Herthas Hierarchie kaputt?

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von faceman, 25 Mai 2009.

  1. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Nun ist die Saison zu Ende und im Grunde hat Hertha eine prima Saison gespielt. Wer hat schon damit gerechnet, das Hertha souverän in die Europaleague einzieht? Kaum einer, nicht mal ich, der von Haus aus eigentlich optimistisch ist. Mein Tip war vor der Saison, das wir es auf Platz 5 schaffen. Wirklich daran geglaubt? Nunja, wohl eher nicht. Also eigentlich ist alles in Butter, wenn, ja wenn da nicht die letzten beiden Spiele gewesen wären.

    Mit Sicherheit ist es nicht schlimm, das man gegen Schalke daheim nicht gewinnt. es ist mit Sicherheit auch nicht schlimm, das man in Karlsruhe verliert. Was mich an beiden Spielen stört ist das "wie". Hertha hatte zwei Matchbälle um in die Championsleague zu gelangen. Dem Druck waren sie daheim gegen Schalke augenscheinlich nicht gewachsen. Gut, auch hier sage ich, das würde ich noch verstehen, aber jetzt:

    Nach dem Schalkespiel war plötzlich eine völlig unerklärliche Streitsituation, die teilweise sogar nach aussen getragen wurde aufgetreten. Aber der Reihe nach:

    1. Voronin war gesperrt und wäre gegen Schalke wieder spielberechtigt gewesen. Favre blieb seinem Stil der gesamten Saison treu und ließ das Team spielen, welches aus seiner Sicht aktuell am besten harmonierte. Ergebnis: Voronin schmollte und zog es gar bei der Saisonverabschiedung vor der Ostkurve vor vorzeitig den Stadionraum zu verlassen und somit sich von der Mannschaft zu entfernen.

    2. Arne Friedrich war verletzt. Auch hier zog der Trainer es vor, den Ersatz, Steve von Bergen, der vertretungsweise seine Sache gut gemacht hatte, weiter spielen zu lassen. Friedrich saß auf der Bank. Ob diese Entscheidung richtig oder falsch war, steht hier nicht zur Debatte.
    Statt aber von der Bank aus ein würdiger Kapitän zu sein und seine Jungens zu pushen, anzutreiben und zu motivieren, schmollte er und rannte, laut Presseberichten, nach dem Ende des Schalkespieles zu Hoeness. Hier erweisst er sich als Kapitän unwürdig, welches in der Woche vor dem Karlsruherspiel seinen Höhepunkt nahm und sogar öffentlich aussagte, das er gar nicht weiss, ob er spielt. Das hört sich für mich, als Aussenstehendem an, als ob er den Trainer mit dem Posten des Kapitänes unter Druck setzen wollte. Als Kapitän hat er auch hier versagt. Ein würdiger Kapitän und daran sollte er sich ein Beispiel nehmen, trat Olli Kahn auf, der seinem Erzfeind (Lehmann) auch noch viel Erfolg wünschte und ihn damit zusätzlich motivierte. Sowas hat mir gefehlt.

    3. Joe Simunic war der einzige, der augenscheinlich erkannt hat, das irgendetwas nicht stimmt. Er sagte im Kicker vor dem KSC Spiel, das einige zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und weniger die eventuell einmalige Chance sehen. Das eine solche Aussage öffentlich nicht förderlich sehe ich so, wird sie intern geäussert und dann dazu auch noch vom Kapitän, dann hätte das einen Stellenwert gehabt, so aber war er ein einsamer Rufer in der Wüste, der mehr Schaden, als Nutzen brachte. Das Team war plötzlich keines mehr.

    Ausgerechnet jene, die den Erfolg der Hertha mit herbeigeführt haben, haben dann, als es drauf ankam versagt und das, so traurig wie es ist noch nicht mal sportlich, sondern menschlich. Man war kein Team, man war sich nicht einig und man hatte in beiden Spielen nie das Gefühl, alles, aber auch wirklich alles für den Erfolg zu tun und persönliche Eitelkeiten hinten stehen zu lassen.

    Einzig einer, der bereits frühzeitig wusste im nächsten Jahr nicht mehr bei Hertha zu spielen, hat an mit seiner Aussendarstellung, wenn vielleicht auch manchmal etwas übertrieben, stets rpübergebracht, das er gewillt ist, sich weiter reinzuhängen. Marko Pantelic. Gut er ist ein Sebstdarsteller, aber er ist mir so rum lieber, als das, was ich bereits aufgezählt hatte.

    Diese Charakterschwächen des Teams, haben mich nach der eigentlich tollen Saison schwer enttäuscht. Und nur deswegen hat man mehr vergeben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25 Mai 2009
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  3. Budmaster_Bundy

    Budmaster_Bundy Well-Known Member

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    Die Hertha ist nun mal eben ein Verein, der gewöhnlich im Mittelfeld zu Hause ist und dort um den Einzug in den UEFA- oder UI-Cup gekämpft hat.

    Nun spielt man eine Saison, in der man lange Zeit Meister werden konnte, und dieses Ziel auch öffentlich (war's Simunic) ausgab. Auf einmal dreht sich in Berlin doch alles um 180°. Auf einmal sitzen im Stadion doppelt so viele Leute wie bisher, auf einmal ist das Stadion ausverkauft. Beim Training dürften von heute auf morgen ein Vielfaches der Fans im Vergleich zu bisher stehen. Auch die Medienpräsenz dürfte auf einen Schlag explodiert sein.

    Da ist es für mich nicht verwunderlich, und teilweise sogar menschlich, dass manche Profis mit dieser neuen Situation nicht zurechtkommen. Das ist zum einen natürlich der immense Druck in jedem Spiel, plötzlich in der Favoritenrolle zu sein. Zum anderen geben einem Fans, Umfeld und Medien auch den Eindruck, nun etwas besseres zu sein. Von Arroganz zu sprechen wäre vielleicht etwas zu viel, aber jeder Berliner Profi dürfte die Nase in den letzten Wochen ein ganzes Stück weiter oben getragen haben.

    Und das führt dann eben auch zu Situationen wie die von dir angesprochenen beleidigten Voronin und Friedrich. Aber gerade für einen Kapitän ist das natürlich ein absolutes "No-Go". In Stuttgart beim VfB wurde Kapitän Hitzlsperger in dieser Saison auch des öfteren auf die Bank gesetzt, obwohl er fit war. Andere waren eben momentan besser drauf, und Hitzlsperger hat dies so auch akzeptiert. So sollte das eigentlich sein.




    Aber: auch für die Berliner ist das ein Lernprozess. Sollte die Hertha in den nächsten Jahren wieder in eine ähnliche Situation kommen, wird man aus der jetzigen Zeit lernen und die selben Fehler nicht mehr machen.
     
  4. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Ja, die Ereignisse der letzten beiden Spiele sind bitter. Vor allem deshalb, weil (bis auf die int. Qualifikation) zu dem Zeitpunkt noch nix gewonnen war und Hertha gerade durch das Karlsruhe-Spiel (und die Unrhue davor) die CL verspielt hat.

    Nu muss man mal sehen, wie vor allem Friedrich damit zurechtkommt. Ich denke mal, geholfen hat es weder ihm noch der Mannschaft.

    Schade.
     
  5. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    Nun diesem sind sie ja teilweise recht gut gerecht geworden. In Hoffenheim hat nicht jeder gewonnen und auch daheim gegen Bremen hat man sichzurückgekämpft. Den Druck empfinde ich nicht als zu hoch, den hatten sie schon lange bevor diese zwei Spielen kamen.


    Das verstehe ich nicht, war der Eindruck so? Ich war eher der Meinung, das das ruhiger war als zu Zeiten eines Röber oder Götz.:suspekt:

    ... und nicht nur da, auch ein vanBommel hat sich mehrfach auf der Bank wiedergefunden. Mich ärgert eben die Reaktion unseres Kapitänes, der mit dieser zudem auch noch den Trainer schwächt (ohne ihm hier Absicht zu unterstellen)

    Tja, eigentlich, aber weshalb kann das ein erfahrener Buliprofi, der zudem Stammspieler in der Nationalmannschaft ist, eigentlich nicht?

    Tja, die Hoffnung habe ich auch, nur wann sind wir wieder in einer solchen Situation? Das wir eine solche Saison wiederholen können, steht für mich ausser Frage. Leider.
     
  6. Neutro

    Neutro Member

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    Die Eingangsfrage muss nun eindeutig mit JA beantwortet werden. Herthas Hierarchie muss sich in der kommenden Saison neu finden. Hinten wie Vorne sind wichtige Stützen weg. Das wirkt sich natürlich erst einmal auf die Balance aus.

    Abwehr: Die Außenbahnen waren schon letzte Saison eine Baustelle, niemand konnte sich wirklich hervortun. Mit Chahed ist obendrein einer gegangen der zumindest mittelprächtig auf rechts agierte. Bisher neu hinzugekommen ist Janker. Mal sehen was er reißen kann.
    Die Innenverteidigung wird nun ebenfalls zur Baustelle. Friedrich wird wohl Abwehrchef werden und versuchen zusammen mit Drobny für Ordnung zu sorgen. Das ist bitter nötig, denn ob der zweite IV auf anhieb die Lücke schließt (von Bergen, Rodnei oder Mister X), ist mehr als fraglich. Auch taktisch wird Hertha wahrscheinlich umdenken müssen. Ohne Turm Joe ist die Defensive anfälliger für hohe Bälle oder schnelles Spiel. Es muss für mehr Entlastung nach vorne gesorgt werden.

    Mittelfeld: Hier wird sich wenig ändern. Die linke Seite bleibt vorerst das Problem. Vielleicht kann Lucio an seine alte Form anknüpfen, hoffen wir es. Dann wäre die A-Besetzung gelöst. Ansonsten ist Cicero erste Wahl. Die Zentrale ist gut platziert. Eventuell kommt noch ein offensiver Lenker. Für den Fall würde Raffa weiter nach vorn rücken, hätte was. Der Kreativität würde es zu Gute kommen und die Optionen wären insgesamt größer. Von der Hierarchie her ändert sich nichts, außer das eine größere Last auf allen liegt, noch besser nach hinten zu arbeiten.

    Sturm Da tut sich nur noch ein fettes Loch auf. :zahnluec: Domo und Chermiti (zwei junge, technisch starke, hungrige Favre-Gewächse) müssen sich jetzt beweisen. Sicherlich wird noch ein Stürmer verpflichtet, aber der muss a) erst noch ankommen und b) sich folgend eingliedern. Das wird spannend. Jedenfalls muss die Hierarchie und das Zusammenspiel hier komplett neu wachsen.

    Insgesamt besitzt Hertha weiterhin ein gutes Team das abermals verjüngt wird. Korsettstangen sind genauso vorhanden wie bereits eingebettete, junge Spieler. Das Fundament steht! Die Problemzonen sollten jedoch unbedingt ordentlich besetzt werden. Nach Möglichkeit wieder mit aufstrebenden Mannen. Ich rechne mit keinem großen Einbruch zur neuen Saison. Allerdings ist eine Weiterentwicklung des gesamten Teams und eine gelungene Eingliederung der Neulinge unabdingbar um in etwa am Ergebnis anzuknüpfen. Wenn alles nach Wunsch verläuft, ist eine erneute Überraschung denkbar. Falls es nicht läuft, kann sich das schnell ins Gegenteil verkehren, Mangels Erfahrung der bisherigen "Krisenmanager" auf dem Platz.

    Fakt ist: Taktisch kann Hertha nicht mit der gleichen Strategie in die Saison gehen. Das geht nicht auf. Erstens benötigt man höchstwahrscheinlich mehr Chancen für ein Tor und zweitens (hatte ick weiter oben bereits erwähnt) fehlt hinten die Krönung des Betons. Folge, Hertha muss offensiver agieren und öfter als bisher das Spiel selber gestalten. Daran wird es abhängen, wie erfolgreich 09/10 wird.
     
  7. Berliner

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    Sehr gute Analyse @Neutro! Hertha muss noch Spieler holne. Genau wie du sagst, besonders für die Abwehr und den Sturm. Die letzte Saison war für mich eine Übergangssaison. Erst jetzt kann Favre eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen aufbauen. Und da traue ich ihm einiges zu.

    Wenn der Kader komplett ist, werde ich eine Prognose wagen. Jetzt nur so viel: Von Ebert erwarte ich einiges!
     
  8. Berliner

    Berliner Member

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    Ein Stürmer wurde tatsächlich verpflichtet! Wichniareck! Ein Stürmer, der bei uns schon ein Mal durchgefallen ist. Und auch in Bielefeld nicht überragend war (10/10/13 Tore pro Saison, wenig Vorlagen).
    Domo und Chermiti müssten schon ganz große Sprünge machen! Domo kam gerade mal auf 3 Tore in 25 Spielen, Chermiti spielte so gut wie gar nicht. (Sie hatten aber auch Pantelic und Voronin vor sich.)

    Das sieht eher mager aus, was die Hertha da diesmal aufbietet. Vielleicht stürmt ja auch Raffael?

    Meiner Meinung nach muss Hertha dann auch auf ein torgefährliches Mittelfeld bauen! Cicero, Raffael, Ebert, Kacar müssen dann die vorne fehlende Durchschlagskraft kompensieren. Das könnte sogar einige ganz geschickte und flexibel handhabbare Taktikvarianten ermöglichen, in denen ich den einzigen Lichtblick für die nächste Saison sehe.

    Und hinten muss Drobny einfach alles halten!