Griechenland: Die Lichter gehen aus...

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von theog, 9 Februar 2012.

  1. Schröder

    Schröder Problembär

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    Da wäre dann die nächste Parallele zur Hilfe für Griechenland.

    Der Unterschied zum "Wirtschaftswunder" in West-Deutschland (und warum das nicht so einfach zu wiederholen ist) ist allerdings: Griechenland hat strukturell und ökonomisch gewaltige Nachteile gegenüber anderen europäischen Staaten, die erstmal aufgeholt werden müssten. Das ist wg. dem Spardiktat aber nicht möglich.

    Deutschland hatte wegen des selbst ausgelösten Weltkriegs und Hitlers Politik der "verbrannten Erde" beim Rückzug der deutschen Armee mehr oder weniger die gleichen Voraussetzungen wie die europäische Konkurrenz: Alle starteten so ziemlich bei 0.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17 Juli 2013
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  3. klopp <3

    klopp <3 Active Member

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    Also zunächst mal: Was du als gottgegebene Tatsache hinstellst ist eine These die polarisiert. Du findest zu beiden Sichtweisen (Schulden machen vs. Sparen) namhafte Fürsprecher.

    Und im 2. Semester lernt man dann, dass Zinskosten und Verschuldungsgrad linear korreliert sind bis zu einem nicht näher definierbaren Zeitpunkt, ab dem es dann plötzlich exponentiell abläuft. Ab diesem Zeitpunkt halten Investoren einen Bankrott für wahrscheinlich und verlangen höhere Risikoprämien.
    Und in diesem Fall ist es völlig sinnvoll Griechenland wie ein Unternehmen zu betrachten, denn für die Investoren ist Griechenland eine Geldanlage und wird genauso bewertet wie z.b ein Unternehmensanleihen.

    Was du sagst ist für normale Staaten wahrscheinlich richtig, die haben den neuralgischen Punkt aber auch nicht erreicht und stehen auch nicht kurz davor, weil die Staatsausgaben und Einnahmen im realistischen Verhältnis liegen.

    Davon abgesehen sieht es offenbar nicht mehr so schwarz aus wie alle meinen.
    Dem verlinkten Artikel zu folge ist Griechenland auf dem besten Weg dieses Jahr einen vor Zinszahlungen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Und demonstrieren tun momentan übrigens die Beamten, bei denen Stellen gestrichen werden sollen. Sie haben es also immer noch nicht kapiert, schade.

    Das heisst die Talsohle ist erreicht. Arbeitslosengeld liegt übrigens bei 350&#8364;, ist verdammt wenig, keine Frage. Das Preisniveau ist dem zweiten Artikel zufolge geringfügig niedriger als in D, wo ein Arbeitsloser ca. 380 &#8364; monatlich erhält.


    Wenn der Haushalt über einen längeren Zeitraum ausgeglichen ist sollte man über den Schuldenerlass nachdenken. Zum jetzigen Zeitpunkt hielte ich ihn aber für völlig unverantwortbar, da der massive Druck benötigt wird um die notwendigen Reformen durchzusetzen. Und jetzt ist es zunächst mal wichtig die falschen Strukturen abzubauen, u.a. hohe Sozialleistungen.



    Defizite schrumpfen langsam: Griechenland, Spanien, Portugal: Die Euro-Sorgenkinder im Spar-Check - Defizite schrumpfen langsam - FOCUS Online - Nachrichten

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    Zuletzt bearbeitet: 17 Juli 2013
  4. klopp <3

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    Sind wir doch einfach ehrlich: Für Deutschland war das Wirtschaftswunder möglich, weil die mächtigen westlichen Staaten es brauchten, um einen Schutzwall gegen die Sowjets zu errichten.
    Weiß nur nicht was das mit Griechenland zu tun hat. Ich hoffe es ist klar, dass es hier nicht um Bestrafung oder Wiedergutmachung oder sonstigen Blödsinn geht, sondern darum was getan werden muss um das Ziel zu erreichen.
     
  5. faceman

    faceman Europapokal-Tippspielsieger 2015

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    ... und der Osten Deutschlands alleinige Reparationsleistungen an die Russen zahlte. Der Westen musste nämlich nichts zahlen und wurde zudem auch noch vom Westen wirtschaftlich so angeschoben, dass es einem Wunder gleichkam. Nur hat das mit Wunder dann auch kaum was zu tun.
     
  6. klopp <3

    klopp <3 Active Member

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    Gut, dann wurde nicht klar was ich meinte.

    Wenn der Haushalt ausgeglichen ist, dann ist das Vertrauen wieder da, dass sie ihren Schuldenberg abtragen können. Um alles zu beschleunigen kann man dann einen Schuldenschnitt vornehmen und später dann mit sinnvollen Konjunkturprogrammen mittel- und langfristig Schüssel-Industrien fördern. Das wird gerade für ausländische Investoren höchst interessant werden.
    Es dürfen dann auch wieder Schulden gemacht werden, denn der Investor weiß jetzt ja, dass das Land prinzipiell eine ausgeglichene Bilanz hat und es eher einfach möglich ist wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu bekommen (indem man Konjunkturprogramme auslaufen lässt).
    Schwierig bis unmöglich unter normalen Verhältnissen ist es hingegen genau das zu tun was gerade getan wird: Sozialausgaben senken, Bürokratie abbauen, Steuern erhöhen. Das wäre unter normalen Verhältnissen unmöglich, weil das Volk das boykottieren würde. Gebe es diese Einschnitte in Griechenland nicht, dann würde der Investor doch völlig nachvollziehbar sagen: Wenn sich die Konjunktur nicht entwickelt wie erhofft, dann seid ihr sofort pleite. Und das ihr es schafft eure Ausgaben dann zu senken glaube ich euch nicht, weil es dafür Reformen benötigt die so richtig richtig weh tun.
     
  7. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Mir ist das mit dem Vertrauen zu vage und zu esoterisch. Kann man das vielleicht mal in etwas präziseres und fassbares umsetzen?
    Griechenland wird seinen Schuldenberg gar nicht abbauen können. Das ist unrealistisch. Und bei sinkendem BIP steigen noch die Schulden in Relation zur Wirtschaftsleistung. Dem Staat brechen die Einnahmen weg. Ein Teufelskreis, der vlt. irgendwann ein Ende nimmt, nur wie ist es dann um die Menschen im Land bestellt?
    Außerdem fehlt mir hier der grundsätzliche Punkt, dass der Staat sich von externen Investoren Geld und das zu hohen Zinsen leihen muss, während diese sich das Geld zu Niedrigzinsen bei der Zentralbank leihen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17 Juli 2013
  8. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Gut, dass du "sicher" in Anführungszeichen setzt. Aber grundsätzlich stellt sich die Frage, in welchen arbeitsintensiven Sektoren oder Branchen Griechenland, sagen wir EU-weit, konkurrenzfähig sein könnte? Tourismus und bestimmte Nahrungsmittel. Was gibt es noch, was Geld ins Land und unter die Leute bringen könnte?
     
  9. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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    Mir fielen nur bestimmte Nahrungsmittel und Tourismus ein.
    Hatten wir das schon...?
     
  10. Schröder

    Schröder Problembär

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    Und da beißt sich die Katze in'n Schwanz. Du willst einerseits immer mehr Staatsbedienstete entlassen und andererseits Sozialausgaben senken. Wie soll das bei dann immer mehr Arbeitslosen funktionieren? Und wer soll die höheren Steuern zahlen, die du eintreiben willst? Die neuen Arbeitslosen? Die Rentner, deren Rente schon um die Hälfte gekürzt wurde? Die Arbeitnehmer, die von ihrem Einkommen mal gerade so Miete und was zu Essen kaufen können? Die Unternehmer, die in 1. Linie von Staatsaufträgen gelebt haben, dessen Schulden sie nun nicht mehr eintreiben können und denen die Auftragslage um mehr als 50 % eingebrochen ist? Alles, was hätte noch Steuern zählen können, hat doch das Geld längst ins Ausland geschafft.

    Griechenland ist im A... Ohne Schuldenschnitt. Die Binnennachfrage geht Richtung 0, weil die Bürger kein Geld haben (auch diejenigen, die noch Arbeit haben, bekommen kaum mehr Geld als die Sozialhilfe) Staatsaufträge gibt es nicht mehr bzw. kann der Staat sie eh nicht mehr bezahlen. Und Investitionen in neue und auch international konkurrenzfähige Produkte sind für die griechischen Unternehmen unmöglich, weil sie von den griechischen Banken keine Kredite mehr bekommen können, so dass selbst langfristig keine Exporterlöse zu erwarten sind.

    also, wo willst du da noch sparen und wo höhere Steuern generieren?

    Schuldenabbau für neue Investoren klingt gut. Es wird dann nur nix mehr geben, in das die investieren könnten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17 Juli 2013
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  11. klopp <3

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    Oh da juckts mir aus Investorensicht (ich arbeite als Venture Capitalist, nicht mein eigenes Geld) schon seit Monaten in den Fingern weil ich glaube, dass Griechenland bald wirklich spannend werden kann, auch für uns.

    Geringes Lohnniveau, hohes Bildungsniveau und unheimlich viele arbeitlose junge Leute. Das sind die idealen Vorraussetzungen für (Aus)gründungen in den aktuellen Boombereichen ICT, Life Sciences, Med und Bio Tech. Konjunkturprogrammen müssen auf Förderungen in dem Bereich abzielen, werden sie auch. Und auch für ausländische Investoren wird Griechenland extrem interessant. Ich kenne so viele erfolgreiche deutsche Unternehmen die extrem sinnvolle Spin-Offs gründen wollen, aber die in Deutschland massive Schwierigkeiten haben die Leute dafür zu finden. Die orientieren sich immer häufiger ins Ausland.
    Wenn ich eine Technologie habe und dafür einen Standort für die Gründung suche, dann ist Griechenland dafür höchst interessant, natürlich erst wenn Ruhe eingekehrt ist. Mittelfristig werden die Investoren und Konjunkturprogramme erfolgreiche Unternehmen hervorbringen. Sobald die Unternehmen wirtschaftlich werden verdienen auch die Mitarbeiter verhältnismäßig viel Geld (besonders in den oben genannten Branchen, der finanzielle Verlust durch Wissensabfluss ist extrem hoch, deshalb muss man die Mitarbeiter an sich binden, u.a. durch Löhen). Um diese Personen gruppiert sich der Dienstleistungssektor und auch Leute mit niedriger Bildung können sich wieder einen besseren Lebensstandard aufbauen.

    Griechenland ist ein kleines Land. Ich halte es für nicht unrealistisch dass man Griechenland zum Top-Standort für eine spezielle Branche machen kann, so wie es bspw. Island für einen Sonderbereich in Biotech ist. Für Griechenland ist das eine gigantische Chance, weil sie einen Neuanfang machen können. Ich behaupte nicht, dass das innerhalb von einem Jahr geht. Aber irgendwann muss damit angefangen werden. Ein Land das nur aus Dienstleistern und Tourismus besteht kann im globalen Wettbewerb nicht funktionieren, zumindest nicht wenn die Menschen in dem Land gerne einen Lebensstandard wie in Deutschland hätten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  12. klopp <3

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    Also die Sache mit dem Zeitpunkt an dem die Zinsen explodieren, wenn der Verschuldungsgrad zu hoch ist ist nicht vage oder esotherisch, sondern seit 100 Jahren bekannte Theorie, die in der Praxis immer wieder beobachtet wird. Der Auslöser ist wie du sagst Vertrauen.

    Versetz dich mal in folgende Lage: Du hast 100.000 &#8364; mühsam gespart und willst die sinnvoll anlegen. Staatsanleihen funktionieren ja so, dass du für eine bestimmte Laufzeit, z.B. 5 Jahre Geld leihst, in der Zwischenzeit Prämien (zinsen) gezahlt bekommst und am Ende der Laufzeit dein Geld zurück bekommst.
    Ein Land bietet die besten Zinsen. Du schaust dir das Land an und stellst fest, dass sie sehr hoch verschuldet sind. Deine größte Angst ist, dass das Land bankrott gehen könnte, bevor die Laufzeit deiner Anleihe beendet ist und du all dein Geld verlierst (Argentinien).
    Aktuell sind die Zinsen noch ok, es scheinen also genügend andere Personen noch zu investieren. Du hast aber Angst davor, dass z.b. in 2 Monaten eine Hiobsbotschaft, z.B. die Konjunkturzahlen dazu führen, dass andere Investoren kein Geld mehr in das Land investieren. Passiert das, explodieren die Zinsen und das Land kann nicht mehr genug Geld aufnehmen um die Zinsen (und auslaufenden Anleihen) zu bedienen und gleichzeitig den Haushalt zu decken.
    Passiert das, ist die Beschaffenheit des Haushalts des Landes extrem wichtig. Der einfache Weg in so einer Situation ist den Haushalt zu kürzen, solange bis die Anleihen und Zinsen bedient werden können. In Deutschland ist das z.B. ohne größere Probleme möglich und Investoren haben wenig Sorgen. Sie bekommen ihr Geld ja zurück. Deutschland muss die Investoren ja priorisiert vor dem Haushalt bedienen um ihr Zinsniveau zu senken, denn zahlen sie ihre Anleihen nicht zurück bekommen sie die unschöne "Default"-Bewertung, was heisst, dass niemand mehr investiert und das Land ist am Ende.

    Das Ziel des Landes ist es also den Haushalt zu kürzen. Die Frage ist dann wie schwer das ist, denn das Volk muss mitziehen und letztlich ist es das Volk das durch Proteste etc. den Bankrott auslöst (und der Bankrott heisst du verlierst all dein erspartes). Also: Wenn es möglich ist den Haushalt über Kürzungen in unkritischen Bereichen, z.B. moderate Sozialausgabenkürzungen, Kürzungen bei Bildung, Militär etc. auszugleichen, dann siehst du das als geringes Problem. Ein riesenproblem wären sind allerdings Kürzungen bei denen Menschen massiv betroffen sind, also so wie am Beispiel Griechenland: Medizinversorgung weg, Zehntausende Beamten entlassen, Arbeitslosengeld kürzen. Du siehst gerade wie unfassbar schwer es ist solche Reformen durchzusetzen. Das funktioniert auch nur deshalb weil die griechische Bevölkerung jetzt wirklich größtenteils kapiert hat, dass es 5 vor 12 ist, ihr alle Horrorszenarien mit Bankrott etc. aufgezeigt wurden. Die Gefahr dass ein Land diese Reformen nicht durchbekommt ist hoch.

    Folglich ist es für den Investor extrem wichtig wie der Haushalt beschaffen ist. Und ja, Griechenland muss nachdem der Haushalt ausgeglichen wurde das auch eine Zeit lang halten und beweisen, dass der aktuelle Haushalt zu den Einnahmen passt. Danach ist es auch für Investoren wieder attraktiv dem Land Geld zu leihen.

    Aktuell ist das Geld-Leihen an Griechenland aber eine höchst-riskante Angelegenheit, denn das Geld mit dem die Zinsen und Anleihen bedient werden zahlt das Land ja nicht selbst. Außerdem liegt ja das Thema Schuldenschnitt ganz offen in der Luft und ehrlich gesagt halte ich es für recht realistisch dass der auch irgendwann nochmal erfolgt. Ganz wichtig für die Zukunft ist jetzt nur, dass man die "5 vor 12"-Stimmung nutzt um den Haushalt zu senken. Die erforderlichen Reformen bekommt man nur durch wenn die Gefahr wirklich allgegenwärtig ist.

    Und klar, Banken leihen sich das Geld dass ggf. in Griechenland investieren zu niedrigen Zinsen. Aber letztlich bewerten die das Risiko genauso wie der Kleinanleger mit seinen 100.000, und sie haben ja auch ein ähnliches Risiko. Wenn die EU sich momentan nicht vor Griechenland stellen würde und versichern würde, dass sie dafür sorgen dass Gr seine Anleihen bedienen kann würden die Banken überhaupt nicht mehr in Gr investieren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  13. klopp <3

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    Sehe das Problem absolut nicht. Anstatt das ich einem Beamten 2500 &#8364; Gehalt im Monat zahle, zahle ich ihm danach nur noch 350 &#8364; Arbeitslosengeld. Im best case findet der Beamte sogar noch einen Job in der freien Wirtschaft. Mir ist auch klar, dass der Beamte die 2500 &#8364; (hoffentlich!) größtenteils in die Wirtschaft gegegeben hat, aber gerade braucht der Staat ein höheres Maß an Kontrolle wohin das Geld fließt um die richtigen Anreize in den richtigen Branchen zu setzen.

    Naja, wie gesagt. Durch den Abbau von Beamten spare ich mir ja u.a. das Erhöhen der Steuern.



    Der Forecast der Einnahmen ist realistisch. Die Unternehmer, die nur von Staatsaufträgen gelebt haben waren ein Teil des Problems und diejenigen, derren Dienste offenbar nicht dringend benötigt wurden und werden müssen verschwinden. Wir haben hier einen freien Wettbewerb und keine Planwirtschaft in der alles nur eine große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist.
    Ein Staat kann nicht nur aus Bauunternehmern und Beamten bestehen. Überleg mal was in Deutschland die Branchen sind, die Deutschland zu einem reichen Land machen, indem in der Wertschöpfung Wert geschaffen wird (High Tech). Dienstleister schaffen keine Werte sondern sind im Gesamtbild nur für den Kreislauf des Geldes notwendig. Das System hat in Gr erwiesenermaßen nicht funktioniert, deshalb nimmt sich der Staat die Kontrolle über die Gelder und baut die Branchen nach Bedarf neu auf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  14. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Ich würde behaupten, dass nicht die Größe der Staatsschulden eine Rolle spielt, sondern deren Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, die politische Stabilität des Staates und dessen Fähigkeit Steuern und Abgaben einzutreiben. Außerdem das mal zu Ende gedacht, untergräbt zwischenstaalicher Konkurrenzkampf um die besten Investoren nicht Demokratie (und vlt. auch Sozialstaat) bis zur Unkenntlichkeit?

    Aber ab von dieser Kleinigkeit, erscheint mir da ein grundlegender Unterschied. Mir scheint, du argumentierst, ich denke jetzt auf den ersten Blick, auch innerhalb einer Logik in sich schlüssig, und begründest aus der Warte derjenigen, die die Anleihegeber sind und aus deren Nutzenkalkül, deren Handlungsweisen technokratisch deine Argumente, was zu tun sei, damit Griechenland ein anscheinend attraktiver Standort wird. Fragen der Wirtschaftsethik, sozialer Gerechtigkeit, lässt du außen vor. Ich finde, ökonomischer Diskurs sollte, wenn es um Handlungsanleitungen geht, nicht davon abgekoppelt betrachtet werden. Ich finde ebenfalls, dass das im Ökonomiestudium an den meisten Lehreinrichtungen viel zu kurz kommt, erst recht im neuen Bachelor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  15. Schröder

    Schröder Problembär

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    Wir leben in einer globalisierten Welt, wie du richtig schreibst. Wenn der Lebensstandart nicht innerhalb einer gewissen Zeit eine zumindest annehmbare Größe erreicht, werden deine oben beschriebenen hochgebildeten jungen Arbeitslosen in Scharen ins Ausland abwandern, wo sie auch jetzt schon für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden. Fachkräfte werden überall gesucht.

    Bleiben werden diejenigen, die sich eine Flucht nicht leisten können oder auch im Ausland kaum Chancen auf einen guten Job haben. Und deine gute Bildung fällt in Zukunft weg, weil auch an Schulen und Universitäten jetzt der Rotstift regiert, Lehrer und gut ausgebildete Fachkräfte in Massen entlassen werden, die Bildung auf ein Minimum zusammen gekürzt wird. Auch hier werden die gut ausgebildeten Lehrkräfte über kurz oder lang auswandern und stünden dann für den Wiederaufbau der Schulen und Universitäten nicht mehr zur Verfügung.

    Griechenland würde auch auf dem Bildungssektor auf lange Zeit zum Sozialfall in Europa.

    Wenn du Griechenland wieder auf gesunde Füße stellen willst, musst du dafür sorgen, das auch jetzt schon zukünftige Leistungsträger im Land gehalten werden können. Das geht über eine auch kurzfristig gute Zukunftsperspektive. Die ist in Griechenland im Moment aber überhaupt nicht gegeben, wenn du Griechenland erstmal kaputtsparen und dann in ein paar Jahren da investieren willst.

    Die Leute brauchen jetzt ewas zu Essen, ´n Dach über´m Kopf und eine vernünftige medizinische Versorgung. All das wird zur Zeit komplett gegen die Wand gefahren. Viele junge Menschen auch mit kleinen Kindern sind völlig aus der Gesundheitsversorgung rausgefallen und können sich eine private Vorsorge nicht leisten. Die werden aber für den Wiederaufbau später dringend benötigt. Nur: Was sollte also junge Leute und Familien in diesem Land halten, in dem ihre Kinder sterben, weil sie nicht krankenversichert sind? Und selbst wenn sie noch krankenversichert sind, ist der Standart der griechischen Krankenhäuser zur Zeit kaum höher als in den Entwicklungsländern, weil auch hier das europäische Spardiktat das Zepter übernommen hat. Auf Dauer werden die Gerätschaften veralten, und für neue ist kein Geld da. Außerdem stehen immer weniger medizinischen Einrichtungen (und Ärzten, denn auch auf dem Gesundheitssektor werden haufenweise Stellen abgebaut, die übrigen schieben dafür kaum zumutbare Schichten und sind deshalb auf Arbeit einerseits teils völlig übermüdet und andererseits völlig unterbezahlt) inzwischen immer mehr Patienten gegenüber, da auch Zukunftsängste (psychisch) und unzureichende bzw. einseitige Ernährung (physisch) krank machen.

    Höhere Steuern werden es auch eher nicht sein, die zum Bleiben überreden...
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  16. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    griechenland hat sicher mehr steuer- und korruptionssünder als spanien und portugal.
    wenn die jetzt mal zur kasse gebeten würden, müssten die "kleinen" nicht bluten.
     
  17. Schröder

    Schröder Problembär

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    Die Einnahmenplanung ist also realistisch. :D ungefähr so realistisch wie der Plan, das die Griechen von ihrem zusammengekürzten Geld dann staatliche Lotterielose kaufen sollen, wo doch selbst die Auszahlung der möglichen Gewinne wegen des drohenden Staatsbankrotts alles andere als gesichert ist. Hat ja auch bestens funktioniert. ;)
    Und der Staat nimmt sich auch nicht die Kontrolle über das Geld, weil keins da ist. Das durch die Massenentlassungen eingesparte Geld würde nach deinem Plan der ausgeglichenen Finanzen komplett in die Schuldentilgung gehen, um die Zinsausgaben zu senken. Da werden keine neuen Branchen nach Bedarf neu aufgebaut, weil das ja wieder Geld kosten würde und damit neue Schulden entstehen.

    Übrigens: Unterbezahlte Beamte sind leichter anfällig für Korruption. Und die hat den Staat doch erst in die Krise gebracht...
    Wo erstmal Schmiergelder fließen müssen, bevor eine Genehmigung erteilt wird, wird der Neuaufbau extrem schwierig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  18. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Hatte heute morgen nicht so viel Zeit mich eingehender mit den Posts auseinander zu setzen, was dafür andere getan haben. :) Aber wenn es un stabile Staatsfinanzen geht, gibt es auch die Möglichkeit verschiedene Steuern zu erhöhen, die gar nicht so richtig weh tun, wie Vermögens- Kapitalertrags- oder Finanztransaktionssteuer zu erheben. Natürlich nicht nur in einem Land. Das spült, wenn moderat durchgeführt, Geld in die Staatskassen und erhöht das Vertrauen der Investoren, oder nicht?
     
  19. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Müsste der Thread nach fast 1000 Post und 1,5 Jahren nicht eigentlich "In Griechenland brennt noch Licht" heisst? :gruebel:
     
  20. Schröder

    Schröder Problembär

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    Wenn sich alle Staaten einig würden, hätten wir solche Probleme gar nicht. Lt. Avaaz.org gehen den Staaten durch Steuerflucht in sog. Steueroasen und Steuerhinterziehung jedes Jahr 1 Billion &#8364; verloren. Das ist ca. 2 1/2 mal soviel wie der gesamte Europäische Rettungsschirm und würde ausreichen, um z. B. die Militäretats aller Länder der Erde zu decken. Wohlgemerkt, das wären nur Zusatzeinnahmen, 1 Billion jährlich.

    Nun sind natürlich beim jetzigen Modell einige Staaten mit schwacher Infrastruktur darauf angewiesen, mit Dumpingsteuern Unternehmen ins Land zu locken. Da würde eine Angleichung der Steuern kurzfristig dafür sorgen, das die Unternehmen diesen Ländern den Rücken kehren. Mittelfristig könnte man mit dieser Billion aber über einen Verteilungsschlüssel diesen Ländern soviel Geld zur Verfügung stellen, das diese ihre Infrastruktur dauerhaft modernisieren können, und so die Unternehmen wieder ins Land holen könnten. Außerdem schaffen diese Modernisierungsmaßnahmen wieder Arbeitsplätze, die zunächst komplett aus dem Hilfsfonds bezahlt werden könnten, langfristig aber im jeweiligen Land zu eigenen Steuereinnahmen führen. Griechenland z. B. wär so wohl innerhalb von 2 Jahren komplett zu sanieren. Von der Möglichkeit, mit dem Geld weltweit das Bildungsniveau zu erhöhen, in Technik und Forschung zu investieren und so auch den Klima- und Umweltschutz ebenso voranzutreiben wie die globale medizinische Versorgung (es sterben immer noch Kinder, weil sie keinen Zugang zu einem Impfserum im Wert von vielleicht 1,50 &#8364; haben) will ich da noch gar nicht reden.

    Irgendwann könnte man die Steuern dann global wieder senken, sobald eine gemeinschaftliche weltweite Verbesserung und Anpassung eingetreten ist.

    Aber eine solche globale Steuerpolitik scheint nicht gewollt. Von der mächtigen Industrie, die von solchen Steuervermeidungsmöglichkeiten profitiert ebensowenig wie von den Industriestaaten, die um ihre Vormachtstellung fürchten müssten. Und auch die Banken, die an die dann finanziell gut gestellten Staaten keine Kredite mehr verkaufen könnten, wären sicher not amused. Und denen dienen die Politiker im Zweifel doch eher als der Bevölkerung...

    Da bezahlt man doch lieber deren Staatsschulden bei den Banken, kürzt die Versorgung der einfachen Bürger und stellt sich dann noch als großer Samariter dar.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Juli 2013
  21. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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  22. Holgy

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    Sparen verhinder einen Aufschwung, daher muss nachgelegt werden: Schäuble kündigt neue Griechenland-Hilfen an | tagesschau.de Und das mitten im Wahlkampf.
     
  23. theog

    theog Guest

    Er denkt an die vielen griechischen Wähler in D...:zahnluec:
     
  24. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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  25. derblondeengel

    derblondeengel master of desaster

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  26. André

    André Foren-Capo Administrator

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  27. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Ich schreib es mal hier rein, weil es mit der Austeritätspolitik zusammen hängt: Das Demonstrationsrecht in Spanien wird indirekt eingeschränkt. http://www.taz.de/!127845/
     
  28. theog

    theog Guest

    :nene:Unglaublich was ich heute in der griechischen Zeitung beim Kaffeetrinken gelesen habe, unglaublich :nene:

    der ex-Minister, Achtung! Verkehrsminister ! (M. Liapis) , wurde verhaftet (am Do gehts zum Richter) weil er unversichertes gaga-Auto mit (!) falschen (!) Kennzeichen fuhr...Und wie wurde er geschnappt? Er hat STOP-Schild missachtet, wohl wissend dass nebenbei Polizei stand...:lachweg:


    EDIT: Der Link, allerdings nur auf griechisch --> http://www.tovima.gr/society/article/?aid=549777

    EDIT2: Es gibt auch die englische Version --> http://www.tovima.gr/en/article/?aid=549787
     
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  29. theog

    theog Guest

  30. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    das siehst du völlich richtich!
    wir in D sind schließlich die guten! :engel2:
     
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  31. Schröder

    Schröder Problembär

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    Ein Verkehrsminister mit falschem Kennzeichen? Ist ja fast wie ein Verteidigungsminister, der nie beim Bund war. :D
     
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