Fidel Castro: Kubas System funktioniert nicht

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Holgy, 9 September 2010.

  1. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Warum schwarz-weiß?

    Dass Castro an die Macht kam, lag in großen Teilen darin begründet, dass einige wenige kubanische Großfamilien mit Hilfe der großzügigen Unterstützung der USA und dem kubanischen Diktator Batista, der auch massiv von Kräften aus den USA gestützt wurde, die dort immer noch Sonderrechte besassen, die Wirtschaft kontrollierten und für's normale "Fußvolk" nichts übrig blieb.
    Es kam ja nicht von ungefähr, dass genau etliche dieser Familien dann nach 1959 auch Zuflucht in den USA fanden.

    Von daher bezweifle ich ganz stark, dass eine komplette Hinwendung zu US-Konzernen, nach dem Motto "Bitte, nehmt Euch was Ihr wollt, Hauptsache Ihr bringt Geld ins Land" der kubanischen Bevölkerung allzu gut tut. Es wäre eben nichts anderes als der Ausverkauf eines Landes zum Vorteil einiger Weniger.

    Schwarz-weiß ist da erstmal also gar nichts; das ist schlicht ein Blick auf die Geschichte - aus der man auch lernen kann und soll.
     
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  3. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    Kubas Situation kann man nicht 1:1 am US-Embargo festmachen.

    Wieso kehren wohl alle Staaten außer Nordkorea und neuerdings Venezuela von der Zentralplanwirtschaft ab? - Weils nicht richtig funktioniert, erstrecht nicht in einer globalisierten Welt. Selbst China ist inzwischen eine staatlich-gelenkte Marktwirtschaft. Neuestes Beispiel: Vietnam.

    Apropos Isolation:
    Gegen den Iran gibt es auch seit 30 Jahren ein US-Embargo. Trotzdem geht es denen nicht annährend beschissen wie den Kubanern. Gut, die haben Öl+Gas, im Gegensatz Kuba. Andererseits müssen die auch finanzieren x-mal mehr finanzieren. Iran hat es trotz Embargo geschafft, eine beachtliche Industrie aufzubauen (z.B. Eigenproduktion von Autos und diversen Militärmaterial inkl. Flugzeugen).
     
  4. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Doch, die Fernseher, in denen von Batistas Sturz 1959 berichtet wurde. :undweg:

    @Markus: in den vergleichbaren kapitalistischen Ländern der Region geht es den Leuten aber auch nicht besser als in Kuba - und das ganz ohne Embargo.
     
  5. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Eben. Und freundlich gesinnte Staaten die ebenfalls Öl haben und denen das Embargo der USA und der EU scheißegal ist hat der iran auch. (Aus ähnlichen Gründen war Kuba der Boykott vor 1989 auch scheißegal.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 September 2010
  6. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Sagt ja kein Mensch, dass Plan- und Zentralwirtschaft für blühende Landschaften sorgen, im Gegenteil. Nur wird ein Aufkauf Kubas durch Barcardi und ExxonMobile (ich hab ganz willkürlich zwei Namen genannt ohne großen wirtschaftlichen Sinn dahinter zu ergründen) nicht dafür sorgen, dass allgemeiner Wohlstand in Havana ausbricht.

    Der entscheidende Grund, der für die Entwicklung des Iran spricht, ist ausserdem in meinen Augen: Der Iran hat eben Öl und Kuba nicht - wie Du schon sagtest.
     
  7. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Denen geht es deutlich schlechter.

    "Kubas eigenständiger sozialistischer Weg wird nicht nur von den Völkern der Region, sondern auch von ausländischen Fachleuten als Vorbild angesehen. So stuft das Global Footprint Network seit Jahren Kuba als einziges Land als "zukunftsfähig" ein, weil es sozial und ökologisch viel erreicht hat - mehr als kapitalistische Staaten. Auch die UN erkennen Kubas soziale, ökologische, kulturelle und politische Errungenschaften an. Doch im Westen wird das ignoriert, es würde ja eine Systemalternative stärken."

    Zitat aus oben angebener Quelle.
     
  8. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Ganz nebenbei: dem Iran geht es inzwischen auch ganz schön beschissen.

    Wirtschaftskrise im Iran: Sogar die Erdgasförderung lahmt | tagesschau.de

    @Holgy: kleine Anekdote aus der DomRep. Auf den Weiden dort sah man viele gesunde Kühe, aber auf den Märkten war das Rindfleisch nahezu ungeniessbar, praktisch nur Reste. Die Erklärung war ganz einfach: der überwiegende Teil der Rindviehwirtschaft dient dem Export in die USA - da lassen sich eben bessere Preise erzielen...
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 September 2010
  9. osito

    osito Titelaspirant

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    Mag ein Grund sein. Ein anderer ist das man Kuba mit dem Iran schon wegen der oertlichen Naehe Iran's mit Ihren Glaubensbruedern nicht vergleichen kann. Waehrend Kuba schon zu Sowjetzeiten immer eine Logistische Herausforderung fuer den Ostblock war. Wird Iran immer leicht zubewaeltigente und nicht immer nachweisbare Unterstuetzung von Ihren " treuen " Freunden erhalten.
     
  10. Untouchable

    Untouchable Well-Known Member

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    Dominikanische Republik?

    Es geht nahezu allen besser als den Kubanern. Fehlt nur noch ein Erdbeben...

    Keiner von uns sieht wie schlecht es den Leuten da wirklich geht. Ein Kumpel von mir ist aus Kuba geflohen. Und wenn er anfängt von Kuba zu erzählen kann einem das Blut in den Adern gefrieren. Es gibt viele gute Ansätze, allerdings wird nahezu nichts umgesetzt, die Korruption ist einfach nicht wegzureden mit schönen Ideen vom Sozialismus und das Elend der Bevölkerung schon zweimal nicht. Es werden dort Frauen in Kerkern als Zwangsprostituierte gefangen gehalten. Es herrscht eine gnadenlose Zensur, den Leuten wird erzählt allen anderen (Staaten) gehe es viel schlechter, ...
     
  11. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    ja die bösen Kommunistenfreunde von der UN erzählen sowas: "Auch die UN erkennen Kubas soziale, ökologische, kulturelle und politische Errungenschaften an. Doch im Westen wird das ignoriert, es würde ja eine Systemalternative stärken."

    Zitat aus oben angebener Quelle.
     
  12. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Naja, ich weiss nicht... In der Dominikanischen war ich schon, und zwar nicht nur in den Urlaubsgebieten. In Kuba noch nicht, aber ich kenne es aus Erzählungen einiger guter Freunde, die mehrfach dort waren.

    Sicher ist die politische Freiheit in der DomRep grösser, und die Versorgung ist im Prinzip auch besser. Aber was nützt das, wenn Millionen an der Armutsgrenze leben? Die können sich weder die angebotenen Waren kaufen noch hilft ihnen ihre Meinungsfreiheit.

    Aber ich hab ja schon zwei Beispiele genannt: es gibt dort ungeheuer viele, ganz junge Prostituierte, die den Touristen an manchen Orten regelrecht nachrennen, und das mit dem Rindfleisch fand ich auch ganz schön heftig. Von der Bildung und der medizinischen Versorgung mal ganz zu schweigen...
     
  13. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    Der entscheidende, ja.
    Aber eben nicht der einzigste.
    Iran war schon immer ein Land, dass Güter produziert hat und nicht nur von Dienstleistungen lebte.
    Allgemeine Arbeits- und Lebensmentalität sollte man nicht unterschätzen.





    Hm, beim HDI-Index steht Kuba gar nicht mal schlecht dar.
    Human Development Index
    Vielleicht ist Fidels-Cuba-Libre-Sozialismus doch besser als ich dachte.
    *bin verwirrt* :gruebel::weißnich:
     
  14. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ich nicht :)

    Denn bei 2/3 der Faktoren, die da eingehen, steht Kuba sehr gut da.
     
  15. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    Ist Kuba bei Gesundheit, Ernährung, Hygiene wirklich so gut? :weißnich:

    Klärt mich auf. Ich war noch nie auf Kuba. Besser oder schlechter als Dom. Rep.?
     
  16. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ich war auch noch nie auf Kuba, hab's aber oft gelesen, dass Kuba erstens ein flächendeckendes Gesundheitssystem für alle hat und zweitens die medizinische Ausbildung in Kuba ebenfalls sehr gut ist.

    Mit der Dom. Rep. brauchste da gar nicht zu vergleichen, da haben die Menschen ja kein Geld um sich 'nen Arztbesuch zu leisten und dementsprechend nicht ausgebaut wird das Gesundheitssystem sein.