Kritische Anmerkung zu den Medien u.ä. im Zusammenhang mit dem Tod von Robert Enke

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Junker, 14 November 2009.

  1. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Nee, ich glaube nicht dass das funktioniert hätte. Um beim Fussball zu bleiben: outet sich ein Fussballer nun kann er das ja in ein paar Wochen oder Monaten, wenn der Selbstmord Enkes nur noch Erinnerung ist nicht mehr zurücknehmen.
    Rückblickend wird sich kein Profifussballer damit einen Gefallen getan haben. So sehr sich Mitspieler und andere Offizielle auch bemühen, man wird anders behandelt, bemitleidet werden.

    Der bessere Weg wäre daher auf jeden Fall so etwas wenn überhaupt komplett hinter den Kulissen zu machen. Sportler, die dies jetzt öffentlich machen tun vielleicht dem Sport einen kleinen Gefallen, für ihre eigene Karriere kann dies aber das Ende bedeuten.
     
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  3. Oldschool

    Oldschool Spielgestalter Moderator

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    Hätte er sie nicht sagen sollen ? Hätten Kind, Zwanziger, Wulff, Weil überhaupt nicht ans Mikro treten sollen ? Ja hätte die ganze Veranstaltung erst gar nicht stattfinden sollen ?
    Ich denke doch, es war richtig und wichtig zur Bewältigung der Trauerarbeit, und trauern ist Arbeit. Man hat doch erkannt, dass Tausende von Menschen diese Gedenkstunde dankbar angenommen haben, um Abschied von Robert Enke zu nehmen. Die Redner haben Trost gespendet und wurden andauernd von warmherzigem Beifall unterbrochen, was die Menschen einfach gebraucht haben.
    Was Zwanziger und die anderen gesagt haben ist zu verstehen unter dem Gesichtspunkt, den die Angehörigen auf Enkes Nachruf gesetzt haben, eine Weisheit des tschechischen Schriftstellers und Politikers Václav Havel:
    "Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht,
    sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."​
     
  4. Rossi

    Rossi Berliner Nachteule Moderator

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    @face - Aber wie hätte man es denn besser machen sollen - oder stattdessen? Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist. Was hätte Zwanziger denn sagen sollen? Zumal ich ihm unterstelle oder abnehme, dass es ihm ein wirkliches Anliegen ist/war, was er gesagt hat.

    Klar ist Fußball in erster Linie ein Business, wo eine Heidenkohle umgesetzt wird, das ist ja wohl unbestritten. Wie in jedem anderen Business auch, wo viel verdient wird, darf man sich keine Blöße geben. Und wenn doch einer stolpert, so geht das Geschäft dennoch am nächsten Tag weiter. Mag man scheiße finden, ist aber Realität. Und es ist auch normal (der ganz normale Lauf des Lebens eben), dass man nach gewisser Zeit wieder zum Tagesgeschäft übergeht und das auch muss.

    Immerhin machen sich jetzt wohl einige Verantwortliche Gedanken um das Thema und wollen für die Spieler in ihren Clubs oder Verbänden für mehr Unterstützung bzw. überhaupt für ein Angebot auf diesem Gebiet sorgen. Was sollen sie auch mehr tun? Vielleicht haben die aktiven Spieler von jetzt an auch ein etwas sorgsameres Auge für ihren Kollegen, sind also sensibilisiert für das Thema.

    Und was die Medien in diesem Fall anbelangt. Ich glaube kaum, dass sie es waren, die schon am nächsten Tag 35.000 Leute in Hannover zu diesem Gottesdienst/Trauermarsch zogen. Das hat sich ganz spontan entwickelt. Die Nachricht hat sich am Dienstag abend wie ein Lauffeuer durchs Internet gewälzt. Das ging ja innerhalb weniger Minuten und etliche Server kamen ordentlich ins Schwitzen. Samt dieses Forums, hier und anderenorts gab es richtige Zugriffs-Staus - hier waren mehr User gleichzeitig online als je zuvor. Die meisten Leute hat es eben total aus den Socken gehauen, dass so ein bodenständig wirkender, sympathischer Kerl, der kein Nachwuschtalent mehr ist, wo man denken könnte, er käme mit dem plötzlichem Trubel nicht klar, nur noch diesen einen Ausweg sieht.

    Natürlich mag sich das der ein oder andere der Medienwelt auch ekelig zunutze machen, aber ich finde, dass man das Eisen schmieden sollte, solange es heiß ist. Will sagen, es ist wichtig, dass das Thema Depression derzeit so in aller Munde ist, weil die meisten Menschen keine oder falsche Vorstellungen von der Krankheit haben. Mir ist klar, dass das nicht so bleiben wird. Aber jeder hat es jetzt irgendwie mal zur Kenntnis genommen - durch den Tod von Robert. Und ich denke, viele haben sich Gedanken dazu gemacht - vielleicht zum ersten mal im Leben.

    Deshalb finde ich, dass die Berichterstattung völlig in Ordnung war.

    Ich meine, wenn sich über 40.000 Menschen (wieviele es vor dem Stadion waren, weiß ich nicht) zur gemeinsamen Trauer und Ehrung eines Verstorbenen zusammenfinden, dann ist das doch berichtenswert. Würden sich spontan 40.000-50.000 Menschen aus einem anderen akuten Anlass zusammenfinden, würde man das genauso übertragen.

    Frau Enke wird das hier so titulierte "Bromborium" bestimmt sogar ein klitzekleinwenig helfen, davon bin ich überzeugt. Im tiefsten Schmerz zu erleben, dass so viele Menschen Anteil nehmen, dass so viele soviel Gutes über den Partner (aber auch über sie selbst) sagen - macht einen auch ein bisschen stolz. Na, ist vielleicht nicht der perfekte Ausdruck dafür, aber kommt schon hin.

    Das letztes ist kein Gesülze, habe ich am eigenen Leib erfahren dürfen, als meine Lebensgefährtin diesen Sommer gestorben ist. Natürlich lindert es nicht den eigentlichen Verlust, aber es ist trotzdem schön, zu sehen und zu hören, dass andere wirklich Anteil nehmen, betroffen sind und die positiven Dinge des Menschen herausstellen.

    Selbstredend muss die Öffentlichkeit nun wieder in den Hintergrund treten und Familie Enke zur Ruhe kommen lassen. Ich glaube aber auch nicht, dass die Medien nun wie die Geier um ihr Haus herumlungern werden. Die Zurückhaltung des Privatlebens haben sie ja zu seinen Lebzeiten auch respektiert.

    Robert selbst ist jetzt wohl selbst erstaunt, wenn er von oben runterguckt, wie viele Leute er berührt hat - damit meine ich natürlich in erster Linie seine Wegbegleiter; aber doch auch die große Anzahl der Menschen. Und natürlich auch die Berichterstattung über diese Krankheit, die er so sehr geheimhalten wollte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 November 2009
  5. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Gute Frage, mir missfiel eigentlich die Aussage "Fussball ist nicht alles". Diese Aussage hat Theo Zwanziger gefühlte 20 mal angebracht und dieser widerspreche ich. Das es für fast alle Beteiligten alles bedeutet, beweist jeder der sich damit beschäftigt, bis hin zu all denjenigen, die ebenfalls erkrankt sind und dennoch weitermachen. Die Aussage das Sportpsychologen eingesetzt werden sollen, nehme ich mal so hin, ob das umgesetzt wird und Erfolge bringt, bleibt abzuwarten. Und ja Oldschool, es waren Worte, die die Menschen in dieser Stunde gut fanden, sie brachten Trost und Emotionen. Nur leider, und das ist meine Befürchtung, verpuffen sie schon morgen.
     
  6. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Ich dachte, die hat jeder Profiverein längst! Das wäre mal das mindeste, was erreicht werden sollte.
     
  7. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Das sollte man eigentlich meinen, wenn man heute generalstabsmässig plant und strukturiert.
     
  8. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Was hwürde das denn bringen? Wenn die Spieler ein ähnliches Schutzschild aufbauen wie Enke werden Sportpsychologen wohl auch nichts davon mitbekommen. :weißnich:

    Und so viel ich weiß ist es alles andere als selbstverständlich dass die Bundesligisten einen solchen Posten besetzt haben. Ich denke sogar dass ein Großteil der Clubs noch ohne arbeitet.
     
  9. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Niederschwellige Angebote sind bei psychischen Erkrankungen immer positiv.
     
  10. Rossi

    Rossi Berliner Nachteule Moderator

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    In irgendeiner Talkrunde der letzten Tage - mag gestern im ASS gewesen sein - hörte ich, dass NICHT jeder Verein einen Psychologen im Stab hat.

    Das Problem ist ja auch, dass die Spieler wissen müssen, dass es zunächst wirklich anonym bleibt - weil es eben noch so ist wie es ist, dass andere die vermeintliche Schwäche ausnutzen (könnten).

    Und ja Bundy, das mag einen Enke nicht angesprochen haben; aber wenn es auch nur einer wäre, der zumindest früher den "klinischen" Weg nähme, dann wäre das doch schon was. Und wer weiß, wenn es schon völlig Gang und Gäbe wäre, vielleicht hätte sich dann auch Robert ein Herz gefasst und hätte zumindest einige Leute eingeweiht. Ob es in seinem Fall etwas gebracht hätte - bei all der Unterstützung, die er ja privat schon hatte...

    Es gibt immer Krankheitsverläufe der Depression, die letztlich nach langem Kampf im Suizid enden - weil eben nicht jede Form dieser Krankheit wirklich heilbar ist. Aber viele andere Formen eben doch.

    Bis diese Krankheit bei allen als solche wirklich anerkannt wird, wird noch viel Zeit vergehen.
     
  11. kleinehexe

    kleinehexe SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16

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    Die Berichterstattung von der Trauerfeier empfand ich als angenehm und die Trauerfeier selbst war für mich sehr tröstlich. Es wurde auf Effekthascherei verzichtet, es wurde nicht dumm geschwätzt von Beckmann. Es wurde eben kein Event draus gemacht.

    Auch wenn ich die Trauerfeier nur als Fernsehzuschauerin erlebt habe, war es für mich persönlich wichtig auf diese Art Abschied von Robert Enke zu nehmen, praktisch mit den Hannover96-Fans.

    Vielleicht war es auch für Teresa Enke ein bisschen Trost, dass so unendlich viele Menschen ihren Robert gern hatten, ihn sehr schätzten und denen er fehlen wird - und zwar nicht nur weil er Hannover96 so oft vor Niederlagen bewahrt hat, sondern eben weil er ein toller Mensch war.
     
  12. Eintracht-Fanatiker

    Eintracht-Fanatiker Leikeim Kellerbier-Fan

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    Dem schließe ich mich an....
     
  13. Oldschool

    Oldschool Spielgestalter Moderator

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    Verpuffen aus dem Grund, dass sich niemand trauen wird, sich als depressiv oder homophil zu outen. Nicht als jemand, der in der Öffentlichkeit steht und einen Mannschaftssport betreibt. Homophile Politiker bilden da offenbar eine Ausnahme, nicht weil sie keinen Sport betreiben, sondern weil man die ja nicht wählen muss. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass zB Wowereit sich als "schwule Sau" beschimpfen lassen musste, so wie Tim Wiese es schon widerfahren ist.
    Ein Keeper wie Robert Enke hätte sich auch nie geoutet, weil er dann seinen Platz als NM-Torwart und auch im Tor von 96 in Frage gestellt hätte. Ganz einfach, weil in Kenntnis seiner Krankheit fast jeder Fan einen Torwartfehler auf eben diese zurückgeführt hätte. Ich sage "fast", denn jeder weiss, dass Enke immer eine Bank im Tor von 96 und der NM gewesen ist, mit und ohne Depressionen.
     
  14. Litti

    Litti Krawallbruder

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    Ich finde, bei all dem darf man nicht vergessen, das es seine eigene Entscheidung war. Es war kein Unfall, kein Mord, kein Siechtum, er hat sich selber vor den Zug geschmissen.

    Supertraurig, ganz klar, ich bin auch geschockt. Aber einen der oben genannten Gründe fände ich viel tragischer. Er hat die ganze Trauer und die ganze Verzweiflung jetzt durch seine eigene Entscheidung ausgelöst.

    Und noch dazu einen armen Lokführer für den Rest seines Lebens zum psychischen Wrack gemacht.
     
  15. Detti04

    Detti04 The Count

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    Aus marketingtechnischen Ueberlegungen waere es eine riesisg clevere Idee von AWD, das Stadion in Robert-Enke-Arena umbenennen zu lassen. Etwas besseres als eine "grosse Geste" gibt es fuer das Image naemlich nicht. Allerdings waere diese grosse Geste fuer 96 fatal, weil 96 dann den Stadionnamen nie mehr verkaufen koennte.
     
  16. Detti04

    Detti04 The Count

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    Depressionen sind kein Thema eines Sportpsychologen, sondern eines ganz normalen Psychologen. Der Sportpsychologe, der helfen soll, in sportlichen Drucksituationen zu helfen bzw. diese voarb zu visualisieren, hilft einem bei der Bewaeltigung von Depressionen quasi Null. Soll ja keiner glauben, Enke sei depressiv gewesen, weil er mal 'nen leichten Ball durchgelassen hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2009
  17. kleinehexe

    kleinehexe SF-Dschungelkönigin 2011 und PTL-Meister 2015/16

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    Es war eben nicht seine eigene Entscheidung, sondern von der Krankheit diktiert, die ihn im Griff hatte. Wenn man eine schwere Depression hat, dann ist man nicht frei in seinen Entscheidungen, sondern davon diktiert.
    Andrew Solomon beschreibt in seinem Buch "Saturns Schatten" die Depression mit dem Bild eines alten Baums, der von einer Schlingpflanze überwuchert wird, die den Baum fast erdrosselt und ihre eigenen Triebe in den Vordergrund schiebt. Die Schlingpflanze ist die Depression, die ihre eigenen Interessen verfolgt und mit dem Baum nur insoweit zu tun hat, als sie ihn als Wirt und Stütze benutzt.
     
  18. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    1. Frau Enke hat den großen Abschied augenscheinlich gewollt. Das ist für mich absolut nachvollziehbar, nicht, weil sie einen "großen Bahnhof" wollte, sondern weil sie offenbar für ihr eigenes Seelenheil endlich einmal wünschte, dass für sie erkennbar irgendjemand Beistand leistet. Das ist ihr nämlich durch ihre "Selbstgeißelung", praktisch niemandem in den vergangenen 6 Jahren ihr Leid klagen und mit Freunden oder anderen reden zu dürfen, verwehrt worden. Das offenbart sich schon in Gestalt der PK vom Mittwoch. Oder hat jemand schon einmal in einem anderen Todesfall gesehen, wie sich jemand in breiter Öffentlichkeit derartig entwaffnend keine 24 Stunden nach dem Tod öffnet und "entblättert"?

    Ich hätte nicht wie sie über solch einen langen Zeitraum dichthalten können, weil ich selbst zu sensibel bin und dabei selbst drauf gegangen wäre. Wenn jetzt der "große Bahnhof" manchen hier zu groß erscheint, mag dies allein diesem Umstand geschuldet sein.

    2. Was an den Medien stören könnte ist nicht die Tatsache, dass sie berichtet haben. Ich halte es so ähnlich wie faceman: Fußball ist für viele Menschen ERKENNBAR "mehr", als es Zwanziger dargestellt hat. Und das weiß er auch. Und die Medien wissen das auch. Dieses persönliche Drama eines beliebten und ziemlich bekannten Fußballer verkauft sich. Leider. Und z.B. Beckmann schwadroniert daher, dass ausgerechnet einem, der immer zugehört und hat und immer geduldig mit den Medien war, von den Medien nicht mit gleicher Münze zurück gezahlt wurde, weil man seine Probleme nicht kannte.

    Wie wird das wohl zukünftig laufen?

    Entweder gibt es ein Massen-Outing in Sachen Tabus (für mich eigentlich undenkbar) und dann werden diese Tabus relativ schnell zur Normalität und es zählt fortan wieder "Brot und Spiele".

    Oder es passiert nichts (für mich wahrscheinlich) und alles läuft so weiter, wie es ist.

    Was soll'n die Medien auch anderes machen? Nicht mehr übertragen? Kein Schnickchnack mehr um die Spiele herum thematisieren? Wer glaubt das denn? Und, wer ehrlich zu sich selbst ist: Will man das das wirklich?

    So tragisch und schlimm die Geschehnisse sind: Sie passieren mehrmals täglich, ohne dass dies aufgegriffen würde und man das mitbekäme. Die Medien sind da der Filter, der öffentliches Interesse bejaht und in Enkes Fall aufgreift oder es eben verneint und dann nicht darüber berichtet. Für DIESEN Fall mache ich also den Medien keine Vorwürfe.

    Jeder muß eigentlich für sich selbst klarstellen, dass er sich möglichst unangreifbar für vorgefertigten Medienmist macht, seine eigenen Gedanken entwickelt und danach handelt. Jeder sollte sich SELBST ímmer wieder sagen:

    "Fußball ist nicht alles!" Oder auch: "Medienstoff ist nicht alles!"

    Wenn die große Mehrheit des Publikums NICHT auf das "Mainstream-Geschmäckle" der Medien reinfällt, dann isses für die Zeit, ihre Berichterstattung zu ändern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2009
  19. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Das mein ich ja. Wie lange läust der Vertrag mit AWD noch?!? 3 Jahre, 5? 10? Ich weiss es nicht, aber mann kann ja schlecht das Stadion in Robert Enke Arena umbenennen und dann nach ein paar Jahren den Namen z.B. McDonald´s Park geben.
    Das käme nicht gut an.
     
  20. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Die Medien hätten alle Macht, die Menschen, über die sie berichten und ihre Sorgen und Nöte darzustellen. Dafür müssten sie sie aber erst auf ein gewisses Normalmaß zurück stutzen. Womit aber die Stories wiederum "kleiner" würden.
    Ob das aber auf Dauer im Interesse all derer liegt, die vom Geschäft profitieren, ist höchst fraglich. Viele derer, die jetzt über den Enkes berichten, ihrem Schock über das Geschehene Ausdruck verleihen, haben den Namen zum ersten Mal gehört.
    In der aktuellen Berichterstattung nehmen Tod und Leid einen sehr großen Platz ein. Da interessieren letztlich nicht die betroffenen Menschen, da interessiert die Story und inwieweit sie sich ausschlachten lässt. Je nach Medium, je nach Zielpublikum auf einer anderen Ebene.
    Überall ist viel geheuchelt worden und ich denke, das Letzte, was Enke gewollt hätte, ist das, was jetzt um seinen Tod veranstaltet wurde. Ohne seiner Witwe einen Vorwurf machen zu wollen, die mit ihrem Schritt in die Öffentlichkeit genau das Gegenteil erzielen wollte.
     
  21. Schröder

    Schröder Problembär

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    Auch wenn`s vielleicht off-topic ist... vielmehr als der Medienaufwand um den Tod und die Beerdigung Enkes würde mich interessieren, wieviele der trauernden User in den div. Fanforen (also auch s-f) und gestern der Fans im Stadion beim nächsten Heimspiel den Torwart des Gegners wieder mit "Arschloch-Wichser-Hurensohn"-Sprechchören bei jedem seiner Abschläge "begleiten".

    Wenn der Selbstmord eines gezeigt hat, dann doch wohl, dass trotz Millionenverträgen immer noch Menschen auf`m Platz stehen, die man auch so behandeln sollte. Und zwar nicht erst nach ihrem Tod. Sollte sich das in den Köpfen der Fans festsetzen, wäre Robert (so tragisch das trotzdem doch bleibt) vielleicht nicht ganz umsonst gestorben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2009
  22. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Schröder ich gebe Dir Recht. Allerdings wird sich in den Kurven da meiner Meinung nach nicht viel ändern. Da muss nur einer anstimmen und schon macht der ganze Rudel mit.

    Ist ja auch leicht und inn, sich vom Alltag mal frei zu machen und einen gegnerischen Spieler zu beschimpfen oder beleidigen, macht ja schließlich fast jeder so, und auch fast jeder fühlt sich danach gut, sich verbal behauptet zu haben und sein Mann gestanden zu haben.... :floet:
     
  23. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Teresa Enke mache ich auch null Vorwürfe. Ganz im Gegenteil: Das war sehr tapfer und auch nötig. Wahrscheinlich v.a. für sie persönlich und es hatte auch den Effekt, dass dem Letzten klar wurde in welchem Dilemma sie und Robert Enke steckten.
    Die wollte wohl, wie schon Ism schrieb, sich schlicht ein wenig die letzten Jahre von der Seele reden.
     
  24. Schröder

    Schröder Problembär

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    Man muss ja nicht das ganze Stadion umbenennen.
    In Offenbach gibt es eine "Waldemar-Klein-Tribüne" (der lebt aber Gott sei Dank noch). Etwas ähnliches (z.B. Robert-Enke-Block) ist auch in Hannover möglich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 November 2009
  25. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Beim Spiel selbst sollte sich auch gar nix ändern. Nicht mal die Schmähgesänge und -rufe. Das war immer schon so.
    Beim Rundherum, abseits des Spiels, dem ganzen Theater, wo die Spieler in ihrer privaten Zeit nicht einfach mehr Mensch sein können, da ist eigentlich Bedarf.
     
  26. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Um mal Ichbrüllma nachzuahmen:

    "Kevin Kuranyi - stinkt nach Salami!" hat einfach was, jedenfalls unter Kindergartenkindern. Wenn aber Kevin Kuranyi, der nach meiner persönlichen Auffassung auch einer von denen ist, die mit Sicherheit depressive Züge entwickelt haben, im Privatleben mit 1,3 Promille erwischt wird, dann sollte - auch ich - versuchen, das nicht noch dem Ritter von trauriger Gestalt nachzutragen, sondern es so zu sehen, wie es ist:

    Eine Verfehlung, die manch einem aus mannigfaltigen Gründen passieren kann.

    Insofern muss ich also auch dazulernen...
     
  27. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Hmm, glaubst du wirklich, sowas kannst du anhand von ein paar Interviews erkennen? :suspekt:

    Ich wäre da vorsichtig. Innen und außen sind manchmal sehr unterschiedlich, wie man bei dem scheinbar gefestigten und ausgeglichenen Enke gesehen hat.
     
  28. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    ISM sagte ja depressive Züge, nicht eine Depression. Wenn man aber bedenkt, daß es in Deutschland 4 Millionen Depressionskranke geben soll, dann reden wir von 5%. Was bei geschätzten 450 Erstligaprofis auch 22 oder 23 machen würde, wenn es repräsentativ ist.
     
  29. DeWollä

    DeWollä Real Life Junkie

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    normalerweise denke ich wie Junker, mir geht auch viel auf die Nerven in der Welt....aber diesmal, ich kann nicht sagen wieso, hatte ich wirklich Interesse an den Hintergründen um Enke. Ich fand es völlig in Ordnung gemeinsam zu trauern, auch wenn es kein Verwandter oder Freund war, sondern "nur ein Mensch"....denn das ist er für mich immer gewesen


    nur ein Mensch....


    Beispiel:
    wenn der Mensch Krieg macht und danach Frieden kommt, den er in vollen Zügen genießt.....und er dann wieder Krieg macht......wenn das seit tausenden von Jahren sich so immer wiederholt, wieso sollte dann der Suizid eines Fußballers den Menschen ändern....?

    Wird nicht passieren, aber der einzelne Mensch kann sich ändern, diese Hoffnung habe ich für jeden mir bewahrt....fängt schon damit an...

    konsumiere ich das Leid der anderen ? Verlange ich Blut....? Sage ich auch...


    Hör mal, die verdienen einen Arsch voll Kohle, dann müssen sie sich das auch geben können.....das gehört zum Job usw.

    oder gehöre ich zu den Menschen, die sagen....egal was der Mensch an Geld bekommt, seine Würde ist unantastbar....Grundgesetz eben.....


    trotzdem hat der Fußball eine besondere Aufgabe in der Gesellschaft....Frustabbau, Aggressionsabbau usw., das gehört auch dazu, denn es ist kein Theaterbesuch eben....und die Leute, die zuschauen haben zum größten Teil nicht viel zu lachen unter der Woche...usw. usw.

    also...über beschimpfungen kann man geteilter Meinung sein, ich bin so keiner, aber sie sind Teil des Sports und die ganz Großen wie Kahn, Effenberg, Mattheus und auch Beckenbauer waren immer Feindbilder und Vorbilder....wenn das mal nicht mehr ist, dann kann man auch beim Golf zuschauen....
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17 November 2009
  30. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    ...vor allem, wenn man sich ansieht, wie der Einstieg in Depressionen ist:

    nämlich mit leichten Intensitäten und von nur kurzer Dauer:

    - Verlust zum Erleben von Freude und Trauer, durch Zuspruch nicht aufhellbar
    - Antriebshemmung
    - innere Unruhe
    - Schlafstörungen
    - gestörter Tagesrythmus

    und daraus abgeleitet:

    - Zukunftsängste
    - Versagensängste
    - Minderwertigkeitsgefühle
    - Selbstisolation
    - Selbstentwertung
    - Schuldgefühle
    - Denkhemmung
    - Grübelzwang

    uswusf.