Griechenland: Die Lichter gehen aus...

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von theog, 9 Februar 2012.

  1. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    genau! und das land unter den gläubigern verteilen!
     
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  3. Schröder

    Schröder Problembär

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    Wenn die damit auch alle sozialen und wirtschaftlichen Verpflichtungen übernehmen müssten, würde das selbst die Gläubiger innerhalb kürzester Zeit ruinieren.
     
  4. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Glaubt Ihr, dass es eigentlich auch ungläubige Gläubiger gibt oder sind die alle gläubig? :gruebel:
     
  5. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Solange ich nix zurückzahlen muss, gerne. ;)
     
  6. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Mir Latte, Du zahlst halt fröhlich Deine Zinsen und Zinseszinsen; nach 15, 20 Jahren würdest Du Dir wünschen doch lieber gleich die geliehene Summe zurückgezahlt zu haben als die Zinslast zu tragen :D
     
  7. Schröder

    Schröder Problembär

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    is doch egal. Wer jetzt Geld an Länder südlich der Alpen verleiht, is eh von allen guten Geistern verlassen. :ironie: ;)
     
  8. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Nehm ich halt für jeden Euro, den ich Dir zurückzahle einen neuen Kredit bei Dir auf. ;)

    Kack doch was drauf, wenn der Schuldenstand irgendwann in die Quadrillionen geht. Effektiv hab ich nix gezahlt. ;)
     
  9. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Nun basiert aber Wirtschaftswachstum doch auf der Basis von Schulden (Investitionen, auch in Innovationen), Kapitalakkumulation und Steigerungen der Produktivität/Senkung der effektiven Arbeits- und Kapitalkosten. Und da sollten doch Politiker aller Parteien ehrlich sein und sagen, dass wenn sie Wirtschafswachstum sagen, dass das damit auch einher geht. Mir erscheint nämlich dieses wir brauchen Wirtschaftswachstum aber nicht auf Pump und ohne neue Schuldenaufnahme als vergleichsweise hohle Phrase. Es sei denn ich habe irgendetwas falsch verstanden. Und ein anderes Problem ist, wenn der Staat oder die UN ihre Ausgaben in den unproduktiveren Bereichen senken, dass dann die betroffenen Personengruppen an Kaufkraft verlieren und sowohl Staat als auch UN Einnahmeverluste dadurch erleiden, die Wirtschaftsleistung sinkt, überschüssiges Kapital wird abgeschrieben; und ab einer gewissen Grenze sogar soziale Unruhen herauf provozieren.
     
  10. Schröder

    Schröder Problembär

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    Wenn mit der Schuldenneuaufnahme wirklich das Wirtschaftswachstum angekurbelt wird, sollte es später ja einmal dazu dienen, mit den Steuer-Mehreinnahmen die Schulden wieder abzutragen (oder zumindest die Zinsen abzudecken). Aber dazu muss es entsprechende Einnahmen im Sinne von Steuern etc. abwerfen.

    Eine Gesellschaft muss sich halt fragen, was und wieviel an Sozialaufwendungen sie finanzieren kann und will und wo das Geld herkommen soll. Wer z. B. billig Schwimmbad- oder Theaterbesuche für alle anbieten will, muss das halt über Steuern und Abgaben der Wohlhabenderen anderweitig finanzieren. Oder die Eintrittspreise so hoch ansetzen, das es sich von selber trägt. Können sich dann halt nicht mehr alle leisten.

    Natürlich verlieren Staat bzw. UN Einnahmen durch sinkende Kaufkraft, wenn bei unproduktiven Bereichen Gelder eingespart werden, allerdings stehen diese Einnahmen wohl in keinem angleichenenden Maße zu den Ausgaben, die man sonst einsparen könnte. Aber das ist kein Problem, wenn die Ausgaben in produktive Bereiche soviel Gewinn abwerfen, um die unproduktiven mitfinanzieren zu können.

    Was man sich eben gar nicht leisten kann, ist Geld zu leihen, um seine Sozialausgaben zu decken. Sonst wird der Sozialhaushalt irgendwann zum Großteil für Zinsen draufgehen. Und dann müssen die Sozialleistungen gekürzt werden, Unruhen hin oder her. Oder die Steuern werden erhöht, um die Zinsausgaben zu decken. Aber das geht eben auch nur bis zu einem gewissen Maße, wie du richtig festgestellt hast. Denn bei den produktiven Ausgaben kann man nicht viel sparen, um nicht die Einnahmenseite weiter zu schwächen und zukünftig nochmehr Schulden aufnehmen zu müssen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 August 2012
  11. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Es ist natürlich leicht wie schwer nach der Gerechtigkeit zu rufen, da Gerechtigkeit kein objektiv klar definierter und abgegrenzter Begriff ist. So sehr wie das unter dem Gesichtspunkt der Zahlungsfähigkeit und der Wettbewerbsfähigkeit mit den anderen Volkswirtschaften technokratisch verständlich und nachvollziehbar ist, Geld in die produktiven Bereiche zu bringen und die unproduktiven zu vernachlässigen, als auch dort zu besteuern, wo es die geringsten Umgehungsreaktionen gibt, sind da auch kritische Punkte zu nennen.

    Denn zum einen sind die unproduktiven Bereiche nicht maßgeblich diejenigen, die die Krise zu verantworten haben, aber nun schultern sollen. Die Staatsverschuldung mit der Zahlungsfähigkeit stand vor der Krise durch die Immobilienblase und steht z.T. auch noch in vielen europäischen Ländern im Vergleich zur Wirtschaftsleistung vertretbar dar, auch in einigen Krisenländern. Die hohen Zinsen werden ja nicht nur durch die objektiven Fakten und Zahlen bestimmt, sondern durch Spekulation über das Handeln der politischen und anderen wirtschaftlichen Akteure.
    Zum anderen, weshalb für Geld, dass erst geschaffen wird, Zinsen zu zahlen sind, in der Höhe, dass ein Staat sie gar nicht mehr bewältigen kann (Schuldenfalle), während die EZB günstig Kredite vergibt, und sich ein Land damit ständig eines Teiles seiner Produktivleistung und seines materiellen Wohlstands selbst beraubt. Dann sind die produktiven Bereiche der Wirtschaft nicht unbedingt die sozial oder ethisch verträglichen. Die staatliche Förderung und Subvention von Industrien, Wirtschaften und Branchen bezieht sich dann auf die Bereiche, die über die Dauer der Laufzeit der Anleihe, den höchsten finanziellen Rückfluss an den Staat versprechen, auch wenn das bspw. zu Lasten der Umwelt, nachfolgender Generationen oder der Lebensqualität der Allgemeinheit ist. Nahrungsspekulation ist nur ein solcher Bereich, auch wenn dieser von Investmentbanken betrieben wird. Zuletzt ist es natürlich auch sehr eingeschränkt und materiell, die Verwendung der materiellen finanziellen Mittel auf den Produktivitäts- oder Renditeaspekt zu reduzieren, aber das ist systembedingt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11 August 2012
  12. Schröder

    Schröder Problembär

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    Es geht nicht darum die "unproduktiven" Bereiche zugunsten der produktiven zu vernachlässigen. Es muss nur ein Ausgleich her. Die Produktiven müssen soviel Gewinn abwerfen, um die anderen finanzieren zu können.

    Und eine Staatsverschuldung, die den Haushalt bei der geringsten Zinserhöhung zusammenbrechen lässt, ist in keinem Fall vertretbar.

    Zum anderen ist es für den Gläubiger egal, ob der Schuldner mit dem Geld früher oder später oder vielleicht gar nicht die Schuldentilgung finanzieren kann. Er hat Geld verliehen und damit einen berechtigten Anspruch auf Rückzahlung mitsamt Zinsen, und zwar vom Zeitpunkt der Leihe an. Der Rest liegt weder in seiner Verantwortung noch seiner Machbarkeit. Es ist allein Sache des Schuldners, für die Rückzahlung des geliehenen Geldes zu sorgen.
     
  13. DeWollä

    DeWollä Real Life Junkie

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    leihen wir den Griechen das Geld (Rettungsfond usw.) oder ist das eine Summe, die vorab schon abgeschrieben wurde? Oder ein Geschenk?
     
  14. Schröder

    Schröder Problembär

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    Das Geld wird geliehen und dann abgeschrieben bzw. irgendwann per Schuldenschnitt erlassen.
     
  15. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Es geht ja hier nicht um geringe Zinsen, sondern um 6, 7 Prozent. Ob der Gläubiger einen rechtmäßigen Anspruch auf Rückzahlung hat, hängt meines Erachtens davon ab, ob beide Parteien in einer freien Übereinkunft, die auf einem oligpolisierten Markt beschränkt ist, diesen Vertrag geschlossen haben und der Wähler als Souverän die Möglichkeit hat Informationsdefizite zu seinem Agenten auszugleichen. Ein Beispiel wie es eben nicht laufen sollte, ist der EnBW-Deal von Mappus und dessen Berater.
    Mir geht es aber nicht um rechtmäßigen Anspruch des Gläubigers, sondern um immanente Fehlanreize, Fehlallokationen und ein Gerechtigkeitsdefizit.
     
  16. Schröder

    Schröder Problembär

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    Wie frei kann die Übereinkunft schon sein, wenn der Schuldner das Geld zum Überleben braucht? Es geht hier ja nicht darum, ob sich nun jemand eine neues Auto kaufen möchte, auf das er zur Not auch verzichten kann, und sich dann den günstigsten Kredit raussucht. Wenn Griechenland ein verlässlicher Rückzahler wäre, wären die Zinsen nicht so hoch und die möglichen Kreditgeber würden Schlange stehen.
    Aber das alles liegt eben nicht in der Verantwortung des Gläubigers. Ebensowenig die "Fehlallokationen" des Schuldners.

    Und 6-7 % sind nun nicht besonders viel, wenn man das Ausfallrisiko bedenkt. Geh du mal mit einer derartigen "Bilanz" wie sie Griechenland aufzuweisen hat, zur Bank und verlange ständig neue Kredite, um die alten abzulösen, und weitere neue Kredite für unproduktive Ausgaben. Wenn du überhaupt einen bekommst, dann wohl eher zu 2-stelligen Zinskonditionen.

    Das der Mappus-Deal mit EnBW ein Skandal ist, dürfte keiner bestreiten. Ebensowenig, das die Wähler bessere Kontrollmöglichkeiten haben sollten, was mit ihren Steuern passiert. Aber auch dafür bräucht´s Gesetze und Verordnungen, die wiederum nicht in der Hand der Banken und Investoren liegen. Von daher sehe ich auch hier keinen Grund, warum die keinen Anspruch auf Rückzahlung der geliehenen Gelder haben sollten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 August 2012
  17. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Die 6-7 oder mehr Prozent gelten für Länder wie Spanien und Italien. Erhält Griechenland überhaupt noch Geld/Kredite vom Kapitalmarkt? Weshalb haben die USA ein noch so gutes Rating, obwohl sie über beide Ohren verschuldet sind? Was ist dort anders?

    Die Allokation und Verwendung von Mitteln liegt nur in begrenztem Maße in der Entscheidungskraft der politischen Akteure.

    Und die Spekulation auf den Bankrott einzelner Euro-Staaten oder der Euro-Zone wird so lange weiter gehen, wie man daran Geld verdienen kann. Kürzungsmaßnahmen lösen die "Unruhe auf den Finanzmärkten" wie man sieht nicht auf, sondern sorgen mit dem Mechanismus, dass Geld auf Schuld basiert, dafür, dass die soziale Schere weiter auseinander gehen wird und die Demokratie zu einer Fassade degeneriert. Wobei Ang. Merkel und weite Teile der Koalition wohl eh den Interessen der Deutschen Bank hörig ist. Deutschland, die jetzige Koalition, wehrt sich gegen ein Gesetz/Abkommen zur besseren Transparenz lobbyistischer Tätigkeiten in Berlin und höhere Anti-Korruptionsstandards.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 August 2012
  18. Schröder

    Schröder Problembär

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    1. Auch Spaniens Neuverschuldung wird bei einer Arbeitslosigkeit von 25 % (von den Jüngeren, die eigentlich jetzt ausgebildet werden müssten, ist bald jeder 2. Arbeitslos) eher höher steigen als bis jetzt schon.

    2. Die liegt schon noch zum Großteil in der Entscheidungskraft der politischen Akteure, ist nur die Frage, inwieweit sie sich diese Entscheidungskraft von den Lobbyisten mit gutbezahlten Posten in div. Aufsichtsräten etc. "abkaufen" lassen.

    3. Diese Spekulationsgeschäfte wären keinen Cent mehr wert, wenn endlich die Neuverschuldung gestoppt werden könnte. Einem wirklich souveränen Staat bzw. einer Staatengemeinschaft, der/die sich selbst finanziert, kann das dann nichts mehr anhaben. Nur wer permanent auf Gelder von Außen angewiesen ist, wird nie diese Souveränität erreichen, sondern immer vom Wohlwollen seiner Geldgeber abhängig sein. Das diese "Wohlwollen" nicht umsonst ist, dürfte klar sein. Die Banken und Spekulanten sind ja keine Wohlfahrtsinstitute, sondern die wollen damit Geld verdienen.

    4. Ein Ende der Neuverschuldung dürfte dann auch die Aushöhlung der Demokratie beenden. Und die sozialen Ungerechtigkeiten auszugleichen obliegt wieder einer gerechteren Steuer- und Verteilungspolitik. Wenn unten "viel" verteilen werden soll, muss oben viel abschröpft werden, um das leisten zu können. Wenn man es nur über Neuverschuldung regeln will, werden einen die steigenden Zinsen und Abhängigkeiten irgendwann in den Ruin treiben. Mit den Konsequenzen, die jetzt die Griechen erleiden müssen.

    5. Siehe 2.
     
  19. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Er sprach aber nicht von Spanien sondern von den USA.
     
  20. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Schaut man auf die Langlebigkeit dieses Threads müssen die Griechenland über Superdimmer verfügen.
     
  21. Schröder

    Schröder Problembär

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    Die Schulden der USA sind hier aber eigentlich nicht das Thema. Wir sollten angesichts unseres Exports noch froh sein, das die USA relativ billig an Geld kommt. Ansonsten liegt´s wohl daran, dass viele Finanzgeschäfte eben im amerikanischen Raum abgewickelt werden. Nicht umsonst haben die einflussreichsten Ratingagenturen dort ihren Sitz.

    Könnte den Europäern aber egal sein, wenn wir nicht dauernd neue Kredite bräuchten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 August 2012
  22. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Eine Netto-Neuverschuldung von 0 ist reizvoll, aber wie soll das aus der gegenwärtigen Lage ohne Reset erreicht werden, wenn man sich nichtmal auf Euroebene auf wirkungsvolle Maßnahmen verständigen kann und stattdessen propagiert, das Vertrauen der Kapitalgeber wieder herzustellen, was aber nicht gelingt?
    Zur politischen Entscheidungskraft gehst du normativ heran, wie es auf dem Papier sein und funktionieren sollte. Nur wo Geld, Spenden, Posten und Mitsprache zählen, ist Korrumpierbarkeit gegeben. Mit Springer will sich auch kein machtinteressierter Politiker anlegen. Außerdem gehe ich davon aus, dass ein Gros der politisch Verantwortlichen sich in ihren Entscheidungen auf Beratungen und Expertisen von Experten stützt, die jedoch wiederum durch eigene Interessen und ideologische Eingenommenheit, mit gestützt durch die Lehre an Hochschulen, geprägt sind. Außerdem möchten sich die Finanzmarktexperten ihr Brot, dass sie bei Finanzdienstleistern verdienen oder verdienen können, nicht selbst beschneiden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 August 2012
  23. Schröder

    Schröder Problembär

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    1. Selbst MIT diesem Reset wären wir nicht bei 0, das ist doch das Dilemma. Sonst könnte man diesen "Reset" ja durchführen, wenn man dann anschließend auf die Gläubiger nicht mehr angewiesen wäre. Solange aber selbst wenn man Schuldenabtrag und Zinsen mal außen vor lässt weiter fleißig neue Schulden nur mit dem "operativen Geschäft " gemacht werden, muss man sich mit den Geldgebern halt gut stellen und weiter seine Raten zahlen, ob man sich das nun leisten kann oder soziale Einschnitte machen muss hin oder her, das interessiert die Gläubiger (zurecht) nicht. Sonst fließt nämlich irgendwann kein Geld mehr.

    2. Dann geht´s uns wohl noch zu gut mit dem derzeitigen System. Sonst müssten all die unzufriedenen halt ´ne neue Partei gründen und sich nicht nur gegen Korruption und Lobbyismus aussprechen, sondern das auch durchziehen. Angefangen damit, das Berufspolitiker, die wie Vollzeitkräfte bezahlten werden, keine weiteren Arbeit- / Geldgeber haben dürfen.
     
  24. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    1. Die Gläubiger sollte das aber schon interessieren. Dass es sie nicht interessiert, ist nachvollziehbar, aber nicht unbedingt rechtens,finde ich. Wenn ich Eigentumsbesitzer eines Stück Ackerfläche bin - oder des Geldes, dass nötig ist, um diese Ackerfläche wirtschaftlich zu nutzen - dass ich an mittellose verpachte und mir Anteile aus deren Bewirtschaftung zukommen lasse und dann merke, dass sie die Zinsen nicht mehr bezahlen können, zu sagen, dass sie eben enthaltsamer leben sollen und dass eine Mahlzeit am Tag eben ausreicht, wenn sie nicht produktiver wirtschaften und ich andernfalls den Pachtvertrag einseitig aufkündige, da ich an ihrer Arbeit nicht mehr verdienen kann und sie dann hungern, ist das rechtlich in Ordnung, moralisch aber fragwürdig.

    2. illusionär. Ja, ich bilde mir ein, dass die breite Masse weitgehend politisch desiniteressiert ist, keinen Draht zu derartigen grundlegend strukturellen Problematiken hat und ihre Wahlentscheidung nicht aus solchen Erwägungen treffen wird, sondern aus mediengeprägten Bildern von Personen, nationalitäts- und ichorientierten Motiven heraus und sich mit Hilfe einfacher Erklärungen behilft, die über Medien transportiert werden. Vielen in Deutschland geht es gut, aber auch ein Teil von ihnen ist vom sozialen Abstieg bedroht. Verdrängt wird aber gerne, dass man auf Kosten der Lebensgrundlagen der dritten Welt, zukünftiger Generationen und seiner eigenen Kinder lebt und es auf Dauer nicht mehr so weitergehen wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 August 2012
  25. Schröder

    Schröder Problembär

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    Deswegen habe ich das "zurecht" auch in Klammern gesetzt. Es gibt aber 2 Unterschiede zu deinem Grundstücksverpächter:
    A: Der handelt komplett auf eigene Rechnung. Der Bankenvorstand wird aber auf der Hauptversammlung von den Aktionären entlastet, die halt in 1. Linie ihre Rendite interessiert. Fällt die zu niedrig oder gar ganz aus, weil die Entscheidungsträger aus "rein humanitären Gründen" auf der Bank zustehende Gelder verzichten, kann diese Versammlung ihm die Entlastung verweigern, ihn sogar rechtlich belangen, weil er wissentlich Entscheidungen getroffen hat, die der Bank schaden - und nichts anderes ist ein freiwilliger und rechtlich nicht notwendiger Forderungsverzicht (vor allem in der anstehenden Größenordnung). Menschen tauchen außer als Kostenfaktor halt in keiner Bilanz auf, das hat sich mit Ende der Sklaverei gottseidank erledigt.

    B: Das verpachtete Land gehört weiterhin dem Verpächter. Wer Geld verleiht und bekommt nix zurück, weil der Schuldner nicht zahlen kann, hat alles verloren.

    2. Dann, sag ich mal, haben wir´s auch nicht besser verdient. Aber um genau die Konsequenzen aus deinem letzten Satz zu verhindern bin ich ja für einen Schuldenstop.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14 August 2012
  26. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Stimmt schon, die Realität heute ist etwas komplexer und ein Manager hat auch nur einen begrenzten Handlungsspielraum. Allerdings werden Kredite auch nicht ohne Sicherheiten vergeben. Bei den Immobilienkrediten wurden beispielsweise die Häuser gepfändet und im Falle Griechenland wird, mehr oder weniger ernsthaft, diskutiert, ob Griechenland als Gegenleistung ein paar Inseln oder die Akropolis verscherbelt.

    Ich meine, dass wir vom BIP abkehren müssen und andere Wohlstandsindikatoren und Maßstäbe für die Wirtschaft benötigen. Es gibt da ja schon einige entwickelte Kriterien, die allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch deutlich hinter dem BIP zurückstehen. Außerdem sollte staatlicherseits bestmöglich reglementiert oder Anreize gesetzt werden, dass nicht private Profite zu Lasten der Umwelt und der Allgemeinheit gehen (Gewinne privatisieren, Verluste vergemeinschaften). Man kann natürlich noch einiges mehr aufzählen. Aus meiner Sicht halte ich es für überlegenswert, Staatsfinanzierung direkt über eine öffentlich-rechtliche Bank zu gestalten, die dann andere Ziele als private Banken verfolgt, ohne dass der Staat direkt die Notenpresse anwerfen kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14 August 2012
  27. Schröder

    Schröder Problembär

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    Inseln zu verkaufen wäre natürlich ´ne Möglichkeit für Griechenland. Gibt ja jede Menge unbewohnte.
    Liste von unbewohnten Inseln und Inselgruppen (Atlantischer Ozean)

    Frage, wer die kaufen soll, die dürften alle kaum erschlossen sein (Strom etc.). Die Akropolis als griechisches Wahrzeichen zu verschachern wird schon schwieriger. Außerdem dürfte sie ´ne gute Einnahmequelle sein, die dann in den nächsten Etats fehlt.

    Die Abkehr vom BIP als Wohlstandsindikator klingt gut, das kannste für dich persönlich natürlich selbst festlegen. Fakt bleibt doch aber: Wer investiert will früher oder später in irgendeiner Form Rendite sehen. Umsonst gibt´s nix. Die Idee der Finanzierung über eine Staatsbank - wie soll das laufen? Der Staat gibt sich selbst Kredite, die er nicht zurückzahlen muss, und am Ende wird die Bank als "Bad Bank" abgewickelt? Dann kannste auch die Druckerpresse anwerfen. Oder soll diese Bank sich das Geld dann wieder von "normalen Banken" leihen (was ja nichts ändern würde)?
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 August 2012
  28. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Griechenland braucht das Geld ja jetzt und für die Akropolis ließe sich ziemlich sicher ein guter Preis finden. Sind ja auch andere Geschäftsmodelle als ein Verkauf denkbar.

    Öffentlich-rechtliche Banken wie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, über die sich viele Kommunen finanzieren. Direkte Finanzierung über die Zentralbank ohne den Umweg der privaten Geschäfts- und Investmentbanken. Man muss natürlich schauen, wie die Entscheidungsbefugnisse und -rechte bei den Banken, der staatliche Einfluss und die Geschäftstätigkeit der Banken rechtlich reglementiert sind, so dass man am Ende nicht wieder die Landesbanken retten muss.
    Es ist natürlich überlegenswert, wie man die Kreditvergabe mit Auflagen an den staatlichen Kreditnehmer koppelt. Ein weiterer Schritt wäre eine abgestimmte Fiskal- und Lohnpolitik (Fiskalunion) in den Euro-Ländern. Wurde auf den Weg gebracht, um die konkrete Ausgestaltung kann man allerdings streiten.

    Geldpolitik: Heiner Flassbeck - Direkte Staatshilfe macht's billiger | FTD.de
    Hilfe für Griechenland: "Das Krisenmanagement ist katastrophal" | tagesschau.de
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 August 2012
  29. Schröder

    Schröder Problembär

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    Nun, auch die Genossenschaftsbanken und Sparkassen müssen refinanziert werden. Irgendjemand zahlt halt immer.

    Natürlich wäre es billiger, die Staatshilfe direkt von der EZB zu zahlen. Aber dann trägt auch die EZB das Risiko, das es bei der Rückforderung an die Schuldnerstaaten zu Ausfällen kommt. Dieses Risiko tragen jetzt die Geschäftsbanken.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 August 2012
  30. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Das irgendjemand zahlt ist schon klar, die Frage ist, in welcher Art und Weise sich daraus dessen Mitspracherechte ausgestalten.

    Das Risiko, aber auch die Gewinne, Renditen und Profite. Und das mitverzinste Risiko tragen sie momentan ja auch nur vollständig, solange sie nicht als systemrelevant gelten.
     
  31. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    So ist das v.a., wenn man einen Spezl-Wirtschaftsstaat der Extra-Klasse aufbaut und damit das eigentliche Bürgertum und den wirtschaftlichen Mittelstand auslöscht.

    Jetzt schlagen dann die auferzwungenen Sparmaßnahmen zu und verschärfen das ganze, bzw. beschleunigen was auch ohne sie gekommen wäre.