Kohleabbau im Saarland eingestellt

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Markus0711, 24 Februar 2008.

  1. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Erdbeben: Kohleabbau im Saarland ausgesetzt | ZEIT online


    Ich bilde mir ein, dass ich ich (berufsbedingt) etwas mit Erdbeben und Kohleabbau auskenne.
    Dass aber ein Erbeben mit der Stärke 4,0 ausgelöst werden kann, hätte ich nicht für möglich gehalten.

    Somit ist dieses vorläufige Aussetzen des Abbaus schlichtweg die einizige vernünftige Maßnahme. Wie lange dies allerdings aus wirtschaftlicher Sicht möglich ist, ist eine andere Sache...
    Das Saarland und die ganze Region ist halt schon extrem vom Bergbau abhängig :suspekt:

    Von euch ist keiner unter Tage, oder? Evtl. die Ruhrpottler?
     
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  3. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    frag mal die schalker.
    dortmund ist technologiezentrum.
     
  4. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Wie muss man denn ein Erbeben dieser Kategorie einstufen? Was ist denn normal für diese Region?:weißnich:
     
  5. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Na Stärke 4 ist schon sehr deutlich wahrnehmbar.
    Wie man im aktuellen Fall sieht, können schon Schäden an diversen Gebäuden auftreten.

    Durch den Bergbau werden oft kleinere Erdbeben ausgelöst. Diese aber sind eigentlich nie viel stärker als 2.

    Zur Info:
    Ein Erdbeben mit 2,0 (Richterskala) ist 10x so stark als eines mit Stärke 1,0.
    3,0 ist 10x so stark wie 2,0... usw.

    nur damit man die 4,0 etwas einordnen kann
     
  6. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Dann ist's bei dieser Stärke auf alle Fälle sinnvoll den Kohleabbau erstmal einzustellen, um kein Risiko einzugehen.

    Ich denke mal dass es sich dabei nur um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelt, um jetzt die Abbaustellen auf Schäden zu untersuchen.
     
  7. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Nöö, ich zumindest nicht ;)

    Ich hab aber vor ein paar Tagen schon ein Bericht über den Kohleabbau im Saarland und die Folgen gesehen. Und das ganze war echt erschreckend :schock:
    Keine kleinen Risse in den Hauswänden wie man sie vielleicht mal hier im Ruhrgebiet kennt, da konnte man teilweise die komplette Faust reinstecken.
     
  8. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Ja, ohne Bergbau geht es ganz bergab.:suspekt:

    3600 Beschäftigte, wobei jeder ca.300 Angehörige (Saarland ca. 1 mio. Einwohner) hat die vom Bergbau leben, müssen dann trocken Brot essen.:lachweg:


    Jetzt mal im Ernst.

    Quelle: Wikipedia

    -
    • Bedeutendster wirtschaftlicher Bereich an der Saar ist heute die Automobil- (Ford in Saarlouis) und Automobil-Zuliefererindustrie (mit Bosch, INA und Michelin in Homburg sowie ZF Getriebe in Saarbrücken).
    • Mit der Saarstahl AG und der AG der Dillinger Hüttenwerke sind noch zwei große Stahlunternehmen hier beheimatet.
    • Stark gefördert und im Wachstum begriffen ist der Bereich der Informatik und der Informationsindustrie (z.B. IDS Scheer in Saarbrücken und SAP AG in St. Ingbert).
    Das sind die wichtigen Wirtschaftszweige.

    Hier der Bergbau.

    -Eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielte früher der Bergbau (Bergwerk Ensdorf, Bergwerk Warndt (geschlossen), Bergwerk Luisenthal (ebenfalls geschlossen)).
     
  9. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Ich gehe davon aus, das der Bergbau im Saarland ab heute Geschichte ist.
     
  10. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Meine Güte. Hauptsache kluggeschissen :suspekt:

    Der Bergbau hat natürlich nicht mehr den Stellenwert wie zur Zeit die Industrialisierung - die Teritärisierung hat auch vor dem Saarland nicht haltgemacht. Dennoch ist es einer der bedeutendsten Beschäftigtenzweige in der Wirtschaft dieser Region - und für Deutschland.
    Wäre genau das gleiche, wenn - aus welchen Gründen auch immer - alle landwirtschaftlichen Betrieben dichtmachen müssten.

    Der primäre Sektor (zu dem wird z.T. auch der Bergbau gezählt) trägt heute noch rund 1% am BSP bei und beschäftigt rund 2% der Erwerbstätigen in Deutschland.
    Mit dem Wegfall der LW würde allerdings die deutsche Wirtschaft zu 100% zusammenbrechen.

    Beim Bergbau ist es nicht ganz so dramatisch, da ja auch nur regional begrenzt. Dennoch wird es garantiert merkbare Folgen geben, wenn plötzlich ein großes Kohle-Fördergebiet wegfällt. Die ertragsreichere Steinkohle wird heute deutschlandweit nur noch im Ruhrgebiet abgebaut. Im Raum Halle-Leipzig und Cottbus gibt es noch ein paar Braunkohlelagerstätten... Der Rest ist entweder unwirtschaftlich zu fördern - oder zu unbedeutend.

    Unterschätze die Auswirkungen da mal nicht... :warn:
     
  11. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Mal polemisch geantwortet:
    Steinkohleförderung ist immer unwirtschaftlich, wenn ich auf die Subventionen für den Untertagebergbau schaue.
    Ergo bleibt viel Geld übrig, wird der Bergbau eingestellt.
     
  12. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Wenn du dafür Unmengen für den Import investieren willst, bitte schön.

    Ohne Kohle laufen unsere Kraftwerke halt nicht mehr lange und die Damenwelt steht morgens mit nassen Haaren da :rolleyes:
     
  13. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Jein, natürlich ist die Importkohle billiger.
    Aber mal angenommen wir stellen den Steinkohleberbau (komplett) ein. Ich wette mit Dir, das dann der Preis für die Importkohle dann dramatisch steigt, weil unsere eigene Quelle ja weg fällt.
     
  14. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Öhm, warum subventioniert wird, hast Du aber schon begriffen, oder? Die ausländlische Steinkohle kostet schlicht weniger auf dem Weltmarkt.
    Deswegen kannst mir das jetzt gerne mal mit den Unmengen erklären, wenn man die Kohle einführen sollte.
     
  15. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Unsere eigene Quelle macht ja gerade mal 0,5 % der weltweiten Förderung aus - das alleine lässt den Preis sicher nicht in die Höhe schnellen.
     
  16. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Okay, es ist schon richtig, dass die deutsche Kohle insgesamt teurer ist als die aus den USA oder China. Liegt zum einen an den verfügbaren Lagerstätten, zum anderen an den Personalkosten.
    Aber warum wird die Kohle in Deutschland überhaupt (noch) subventioniert? Man will sich ein stückweit unabhängig machen. Keiner mag vorherzusehen wie sich der Marktpreis für Kohle und Koks entwickeln wird. Tendentiell eher nach oben (und zwar stark nach oben). Wenn man sieht, wie sich die Energiepreise entwickelt haben, wie der Ölpreis steigt, was wird mit dem Kohlepreis passieren?
    Da stellt sich einfach die Frage: Liefert sich Deutschland bei einem weiteren Rohstoff dem Energiepreis aus?

    Derzeit liegt der Marktpreis für Importkohle bei 62 Euro je Tonne. Den Förderungspreis für die deutsche Kohle hab ich auf die Schnelle nicht gefunden - schätze ihn bei etwa 90-100 Euro.

    Es ist immer ein Risiko eine Rohstoffförderung oder -produktion einzustellen. Es gibt hübsche Modelle von Pyramiden, denen der Sockel fehlt. Die gibt es in den Bevölkerungsstatistiken, die gibt es auch in der Wirtschaft.
    Wenn die Basis bröckelt, leidet die Spitze - oder man zahlt.

    Dazu kommt: Arbeitsplatzverluste sind immer tragisch. Im Bergbau besonders, da die Arbeiter nicht einfach bei der Konkurrenz anheuern können. Wenn keine Kohle mehr gefördert wird, ist diese Arbeit nicht mehr gefragt... die 3500 im Saarland werden's sicher schwer haben in "ihrem" Bereich neue Arbeit zu finden.
     
  17. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Gerade in den Nachrichten gehört.

    MP Müller geht davon aus, dass der Bergbau im Saarland nun beendet ist.
     
  18. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Was anderes kann er der Presse wegen den Schäden wohl auch nicht mehr sagen.
    Jetzt alles reparieren und in zwei Monaten schaut's womöglich wieder gleich aus. Da kann er gleich auswandern ;)
     
  19. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Soweit ich mich erinnere ist Müller schon länger Bergbaugegner.Dürfte ihm also ganz gelegen kommen.
     
  20. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Ganz unabhängig von irgendwelchen Erdbeben ist das nun wirklich höchste Zeit, diesem Unsinn ein Ende zu bereiten, angesichts der tatsache, das jeder Arbeitsplatz im Steinkohlebergbau mit jährlich 80000 Euro subventioniert wird!
     
  21. Schröder

    Schröder Problembär

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    Problem ist weniger der direkte Abbau von Arbeitsplätzen im Bergbau, als vielmehr der ganze Rattenschwanz von Zulieferbetrieben etc. der da noch mit dran hängt. :suspekt:

    Sollten hier z. B. alle Automobilwerke dicht machen, ginge es auch sehr viele andere Unternehmen, die Produktionsanlagen usw. liefern, sehr viel schlechter.
     
  22. Franzl

    Franzl Member

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    Bis vor einigen Monaten hätte ich dir Recht gegeben.
    Der Grund: Bis dahin beklagte man imme die hohen EU-Subventionen für die Landwirtschaft. Es hieß, das wäre nichts anderes als überteuerte Landschaftspflege. Mittlerweile hat sich das jedoch gewaltig geändert, wie sicherlich jeder bemerkt hat. Die Nachfrage ist wider Erwarten enorm gestiegen und landwirtschaftliche Betriebe sind plötzlich profitabel. Nicht ganz auszuschliessen, dass das für den Steinkohlebergbau auch einmal wieder eintritt.

    In Anbetracht der jetzigen Schäden dürfte das Thema dennoch erstmal (!) vom Tisch sein.
     
  23. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Willste Bio-Kohle fördern?
    Oder wie soll ich diesen Vergleich verstehen?

    Außerdem werden die Milchseen und Butterberge doch nachwievor subventioniert.
     
  24. Franzl

    Franzl Member

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    Nein, Bio-Kohle will ich nicht fördern.
    Doch wenn es an emtscheidenden Punkten in der Welt kracht, kann der Weltpreis für Steinkohle durchaus enorm steigen und dann ist auch der Abbau in Deutschland wieder interessant.

    Nach allem was ich in den letzten sechs Monaten gelesen habe, gibt es keine Milchseen und Butterberge in der EU mehr. Warum auch, wenn die Chinesen doch kaufen?

    Subventionen gibt es natürlich trotzdem noch. Wer will schon auf zusätzliche finanziellen Spritzen verzichten? Selbst wenn es einem wieder besser geht? Und die Bauern-Lobby ist nicht zu verachten.
     
  25. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Wieso schüttet dann, ein mir bekannter Bauer jeden Tag eine enorme Menge Milch weg, oder gibt sie z.T. an einen Schweinemastbetrieb weiter?
     
  26. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Dann baut man's halt wieder ab, wenn es sich lohnt. Ist ja nicht so, daß die Steinkohle in der Zwischenzeit weg diffundiert und man würde sich sogar ein Rohstoffpolster für die Zukunft im eigenen Lande schaffen.
    Wozu teuer abbauen in Zeiten wo das Zeug günstiger woanders hergeht - mal ganz plakativ gefragt?
     
  27. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Weil die Kohle Flötze einstürze und das Grubenwasser dort einsickert wenn dort keine Sicherungsmassnahmen unternommen werden, wie es der Fall ist wenn dort Kohle abgebaut wird. Es ist also nicht so einfach wie bei einem Übertageabbau den man einfach wieder "aufmachen" kann.
     
  28. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Das zu verhindern bzw. zu kontrollieren verursacht übrigens enorme Folgekosten in den Ex-Bergbaugebieten.
     
  29. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    ist aber immer noch billiger als die jetzige subventionspraxis.
     
  30. Franzl

    Franzl Member

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    Wieso sind dann die Preise für Butter, Milch etc. in den letzten Monaten derart angestiegen? Die Begründung war doch unter anderem die angeblich so enorme Nachfrage der Chinesen. :weißnich:
     
  31. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Stimmt, die EU-Lagerhallen mit Milchpulver und Butter sind mittlerweile leer. Ich hätte nicht ganz so polemisch schreiben sollen.

    Die Subventionen fliessen allerdings noch immer, was mir bei der offensichtlich erhöhten Nachfrage noch weniger einleuchten mag. Allerdings hat das jetzt nix mit der Kohle zu tun. Ich habe auf den Subventionen allgemein rumgemeckert, weil ich Dein Landwirtschaftsbeispiel einige Beiträge vorher gelesen hatte.