben des Internet eine Tendenz, ständig medial angebunden und präsent zu sein. Die Privaten haben mit ihren Ausstrahlungen begonnen, bald war der Sendeschluß Geschichte. Telefone konnte man da schnurlos mitnehmen und war somit immer erreichbar - anfangs noch als Statussymbole neidische Blicke einheimsend ist es doch mittlerweile nur noch peinlich, wie manche Leute ihre Mobiltelefone benutzen. Der Höhepunkt dieser medialen Verblödung hat für mich Einzug gehalten, als im deutschen Fernsehen so intelligente Formate wie Big Brother, Djungel Camp und das ganze Hartz IV (ich entschuldige die Nutzung dieses Terminus, aber er ist denke ich eindeutig und auch leider mittlerweile geläufig) TV.

    Und das hat sich auch auf den Fußball ausgewirkt. Mittlerweile gibt es für jede Saison mindestens ein neues Trikot vom Verein, für die internationalen Wettbewerbe nutzt man ein eigenes Trikot - das freudestrahlend gekauft wird. Die Vereine beginnen, kostenpflichtige Fernseh- und Internetinhalte anzubieten - die auch dankend abonniert werden. Für jeden Wettbewerb gibt es mittlerweile sogar eigene Spielbälle (plus noch mal einen Ball nur fürs Finale) sowie eigene SR-Trikots - die ebenfalls vermarktet und verkauft werden. Von der ganzen anderen Marketinglawine wie bereits im Eingangspost geschrieben nicht zu sprechen. Gut, auf jeden Scheiß (von der Tasse bis hin zur Salami, dem Wein oder auch den Kondomen) wird das Vereinslogo ja nur deshalb gebracht, weil es ja wohl Bekloppte gibt, die das kaufen. Und das ist ja hier noch relativ jung, in den Staaten gibt es dies ja schon seit den 60er Jahren im Football, Baseball, Basketball und vor allem Hockey, auf der Insel ist das auch schon seit Jahrzehnten Usus, da brauchen wir uns nix vorzumachen.

    Aber warum ist es so? Weil speziell die junge Generation, also von 10 bis Mitte 50 in einer Konsumumgebung aufgewachsen ist, die immer maßloser und vor allem anspruchsloser geworden ist. Es zählt doch nur der kurzfristige Konsum zur Triebbefriedigung. Und das geht von der Ernährung über das Arbeitsleben hin ins Private mit allen Hobbies.

    War es früher besser? Ich sage nein, es war anders, weniger schnell, aber nicht weniger material geprägt. Die Schwerpunkte waren nur anders gesetzt. Aus meiner Sicht kann man dagegen nur eines setzen: Bewußter Verzicht, um eben hierdurch das Erlebte doch noch erlebenswert zu machen. Das fängt beim Verzichten auf Fertiggerichte und Tüten zum Kochen an, geht über bewußtes Verzichten auf Gespräche zur Arbeit während der Mittagspause hin zum Weglassen des Skyabos und dem Besuch des Dorfvereins. Slow Food in jeder Beziehung eben. Dann weiß man auch wieder, was man hat und vor allem: Haben will.
     
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  21. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Es gibt ein Wort, dass das Phänomen, von face benannt, ziemlich gut beschreibt:

    Reizüberflutung.

    Mancher stellt sich ihr ohne Rücksicht auf eigene Verluste, mancher verweigert sich. Ich bin seit Favre ziemlich "drauf", hatte Anfang der 90er aber auch ne Phase, da wusste ich Sonntag nicht, wie die Spiele ausgingen - und es war mir egal. Vielleicht kommt diese Zeit wieder, vielleicht kriege ich nen Herzinfarkt auffe Tribüne.

    So funktioniert das Leben - eben eine Schachtel Pralinen.
     
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  22. Ostmiez

    Ostmiez Fußballgott a.D.

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    Vielen Dank Face für diesen anspruchsvollen Beitrag.
    Leider wird meine Antwort nicht so perfektioniert ausfallen , wie von
    einigen Usern, mein Talent lag schon immer in der Sprachkunst.
    Hab mich vor nicht allzu langer Zeit auch schon damit beschäftigt,
    wo sind bloß meine Emotionen hin beim Fußball, vor allem international
    und mußte feststellen , das es an der Langatmigkeit dieser Spiele in CL und Europapokal
    liegen könnte . Und da steigt der Kommerz ein.
    Diese ganzen Gruppenspiele bringen Geld, Geld welches die Clubs auch für
    wahnsinnge Transfersummen benötigen im In- und Ausland.
    Steckt einen Teil des Geldes in die Nachwuchsarbeit , es gibt genug Talente in Deutschland
    (Beispiel Reus und Götze). Sollte dies fruchten , hat man genug Spieler in den eigenen
    deutschen Reihen, um auf teure Einkäufe im Ausland zu verzichten.
    So könnte dann auch wieder über Ko-Phasen im internationalen Bereich nachgedacht werden.
    Man hat zwar nicht diese Millionen Einkünfte, aber was für den deutschen
    Fußball getan. Man macht es sich zu einfach, schaut mal in ein Leistungzentrum,
    ah ein guter Spieler und schon wird er mit 14 Jahren verheizt,
    um dann irgendwo in der 2. oder 3.Liga zu landen ,weil Internationale Stars zu Massen in
    die Bundesliga geholt werden.
    Alte Zeiten , ja. Was waren das doch für Fußballmittwoche. Früh schon kaum Hunger
    vor Aufregung , was wird der abend bringen. Geht's weiter oder gibt es den Todesstoß.
    Muß gestehen, hab immer für die deutschen Westmannschaften gehalten , auch wenn es gegen die
    Oberligaklubs ging. Hatte durch gewisse Privilegien die Möglichkeit Karten für bestimmte
    Spiele zu erhalten z.B. Dynamo-Stuttgart April 89 und Lok-SSC Neapel Okt.1988 vor 100.000Zuschauer.
    Maradonna sehen und sterben meine Devise.
    Fußballfest pur , ohne Bier und Leckerlis. Wir waren alle nur glücklich , dies miterlebt zu haben.
    Und Heute , ist ein Ballack in der Stadt und ich schieb eine lächerlich Krankheit
    als Ausrede ins Gefecht. Früher bin ich mit Gipsbein ins Stadion und da ging es nur gegen Aue.
    Spieler , manchmal die halbe Mannschaft, von damals hat man mal in der Disko oder Kneipe getroffen
    und konnte über anstehende UEFA-Cupspiele mit ihnen reden.
    Ich muß Face recht geben, man hätte mich nachts wecken können und ich konnte die Aufstellung
    vom FCK, jetzt CFC und der deutschen Nationalmannschaft sofot aufsagen. Und heute höchstens vom CFC.
    Diese Mannschaft ist für mich deswegen so viiiiiel wert, weil unser Trainer sehr viel vom eigenen
    Nachwuchs hält und Spielern aus der Region, mit Ausnahmen (z.B. Anton Fink aus Bayern).
    Aktueller Ausländerbestanteil EINER – Landeka.
    Wir haben uns im letzten Jahr wirtschaftlich so gut erholt, daß wir seid kurzem wieder schwarze
    Zahlen schreiben. Dank der Nachwuchsarbeit ! Und die Fans freut es auch.
    Sollten einige Klubs drüber nachdenken.
    Ist ein bissel lang geworden , aber es mußte alles raus.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
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  23. lenz

    lenz undichte Stelle

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    Der Reizüberflutung kann man ja aber leicht entgegnen, in dem man mal wieder zum guten alten Buch greift, den PC nur zu Bürozeiten anstellt und den TV, ja, den kann man aus dem Fenster schmeissen...
     
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  24. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Klar kann man. Wenn man kann und will. Genau das meinte ich ja.

    Wenn Sky jetzt hier rausfliegt und TV hinterher, dann bin ich überzeugt, dass ich nach dem CL-Finale sogar lechzen würde, wenn der BVB es erreicht.

    Aber ankotzen, das empfinde jedenfalls ich jetzt nicht. Gehe aber auch keine Tasse kaufen.
     
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  25. lenz

    lenz undichte Stelle

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    Ja, früher hat man nach jedem Spiel gelechzt, weil man nicht jedes per Knopfdruck sehen konnte. Normales Angebot- Nachfrage- Spielchen.

    Mich kotzts ja auch nicht an und Fanutensilien hab ich noch nie gekauft (das hat mir noch nie eingeleuchtet: wenn ich so ein Trikot mit der Aufschrift eines bek...en Grosskonzerns wie Evonik oder Telekom trage und damit rumlaufen, müssten doch die für mich zahlen und nicht ich für sie).
     
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  26. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Gefällt mir, obwohl ich diese "Devotionalien" kaufe.

    - - - Aktualisiert - - -

    Auch, ob man einen "ausgerechnet-Kappa"-Fred eröffnet :D;)?
     
  27. diamond

    diamond Well-Known Member

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    Der absolute Gipfel der Dekadenz hat Sky mit diesem 24-Stundendauersportsender erreicht, wo Frauen mit heraushängenden Titten (man glaubt zuerst man wäre bei DSF) jeden Fussbalfetzen kommentieren. Da wird die Verletzung eines Ergänzugsspielers von Fortuna Düsseldorf minutenlang breitgetreten mit zugeschalteten Reportern vor dem Trainingsgelände.
    Man kann es nicht mehr ertragen, es ist einfach alles maßlos übertrieben.

    In der guten alten Zeit früher, da war man für jeden Fussbalfetzen abseits der Sportschau (da wurden übrigens früher nur drei Spiele in Ausschnitten gezeigt, die anderen Ergebnisse wurden mit Torschützen verlesen) und des Sportstudios dankbar (heute überflüssig, damals notwendig um die restlichen Spiele zu sehen) , hat alle dritten Programme nach Fussball durchforstet.
     
  28. Litti

    Litti Krawallbruder

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    Den Europapokal hätte ich auch gerne wieder wie früher, drei Wettbewerbe, keine Gruppenphasen, klasse war das.

    Alles andere stört mich wenig bis gar nicht. Und von mir aus könnten rund um die Uhr Live-Spiele laufen, jeden Tag.
     
  29. theog

    theog Guest

    SO ganz unrecht hat der faceman leider nicht...:isklar: gucken wir mal beim BVB an, und ich tue den BVB als Beispiel, weil ich eben da Beispiele in diese schlimme Richtung schon habe...:isklar:

    Ach, wars so schön früher mal, als der Verein bei einer Meisterschaft zum Dank an die Fans jedem (!) ein Trikot schenkte...(Meisterschaft von 96 oder 97, wurde mir berichtet).

    Und nun im Jahre 2013? Was war der dank des BVB an die Fans, welche den Verein bedingungslos unterstützt haben? :isklar: richtig! ausser moderater Preiserhöhungen der Dauerkarten, gab es einen fetten Preisanstieg bei den Dauerkarten der Unterränge in den West- und Osttribünen, und zwar um sage und schreibe 10-15%. Grund: "Kategorieanpassung"...loool...10% klingt nicht viel, aber bei 600 Oliven sinds schon mal knapp 100 Gurken mehr...:schlecht: Aber das beste kommt noch: Bei den neuen Trikots der jetzigen Saison staunte man beim Verkauf, dass die Aufschrift "Dortmund" fehlte! Jo, man muss nun dafür extra bezahlen, dass "Dortmund" auf dem BVB-Trikot geschrieben wird...:schlecht::schlecht: Tja, oben mithalten hat seinen "Preis"...Identifikationsfiguren? beim BVB sinds inzwischen auch nicht viele übrig geblieben...Kehl? Susi? Grosskreutz? naja...bei 10 Millionen würden sie bestimmt auch :huhu: sagen und verschwinden.

    Ich war letzten Sommer kurz davor, meinen Dauerkartenplatz nicht wieder zu verlängern. Ich habe es trotzdem gemacht, warum weiss ich nicht wirklich. Vielleicht, weil es diese Stimmung, womöglich vergleichbar mit früher, noch gibt? Jedenfalls werde ich immer noch von diesem Stadion angezogen. Allerdings, bei solchen steigenden Preisen und Kommerz fragt sich nur, wie lange...:isklar:
     
  30. Schalke-Königsblau

    Schalke-Königsblau Derbysieger 2012/13

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    Hängt mMn alles am Kommerz. Im UEFAcup/der EL gibt es wenig Geld zu holen. Jedenfalls isses so wenig Geld, dass die EL für die meisten Erstligavereine, oder sollte man so manche Vereine als Konzerne bezeichnen...:suspekt:..., uninteressant geworden ist.
    Viele der mittler Weile unnahbar gewordenen Profis sind Multimillionäre, die Stadien werden immer größer, bzw teurer und die Eintrittspreise und Fan-Utensilien :D sind für so manchen Mallocher fast unerschwinglich geworden. Zumindest ist es für so manchen Fan Dank der hohen Eintrittsgelder gar nicht mehr möglich WE für WE ins Stadion zu gehen und sich ein Spiel anzuschauen. Von den Eintrittspreisen bei CL-Spielen ganz zu Schweigen.

    So gesehen ist der :suspekt:....."Volkssport" :suspekt:.......Fussball für viele Fans ein Luxussport geworden.
    Der weitere Schritt in diese Richtung wird sein das die Fankurven abgeschafft werden. Die bringen den Vereinen zu wenig Geld. Und über den dann ex-Kurven ein paar Logen. Das wärs doch. :isklar::isklar::isklar::isklar::aufgeb:
     
  31. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Entgegen dem, was manche hier über mich denken, sehe ich das gar nicht so traditionalistisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich von 1963 bis 1972 in Italien gewohnt habe, und da war der Hype (und die Gehälter) auch schon verhältnismäßig groß. Damals hörte ich am Sonntagnachmittag regelmäßig die Liveberichte im Radio, und die Zusammenfassung sowie die Europacupspiele ließ ich mir praktisch nie entgehen. Am Montag studierte ich dann die Gazzetta, und in der Woche war mit den Kumpels der Fußball Hauptgesprächsstoff – bis ungefähr 1970 (also als ich 15 wurde), als dann die Mädchen wichtiger wurden.

    Danach ließ das Interesse bei mir etwas nach. Es beschränkte sich auf Sportschau (wobei ich vorher nie das Ergebnis wissen wollte) und wichtige Europacupspiele (aber selbst die ließ ich wegen einer Frau auch schon mal sausen), und natürlich WMs und EMs. Dafür ging ich jetzt eher mal ins Stadion, vor allem ab Mitte der 70er, als ich nach Münster zog, also in die Nähe von Dortmund. So zog sich das praktisch bis Ende der 90er hin, ich reiste viel und war viel in Kneipen und auf Partys unterwegs, d.h. ich guckte auch einfach sehr wenig fern. Klar nervten mich ab den 80ern die Kommerzphänomene, insbesondere als jetzt eine Mannschaft mit einem Konzernnamen in der Liga auftauchte, die kaum Zuschauer hatte und die niemand wollte. Aber da mich weder Bezahlfernsehen noch Fanartikel interessierten, prallte das im Grunde größtenteils an mir ab.

    Naja, und die Überkommerzialisierung des Fußballs fällt ja ungefähr mit der Zeit zusammen, als ich vor 15 Jahren meine Frau kennenlerte und nach Spanien zog. Seitdem gibt's das Internet, und ich gehe nicht mehr so oft auf Piste, weshalb ich auch mehr Gelegenheit habe, zu Hause Spiele zu sehen oder mich mit Fußball zu beschäftigen. Inzwischen weiß ich zur Sportschau-Zeit schon immer die Ergebnisse, so wie als Kind – aber ich mache es ja freiwillig, und wenn ich mal ein Spiel verpasse, ist es auch nicht so schlimm. Das gilt nur nicht für wichtige Spiele, also Meisterschaftsentscheidungen, Halbfinale und Finale der CL sowie natürlich WMs und EMs, denen ich seit 50 Jahren treu bin – zumal die ohne Werbung auf der Brust spielen und keine Spieler kaufen können.

    Auch die Verklärung des alten Europapokals teile ich nur bedingt. Da waren auch viele Langweiler dabei, gerade im Pokal der Pokalsieger, wo das Finale auch schon mal so eine Knallerpaarung war wie Dynamo Tiflis gegen Carl Zeiß Jena. Sicher erinnert man sich mehr an die Spiele, weil es eben einfach weniger zu sehen gab. Aber manchmal ärgerte man sich schon, wenn die eigene Mannschaft eine Saison lang um einen Europapokalplatz gekämpft hatte und dann nach zwei Spielen schon wieder draußen war. Und so was wie die BVB-Vorrunde in diesem Jahr möchte ich eigentlich auch nicht missen.

    Wie gesagt, es zwingt mich ja keiner, den Hype mitzumachen, und deshalb würde ich auch nicht sagen, dass es mich ankotzt. Auch wenn es schon ätzend ist – vor allem wenn man denn alles mitmachen würde. Trotzdem gebe ich zu: besonders seit Klopp in Dortmund ist, ist es einfach überaus unterhaltsam, die Borussia mitzuverfolgen. Und da es dazu so viele Möglichkeiten gibt wie niemals zuvor, nutze ich sie eben auch häufig, was soll's...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
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